Der populäre Biermaxx ist im Grunde eine feine Sache – nur die kleinen, teuren CO2-Patronen, die ständig leer sind, trüben den Genuss. Aber mit wenigen Handgriffen könnt Ihr auf große CO2-Flaschen umstellen. Bei der Gelgenheit spendieren wir Mäxchen auch gleich einen echten Zapfhahn, der durchgängiges, schaumfreies Zapfen ermöglicht. Unsere bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung nimmt übrigens auch den handwerklich Unbegabtesten mit. Eine Materialliste hilft beim Einkauf. Ein Hinweis zu den Bildern: Sie sind enorm groß, aber bei einem solchen Bastelprojekt wollt Ihr vielleicht auch mal auf Details zoomen, daher muten wir Euch hier ein wenig mehr Datenvolumen zu (gut 4 MB pro Bild).

Warum das ganze?
Die eigene Zapfanlage im Haus – ein Wunsch, den sich wohl erst seit Heimanlagen wie Biermaxx ein paar mehr Haushalte erfüllen. Echte, große Zapfanlagen sind recht teuer, müssen gewartet werden und selbst die kleinste Fassgröße von zehn Litern taugt allenfalls für kleine Gesellschaften, für den eigenen Bedarf, für das Feierabendbier, sind sie überdimensioniert. Der Biermaxx hält ein 5-Liter-Fass immerhin bis zu zwei Wochen frisch, das lässt sich auch mit geringster Personenzahl zeitig verzehren. Einzig die CO2-Patronen sind ein ewiger Quell des Mühsals. Zunächst mal müssen sie ständig nachgekauft werden. Dann gibt es beim Reindrehen der Patronen immer wieder ein bisschen Gasverlust, was bei gerade mal 16 Gramm pro Patrone durchaus auffällt. Und zu allem Überfluss hält eine Patrone auch nicht allzu lange, so dass man mit jedem Fass eine solche hinzukaufen darf. Andererseits hat der Biermaxx gegenüber seiner Konkurrenz, die in der Regel mit ähnlichen Patronen arbeitet, einen gewaltigen Vorteil: Er ist für die gängigen 5-Liter-Partydosen ausgelegt, die es zu vernünftigen Preisen in jedem Supermarkt gibt. Also warum lange zaudern, lieber Hand anlegen und die Heimzapfanlage ein Stückchen tunen und ihm eine ordentliche CO2-Versorgung via 500-Gramm-Flasche spendieren. Und wenn wir schon dabei sind, gibt es obendrein noch einen ordentlichen Kompensatorzapfhahn, der Bier im Inneren verstrudelt und schaumfreies und damit auch durchgängiges Zapfen ermöglicht; zu erkennen an dem kleinen Hebel an der Seite, mit dem die Durchlaufgeschwindigkeit eingestellt werden kann. Ein normaler Kugelzapfhahn tut es freilich auch.

Tuning
Im Prinzip ist das Werkeln ganz einfach: Ihr schließt eine CO2-Flasche an die Verschraubung für die Patronenhalterung an und baut den Hahn in die silberne Plastikhalterung für den Original-Zapfhahn ein, oder besser gesagt Zapfeinheit, denn die Bezeichnung Zapfhahn hat das simple Leitungssystem kaum verdient. Im Netz kursieren allerlei Anleitungen, die für den Anschluss der CO2-Flasche noch eine Teildemontage und Bohröffnungen vorsehen, erfreulicherweise gibt es mittlerweile aber komfortable Adapter, so dass Flaschen direkt an die Patronenhalterung angeschraubt werden können. Was bleibt, ist eine simple Bohrung durch die dünne Kunsstoffluke. Für den Zapfhahn muss allerdings die bisherige Zapfeinheit zerlegt, zersägt und ausgeschlachtet werden, was allerdings denkbar einfach ist. Unsere Anleitung zeigt Euch Schritt für Schritt, wie Ihr zum Biermaxx Deluxe kommt. Eines müsst Ihr natürlich bedenken: Etwaige Garantieansprüche könnt Ihr nicht mehr geltend machen.

CO2 und Sicherheit
Ein Wort noch zur CO2-Flasche, da die vielen Diskussionen und Fragen im Netz leichten Unmut beim Umgang mit Gas nachzeichnen: CO2 in hohen Konzentrationen ist selbstverständlich gefährlich und Ihr solltet sorgfältig auf feste Verschraubungen und gegebenenfalls zugedrehte Flaschen achten. Andererseits bietet die von uns verwendete 500-Gramm-Flasche selbst im Falle einer kompletten Entleerung nicht genug Gas, um in einem normalen Raum gefährlich zu werden. Sofern Ihr sie also nicht in einer luftdicht abgeschlossenen Kammer betreibt, in der Ihr euch ebenfalls aufhaltt, besteht kein Grund zur Sorge, ganz zu schweigen vom Betrieb in einer normalen 8-m²-Küche mit Fenstern und Türen. Bezüglich des Betriebs ist zu beachten, dass die Flasche stehen muss und der Druck nicht über 1,3 Bar liegen darf.

Alle Materialien im Überblick.

Alternativen und Kosten
Biermaxx und Tuning-Material kosten Euch rund 200-250 Euro, davon 100 Euro für den Biermaxx, 70-100 Euro für das CO2-Set, der Rest steckt im Zapfhahn. Ist der Biermaxx schon vorhanden, gibt es keine Alternative, denn für 100 Euro bekommt Ihr bestenfalls eine Billig-Kopie vom Biermaxx, die etwas bessere Phillips Perfect Draft liegt auch wieder bei rund 170 Euro (und verlangt nach teuren Spezialfässern …). Aber auch wenn noch kein Biermaxx vorhanden ist, ist es schwierig, eine wirkliche Alternative in dieser Preisklasse zu finden. Konkurrierende Produkte liegen zwischen 80 (Clatronic) und 170 Euro, bringen aber auch ihre Problemchen mit sich. Für eine größere Anlage mit Kühlschrank, CO2-Versorgung und Schanktechnik, liegt Ihr bei über 300 Euro für eine Lösung für bis zu 30 Liter; beispielsweise bietet SB Westerbarkey ein solches Komplettset ab 320 Euro. Beim Händler vor Ort und mit ein paar qualitativ hochwertigen Bauteilen dürfte Euch der Spaß locker 400 Euro kosten. Fertige Mini-Anlagen für den zeitweisen Betrieb auf dem Tisch, etwa die verbreitete Variante in Form eines braunen, liegenden Bierfasses, schlagen schnell mit 600 Euro zu Buche. Und selbst wenn Ihr diesen Mehrpreis zu zahlen bereit wärt, hättet Ihr immer noch das Problem, dass 30-Liter-Fässer keine Option für den Heimbedarf sind – Kommunarden vielleicht ausgenommen. Letztlich ist ein umgebauter Biermaxx (oder umgebauter Zapfmeister, mit dem zumindest die CO2-Versogung analog funktioniert) derzeit wohl die beste Wahl für jeden, der den Komfort einer Heimzapfanlage wünscht, faule Kompromisse mit Werkeln beseitigen mag und bereit ist, nochmals 100 Euro in die vorhandene Anlage zu stecken.

Materialien für den Umbau
Alle Materialien bekommt Ihr in Gastronomie-Fachgeschäften sowie bei zahlreichen Händlern für Zapfzubehör im Netz etwa beim Zapfanlagendoktor, Ich-zapfe.de oder teils bei Amazon. Ihr müsst mit den von uns verwendeten nicht hundertprozentig übereinstimmen, lediglich die Größen sollten passen. Insbesondere beim Zapfhahn könnt Ihr auch noch einiges einsparen. Beim Zapfanlagendoktor gibt es auch komplette CO2-Umbausets – damit liegt Ihr auf jeden Fall richtig.

CO2-Flasche
Ihr könnt jede handelsübliche CO2-Flasche verwenden, ein halber Liter ist jedoch für viele Fässer ausreichend und günstiger als die kleinen Patronen. Im Betrieb müsst Ihr darauf achten, dass die Flasche nicht in der Nähe von Hitzequellen betrieben wird und aufrecht steht, da ansonsten das flüssige CO2 die Dichtungen angreifen könnte. Kosten: ca. 22 Euro (mit Standfuß und Sicherheitskäfig um das Ventil ca. 36 Euro)

Billiger und komfortabler als die ollen Mini-CO2-Patronen.

Druckminderer
Ihr benötigt einen einleitigen Druckminderer, der direkt auf die CO2-Flasche geschraubt wird und mit zugehörigem Manometer einfache Druckregulierung erlaubt. Kosten: ca. 50 Euro

Per Druckminderer wird der Druck aus der CO2-Flasche gesteuert.

CO2-Schlauch
Für die Verbindung zwischen Flasche und Biermaxx verwenden wir einen Standard-CO2-Schlauch mit Adapter für die Halterung von Patronen im Biermaxx. Zum Befestigen solltet Ihr auch gleich einige Schlauchschellen oder -klemmen besorgen. Zusätzlichen Bierschlauch benötigt Ihr nicht unbedingt, da der Schlauch der Reinigungseinheit, die dem Biermaxx beiliegt, ausreicht. Kosten: ca. 18 Euro

Bierschlauch samt Biermaxx-Adapter.

Kompensatorzapfhahn
Beim Zapfhahn habt Ihr die freie Auswahl. Wir haben uns für einen Kompensatorzapfhahn entschieden, der mit einer eigenen Durchflussregulierung (der kleine Hebel an der Seite) schaumfreies durchgängiges Zapfen ermöglicht und echtes Barkeeper-Feeling ermöglicht. Standardhähne in guter Qualität bekommt Ihr aber auch schon für unter 30 Euro. Achtet auf einen 35-mm-Kolben, 55-mm-Kolben müsst Ihr mit zusätzlichen Unterlegscheiben/Rohrstücken fixieren. Kosten: ca. 43 Euro

Bier aus dem Kompensatorzapfhahn ist merklich besser als aus dem Plastikloch des Biermaxx.

Biermaxx mit CO2-Flaschen und Kompensatorzapfhahn tunen
Mit ein paar Materialien und Werkzeugen könnt Ihr Euren Biermaxx in rund einer halben Stunde zur Luxux-Variante umbauen und fortan auf Patronenwechsel verzichten und jedes Bier gleichmäßig durch den Profi-Zapfhahn zur Blume bringen (ja, so heißt das …). Und das beste: Großes handwerkliches Geschick braucht Ihr nicht wirklich. Und so geht’s – Schritt für Schritt:

1. Vorbereitung der CO2-Flasche
Als erstes bereiten wir die CO2-Flasche vor, die wir dann am Ende des Workshops anschließen. Zunächst mal befreit Ihr die Flasche von der Schutzkappe am Ventil.

Es geht los: Das Schutzventil muss ab.

2. Druckminderer montieren
Nun kommt der Druckminderer an die Flasche. Achtet darauf, dass der Druckminderer zugedreht ist und zieht ihn fest an. Benutzt auf jeden Fall eine Rohrzange oder einen Schlüssel – wenn Ihr mit der Hand anzieht, wird garantiert Gas austreten. Jetzt könnt Ihr die Flasche erst einmal beiseite legen und wir machen mit dem Zapfhahn weiter.

Der Druckminderer an der Flasche.

3. Zapfeinheit demontieren
Um den Zapfhahn zu montieren, müsst Ihr die silberne Zapfeinheit bearbeiten. Entfernt dazu zunächst die Zuleitung an der Fasshalterung und trennt dann die Zapfeinheit ab.

Vorsicht beim Lösen des Schlauchs.

4. Gehäuse öffnen
Löst jetzt alle sechs Schrauben und öffnet das Gehäuse. Ihr benötigt später nur noch zwei der großen Schrauben, die restlichen können weg.

Das offene Gehöuse des „Zapfhahns“.

5. Bierzulauf entfernen
Nun wird die Biermaxx-Variante eines Zapfhahns auch noch aus der Halterung geschraubt und kann ebenfalls weg. Hier seht Ihr auch, wie arg simpel der Bierzulauf im Biermaxx gelöst wird und warum ein echter Zapfhahn Wunder bewirken kann.

6. Halterung absägen
Nun beginnt der zerstörerische Teil, der auch Ihre Garantieansprüche verschwinden lässt. Der vordere Teil der Halterung, wo sich zuvor die Feder vom Biermaxx-Hahn befunden hat, muss komplett abgesät werden, da hier der Zapfhahn hinausgucken wird.

Schafft eine Öffnung für den Zapfhahn – bye bye Garantie …

7. Vorsicht beim Sägen
Seid beim Sägen vorsichtig: Nehmt lieber ein Stückchen weniger ab und feilt später nach. Ansonsten geht es Euch vielleicht wie uns und es geht ein kleines Stückchen der Öffnung verloren – einer stumpfen Uraltsäge sei Dank. Aber selbst wenn etwas leicht daneben geht ist das kein Beinbruch, später werden sowieso Unterlegscheiben davorgeschraubt.

Wer hier besser sägt, braucht später weniger Unterlegscheiben.

8. Platz schaffen
Jetzt benötigt Ihr einen Seitenschneider/eine Kombizange und eine Feile. Brecht zunächst alle überflüssigen Plastikteile im Innern der Halterung ab, Ihr benötigt nur noch die beiden verbliebenen Schraubenlöcher; diese müsst Ihr wiederum mit der Pfeile ein wenig reduzieren, damit die Tülle vom Zapfhahn dazwischen passt (denkt daran, dass der Schlach später noch über die Tülle kommt). Bei einem Hahn mit sehr kurzem Stutzen (unter 35 mm) reicht es eventuell, wenn nur der Schlauch zwischen den Schraubenhalterungen hindurch passt.

Immer raus damit, der Zapfhahn braucht Platz.

9. Zapfhahn einsetzen
Einmal ausgeschlachtet, könnt Ihr den Zapfhahn einsetzen. Hier kommt nun auch unser in der Materialliste angesprochener etwas zu langer Stutzen ins Spiel: Mit kürzerem Stutzen werdet Ihr in der Regel mit den mitgelieferten Unterlegscheiben/Muttern zurecht kommen, bei 55 mm solltet Ihr weitere Scheiben/Muttern bereit liegen haben, um den Hahn fest arretieren zu können. Falls Ihr also noch einen Hahn mit 55 mm habt, könnt Ihr getrost auch diesen nutzen, auch wenn 35 mm einfacher passen und besser am Gehäuse abschließen. Wenn Ihr es eine Nummer stabiler haben wollt, könnt Ihr den Hahn natürlich mit Klebepunkten oder gar etwas Schaum fixieren, aber es ist praktisch, wenn er sich zum Reinigen problemlos ausbauen lässt.

Knifflig: Der Stutzen sollte fest sitzen.

10. Bierschlauch anbringen
Nun müsst Ihr einen Bierschlauch an der Fasshalterung anbringen, wo Ihr das Original in Schritt 3 entfernt habt. Sofern Ihr keinen separaten Schlauch habt, könnt Ihr einfach den Schlauch der Reinigungspumpe verwenden, die dem Biermaxx beiliegt. Das Aufziehen auf den Stutzen ist etwas frickelig und geht am besten, wenn Ihr den Schlauch vorher kurze Zeit in kochendes Wasser haltet, damit der kurzzeitig weicher wird. Sichert mit einer Schlauchschelle.

Frickelig, aber der Schlauch muss natürlich fest sitzen und dichten.

11. Neuen Zapfhahn wieder montieren
Nun wird der Schlauch wieder zur Zapfhalterung geführt, auf die Tülle gezogen (wieder ist heißes Wasser nützlich, da der Schlauch zwar passt, eigentlich aber etwas zu eng ist) und anschließend könnt Ihr Zapf- und Fasshalterung wieder eineinander stecken und zusammenschrauben.

Eine enge Angelegenheit – ein Abschleifen der Schraubenaufnahmen kann nötig sein.

12. Loch für CO2-Schlauch bohren
Der Zapfhahn ist damit erledigt und wir kümmern uns wieder um die CO2-Versorgung: Bohrt mit einem 8-mm-Bohrer ein Loch in die Klappe zum CO2-Patronen-Schacht, ungefähr über dem Close-Pfeil. Bohrt Ihr höher, wird der Schlauch zu sehr geknickt.

Das Plastik ist dünn, zur Not tut’s auch ein Handbohrer.

13. Patronenadapter anschrauben
Schraubt den Patronenadapter an die Halterung für die Patronenaufnahme und führt den Schlauch durch das Loch – die Klappe sollte sich problemlos öffnen und schließen lassen.

Der Biermaxx-Adapter erspart jede Menge Arbeit.

14. CO2-Flasche anhängen
Zu guter Letzt kann nun die CO2-Flasche an den Schlauch gehängt werden – und dieses Mal passen Schlauch und Tülle auch perfekt zueinander.

Die Flasche sollte im Betrieb stehen!

15. Der fertige Biermaxx Deluxe
Und da ist nun unser Biermaxx Deluxe, bereit, Dutzende Fässer ohne lästigen Patronenwechsel zu zapfen und perfekt, ein einem durchgezapfte Biere hervorzuzaubern – ein kleiner Aufwand, der sich gelohnt hat!

Der fertige Biermaxx Deluxe.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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