Netflix ist auch in Deutschland großartig. Doch wer einmal das US-Angebot gesehen hat, will es nicht mehr missen – und das müsst Ihr zum Glück auch nicht.

Auch wenn Kollege Lang es anders sieht: Netflix ist toll. Kein anderer Streaming-Anbieter kann meiner Meinung nach mit Angebot, Apps und Präsentation des US-Streaming-Darlings mithalten – und dabei ist das Netflix-Angebot in Deutschland nicht einmal halb so grandios wie das „Original“ in den USA! Wer gute Englischkenntnisse mitbringt, brauch mit einem US-Netflix-Abo meiner Meinung nach keinen anderen Streaming-Service mehr. Schon seit Ewigkeiten kursierten Anleitungen im Netz, um sich auch aus Europa einen US-Account zuzulegen, doch mir persönlich war das immer zu umständlich. Durch Zufall bin ich kürzlich auf eine Möglichkeit gestoßen, das umfangreiche US-Angebot von Netflix ohne Neuanmeldung und Umwege auch in Deutschland nutzen zu können.

Update März 2016: Scheinbar sind die guten Zeiten vorbei: Netflix hat wie angekündigt sein Vorgehen einen ganzen Haufen VPN-Dienste aus seinem US-Programm ausgesperrt. Wie aus den Kommentaren zu entnehmen funktioniert die beschriebene Methode derzeit z.B. nicht mehr mit Cyberghost. Ich konnte mit NordVPN am Wochendende noch ein paar Folgen Bob’s Burgers auf dem US-Netflix streamen, heute hat es aber auch nicht mehr funktioniert. Anscheinend sind Netflix Content-Blocker dabei sogar so eifrig, das selbst „normale“ Streaming-Versuche von deutschem Content geblock wird, wie beispielsweise dieser Tweet belegt.

Tja, da reiben sich die Content-Verwalter die Hände, sch***** doch auf die zahlenden Kunden 😉 Mir ist bewusst, dass es gegen Netflix Hausrecht verstößt und wir (also die Zuschauer) die Vorgehensweise EIGENTLICH nicht kritisieren dürfen, dennoch finde ich das Verhalten… Schade. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir in Deutschland (wie auch in vielen anderen Ländern) im Verhältnis DEUTLICH mehr für Netflix zahlen, als es in den USA der Fall ist – zumindest, wenn man das Verhältnis vom Preis zu den verfügbaren Titeln in Betracht zieht. Eine interessante Übersicht dafür findet Ihr im Blog von NordVPN.

Falls Ihr noch einen Workaround kennt, um das US-Programm von Netflix zu streamen, lasst es uns wissen! Ansonsten interessiert uns Eure Meinung zum Vorgehen von Netflix: Kündigungsgrund oder vollstes Verständnis oder irgendwas dazwischen – lasst es uns wissen 🙂

Ursprüngliches Tuto: 

Und das lohnt sich: Gerade Serienfans sind beim US-Netflix weitaus besser aufgehoben, gibt es doch zumeist mindestens eine Staffel mehr und zudem ein sehr viel besseres Angebot – seien es die grandiosen Nerds von The IT Crowd, mein aktuelles Cartoon-Highlight Bob’s Burgers oder abgeschlossene Top-Serien wie Dexter oder Doctor House.

Die Lösung für das Regional-Problem ist die Nutzung eines VPN-Dienstes. Vereinfacht gesagt verbindet Ihr Euch dabei mit einem Server und surft dabei mit dessen IP-Adresse. Gegenüber der klassischen Proxy-Lösung wird bei VPN-Diensten nebenher der komplette Datenverkehr verschlüsselt, sodass beispielsweise Euer Internetanbieter oder andere Mitglieder eines öffentlichen WLANs nicht sehen, was Ihr im Internet so treibt. Aus diesem Grund gelten VPN-Services oft als perfekte Lösung zum anonymen Surfen im Internet. Ob dies nun angesichts der diversen NSA-Enthüllungen immer noch der Fall ist (auch wenn einige Anbieter es gerne behaupten), lassen wir an dieser Stelle einmal offen. Fakt ist: Besuchte Internetseiten oder genutzte Dienste sehen nicht Eure echte IP-Adresse sondern die des Servers – und wenn dieser in den USA steht, erhaltet Ihr dementsprechend auch die US-Inhalte auf den Schirm. Warum es sich übrigens auch abseits von Regionalsperren absolut lohnt, einen VPN einzusetzen, lest Ihr im hervorragenden Post „10 gute Gründe, sich noch heute einen guten VPN Anbieter zu suchen“ drüben beim PHPGangsta.

Zumindest bislang ist es so, dass Besitzer eines deutschen Netflix-Kontos auf Reisen in den USA die dortigen Netflix-Inhalten zu sehen bekommt. Dementsprechend ist es auch möglich, per US-IP auf das nordamerikanische Programm zuzugreifen. Wie es geht, zeigen wir Euch hier.

Bevor wir loslegen noch ein ganz wichtiger Hinweis: Diese Vorgehensweise befindet sich eindeutig in einer rechtlichen Grauzone und wird von Netflix ganz und gar nicht gerne gesehen. Die Regionalsperren sind für mich persönlich zwar so etwas wie die elfte IT-Plage, aber leider durch das komplexe Rechtesystem rund um Filme und Serien von den Urhebern gewollt. Erst kürzlich machten Meldungen die Runde, dass Netflix gegen VPN-User vorgehen will. Während wir es für faktisch ausgeschlossen halten, dass Euch rechtlich irgendwas passiert, kann es durchaus sein, dass Netflix über kurz oder lang sein Vorgehen verschärft und die entsprechenden Accounts sperrt. Uns ist zwar noch kein Fall dieser Art bekannt und ich selber nutze den Netflix-US-Trick nun schon seit einigen Wochen ohne Probleme, aber trotz allem: Ihr handelt auf eigene Gefahr. Unabhängig davon kann es natürlich auch sein, dass Netflix selbst irgendwann den Stecker zieht und die Regionalumstellung einfach nicht mehr nutzt – immerhin „wissen“ die Macher ja, aus welchem Land der zahlende Kunde stammt.

1. Passenden VPN-Anbieter finden

Es gibt Dutzende kommerzielle VPN-Provider – Ihr müsst Euch nur für den richtigen entscheiden. Voraussetzung ist natürlich, dass Ihr Euch bei einem Dienst anmeldet, der Server in den USA betreibt. Ich selber nutze derzeit Cyberghost VPN, da die Jungs und Mädels sehr ausgereifte Clients für Windows, Mac, Android und iOS anbieten, was die Einrichtung erleichtert. Außerdem gefällt mir die No-logging-Politik und die Offenheit des Dienstes in Form eines laufend aktualisierten Tranzparenzberichts. Cyberghost bietet auch einen Gratis-Test an, für die Nutzung von Streaming-Diensten solltet Ihr aber auf den wesentlich schnelleren Premium-Service umsatteln. Der kostet standardmäßig rund 4 bis 6 Euro im Monat, allerdings gibt es bei MyDealz und Co. häufiger Angebote, mit denen Ihr Cyberghost Premium deutlich günstiger abgreifen könnt.

Der Einsatz eines VPN-Anbieters lohnt sich auch unabhängig von der Umschiffung von Regionalsperren

Als Alternative bin ich über StackSocial kürzlich auf ein günstiges 2-Jahres-Abo von NordVPN gestoßen. Der VPN-Anbieter hat mich ebenfalls mit guter Technik und schnellen Servern überzeugt und bietet für besonders paranoide sicherheitsbewusste Nutzer noch Extras wie eine doppelte VPN-Verschlüsselung oder die automatische Kombination von VPN mit dem TOR-Netzwerk.

Langer Rede kurzer Sinn: Mit beiden VPN-Anbietern konnte ich problemlos und in absolut akzeptabler Geschwindigkeit das US-Netflix in Deutschland (und übrigens auch schon in den Niederlanden 😉 ) nutzen – und zwar sowohl auf dem Macbook als auch auf dem Android-Smartphone und dem iPad. Weitere VPN-Anbieter im Vergleich findet Ihr zum Beispiel bei TorrentFreak oder BestVPN.

2. VPN einrichten und mit US-Server verbinden

Habt Ihr Euch für einen VPN-Dienst entschieden, müsst Ihr Ihn natürlich noch einrichten. Am einfachsten funktioniert dies wie gesagt, wenn der Anbieter einen passenden Client für Euer System anbietet, wie es bei Cyberghost der Fall ist. Installiert diesen, loggt Euch ein, sucht einen US-Server aus und klickt auf verbinden. Sobald die Verbindung steht, surft Ihr über eine verschlüsselte Verbindung mit einer US-amerikanischen IP-Adresse; kontrollieren könnt Ihr dies zum Beispiel mit einem Service wie IPchicken.

Per VPN-Client könnt Ihr Euch besonders komfortabel eine neue IP-Adresse verschaffen

Falls Euer VPN-Anbieter keinen Client für Eurer System anbietet, nutzt Ihr am besten OpenVPN, das als für Windows, Linux sowie als App für Android und iOS bereit steht; auf dem Mac installiert Ihr die OpenVPN-Portierung Tunnelblick. Hier importiert Ihr die entsprechenden OpenVPN-Konfigurationen, die Euer Anbieter bereitstellt und verbindet Euch anschließend manuell mit dem US-Server. Die entsprechenden Anleitungen für OpenVPN und Co. liefern die meisten Anbieter in ihren Hilfedateien; hier findet Ihr beispielsweise eine Anleitung, wie Ihr NordVPN auf dem Mac nutzen könnt.

3. Das US-Angebot von Netflix nutzen

Sobald die Verbindung mit dem US-Server steht, müsst Ihr Euch lediglich bei Netflix anmelden. Wenn alles klappt, geht Netflix davon aus, dass Ihr Euch gerade in den USA befindet und zeigt Euch dementsprechend das umfangreiche US-Angebot an Serien und Filmen an. Ihr könnt Euch nun in der gewohnten Struktur durch das Netflix-Portfolio wühlen und wie gewohnt mit dem Streaming beginnen. Je nach Server, VPN-Anbieter und Tageszeit müsst Ihr damit rechnen, dass es beim Streaming hin und wieder zu kleineren Aussetzern kommt, meiner Erfahrung nach sind die Probleme aber vernachlässigbar. Wenn Ihr die VPN-Verbindung später wieder trennt und Euch erneut bei Netflix anmeldet, seid Ihr wieder im deutschen Angebot der Seite unterwegs. Auf diese Weise könnt Ihr – zumindest bis auf Weiteres – das beste beider Welten mit einem deutschen Netflix-Konto nutzen.

Das Angebot von Serien und Filmen ist bei Netflix in den USA nicht nur umfangreicher, sondern vor allem aktueller

Ist es Euch den Aufwand wert, Netflix „unzensiert“ sehen zu können? Nutzt Ihr andere Lösungen? Oder reicht Euch das deutschsprachige Angebot? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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Kommentare

    • Naja, lieber Mirco, das „Tamtam“ ist im Grunde genommen ein Klick, wenn man (wie ich) eh schon mit VPNs arbeitet.

      Das Problem sind aber definitiv nicht die Streaming-Angebote wie Netflix, sondern Ländersperren an sich. Auch deine heiligen Dateien kannst du nicht in jedem Land kaufen, wie du sie brauchst. Oder auch: Warum darf sich ein US-Bürger auf Reisen nicht „sein“ Netflix-Abo anschauen? Warum darf ich mir als Deutscher im Urlaub nicht die Sportschau per Stream angucken? Ich weiß natürlich, welche Beweggründe seitens der Content-Inhaber dahinter stecken, dennoch finde ich es zum Ko….

      • Das hat mit klauen sicher nichts zu tun 😉

        Die Rechteinhaber wollen einfach mehrfach abkassieren (eine Lizenz für die USA, eine für Deutschland, eine für England etc….). Absolut legitim und – aus Nutzersicht – absolut bescheiden.

        Ich WILL ja gar nicht klauen und würde mit Vorliebe 15 Euro und mehr zahlen, wenn ich dafür beide Netflixe (höhö) nutzen könnte – dann bekommen „die“ ihre Kohle und ich meine Inhalte – Kulturflatrate ftw!

    • Netflix hat das wohl mittlerweile wieder relativiert, siehe: http://www.theguardian.com/technology/2015/jan/09/why-netflix-wont-block-vpn-users

      „The claims that we have changed our policy on VPN are false,” said Neil Hunt. “People who are using a VPN to access our service from outside of the area will find that it still works exactly as it has always done.”

      Bei mir funktioniert alles noch, wie beschrieben, wobei sich das natürlich jederzeit ändern kann. Einen VPN-Service zu buchen lohnt sich aber auch so, spätestens, wenn man mal in einem öffentlichen WLAN unterwegs ist, würde ich nicht mehr drauf verzichten 😉

  • Wie schaut das mit dem Apple-TV (3.Gen) aus? Da kann ich ja schlecht Cyberghost installieren.
    Könnte ich das ungenutzte WLan-Modul in meinem PC als AP laufen lassen und den A-TV darüber ins Netz lassen?

  • Wichtig: wie genau funktioniert das am Handy? Reicht es eine einfach App zu downloaden? Und funktioniert das auch auf einem smarttv? 🙂 lg

    • Hi Elisa,

      auf dem Smartphone (oder auch auf dem Tablet) ist das mit dem US-Programm von Netflix in der Regel kein Problem. Viele VPN-Anbieter bieten eigene Apps, die die Einrichtung ganz einfach machen. Alternativ müsstest du die Android- oder iOS-App von OpenVPN verwenden und die entsprechenden Konfigurationsdateien von den Anbietern da einrichten. Klingt kompliziert, allerdings bieten die meisten VPN-Anbieter auch Anleitungen dazu an (auf meiner ToDo-Liste für Tutonaut steht das auch schon seit längerem, aber die Zeit ist knapp 😉 )

      SmartTV ist etwas schwieriger. Wenn du einen besitzt, der die INstallation von Android-Apps erlaubt, könnte es mit der VPN-Verbindung klappen. Alternativ bräuchtest du einen Router, der VPN-Verbindungen erlaubt. Dann müsste sich der Router mit dem VPN-Server in den USA verbinden, sodass faktisch ALLE Wlan-Geräte über die US-IP-Adresse surfen; dann sollte es auch mit dem US-Programm von Netflix auf dem SmartTV klappen. Das ist allerdings etwas komplizierter, mit meinem Asus-Router habe ich es bislang noch nicht hinbekommen, weil es auch einige Anpassungen an den OpenVPN-Konfigurationsdateien erfordert…

  • hallo netflix sagt mir wenn ich cyberghost nutzer dass ich ein adblocker nutze und ich es abschalten soll sobald ich ein netzflix programm starten will was soll ich nun machen danke

  • Kann jemand bestätigen ob es auch andersherum geblockt wird? D.h. ich lebe im Ausland und möchte gerne auf das deutsche Netflix / Spotify angebot zurückgreifen? Ich bin da nicht so der Anglo-Fanatiker, VPN ist da wohl die einzige Lösung aber auch noch in 2016? Irgendwie ist dieser ganze Geo-Block-Kram doch schwachsinn?! Man muss leider das Internet auf Nationet umtaufen…

    • Hi PJ,

      2015 habe ich das mehrfach gemacht, das war aber, bevor Netflix den VPN-Bannhammer ausgepackt hat :-/ Da es bei Twitter schon Meldungen gab, dass Netflix selbst Nutzer blockt, die innerhalb von Deutschland einen deutschen VPN mit deutscher IP-Adresse nutzen (also faktisch keine Geo-Sperren umgehen), würde ich davon ausgehen, dass es nicht geht.

      Und ja, das ist alles ganz, ganz großer Driss. Aber das betrifft ja nicht nur Netflix sondern auch viele andere Dinge, beispielsweise die Online-Videos der BBC etc. Wenn es um medialen Content geht, ist der „World Wide“-Part in „WWW“ eine Farce…