Amazons Kindle kann mit geringem Aufwand per Jailbreak für eigene Hacks, Einstellungen und Programme öffnen. Wir zeigen Schritt für Schritt wie es geht.

Wo ein Linux ist, ist auch ein Weg – folglich gibt es auch für den Kindle einen Jailbreak. Wozu? Nun, Ihr könnt zum Beispiel Schriften oder Bildschirmschoner austauschen. Spannender wird es aber mit eingerichtetem SSH-Zugang, dann könnt Ihr direkt auf das System zugreifen und die dortigen Tools nutzen oder gar ein ganzes Debian aufspielen. Die Möglichkeiten sind enorm, der Weg bis zum SSH-Zugang ist verhältnismäßig simpel – leider nicht immer, da es viele unterschiedliche Kindle und Firmwares gibt. Der Jailbreak selbst ist in fünf Minuten durchgeführt, wie der Workshop Schritt für Schritt zeigt. Das Setup: Windows 7 und Kindle 4 mit Version 4.1.1.1 (das ist der Kindle ohne Tastatur, ohne Touch).

1. Kindle-Jailbreak-Dateien herunterladen

Besorgt Euch von mobileread.com das Jailbreak-ZIP und kopiert folgende Dateien in das Hauptverzeichnis des Kindle: data.tar.gz, ENABLE_DIAGS sowie den Ordner diagnostic_logs. ENABLE_DIAGS ist eine leere Datei, aber sofern vorhanden, bootet der Kindle damit in den systemeigenen Diagnostik-Modus – nach einem weiteren Neustart ist die Datei nicht mehr vorhanden. Wollt Ihr also später nochmals in den Diagnostik-Modus, erstellt einfach eine leere, so benannte Datei.

Eigentlich der ganze Trick: Dateien aufspielen, neustarten

2. Kindle-Neustart durchführen

Ruft die Einstellungen über die Menütaste auf und führt dort, wiederum über die Menütaste, einen Neustart durch.

Neustart.

3. Diagnostik-Menü – Q to continue

Navigiert mit dem Steuerkreuz (abgekürzt mit FW für Fünf-Wege-Steuerung) zum Punkt „Q) to continue – FW LEFT ENABLED“ und bestätigt mit FW-Links.

Navigiert mit dem Steuerkreuz, FW genannt.

4. Diagnostik-Menü – D to exit

Noch nichts Spannendes …

Auf dem nächsten Screen geht es weiter über „D) Exit, Reboot or Disable Diags“, diesmal zu bestätigen per FW-Mitte.

5. Kindle Rebooten

Jetzt kommt endlich die Option zum Rebooten – nutzt sie.

Die Reboot-Funktion.

6. Q to continue

Ein letztes Mal bestätigen …

Und nochmal bestätigen.

7. Kindle Jailbreak genießen

… und schon solltet Ihr mit einem neuen Eintrag namens „You are Jailbroken“ sehen; das Dokument könnt Ihr natürlich löschen. Nun steht weiteren Spielereien nichts mehr im Wege – viel Spaß!

Glückwunsch, gejailbreakt, das wars.

Der erste Bootscreen nach dem Jailbreak.

Und wie immer bei derartigen Themen der Warnhinweis: Es besteht immer die Möglichkeit, dass derlei Hacks schief gehen und das Gerät im schlimmsten Fall „gebrickt“ wird – sprich nichts geht mehr. Natürlich lassen sich Kindles, die sich in Mauersteine (eben bricks) verwandelt haben auch wieder debricken – was insbesondere beim Jailbreak seltenst der Fall sein dürfte. Und dass Hersteller und Nutzungsbedingungen mit sowas nicht immer einverstanden sind, versteht sich wohl von selbst – auch wenn seltenst jemand dagegen vorgeht.

Übrigens: Auch ohne Jailbreak oder SSH-Zugang kann der Kindle mehr als man auf den ersten Blick meint, etwa täglich automatisch Tageszeitungen besorgen oder Bücher aus beliebigen Quellen wiedergeben.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

Sag' Deine Meinung