Ein Offsite-Backup ist im Fall der Fälle der letzte Schutzwall Eurer Datensicherheit. Daher solltet Ihr es in jedem Fall einrichten. Am besten geht das mit Duplicati.

Manchmal reichen normale Backups einfach nicht aus: Was ist, wenn die Wohnung brennt, das Haus weggeschwemmt wird oder Einbrecher alles mitnehmen? Computer und Festplatten sind ersetzbar – die wichtigen Daten hingegen nicht! Von daher ist es in jedem Fall ratsam, ein Backup zu machen, dessen Daten nicht in den eigenen vier Wänden liegen. Bei einem sogenannten Offsite-Backup werden alle Daten zum Beispiel auf einem Cloud-Dienst oder einer NAS in einer fremden Wohnung. Dazu sollten die Daten natürlich verschlüsselt sein. Leider gibt es hierfür kaum Gratis-Tools – wir haben aber mit Duplicati eine leistungsstarke Gratis-Lösung für Euch gefunden.

Offsite-Backup unter Windows, MacOS oder Linux einrichten

Wer nach einer Lösung für Offsite-Backups sucht, wird schnell feststellen, dass der Markt hauptsächlich von professionellen, kostenpflichtigen Anbietern dominiert ist, etwa Crashplan oder Acronis True Image: Diese bieten ihre Software in aller Regel mit einem eigenen Cloud-Service an und funktionieren normalerweise zuverlässig. Allerdings sind sie eben kostenpflichtig – und in aller Regel für Standard-Heimnutzer nicht wirklich sinnvoll. Zumal ein weiterer Cloud-Service wieder nur neue Zugangsdaten und Sicherheitsprobleme mitbringen kann. Wer seine Daten auf einem vorhandenen Cloud-Speicher sichern möchte, greift deswegen am besten zur kostenlosen Open-Source-Backup-Lösung Duplicati, die es für Windows, MacOS und Linux gibt.

So sieht das Offsite-Backup später in der Cloud aus: Datendiebe können damit nichts anfangen.

Duplicati installieren

Die Installation von Duplicati ist simpel und funktioniert nach dem Download, wie es beim jeweiligen Betriebssystem üblich. Möglicherweise fordert Euch das Programm beim ersten Start jedoch auf, das Mono-Framework zu installieren: Dabei handelt es sich um ein Framework für systemübergreifende .NET-Programmierung. Das ist ohnehin praktisch, auch für andere Programme, weshalb Ihr es einfach installieren solltet. Anschließend könnt Ihr Duplicati starten.

Auf den Download folgt das Installieren wie bei jeder anderen Software.

1. Duplicati-Backup anlegen


Beim Start öffnet das Programm ein Browser-Fenster, das auf den Dienst auf dem Localhost (127.0.0.1), also auf Eurem Rechner, verweist. Eine „eigene“ Programmoberfläche besitzt das Programm nicht, stattdessen gibt es aber ein Taskleisten/Menüzeilen-Tool, mit dem Ihr den jeweiligen Backup-Status sehen könnt. Klickt auf „Add new Backup“, um ein neues Backup einzurichten. Vergebt einen Namen für das Backup und klickt auf „Backup to“, um das Backup-Ziel zu bestimmen.

2. Ziellaufwerk oder Cloud-Speicher auswählen

In unserem Beispiel greifen wir zu Google Drive, da Speicher hier günstig ist viele Nutzer durch Android-Smartphones oder andere Bonus-Aktionen in aller Regel über viel Gratis-Speicher verfügen. Die Vorgehensweise ist bei anderen Cloud-Diensten aber ähnlich: Wählt den Speicher aus, gebt einen Unterordner auf diesem Speicher an (Duplicati legt den auch später für Euch an) und klickt auf „AuthID“, um Duplicati mit dem Cloud-Speicher zu verbinden. Lasst die Verbindung zu, Ihr müsst dazu im Browser natürlich bei Eurem Cloud-Dienst eingeloggt sein. Klickt danach auf „Test Connection“: Duplicati fragt Euch, ob es den in Schritt 1 angegebenen Ordner anlegen soll, was Ihr bestätigt. Anschließend ist die Verbindung hergestellt. Mit „OK“ kommt Ihr zurück ins vorhergehende Menü.

3. Verschlüsselung setzen

Ihr könnt Duplicati unverschlüsselt nutzen, wir empfehlen jedoch dringend, die Daten beim Einsatz auf einem Cloud-Speicher zu verschlüsseln, Stichwort NSA-Affäre und US-Patriot-Act. Damit könnt Ihr Geheimdienst- und Admin-Schnüffelei unterbinden, zudem sind Eure Daten sicher, falls wieder einmal eine Sicherheitslücke durch einen der Cloud-Dienste geistert: Ein Angreifer kann mir der voreingestellten AES-256-Verschlüsselung absolut nichts anfangen, was bei wichtigen Dokumenten wirklich nötig ist. Wählt also „AES-256 Encryption, Built in“ und gebt ein Passwort ein. Dieses müsst Ihr Euch merken können – beachtet dazu am besten unseren Ratgeber für sichere Passwörter. Gebt das Passwort ein und klickt auf „Next“.

4. Quellordner auswählen

Das Gröbste habt Ihr jetzt geschafft, die nächsten Schritte sind simpel: Ihr müsst jetzt auswählen, welche Ordner gesichert werden sollen. Duplicati zeigt Euch dafür eine Seite mit einem Datei-Explorer. Hakt hier einfach alle Ordner an, die Ihr sichern wollt, Unterordner werden automatisch mit ausgewählt. Hier könnt Ihr dann Haken entfernen. Tipp von uns: Sichert auf diese Weise nur Eure allerwichtigsten Daten – so geht das Backup schneller und Ihr seid im schlimmsten Fall – Stichwort Feuer, Wasser und Einbruch – auf der sicheren Seite! „Hidden Files“ und „System Files“ könnt Ihr anhaken, um diese von der Sicherung auszuschließen – gerade auf dem Mac eine sinnvolle Option, weil damit die lästigen .ds_store-Dateien nicht gesichert werden. Klickt anschließend auf „Next“.

5. Sicherungsfrequenz einstellen

Nun müsst Ihr noch die Sicherungsfrequenz einstellen. Die hängt stark davon ab, was Ihr sichert und wie oft Ihr die Daten ändert. Duplicati arbeitet inkrementell, sichert also nur Änderungen zum jeweils vorhergehenden Backup, wodurch die Sicherung schneller geht. Die Voreinstellungen mit täglicher Sicherung sollten meist ausreichen, wenn Ihr „liegende“ Daten wie z.B. Eure Steuerdokumente oder Rechnungen sichern wollt, wo sich nur wenig ändert, könnt Ihr die Frequenz auch herunterschrauben. Der Erstsicherungs-Termin ist dabei egal, Ihr könnt das erste Backup später manuell anstoßen. Allerdings solltet Ihr eine Zeit setzen, zu der gesichert wird: Da der Rechner dafür laufen muss, solltet Ihr eine Zeit wählen, an der er an ist, zu der Ihr aber gerade nicht viel Rechenleistung oder Bandbreite braucht, etwa morgens, wenn Ihr zum Kaffee die News checkt. Klickt danach auf „Next“.

6. Duplicati-Optionen einstellen

Zuguterletzt müsst Ihr Ihr noch die Sicherungs-Details einstellen: Die Upload-Volume-Size hat etwas mit der Speichertechnik seit Duplicati 2.0 zu tun: Die packt die Daten in kleine Säckchen und legt diese in der Cloud ab, wodurch die Datensicherheit und Zuverlässigkeit des Backups erhöht wird. Ändern sich Daten oder kommen neue hinzu, werden einfach neue „Säckchen“ in Form von ZIP-Dateien angelegt. Diese haben eine gewisse Größe, die Ihr hier festlegen könnt. Wichtig: Sie sollten nicht zu groß sein. Für den Anfang könnt Ihr die Standard-Einstellung von 10 MB beibehalten, es sei denn, Ihr sichert viele Fotos oder gar Videos – was wir aber mit diesem System nicht empfehlen.
Unter „Keep Backups“ könnt Ihr ein Zeitintervall oder eine Zahl der vorzuhaltenden Backups einstellen: Wird zum Beispiel eine Datei geändert, bleibt die ältere Version im Backup, bis das von Euch gesetzte Intervall greift. Hier lohnt sich „a specific number“, die zwischen 3 und 10 liegt: So könnt Ihr im Notfall auch ältere Speicherungen eines Dokuments zurückholen.
Das war es dann auch schon: Speichert die Einstellungen mit „Save“.

7. Backup starten

Die Verschlüsselung des Backups erfolgt übrigens rein passwortbasiert, was bedeutet, dass Ihr auch notfalls von einem anderen Rechner auf das Backup zugreifen könnt, etwa wenn Euch Euer Laptop weggeschwommen oder Euer Gaming-PC in Flammen aufgegangen ist. Ihr könnt jetzt das erste Backup mit einem Klick auf „Run now“ starten. Das kann je nach Datenumfang eine Weile dauern. Die Backup-Funktion läuft ab sofort zur eingestellten Zeit im Hintergrund ab, Ihr müsst Euch ähnlich wie bei Apples Time Machine um nichts mehr kümmern.

8. Duplicati-Backup zurücklesen

Um später ein Duplicati-Backup zurückzulesen, müsst Ihr nur auf den Punkt „Restore Backup“ in Duplicati klicken. Wählt „Connect to“, um den jeweiligen Cloud-Dienst auszuwählen und authentifiziert Euch wieder. Gebt zusätzlich das Passwort des Backups ein. Ein Klick auf „Connect“ startet den Wiederherstellungsprozess. Hier könnt Ihr einzelne Dateien oder das gesamte Backup zurücklesen, zudem habt Ihr die Wahl, ob Ihr die Daten am Original-Speicherort oder woanders ablegen möchtet. So könnt Ihr dann auch sicher gehen, dass Ihr vorhandene Daten nicht versehentlich überschreibt.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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