Es reicht nicht, nur ins Darknet zu kommen: Auch die Sicherheit im Darknet sollte nicht vergessen werden. Wir zeigen Euch einige Dinge, auf die Ihr achten solltet.

Wenn Ihr das Darknet besucht, habt Ihr natürlich nicht zwangsläufig böse Absichten. Manchmal geht es einfach darum, in Diktaturen unzensierte Informationen zu beschaffen oder einfach anonym und sicher eine Mail zu verschicken. So oder so kann das Darknet sehr nützlich sein, um Zensurmaßnahmen und Verfolgung zu entgehen. Allerdings ist die Sicherheit im Darknet ist nicht zu vernachlässigen. Denn sonst hinterlasst Ihr Spuren, die zu Euch verfolgt werden können.

1. Keine Social Networks

Der erste und wohl wichtigste Tipp liegt auf der Hand: Loggt Euch vor dem Darknet-Besuch aus allen sozialen Netzwerken aus oder, besser noch: Benutzt einen separaten Browser für den Einsatz, um den Gebrauch von Social Networks direkt auszuschließen. Der Hintergrund ist der, dass Facebook, Twitter und Co. via Social-Buttons und ähnlichen Technologien die Möglichkeit bieten, dass Ihr im Darknet mit „echten“ Konten gesehen werdet. Diese breite Spur zur Rückverfolgung solltet Ihr Euch sparen.

2. Keine Namen. Keine Mailadressen. Keine persönlichen Daten!

Falls Ihr Euch in Darknet-Foren herumtreibt, solltet Ihr tunlichst darauf achten, nichts von Euch preiszugeben. Schon die URL des eigenen Blogs oder ein Hinweis auf Euren Wohnort könnte Euch in Kombination mit einem Benutzernamen, den Ihr anderswo benutzt, verraten. Das muss nicht sein. Also hinterlasst keine Spuren: Keine Namen, keine Adressen, keine Benutzernamen, die Ihr bereits im echten Web verwendet und vor allem keine Adress- oder Bankdaten. Dazu zählen natürlich auch Paypal und andere Zahlungssysteme.

3. Keine selbsterstellte Bilder oder Videos!

Postet keine Bilder im Darknet. Es mag paranoid klingen, doch die Chance, dass man Euch anhand der in jedem Digitalfoto enthaltenen Tags zurückverfolgen kann, ist nicht ganz gering. Diese enthalten, je nach Einstellung der Kamera, nicht selten Informationen über die Seriennummer der Kamera oder den Aufnahmeort des Fotos. Das kann es versierten Ermittlern ermöglichen, Rückschlüsse auf Euch zu ziehen, die in Kombination mit anderen Merkmalen als Spur zu Euch führen können. Dass Ihr keine Bilder von Euch, Freunden oder Bekannten, Eurer Wohnung oder Eurem Haustier posten solltet, liegt natürlich ebenfalls auf der Hand.

4. Virenscanner und Darknet-Browser aktuell halten

Es klingt banal, doch wer sich im Darknet tummelt, fängt sich möglicherweise schnell etwas ein. Ein Trojaner oder ein Keylogger können Eure Darknet-Existenz mit Eurem „normalen“ Internet-Leben in Verbindung bringen, weshalb Ihr tunlichst darauf achten solltet, dass Ihr Euch so etwas nicht einfangt. Dazu zählt neben der regelmäßigen Aktualisierung des Virenscanners auch ein regelmäßiges Update des Tor Browser Bundles. Verzichtet außerdem auf alle unnötigen Firefox-Plugins im Tor-Browser und verwendet ihn nicht als Euren normalen Browser für das „normale“ Netz.

5. Downloads ausgiebig prüfen

Das bedeutet natürlich auch, dass Ihr weder Software aus dem Darknet installieren solltet, noch irgendwelche Office-Dateien oder ähnliche Dokumente ungeprüft öffnet. Bleibt im Darknet auf Websites. Alle Informationen, die als Download kommen, sind potentiell gefährlich und sollten, wenn überhaupt, nur verwendet werden, wenn Ihr wisst, was Ihr tut.

6. Nichts kaufen. Echt nicht!

Wir meinen das wirklich ernst: Zwar ist das Darknet voller Marktplätze mit mehr oder weniger legalem Zeug – allerdings solltet Ihr tunlichst nichts kaufen. Der Grund liegt auf der Hand: Einerseits läuft die Bezahlung im Darknet über Bitcoins, die ihrerseits eine eigene Tracking-Routine besitzen und daher erst einmal gewaschen werden müssen – und das dauert. Jede andere Zahlungsmethode ist unsicher und lässt sich zurückverfolgen! Abgesehen davon muss das Zeug ja auch irgendwie zu Euch kommen. Es soll Genies geben, die zu diesem Zweck die heimische Adresse oder die der Eltern angeben – keine gute Idee. Lasst es einfach. Wirklich.

7. Keine Messenger und keine Cloud, bitte

Für Online-Messenger wie etwa WhatsApp Web und Cloud-Dienste wie Dropbox gilt übrigens das Gleiche wie für Facebook und Co.: Besucht sie bloß nicht mit dem Darknet-Browser. Der löscht zwar bei jedem Neustart alle Cookies, aber während einer Sitzung bleiben diese bestehen. Wenn Ihr Euch bei der Dropbox, bei Google oder sonstwo anmeldet, seid Ihr sichtbar – insofern solltet Ihr das bleiben lassen, Komfort hin oder her. Abgesehen davon, dass viele dieser Dienste wegen des Patriot Act mit der US-Regierung zusammenarbeiten (müssen), hinterlasst Ihr eine breite Spur, die jeder halb begabte Ermittler aufspüren kann.

8. Flash, Java, Silverlight und Co. deaktivieren

Noch eine potentielle Sicherheitslücke im Tor-Browser sind die Internet-Plugins Flash, Java, Silverlight, Quicktime und wie sie alle heißen. Selbst Java Script kann problematisch sein. Erstere besonders deshalb, weil sie zentral im Betriebssystem installiert sind und für alle Browser gleichermaßen arbeiten. Daher könnten Flash-Inhalte aus Eurem „normalen“ Browser im Darknet sichtbar werden. Deaktiviert also am besten Java Script und schnmeißt alle unnötigen Browser-Erweiterungen von Eurem Rechner.

9. Tor mit Tails verwenden

Noch besser: Ihr verwendet Tor und das Darknet gar nicht mit Eurem normalen Betriebssystem, sondern mit einem dedizierten Darknet-Live-Linux wie Tails: Abgesehen davon, dass Ihr dadurch viele potentielle Risiken über im System installierte Software ausschaltet, könnt Ihr dadurch auch sichergehen, dass keine Darknet-Anwendungen Euren Rechner bedrohen. Tails könnt Ihr natürlich auch mit UNetBootin auf jedem USB-Stick installieren – so läuft es schneller und ist handlicher als von CD. Übrigens bietet Tails einige praktische Darknet-Funktionen, etwa die Entfernung von Metatags aus Bildern oder Kryptographie-Werkzeuge.

10. Cookies sollten ausgeschaltet sein

Zuguterletzt noch ein kleiner Tipp am Rande: Cookies sind schon im normalen Web oft echte Datenschleudern, die Euch und Euer Surfverhalten tracken können. Im Darknet ist das nicht anders, zumal auch hier manche Seitenbetreiber und Werbenetzwerke eingesetzt werden. Fatal wäre es, wenn ein Cookie Euch ins „normale“ Web zurückverfolgen würde, weshalb Ihr Cookies, allen Komfortproblemen zum Trotz, im Darknet-Browser immer deaktivieren solltet.

Noch mehr Verhaltensregeln für das Darknet gibt es übrigens hier. Und falls Ihr wissen wollt, was es dort zu sehen gibt: Nun, Kollege Lang hat sich dort einmal umgeschaut. Habt Ihr noch weitere Sicherheitstipps für das Darknet? Dann lasst sie uns und andere User wissen. Wir freuen uns über Eure Kommentare!

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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