Ihr wollt eine Retro-Konsole für zahlreiche alte Videospiele zum kleinen Preis? Mit dem Raspberry Pi ist das kein Problem – wir zeigen Euch, wie Ihr mit dem Kleinstcomputer Eure klassischen Videospiele zum Leben erweckt.

Der Raspberry Pi ist ein praktischer, preiswerter Bastelcomputer, mit dem viele Anwendungen möglich sind. Besonders als Retro-Spielekonsole für den heimischen Fernseher macht sich der kleine Rechner dank der Software RetroPie hervorragend – und emuliert klassische Videospiel-Systeme von Amiga über Mega Drive, Super Nintendo und PC Engine bis hin zum ZX Spektrum. Die Installation ist erstaunlich einfach – wir zeigen Euch, wie es geht.

1. Raspberry Pi vorbereiten

Schließt zunächst Euren Raspberry Pi per HDMI an einem Fernseher oder Monitor an. Verbindet außerdem – im Zweifel über einen Hub mit eigener Stromversorgung – Tastatur, Maus und einen WLAN-Stick mit dem Gerät. Verkabelt den Pi, falls Ihr keinen WLAN-Stick haben solltet, per Ethernet mit Eurem Router, um eine Netzwerk- und Internet-Verbindung herzustellen. Anschließend ist der Raspberry Pi einsatzbereit. Außerdem braucht Ihr eine mindestens 4 Gigabyte große SD-Karte – idealerweise eine schnelle Karte mit Class 10 oder UHS-I-Spezifikation – sowie einen Mac oder PC, um diese vorzubereiten. Außerdem solltet Ihr ein USB-Gamepad zur Hand haben.

Rasperry Pi anschließen…

2. RetroPie und Kopierprogramme laden

Ladet Euch nun das RetroPie SD-Card-Image von der Retro Pie-Website, empfehlenswert ist Version 2.3 oder höher. Während der ca. 1,2 Gigabyte große Download läuft, könnt Ihr schon einmal das Kopierprogramm für Euer System herunterladen: Windows-Nutzer greifen hier am besten zu W32DiskImager, wer einen Mac verwendet, nimmt RPI-sd Card Builder oder den hervorragenden ApplePi Baker. Alle Programme dieser Art sind kostenlos erhältlich, die Bedienung ist selbsterklärend. Alternativ könnt Ihr die Anleitung der Raspberry Pi-Macher nutzen und das Image per Kommandzeile kopieren.

… RetroPie herunterladen und SD-Karte formatieren…

3. RetroPie auf SD-Karte kopieren

Entpackt nun zunächst den Download, sofern Euer Browser das nicht bereits selbstständig erledigt hat: Das Ergebnis muss eine Datei mit der Endung „.IMG“ sein. Steckt dann die SD-Karte in Euren Mac oder PC, formatiert sie mit dem SD-Card-Formatter und startet Euer Image-Programm. Wählt das Image aus und lasst es auf die Speicherkarte kopieren. Werft die Karte anschließend aus, nehmt sie aus dem Rechner und steckt sie in Euren vorbereiteten Raspberry Pi.

… SD-Image kopieren…

4. RetroPie das erste Mal starten

Verbindet jetzt den Raspberry Pi mit der RetroPie-Karte mit dem Stromnetz: Hat alles geklappt, fährt der kleine Rechner mit dem Emulator-Betriebssystem hoch und startet die Emulation-Station-Oberfläche. Diese wird mit dem Gamepad gesteuert, das Ihr einrichtet, indem Ihr zunächst einen Knopf länger gedrückt haltet und dann die Konfiguration der einzelnen Tasten vornehmt. Damit ist die Grundeinrichtung Eurer Raspberry Pi-Retro-Konsole erst einmal abgeschlossen. Die allerdings kann noch nicht viel, weshalb Ihr weitere Konfigurationsschritte durchführen müsst.

… RetroPie starten…

5. Raspberry Pi einrichten

Drückt jetzt die (F4)-Taste, um von Emulation Station in die Kommandozeile des Pis zu kommen. Gebt dafür
sudo raspi-config
ein und bestätigt mit der (Eingabetaste). Wichtig: Der Pi hat noch englisches Tastatur-Layout, der Bindestrich liegt also auf der (ß)-Taste. Ihr gelangt jetzt ins Raspberry Pi-Konfigurationsmenü des RetroPie zugrunde liegenden Raspbian-Linux.

… in die Kommandozeile wechseln…

6. Raspberry Pi konfigurieren und WLAN einrichten

Nun sind eine Reihe von Konfigurationsschritten nötig: Wählt zunächst „Expand Filesystem“, um das Dateisystem auf den gesamten Speicher der SD-Karte auszuweiten, anschließend könnt Ihr noch in „4. Internationalisation Options“ gehen und hier die Lokalisierung (de_DE.UTF-8), Zeitzone (Berlin) und das Keyboard-Layout (Deutsch) einrichten. Beendet den Konfigurator anschließend und konfiguriert Euren WLAN-Treiber, wie hier beschrieben (diesen Schritt könnt Ihr überspringen, wenn Ihr den Pi per Ethernet angeschlossen habt). Anschließend noch ein
sudo apt-get update
um das System auf den neuesten Stand zu bringen.

… und das System einrichten…

7. SSH einrichten

Um Spiele oder Disk-Images auf dem Pi zu installieren, müsst Ihr jetzt noch den SSH-Zugang einrichten. Geht erneut mit „sudo raspi-config“ in die Einstellungen des Systems und wählt unter „8. Advanced Options“ den Punkt „A4 SSH“ und aktiviert mit „Enable“ den SSH-Server. Beendet anschließend erneut die Raspberry-Konfiguration und gebt
ifconfig
ein, um die IP-Adresse Eures Raspberry zu ermitteln. Diese benötigt Ihr später, um Euch auf das Gerät zu verbinden. Die Grundeinrichtung ist damit abgeschlossen. Startet den Pi jetzt einmal mit
sudo reboot
neu. Er wird wieder nach Emulation Station booten.

… SSH aufsetzen…

8. Per SSH mit dem Raspberry Pi verbinden

Nun könnt Ihr Euch per SSH mit Eurem Raspberry Pi verbinden. Nutzt dazu am besten ein FTP-Programm wie das kostenlose und sehr leistungsstarke Cyberduck, das es für Windows und Mac gibt. Wählt eine neue SSH-Verbindung, gebt dort die in Schritt 7 ermittelte IP-Adresse des Pi ein und verbindet Euch mit dem Benutzernamen „pi“ und dem Passwort „raspberry“ – dies sind die Standard-Einstellungen jedes neuen Raspbian-Systems.

… per SSH verbinden…

9. ROMs auf den Pi kopieren

Ihr könnt jetzt Spiele-ROMs, die es überall im Netz gibt, die wir aber nicht verlinken dürfen, auf den Pi kopieren: Sucht am besten nach „(system) ROMs“ bei Google, dann findet Ihr diverse Seiten, die entsprechende Dateien anbieten, etwa „SNES ROMs“. Entpackt das ROM, sofern es als ZIP- oder RAR-Datei kommt und kopiert es anschließend in den entsprechenden System-Ordner in /home/pi/RetroPie/roms/ des Raspberry-Systems. Sobald ein ROM für ein System vorhanden ist, wird dieses in Emulation Station angezeigt: Wir haben zum Beispiel ein Mario-Spiel in den snes-Ordner kopiert und den Raspberry neu gestartet, anschließend wurde das Super-Nintendo in der Systemauswahl von Emulation Station angezeigt.

… und Spiele kopieren…

10. Controller für die einzelnen Emulatoren einrichten

Nun wird es noch einmal knifflig: Die Controller-Einrichtung aus Schritt 4 gilt nämlich nur für die Retro-Pi-Oberfläche, wie Ihr wahrscheinlich spätestens jetzt gemerkt habt. Um das Gamepad auch unter den einzelnen Emulatoren einzurichten, müsst Ihr noch einmal eine Konfigurationsdatei ändern. Beendet das Spiel mit der (Esc)-Taste und schließt anschließend Emulation Station mit (F4). Gebt nun folgende Befehle ein:
sudo chown pi /opt/retropie/configs/all/retroarch.cfg
cd /opt/retropie/emulators/RetroArch/installdir/bin
sudo ./retroarch-joyconfig -j 1 >> /opt/retropie/configs/all/retroarch.cfg

Wenn eine Fehlermeldung kommt, müsst Ihr die „1“ gegen eine „0“ oder eine „2“ austauschen, bis der Pi meldet, ein Joypad gefunden zu haben. Drückt ein wenig auf dem Joypad herum und drückt dann die (Eingabetaste). Drückt jetzt am Gamepad die geforderten Tasten. Falls Ihr eine Taste habt, die Ihr nicht besitzt, könnt Ihr deren Konfiguration überspringen, indem Ihr zum Beispiel eine Taste drückt, die Ihr nicht benötigt, da die meisten Retro-Konsolen maximal vier Feuerknöpfe, ein Steuerkreuz und zwei Schultertasten hatten. Wenn Ihr durch seid, ist die Einrichtung abgeschlossen. Mit „sudo reboot“ startet Ihr den Pi noch einmal neu. Sollten die Tasten falsch belegt sein, könnt Ihr die Konfigurationsdatei auch manuell ändern:
sudo nano /opt/retropie/configs/all/retroarch.cfg

… Joypad einrichten…

11. Viel Spaß beim Spielen!

Nach der Einrichtung der Joypad-Knöpfe ist alles fertig: Ihr könnt jetzt ROMs auf den Pi kopieren und die Spiele mit dem Gamepad spielen. Steckt Euren Pi am besten direkt an Eurem Fernseher an, um den vollen Retro-Konsolenspaß zu haben, aber Vorsicht: Die zum Teil wirklich pixelige Grafik der alten Games sieht auf 40 Zoll fürchterlich aus. Trotzdem ist RetroPie eine feine Möglichkeit, um alte Spiele an modernen Fernsehern wieder zum Leben zu erwecken, ohne zahllose Retro-Konsolen kaufen zu müssen. Wir wünschen Euch auf Eurer neuen 35-Euro-Retro-Konsole viel Spaß mit Mario, Sonic und Kosorten.

… und die Spieleklassiker genießen.

Hier eine Liste der Konsolen, die das System emulieren kann und der dazu beigepackten Emulatoren:

  • Amiga (UAE4All)
  • Apple II (Basilisk II)
  • Arcade (PiFBA)
  • Atari 800
  • Atari 2600 (RetroArch)
  • Atari ST/STE/TT/Falcon
  • C64 (VICE)
  • CaveStory (NXEngine)
  • Doom (RetroArch)
  • Duke Nukem 3D
  • Final Burn Alpha (RetroArch)
  • Game Boy Advance (gpSP)
  • Game Boy Color (RetroArch)
  • Game Gear (Osmose)
  • Intellivision (RetroArch)
  • MAME (RetroArch)
  • MAME (AdvMAME)
  • NeoGeo (GnGeo)
  • NeoGeo (Genesis-GX, RetroArch)
  • Sega Master System (Osmose)
  • Sega Megadrive (DGEN, Picodrive)
  • Nintendo Entertainment System (RetroArch)
  • N64 (Mupen64Plus-RPi)
  • PC Engine / Turbo Grafx 16 (RetroArch)
  • Playstation 1 (RetroArch)
  • ScummVM
  • Super Nintendo Entertainment System (RetroArch, PiSNES, SNES-Rpi)
  • Sinclair ZX Spectrum (Fuse)
  • PC / x86 (rpix86)
  • Z Machine emulator (Frotz)

(mit bestem Dank an Lifehacker für die Idee)

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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Kommentare

  • Terminal? Sudo? SSH? Du wirst ja doch noch zum Nerd … Aber der Aufwand lohnt sich, schönes Ding. Vielleicht noch ein Hinweis für Unbedarfte: Auf die ROMs darf nicht verlinkt werden, weil diese natürlich nicht legal angeboten werden; allenfalls wenn Ihr die Originalspiele besitzt könnte man anfangen zu diskutieren.

    • … aber auch da gibt’s keine Diskussion: ROMs sind Kopien von Spielen – solange man die nicht selbst aus einem eigenen Datenträger, also einer Cartridge für die Konsole, die man selbst besitzt, gezogen hat, sind diese ROMs illegal. Allerdings zeigt die Präsenz der ROM-Seiten im Netz, dass die Hersteller dieses Treiben wohl eher selten unterbinden, also wohl tolerieren.

      • Keine rechtliche Diskussion (obwohl ich bei Amazon Autorip auch nicht selbst rippe …), aber grundsätzlich philosophische: Den wirtschaftlichen Unterschied zwischen der Nutzung einer selbst gerippten Privatkopie und einer von Dritten gerippten Privatkopie, müsst mir erst noch jemand erklären.

        Aber Du hast recht, ist eh bloße Theorie, die ROM-Seiten gibts ja seit Ewigkeiten – und mit 20 Jahre alten Spielen in Form von ROMs für Emulatoren ließe sich vermutlich auch nicht so übertrieben viel Geld machen. Obwohl, so eine Pi-basierte Emulator-Konsole für den TV, fix und fertig konfiguriert mit 100 Klassikern – wäre schon reizvoll.

  • Schöner Artikel, Danke dafür! 🙂

    Könntet ihr eventuell auch mal den neuen Raspberry Pi 2 mit Retropie testen? Vor allem die N64 Performance würde mich mal interessieren.