CDs brennen. Genau das braucht man doch 2016. Ist immerhin mit Lasern. Und mit dem Mega-Eye-Candy-Gratis-Super-Tool macht das auch noch Spaß – wie damals…

CDs brennen, genau. Jetzt ist er durchgeknallt. Ja nee, das ist voll gut. Mit „Lasern“. Außerdem ist Retro Gaming tot. Es lebe Retro Workshopping. Dann dürft Ihr auch gleich eines der besten Tools aller Zeiten kennenlernen – und vor allem das Schönste. Eye Candy pur. Ich jedenfalls hatte schon fast vergessen, wie man CDs brennt; und dabei habe ich den Käse mal ein paar Jahre beruflich gemacht. Elender Plastikproduzent. Jaja. Wenn Ihr also doch mal was brennen müsst, für alte Leute oder so, so ging das damals:

Eigentlich ist der Brennquatsch ja genial. Man leuchtet mit ’ner Supertaschenlampe auf so ’ne Mischung aus Spiegel und 3D-Filmmaterial und dann muss man das Teil nur noch mit wahnwitziger Geschwindigkeit im Kreis drehen und schon kann eine andere Taschenlampe das Ding anleuchten und Tadaaa, eine Laterna magica für Maschinen. Jedenfalls irgendwie so. Und man konnte überbrennen. Und es gab RockRidge. Und Joliet. Und ISO-Level 1-4. Und, wer weiß noch was das ist?

Egal. 2006. Ich sitze als Produktmanager für Heft-CDs/DVDs – moment, das muss ich glaube ich erklären: Noch vor zehn Jahren war das „Neuland“ tatsächlich noch Neuland, jedenfalls für Otto Normalmensch. Und wie kam man dann ins Internet? Indem man Zeitschriften fragte. Und wer dennoch scheiterte, durfte einen Miniausschnitt des Internets auf den beigelgten Silberscheiben beäugen. Zur Verbildlichung: Der Klassiker „Goldene Update DVD“ (jetzt fängt schon wieder das hysterische Grinsen an …) brachte dem geneigten Käufer AAAAAAAAAALLLLLE wichtigen Updates und Treiber – offline, direkt auf Euren PC. Wie geil ist das denn? Najaa es waren auch Vollversionen drauf mit denen Ihr 11.444 Euro sparen konntet, mindestens. Nun, eben solche Heft-CDs/DVDs mussten ja produziert werden – und was macht der Open Source Nerd? Nimmt er eine der großen kommerziellen Brenn-Suiten von Nero oder, äh, na dieser anderen Marke? Lagen schließlich überall rum. Nö, zu langsam, zu kompliziert, es geht doch auch vernünftig, quelloffen, stilvoll: Es werde cdrtfe.

Ich liebe dieses Tool.

1. Das schönste Tool der Welt installieren

cdrtfe – runterladen, installieren. Und dann: Starten und Aussicht geniessen. „Ist es nicht schön? Ist es nicht wunderwunderschön?“ – zeitlich würds fast passen …

Nichts zum Wischen, keine wackelnden Riesenbuttons in Blümchenform – einfach männermäßig viel Platz.

2. Genug genossen? Die GUI nutzen

Bleiben wir erstmal im Reiter Data Disc für normale Daten-CDs. Im Grunde könnt Ihr einfach Dateien per Drag&Drop auf die Oberfläche ziehen und gut ist. Aber das eigentliche Highlight, ein Meilenstein der Usability und Ästhetik befindet sich rechts, über dem Start-Button. Diese grauen und schwarzen Textfragmente sind keine Statusanzeige, sondern die Optionen – ja, die „Wörter“ kann man anklicken und somit de-/aktivieren. Und wenn jetzt wieder jemand jammert, das sähe scheisse aus: Wen juckt’s? Die Optionen sind sofort da und ich muss kein verkacktes Menü bemühen. Toll. Danke. Weitermachen.

Die Option singlesession heißt, dass die CD nach dem Brennen nicht mehr weiterbebrannt werden kann – das geht nur per multisession. Mit on the fly verzichtet cdr tools front end auf das Erstellen eines temporären Images und brennt direkt auf die CD – kann zu Verbrennungen führen, aber eher theoretisch. DAO steht für Disc at Once, TAO für Track at Once – Brennmethoden, die nicht weiter interessant sind, lasst es bei singlesession auf DAO und bei multisession auf TAO. Oder Ihr schreibt im RAW-Modus – wann genau weiß ich auch nicht mehr so genau … Und per overburn lassen sich noch ein paar Megabyte jenseits der Spezifikation herauskitzeln; meistens funktioniert’s.

Und jetzt der krasse Scheiss: ISO-Level, Joliet, RockRidge – spätestens jetzt ächzt der moderne Mensch nach einem verdammten Flash-Drive. Herr, schmeiss USB-Sticks. Hier geht es um Dateisysteme und in der Praxis meist um Dateinamen – denn natüüüüüüürlich durften Dateien nicht beliebig lang oder überhaupt heißen. Soll heißen: Wenn es Fehlermeldungen gibt, Joliet anmachen, und RockRidge. Das alles waren Kompatibilitätsfrickeleien, wie man sie sich heute wohl nicht mehr vorstellen kann. RockRidge und durch.

So gehört sich eine ordentliche Schalttafel.

3. Okay, dann noch die Options opten

Also, auf Options klicken und siehe da, ein Dialog – mit den Optionen von eben. Cooool. Warum auch nicht. Oder besser: Warum? Nun denn, zumindest könnt Ihr hier noch den namen des temporären Images festlegen, sofern Ihr nicht on the fly brennt. Mit einem Häkchen lässt sich hier auch festlegen, dass gar nicht gebrannt sondern nur ein Image angelegt wird. Tschüss Options.

Ihr könnt auch nur ein Image erstellen.

4. Für die ganz Harten der Filegarten

Jetzt war es eh schon zu spät, der Nuller-CD-Brenner musste wissen, was sich hinter dem Button Filesystem versteckt – Ihr wollt Dateinamen mit 37 Buchstaben und/oder einem Punkt erlauben? Geht! Dateinamen ohne Versionsnummer? Aber klaro. Wer also sehr spezielle Vorlieben hatte …, dieser Ort ist so eine Art SM-Paradies für Dateinamenkonfigurationsdaten. Aber das Thema Booty-Disc ist jetzt nicht jugendfrei genug, lassen wir.

Auch User mit „speziellen Bedürfnissen“ kommen bei cdrtfe auf ihre Kosten.

5. Abgefahrene CD-Formate

Daten-CDs sind für Anfänger. Wer was auf sich hielt, schmiss mit XCDs, Audio CDs oder total freakigen (S)Video-CDs um sich. Beispielsweise sind XCDs ein echter Tipp für notorische Datenknappheitbelastete:

„XCDs can contain about 13% more data than usual Data CDs. Instead of 2048 bytes per sector they are written with 2324 byte user data per sector (Mode2/Form2). However, this reduces the error correction capability.“

So sagt cdrtfe, sprich: Mehr Speicher, indem Fehlerkorrektursysteme ignoriert werden. Aber hey, 13 Prozent eines CD-Rohlings, das war echte Geld.

Video-CDs waren diese lustigen Dinger, die in den frühen DVD-Abspielgeräten bisweilen auch liefen. Das war alles ganz grauenhaft. Die Oberflächen. Die Navigation. Die Effääääääääkte. Ein typisches Input-Format: „480 x 576, 25 Hz, PAL“. Mmmh, da klingt 720p auf einmal gar nicht so schlecht. Obwohl, 720p ist wohl das PAL des 8k-Zeitalters.

Und mit diesem kleinenTool wurde tatsächlich ein Großteil der PC-Praxis-Heft-DVDs gebrannt, also Master und Test-CDs … Ich war ja kein 1-Mann-Presswerk. Fakt ist: cdrtfe hat sich als enorm zuverlässig erwiesen und war mir immer lieber als Nero & Co. Und was zum Geier soll ich mit einem „hübschen“ Tool? Brennen ist ja kein Hobby. Obwohl, einfach mal retromäßig ein Dutzend Backup-CDs brennen, das hätte was. Andererseits bräuchte ich für mein System rund 700 Stück, ich glaube ich belasse die Brennerei als vage Erinnerung.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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