Ihr wollt Server in Eurem Netzwerk im Internet freigeben oder von überall aus dem Internet auf Eure FritzBox zugreifen? Mit dieser Anleitung ist das kein Problem.

Wie wäre es, wenn Ihr von überall auf der Welt auf Eure FritzBox zugreifen könntet? Ihr könntet viel Geld sparen, weil Ihr Inhalte statt auf einer großen SSD auf der heimischen NAS verwaltet, könnt dort Daten lagern, die Ihr nicht jederzeit dabei haben möchtet oder einen Mini-PC wie den Raspberry Pi als Cloud- oder Webserver nutzen. Die Möglichkeiten wären nahezu unbegrenzt. Die gute Nachricht: Wenn Ihr eine FritzBox habt, ist das kein Problem! Wir zeigen Euch, wie es geht.

1. Dynamisches DNS registrieren

Um Eurer Heimnetzwerk jederzeit unter der gleichen Adresse zu erreichen, solltet Ihr zunächst eine sogenannte Dynamischen DNS registrieren. Diese leitet die (wechselnde) IP-Adresse Eures Internet-Anschlusses immer auf ein und dieselbe URL weiter. Öffnet dafür zunächst Eure FritzBox-Oberfläche und achtet darauf, dass Ihr die erweiterten Optionen aktiviert habt. Wählt dann den Punkt „Internet -> Freigaben“ und dort das Tab „Dynamic DNS“. Setzt den Haken bei „Dynamisches DNS aktivieren“ und schaut in die Liste der Dienste, die Ihr verwenden könnt. Einen davon müsst Ihr auswählen und mit einem Klick auf „neuen Domainnamen anmelden“ registrieren. Wichtig: Einige der Dienste sind kostenpflichtig, andere kostenlos, besonders interessant ist der Punkt „Benutzerdefiniert“: Hier könnt Ihr einen eigenen DynDNS-Dienst setzen, etwa den Eures Webhosters (wie bei uns bei all-inkl.com).

Dynamische DNS registrieren…

2. Dynamisches DNS in FritzBox eintragen

Nachdem Ihr eine dynamische DNS registriert habt, müsst Ihr in den Anbieter, den Ihr verwendet, aus der Liste wählen und dort die Dyn-DNS-URL, den zugehörigen Benutzernamen und das Passwort eingeben. Diese erhaltet Ihr beim Anbieter des DynDNS-Services. Die URL hat üblicherweise die Form (subdomain).(anbieter).(Domain), als zum Beispiel „testbeispiel.no-ip.com“. Unter dieser Adresse ist Euer Heimnetz später erreichbar. Ihr könnt die Adresse auch schonmal im Browser eingeben und testen, allerdings sind weitere Einrichtungsschritte notwendig, um Dienste im Heimnetzwerk per Internet freizugeben, weshalb Ihr (normalerweise) nichts oder eine Fehlermeldung erhaltet.

… und eingeben…

3. FritzBox-Fernzugriff aktivieren (optional)

Richtet nun den Fernzugriff auf die FritzBox ein, indem Ihr im Menü „Internet -> Freigaben“ im Tab „FRITZ!Box-Dienste“ den Haken bei „Internetzugriff auf die FRITZ!Box über HTTPS aktiviert“ setzt. Wenn Ihr jetzt Eure Dynamische DNS im Browser eingebt, erscheint die Fritz!Box-Oberfläche, allerdings könnt Ihr Euch noch noch nicht einloggen, weil Ihr noch keinen Benutzer angelegt habt. Testet, ob es auch per Internet geht, indem Ihr das WLAN Eures Smartphones deaktiviert und die DynDNS-URL aus Schritt 2 dort im Browser eingebt.

… FritzBox-Fernzugriff aktivieren…

4. FritzBox-Benutzer einrichten (optional)

Öffnet deshalb das Menü „System -> FRITZ!Box-Benutzer“ und klickt auf „Benutzer hinzufügen“. Gebt einen Benutzernamen, die zugehörige Mailadresse und

ein sicheres Passwort (!)

, setzt alle Haken in den darunterliegenden Feldern und klickt auf „OK“. Probiert jetzt auf dem Smartphone aus, ob Ihr Euch mit dem Benutzernamen und dem Passwort einloggen könnt. Wenn das alles klappt, ist der Fernzugriff eingerichtet. Der Vorteil dieser Lösung: Ihr könnt die FritzBox bequem aus aller Welt konfigurieren, falls Ihr auf Reisen vergessen haben solltet, etwas einzurichten. Wichtig ist allerdings, dass Benutzername und Passwort sicher sind – sonst kann jeder halbwegs talentierte Hacker ebenfalls auf Eurem Router und in Eurem Netzwerk herumpfuschen!

… Benutzer anlegen…

5. FritzBox: Ports freigeben

Die Fritzbox-Oberfläche ist jetzt über jeden Browser wie eine normale Website unter „https://(subdomain).(anbieter).(Domain)“ erreichbar. Wenn Ihr auf andere Dienste in Eurem Netzwerk zugreifen wollt – etwa eine Owncloud-Installation auf einer NAS – müsst Ihr nun Ports für bestimmte Dienste freigeben. In unserem Beispiel aktiviere ich schnell mit dem Befehl sudo apachectl start den Apache-Webserver unter Mac OS X „Yosemite“ und klicke mich anschließend ins Menü „Internet -> Freigaben“ der FritzBox: Hier gibt es die Möglichkeit, den HTTP-Port 80 auf meinen heimischen Mac umzuleiten.

… und Ports freigeben…

6. Funktion der FritzBox-Portfreigabe testen

Ich aktiviere die Option und gebe „http://(subdomain).(anbieter).(Domain)“ im Browser meines Smartphones ein: Eine simple weiße Seite mit „It works!“ wird angezeigt, die Standardmeldung des Apache-Webservers, dass er erreichbar ist, aber noch keine Inhalte verfügbar sind. Damit ist klar: Mein Mac kann vom Internet aus erreicht werden, die Portfreigabe funktioniert. Da ich den Webserver auf dem Mac nicht benötige, schalte ich ihn nun mit dem Befehl sudo apachectl stop wieder ab, um keine unnötigen Lücken offen zu lassen.

… Testlauf starten…

7. Weitere Ports auf der FritzBox freigeben

Nach diesem Schema – Portfreigabe auf Gerät X – könnt Ihr beliebige weitere Dienste Eures Netzwerks per Internet freigeben. Wenn Ihr zum Beispiel einen PC über das Internet fernsteuern wollt, müsst Ihr zunächst einen VNC- oder Remote-Server auf dem Rechner installieren oder aktivieren und anschließend den zugehörigen Port über die FritzBox-Oberfläche freigeben. Gleiches gilt für die NAS und andere Systeme im Netzwerk. Ist UPnP aktiviert, ist das übrigens nicht immer nötig: Oft öffnen die Anwendungen die nötigen Ports dann selbst auf der FritzBox. Übrigens: Wenn Ihr prüfen wollt, welche Ports an Eurem Router bereits geöffnet sind, helfen Web-Tools wie dieser Portscanner von DNSTools.ch.

… und über die Möglichkeit, eigene Webdienste aus der Ferne zu benutzen, freuen.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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