Flugreisen sind die Hölle. Aber mit ein wenig Erfahrung kann man das beste draus machen. Diese 10 Tricks solltet Ihr bei jedem Flug beachten.

Fliegen ist für mich persönlich ja immer die Hölle: Bereits genervt von teuren Parkhäusern, irrsinnigen Sicherheitschecks und hohen Preisen am Flughafen sitzt man stundenlang eingezwängt in einem Seelenverkäufer von Viehtransporter, der mit 1000 km/h in 10.000 Metern Höhe herumschwirrt. Die immer zu kalten Klimaanlagen lassen jede Nebenhöhle sofort vertrocknen, der Nebenmann ist ausnahmslos ein 300 Kilo schwerer Stinker mit knisternden Chips. Und als krönender Abschluss wartet noch stundenlanges Warten auf Koffer und Einreise im Zielland. Ja: Fliegen ist ein Garant für schlechte Laune. Nach vielen, vielen Flugreisen habe ich aber inzwischen zehn wichtige Tricks gesammelt, die mir die Fliegerei im Rahmen der Möglichkeiten sogar halbwegs angenehm gestalten. Vielleicht helfen Sie Euch ja auch.

1. Gangplatz buchen!

Ich habe lange Beine, von denen das Rechte auch noch aufgrund eines Fahrradunfalls schlecht ist. Nicht im-Alltag-behindernd-schlecht, aber schlecht genug, um langes Sitzen schon ohne die Sardinenbüchsensitze der Fluglinien unangenehm zu machen. Schon deshalb buche ich immer Gangplätze links im Flugzeug, um das rechte Bein gegebenenfalls mal ausstrecken zu können. Auch sonst haben Gangplätze gewisse Vorzüge, so muss man nicht jedes Mal fragen, wenn man aufstehen will. Wer allerdings eher zur Schlafen-im-Flieger-Fraktion gehört, sollte sehen dass er einen Fensterplatz bekommt. Der schlimmste Platz ist allerdings immer der in der Mitte. Der sollte sowohl in der Reiseplanung, als auch von den Fluglinien ersatzlos gestrichen werden. Die guten Plätze an den Notausgängen werden ja inzwischen leider immer teuer verkauft.

2. So früh wie möglich einchecken…

Um Stress zu vermeiden und die besten Plätze zu ergattern, solltet Ihr möglichst früh online einchecken und auch später zeitig am Flughafen sein. Schmeißt Eure Koffer in der dann noch kurzen Check-In-Schlange ab und genießt die Zeit im öffentlichen Teil des Flughafengeländes: Als Raucher könnt Ihr noch ein paar Kippen quarzen, zudem gibt es alle möglichen nicht all zu teuren Shops und Restaurants, um sich mit Essen und Getränken zu versorgen.

3. …und so spät wie möglich in den Flieger

Durch die Sicherheitsschleuse solltet Ihr hingegen so spät wie möglich gehen. Der Transitbereich ist an manchen Flughäfen derart schlecht bestückt, dass lange Wartezeiten zu einem Höllentrip werden können. Ich habe mal 1996 12 Stunden im Transit des Flughafens Neu-Delhi festgesessen – damals gab es dort exakt eine Bude, die nichts anderes als indische Fake-Cola für absurde Preise verkauft hat. Heute ist das besser, trotzdem sind Gastro und Shops im Sicherheitsbereich doch arg beschränkt und teuer, abgesehen davon dass man als Raucher oft genug in die Röhre guckt. Daher solltet Ihr immer so spät wie möglich durch die Sicherheit gehen – und später natürlich auch möglichst als Letzte das Flugzeug betreten, um unnötiges Herumsitzen in der Müffelröhre zu vermeiden.

4. Im Sicherheitsbereich noch ein Wasser kaufen – für später!

Auch wenn es 15 Euro kostet: Kauft Euch eine Flasche Wasser und packt sie ins Handgepäck, sobald Ihr durch die Security seid und packt es Euch für später ein. Gerade bei transkontinentalen Flügen ist das nicht ganz unwichtig, weil man zum Teil ewig zwischen Landebahn und Kofferband durch leere Gänge laufen muss, in denen schlicht nichts ist. Zwischen dem letzten Getränk an Bord und dem Verlassen des Sicherheitsbereichs können – insbesondere bei Flügen in die USA oder Israel mit ihren irrsinnigen Einreisechecks – leider oft Stunden vergehen. Und falls hier doch Automaten stehen sollten, habt Ihr natürlich das Problem, dass Ihr kein lokales Kleingeld zur Hand habt. Die Plörre, die aus den Waschbecken kommt, solltet Ihr sowieso niemals trinken. Nirgendwo. Die Flasche Wasser ist also Pflicht. Früher durfte man sowas übrigens in den Sicherheitsbereich mitnehmen. Bedankt Euch bei den Terroristen.

5. Geräte aufladen. Alle!

Denkt vor dem Flug, am besten zuhause, daran, alle (!) Geräte aufzuladen, die Ihr mit in die Kabine nehmt. Nichts ist ärgerlicher als ein iPhone oder ein Kindle, dem unterwegs der Saft ausgeht. Nehmt notfalls eine Powerbank mit, wenn Ihr Euren Geräten diesbezüglich nicht traut. Übrigens: Die transkontinentalen Linienflüge der wichtigen Fluggesellschaften haben heute in aller Regel USB-Stecker im Inflight-Entertainment-System, mit denen Ihr zumindest kleine Geräte wie Kindle oder Smartphone aufladen könnt. Das Ladekabel sollte also im Handgepäck. Eine leistungsstarke Powerbank kann ebenfalls hilfreich sein.

6. Gute Kopfhörer mitnehmen!

Geräte geladen? Super! Dann vergesst nicht, dass die In-Ear-Kopfhörer, die bei Eurem Smartphone oder MP3-Player dabei waren, höchstwahrscheinlich ganz großer Mist sind. Ein Flugzeug ist unterwegs ziemlich laut, das Dröhnen sorgt dafür, dass Ihr Musik mit maximaler Lautstärke hören müsst und das ist im Zweifel nicht gut für die Ohren. Zudem könnt Ihr gute Kopfhörer, die die Ohren abdecken, auch mit einem Flugzeug-Adapter für Kopfhörer verwenden, um besseren Ton bei Filmen und Musik vom On-Board-Entertainment zu bekommen. Hat übrigens auch den Vorteil, dass man besser mit Musik schlafen kann.

7. Kein Witz: Thrombose-Strümpfe und Schuhe ohne Verschluss anziehen

Wenn Ihr wie ich mit schwachen Venen zu kämpfen habt, solltet Ihr Euch von Eurem Hausarzt Thrombosestrümpfe verschreiben lassen. Das verhindert dicke Füße am Strand und im Zweifel auch schlimme andere Dinge wie Schlaganfälle im Flieger. Alternativ könnt Ihr Euch so Strümpfe auch im Sanitärfachhandel oder bei Amazon kaufen. Auch beim Schuhwerk solltet Ihr gut überlegen, ob es sinnvoll ist, jetzt schon die Wanderstiefel anzuziehen. Packt die lieber ins große Gepäck und setzt auf leicht an- und ausziehbares Schuhwerk wie Flip-Flops, Slipper oder die grandiosen Vans Classic Slip-On – Hauptsache, der Kram hat keine Schnürsenkel. Die bekommt Ihr im Flieger nämlich nicht zu.

8. Kamillen-Handcreme und Fettstift einpacken

Die traumhaft kalte Klimaanlagenluft in 10.000 Meter Höhe macht das Fliegen für Menschen mit empfindlicher Haut zu einer Pein. Ihr tut gut daran, Kamillen-Handcreme und einen Fettstift für die Lippen mitzunehmen. Die bekommt Ihr auch ohne weiteres durch die Sicherheitschecks, sofern sie nicht größer als 100 ml sind. Der Drogeriemarkt Eures Vertrauens hat Eure Lieblingsmarken garantiert auch in Flugzeuggröße im Angebot.

9. Schlafmaske, Ohrenstöpsel und Nackenkissen sind Gold wert

Manche internationale Fluglinien wie Etihad, Virgin oder Emirates schenken Euch ein Set aus Schlafbrille, Ohrstöpseln und Schlafsocken bei jedem Flug. Deren Qualität ist allerdings manchmal sehr fragwürdig, weshalb Ihr besser eigenes Equipment mitnehmen. Ohrstöpsel sind, wenn Ihr nicht gerade Musik hören wollt, absolute Pflicht. Und auch die Schlafmaske kann dabei helfen, den Flug schlafend zu überdauern. Was die Fluglinien nicht schenken, ist ein aufblasbares Nackenkissen – dabei macht das das Schlafen wirklich deutlich angenehmer. Ich vergesse es allerdings jedes Mal, was wohl das größte Problem bei diesem kleinen Helfer ist.

10. Anziehen wie eine Zwiebel

Gerade orientalische Fluglinien neigen dazu, die Klimaanlagen voll aufzudrehen. Ich glaube manchmal, dass das irgendeine Form von Luxus in Ländern mit großer Hitze ist und man den Fluggästen mit arktischer Kälte einen Gefallen tun möchte. Normal veranlagte Mitteleuropäer, die in froher Erwartung des warmen Urlaubslandes schon einmal auf Sommerkleidung umgestiegen sind, frieren sich dann allerdings wie der Revenant die Gliedmaßen ab, und zwar nicht zu knapp. Die einwöchige Urlaubserkältung ist vorprogrammiert. Steht der Flieger hingegen auf dem Rollfeld, wird die klimatisierung aber oft auch einfach abgedreht und die Sonne heizt die Blechröhre binnen weniger Minuten auf. Deshalb solltet Ihr Euch so anziehen, dass Ihr im Flieger jeder klimatischen Eigenheit der Fluglinie gewachsen seid: T-Shirt, lange Hose, Pullover, Jacke, Socken – und zwar nach dem Schichtprinzip. Dann sollte sich die Urlaubs-Erkältung vermeiden lassen.

Bonus-Tipp: Setzt Euch um, wenn es geht

Ein Flugzeug ist kein Zug der Deutschen Bahn, es steigt unterwegs niemand zu. Fluglinien neigen dazu, die besten Plätze oder ganze Reihen frei zu halten. Ist der Flieger nicht ausgebucht, solltet Ihr Euch sofort nach dem Start umsetzen, vielleicht auf einen Platz ohne knisternden, stinkenden Nebenmann oder schreiendes Baby auf dem Nebensitz. Das ist in aller Regel nicht schlimm – Ihr solltet nur schneller sein als die anderen Leute.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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Kommentare

  • Bei einigen Fluggesellschaften wie KLM Air France kann man gleich bestimmte Reihen buchen. Wenn man die Flugzeuge kennt, sichert man sich so einen Platz am Notausgang oder in einer ähnlichen Reihe mit spezieller Funktion.

    Solange man nicht mit Kindern unterwegs ist, ist es übrigens gar nicht selten möglich, nur mit Handgepäck zu reisen. Das spart langes Warten am Ziel und bei einigen Umsteigeflughäfen dieses ständig verlorene Gepäck, das dann am Folgetag mit dem Taxi angeliefert wird.

    Die Wanderstiefel sind so schlecht nicht: Einfach die Schnürsenkel offen lassen, darauf achten, dass die Füße Luft abbekommen und dann im Flieger die Schuhe ausziehen und frische Socken mitnehmen.