Das Amazon Fire TV ist da! Wir konnten uns zum Launch ein Exemplar der Streaming-Box sichern und verraten Euch, was Ihr von dem guten Stück erwarten könnt.

Gestern brachte mir mein freundliche DHL-Bote ein großes Amazon Paket in Büro. Darin befand sich das heißersehnte Amazon Fire TV nebst passenden Gamecontroller. Seitdem habe ich mich ein wenig mit dem guten Stück befasst und will Euch meine ersten Eindrücke vom Amazon Fire TV nicht vorenthalten – besonders, wenn Ihr nicht zu den Glücklichen gehört, die das Teil direkt zum Lauch ergattern konntet.

Die Hardware: Klein, elegant, simpel

Beim Auspacken fällt direkt auf, dass das Fire TV sicher keine Unruhe auf dem Fernsehschrank verursachen wird: Die Box ist im matten schwarz gehalten und mit einer Breite und Tiefe von je rund 11 Zentimetern sowie einer Höhe von weniger als 2 Zentimetern überaus kompakt. Per HDMI-Kabel (nicht beigelegt, wir empfehlen die Basic-Variante von Amazon) verbindet Ihr die Settop-Box mit dem Fernseher, ins Internet kommt das Amazon Fire TV wahlweise per Ethernet-Kabel oder per WLAN, wobei auch das streamingfreundliche 5 GHz-Band unterstützt wird. Der Stromadapter ist für meinen Geschmack ein wenig zu klobig, bei vollen Steckdosenleisten könnte das zu Problemen führen. Unschön: Das Amazon Fire TV lässt sich nicht auf klassische Weise ein- und ausschalten, sondern läuft dauerhaft im Standby. Zwar ist die Leistungsaufnahme in diesem Fall mit unter 2 Watt recht gering, ein „echtes“ Ausschalten wäre meiner Meinung nach dennoch ein Muss gewesen (zumal die Box auch in wenigen Sekunden hochfährt).

Designtechnisch zeigt sich das Fire TV erfreulich minimalistisch

Die Fernbedienung des Amazon Fire TV schließt sich dem Grundkonzept an: Neben den drei Knöpfe für die Medienkontrolle (Start/Pause, Vor- und zurückspulen), drei für die Menüführung und ein Steuerkreuz für die Auswahl finden sich auf der kleinen Remote. Alles ist logisch platziert, die Verbindung per Bluetooth klappt tadellos und funktioniert nach dem Einlegen der zwei AAA-Batterien problemlos über mehrere Meter (ich habe mich 7 Meter entfernt und die Eingaben wurden noch angenommen, es sollte also für die meisten Wohnzimmer reichen ;). Die Haptik der Fernbedienung ist meiner Meinung nach ausgezeichnet. Eine Besonderheit ist der Mikrofon-Button, der ganz oben angelegt ist. Haltet Ihr diesen gedrückt, könnt Ihr systemweit per Sprachbefehl nach Filmen, Musik und Apps suchen, was nach meinen ersten Tests erfreulich gut funktioniert. Auch lassen sich auf diese Weise beispielsweise Filmgenres anzeigen, auch wenn Amazon bei der Suche nach „Actionfilmen“ schon einmal leicht daneben liegt 😉

Die Sprachsuche per Fernbedienung klappt auf dem Fire TV gut, die Ergebnisse sind zuweilen aber eher ungewöhnlich 😉

Insgesamt hat Amazon meiner Meinung nach sehr gute Arbeit geleistet und muss sich mit dem Fire TV nicht hinter Apple TV und Co. verstecken.

Fire TV-Einrichtung: WLAN an und fertig

Eigentlich wollte ich Euch in einem Mini-Tuto zeigen, wie die Einrichtung des Kindle Fire TV funktioniert, aber nach dem Start war schnell klar: Das braucht es nicht. Ihr gebt lediglich das WLAN-Kennwort für Euer Netz ein, alles andere regelt die Box automatisch. Wie alle Mitglieder der Kindle-Familie ist Fire TV bereits mit Eurem Amazon-Konto eingeloggt, sodass Ihr direkt loslegen könnt. In den Einstellungen könnt Ihr natürlich auch ein anderes Konto einrichten, allerdings ist es meines Wissens nach nicht möglich, verschiedene Nutzer einzurichten – Netflix bietet eine entsprechende Funktion beispielsweise für seinen Videodienst an. Vor dem Start präsentiert ein kleines Filmchen die wichtigsten Funktionen und zeigt, wir Ihr diese nutzen könnt – ein nettes Extra.

Auch Einsteiger finden sich schnell beim Fire TV zurecht. Mit einem Video erklärt Amazon die wichtigsten Features.

Bedienung und Apps: Noch herrscht die Leere vor


Die Navigation durch das Hauptmenü ist ein Klacks und logisch aufgebaut. Auf der Startseite findet Ihr die zuletzt benutzten Medien sowie Empfehlungen aus Amazons Android App-Shop und natürlich dem hauseigenen Videodienst Amazon Prime Instant Video. Seid Ihr Prime-Kunde könnt Ihr hier direkt drauflosstreamen, auch Eure Watchlist lässt sich über einen Extra-Menüpunkt erreichen. Filme und Serien, die nicht im Prime-Angebot inkludiert sind, werden extra aufgeführt. Generell funktioniert die Navigation durch die Oberfläche von Prime Instant Video mit Fernbedienung und Sprachbefehlen tadellos und intuitiv, hier hat Amazon gute Arbeit geleistet.

Die Navigation durch die Apps, Filme und Spiele ist erfreulich einfach und intuitiv gelöst

Eher mau ist das App-Angebot zum Start. Im Menüpunkt „Apps“ findet Ihr nur einen Bruchteil von Amazons App Shop-Angebot, da Fire TV natürlich nur die Apps anzeigt, die auch für die Nutzung per Fernbedienung optimiert sind. Die Kategorien und Listen sind derzeit noch überschaubar gefüllt, zumal wichtige Dienste wie Spotify oder Netflix auf dem Amazon Fire TV derzeit noch fehlen. Immerhin finden sich bereits die Mediatheken von ARD und ZDF und einige andere Apps im Angebot, hier darf (und wird) aber gerne noch was kommen. Noch ein Tipp für alle, die sich um Ihre Privatsphäre sorgen: Aktiviert in den Einstellungen der Box unter „Anwendungen“ die Option „App-Nutzungsdaten sammeln“, wenn Ihr nicht wollt, dass Amazon Eure App-Nutzung überwacht 😉

Das App-Angebot auf dem Amazon Fire TV ist derzeit noch übersichtlich

Spiele und Controller: Eine Menge Potenzial

Amazon wird nicht müde, die Performance des Fire TV zu betonen – und damit natürlich auch die Spielefreundlichkeit der kleinen Box. Tatsächlich finden sich schon einige interessante Titel im Spieleangebot von Amazon, beispielsweise das hervorragende Badlands, der Lego-für-Große-Klassiker Minecraft oder der Plattformer Sonic the Hedgehog – und auch unser aller Traum, Flappy Bird auf dem großen Fernseher zu spielen, wird endlich erhöhrt 😉 Aber Spaß beiseite, tatsächlich hat das Fire TV meiner Meinung nach das Potenzial, Android-Spiele auf dem Fernseher salonfähig zu machen. Noch unentschlossen bin ich in Sachen Controller, doch dazu später in einem separaten Artikel mehr. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Streaming-Kiste eine durchaus veritable Emulation-Station darstellen könnte, mit der Ihr Spieleklassiker entspannt auf dem Fernseher wiederbeleben könnt. Einzig der mit rund 5,5 GB recht knappe interne Speicher könnte hier zum Problem werden. Wir werden sehen 😉

Im Zusammenspiel mit einem Controller wird das Fire TV zur günstigen Konsole

Videostreaming: Mit Apps super, aber sonst…

Die Hauptaufgabe der Amazon-Kiste dürfte wohl eindeutig das Medienstreaming sein. Und hier schlägt sich die App hervorragend – solange Ihr im Angebot von Amazon bleibt. Filme werden aus Amazon Prime Instant Video werden schnell und in guter Qualität auf Euren Fernseher gestreamt, das Vor- und Zurückspulen klappt fast so flott wie bei lokalen Dateien. Auch die (wenigen) Streaming-Apps aus dem App Shop machen keine Probleme, ich hoffe aber auf eine baldige Unterstützung von Watchever, Maxdome und Netflix (letzteres ist immerhin auch auf der Box des Fire TV zu sehen 😉 ). Großer Malus: Leider kann das Fire TV ab Werk keine Dateien aus externen Quellen wie einer NAS oder auch einem angeschlossenen USB-Laufwerk streamen – doch hier könnt Ihr Euch mit ein wenig Frickelei helfen (s. unten). Tendenziell schlechte Karten dürftet Ihr haben, wenn Ihr Euch (wie ich…) in Sachen Medienstreaming vor allem im Google-Universum bewegt. Die Chancen, etwas Google Play Music auf dem Fire TV zu nutzen, dürften ob der Konkurrenz der beiden Riesen eher gering sein. Immerhin findet sich mit FireTube ein brauchbarer YouTube-Client im App Shop, der erfreulich Fernseher-freundlich ist.

Update: Natürlich könnt Ihr auch Kodi auf dem Fire TV installieren und die Box damit zum perfekten Mediacener machen. In unser Anleitung erfahrt Ihr, wie es geht.

Netflix, Spotify und Co. glänzen auf dem Fire TV noch durch Abwesenheit, doch immerhin gibt es schonmal einen brauchbaren YouTube-Client

Der Frickelfaktor: Kodi und andere Apps auf dem Fire TV installieren

Auch wenn Amazon es gut versteckt: Im Herzen basiert das Fire TV auf Googles Android und ist damit flexibler, als es auf den ersten Blick scheint. Wer in den Einstellungen das Debugging und die Installation von fremden Apps erlaubt, kann viele Funktionen nachrüsten. So ist es beispielsweise möglich, per ADB-Push oder mit Hilfsmitteln wie dem Amazon Fire TV Utility oder ADB Fire fremde Apps auf das Fire TV zu übertragen. Besonders interessant ist dies natürlich in Kombination mit dem Mediencenter XBMC bzw. KODI. Dieses läuft in der Praxis ganz hervorragend auf dem Kindle Fire TV, wenn es auch ein wenig am Komfort mangelt. Einmal eingerichtet konnte ich problemlos den guten alten Big Buck Bunny in Full HD ruckelfrei von der NAS aufs Fire TV streamen – wie das geht und wie Ihr die meisten Probleme von XBMC/KODI auf dem Fire TV lösen könnt, zeigen wir Euch in den kommenden Tagen. Ob es sich lohnt, das Amazon Fire TV zu rooten, muss ich noch evaluieren – möglich soll es auf alle Fälle sein.

Mit XBMC, ähm, Kodi wird das Amazon Fire TV zum Universalplayer

Fazit: Das Fire TV macht Spaß, hat aber Luft nach oben

Nach einem Tag Nutzung kann ich eine Sache sicher über das Amazon Fire TV sagen: Für Amazon Prime Instant Video-Kunden ist das Fire TV schon jetzt ein Traum. Mit wenigen Schritten holt Ihr Euch das Angebot in Full HD auf Euren Fernseher, was besonders dann toll ist, wenn Euer TV keine App für Prime Instant Video bietet. Die Bedienung ist einfach, die Performance großartig, hier macht Amazon meiner Meinung nach so gut wie alles richtig. 

Spannend wird es, wie sich in den kommenden Monaten die App-Situation auf dem Fire TV entwickelt. Sobald mehr Streaming-Anbieter wie Netflix und Watchever Ihre Apps anbieten, hat das Fire TV das Zeug zur echten Videozentrale. Lediglich bei Google-Diensten wie Google Play Music werdet Ihr wohl über kurz oder lang mehr Spaß mit einem ChromeCast haben, der auch deutlich günstiger ist. Mit den richtigen Apps ist der ChromeCast meiner Meinung nach eine gute Alternative zum Fire TV, wenn es „nur“ darum geht, Medien auf den Fernseher zu schmeißen. Das Fire TV kann natürlich mehr, was wir Euch in den kommenden Tagen auch zeigen werden 😉 Übrigens: Aktuell ist die Lieferzeit für das gute Stück bei Amazon mit Januar 2015 angeboten – wer keine Lust hat, solange zu warten, kann sein Glück bei Media Markt und Co. versuchen – zumindest hier in Kölle waren die Dinger heute auf Lager. Für 99 Euro erhaltet Ihr hier eine Menge Power, vor allem im Hinblick auf die Fähigkeiten in Sachen Gaming und Kodi.

Soviel zu meinem doch recht langen ersten Eindruck. Demnächst wie gesagt noch mehr zum Amazon Fire TV. Falls Ihr bis dahin noch Fragen oder Anmerkungen habt, immer her damit – wir freuen uns auf Eure Kommentare!

Update: Wir haben mittlerweile eine Menge Tipps und Tricks zum Fire TV zusammengestellt. Ihr findet diese auf unserer Übersichtsseite 🙂

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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Kommentare

  • Schöner Testbericht!

    Was ich ein bisschen nervig finde, sind die momentanen Lieferzeiten bei Amazon. Kann doch nicht sein, dass ich als Prime-Kunde länger warten muss, als wenn ich es über einen Reseller (in dem Falle Media Markt) kaufe. Das Weihnachtsgeschäft ist damit in Deutschland für die Box gelaufen, in meinen Augen.

    • Ja, das ist mir auch immer wieder ein Rätsel, wie Riesen wie Amazon, Apple oder auch Google (ich erinnere mich mit Schrecken an den Nexus 4-Launch 😉 ) die Nachfrage für solche Produkte immer wieder konsequent unterschätzen. Gerade bei Geräten, die in anderen Ländern schon lange auf dem Markt sind, ist das eigentlich nicht zu verstehen – zumal das US-Fire TV sich ja anscheinend lediglich durch die Software vom deutschen unterscheidet.

      Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Amazon zwischendurch die Lieferzeit wieder nach unten schraubt. Ich hatte scheinbar echt Glück, dass ich das Dingen noch zum Prime-Angebotspreis abgestaubt hab 😉

      • Ja darauf hoffe ich auch. Und da Amazon seine Hardware eh alle paar Wochen zu super Preisen raushaut gibt es wohl bald wieder einen Deal 🙂

  • Das Gerät ist genial! Konnte es leider nicht lassen damit rumzuspielen… Hat ein wenig gedauert vollen Zugang zum Androide System zu bekommen, geht aber. Habe dann VPN installiert damit ich Hulu und Netflix sehen kann… Die folgende Anleitung fand ich hilfreich: http://www.vpntips.com/fire-tv-vpn-install/ Ist leider in Englisch, aber kein grosses Problem 😉 Jetzt ist es das Geld echt wert!

  • Außer fürs teure Prime Instant Video nicht wirklich zu gebrauchen. Zocken wird damit wohl nicht wirklich jemand. Dazu: USB nicht für Speichermedien nutzbar, kein Abspielen von lokalen Medien oder Anschluss ans Heimnetzwerk möglich ohne Umweg, kein Browser, aktuell nicht rootbar, stark beschränkte App-Auswahl etc. etc.

    Da bleibe ich lieber bei meiner Android 4.4 TV Box (Orbsmart S82). Die ist nicht komplett auf das Amazon-Angebot zugeschnitten und XBMC & Netflix ist auch schon vorinstalliert.

    • „Teures Amazon Prime“?!? Für 49 Euro im Jahr kann da in DE eigentlich nur Sky Snap mithalten, was aber imho schlechtere Serien hat (von ein paar HBO-Highlights abgesehen). Dafür hast du noch den GRatis-Versand und Kindle-Ebooks für lau. Man kann ja zu Amazon stehen wie man will, aber das ist sicherlich nicht teuer…

    • Hi Frank, danke für deine Einschätzung. Aus persönlichen Interesse: Wie sieht es beim Orbsmart mit der Usability aus, also Bedienung von der Couch? Ich hatte vor einiger Zeit mal einen Minix Neo X5 im Haus, das war einfach eine Katastrophe am TV. Hier sehe ich einen Vorteil beim Fire TV, das Ding lässt sich hervorragend bedienen. Hab’s mittlerweile komplett auf KODI zugeschnitten, kann aber jederzeit auf die Standardoberfläche wechseln. Übrigens: Nach diversen Gesprächen mit Entwicklern würde ich nicht unbedingt sagen, dass niemand mit dem Ding zockt, zumindest in den USA scheinen die Games auf dem Fire TV ziemlich gut zu laufen 😉