Sind beim Umzug des Windows-PCs auf einen neuen Rechner wirklich alle Daten da? Mit Disk2VHD könnt Ihr Euren alten PC als virtuelles System archivieren und sicherstellen, dass wirklich alle Daten umgezogen werden.

Der Umzug auf einen neuen PC steht an und schon wird es anstrengend: Liegen wirklich alle Daten im Benutzerordner? Wo verstecken sich die Sicherungen von älteren Programmen, die Lesezeichen, die gespeicherten Passwörter? Liegt vielleicht noch ein Profil in irgendeinem Unterordner? Und wo sind eigentlich all die bearbeiteten Fotos gelandet? Wer in der Vergangenheit wenig Windows-Hygiene an den Tag gelegt hat, weiß, welches Glücksspiel er beim Umzug auf einen neuen Rechner betreibt. Besonders kritisch wird es, wenn dabei auch noch das Betriebssystem gewechselt werden soll, etwa auf Linux oder Mac OS X. Und was, wenn Ihr doch wichtige Daten vergessen habt, den PC aber schon längst gelöscht und verkauft habt? Zum Glück gibt es Mittel und Wege, dieses Problem zu umgehen: Archiviert doch Euer altes Windows-System einfach als virtuelle Maschine – auf diese Weise könnt Ihr jederzeit Euren alten PC auf Eurem neuen Rechner verwenden und notfalls Daten auf das neue System kopieren. Wir zeigen Euch, wie es geht.

1. Disk2VHD herunterladen

Die Archivierung der alten Windows-Installation als virtuelle Maschine ist am einfachsten mit dem Tool Disk2VHD aus der Microsoft Sysinternals-Suite möglich. Das Programm verwandelt ein bestehendes Windows-System in eine virtuelle Festplatte im VirtualPC-Format VHD, das jedoch auch von anderen Programmen – etwa VirtualBox – verwendet werden kann. Alternativ könnt Ihr aber auch den vCenter Converter von VMWare verwenden. Diese Anleitung hier bezieht sich aber auf Disk2VHD: Ladet das Programm von der Microsoft-Website herunter.

Disk2VHD herunterladen…

2. Disk2VHD ausführen

Der Download erfolgt in Form einer ZIP-Datei. Da das Programm als Portable-Version arbeitet, muss nichts installiert werden. Klickt einfach innerhalb des ZIP-Verzeichnisses „Disk2VHD“ die gleichnamige Anwendungsdatei doppelt an und wählt anschließend „Ausführen“. Das Programm arbeitet unter allen Windows-Versionen ab Windows XP Service Pack 2.

… und auf dem Windows-System ausführen…

3. Disk2VHD richtig einrichten

Disk2VHD selbst hat kaum Einstellungsmöglichkeiten: Ihr müsst nur noch unter „VHD Filename“ einen Speicherort und einen Dateinamen auswählen, ansonsten könnt Ihr alle Voreinstellungen übernehmen. Wichtig: Ihr solltet die virtuelle Disk ausschließlich auf einem externen Laufwerk, etwa einer USB-Festplatte oder einem Netzlaufwerk, erstellen, da das Programm sonst Schwierigkeiten bekommt, abgesehen davon ist es anschließend einfacher, die Datei auf den neuen Rechner zu übertragen.
Entfernt außerdem auf jeden Fall den Haken bei „Use Vhdx“ – hierbei handelt es sich um ein von Microsoft aktualisiertes Format für die virtuelle Festplatte, das zwar mit dem hauseigenen VirtualPC hervorragend arbeitet, anderen Programmen jedoch Probleme bereitet. Für die höhere Kompatibilität solltet Ihr also immer auf das normale VHD-Format ohne den X-Zusatz setzen – also weg mit dem Haken!

… Voreinstellungen vornehmen…

4. Die Systemfestplatten mit Disk2VHD in eine virtuelle Festplattendatei überführen

Nun müsst Ihr nur noch auf „Create“ klicken: Disk2VHD benötigt je nach Auslastung der Festplatte nun eine ganze Weile, um die virtuelle Kopie Eures Windows-Systems als Datei zu erstellen. Insofern ist es eventuell sinnvoll, den Vorgang über Nacht laufen zu lassen. Nach Abschluss des Vorgangs meldet das Programm ohne weiteres Aufheben „Disk Export to VHD completed successfully“. Die Virtuelle Festplatte ist nun fertig.

… und die virtuelle Festplatte auf einem externen (!) Datenträger erstellen.

5. Das archivierte Windows auf dem neuen Rechner mit dem kostenlosen VirtualBox ausführen

Steckt die externe Festplatte mit der virtuellen Windows-Festplatte nun an Euren neuen PC oder Mac und erstellt mit dem Virtualisierungsprogramm Eurer Wahl – idealerweise dem kostenlosen VirtualBox, das für die Desktop-Betriebssysteme Windows, Linux und OS X erhältlich ist – einen neuen virtuellen PC. Diesen müsst Ihr zunächst benennen und ihm mitteilen, welches System hier laufen soll, anschließend müsst Ihr Speicher zuordnen. Im dritten Schritt könnt Ihr unter „Festplatte“ „Vorhandene Festplatte verwenden“ auswählen und dort die in den Schritten 1 bis 4 erstellte virtuelle Festplatte einbinden.

Anschließend lässt sich die virtuelle Festplatte in einem neuen virtuellen PC einbinden…

6. Virtuellen PC verwenden

Anschließend könnt Ihr Euren alten Windows-PC auf Eurem neuen Rechner als virtuellen PC weiterverwenden und in Ruhe alle Daten rüberkopieren. Zusätzlich habt Ihr eine virtuelle Maschine, mit der Ihr – wenn Ihr zum Beispiel auf Mac OS X oder Linux gewechselt seid – weiterhin Eure gewohnten Windows-Programme ausführen könnt. Es kann vorkommen, dass Ihr das virtuelle Windows-System neu bei Microsoft aktivieren müsst, da die virtuelle Maschine natürlich andere Hardware besitzt als Euer Originalsystem.

… und der alte PC als virtuellen PC unter Windows, Mac OS X oder Linux weiterbenutzen.

Tipp: Das VHD-Format wird von fast allen Virtualisierungsprogrammen akzeptiert – Ihr könnt die mit Disk2VHD erstellte virtuelle Festplatte also auch unter Parallels oder Microsofts VirtualPC einbinden.

Tipp 2: Eine weitere Methode zur Weiternutzung eines alten PCs als virtuelle Maschine findet Ihr im Artikel „Anleitung: Laufendes Windows in eine virtuelle Maschine konvertieren“.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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Kommentare

  • Moin. Gute Anleitung. Funktioniert auch wie beschrieben. ABER eine herausfordernde Frage zu dem Thema habe ich. Vielleicht kannst du da weiter helfen. Das interessiert bestimmt auch viele andere…
    Der virtuelle Rechner, in den man das VHD-Abbild des physischen Rechners einbindet, hat ja quasi eine andere Hardware. D.h. die Treiber, die auf dem Quell-Rechner installiert waren, funktionieren ggf. nicht oder wie in meinem Fall … die virtuelle Maschine schmiert beim Booten von Windows 7 mit einem Bluescreen ab weil die Treiber nicht wissen, dass sie ja jetzt auf einer anderen Hardware laufen.
    Abhilfe soll da die Methode bieten, dass mit ’sysprep‘ das Windows auf einen Stand unmittelbar nach Neuinstallation gebracht wird (zumindest was die Treiber angeht). Das funktioniert auch wunderbar, wenn man eine Windows-Vollversion (keine OEM-Version) hat.
    Und nun beißt sich die Katze in den Schwanz: Setzt man mit sysprep die Installation auf dem Rechner zurück, gehen alle Treiber flöten .. auch die hardware-treiber. man kann eigentlich nichts mehr tun, außer runter fahren. man kann disk2vhd nicht mehr nutzen.
    Wie bekomme ich jetzt die VHD-Datei?

    • Sorry, aber Du denkst verkehrt: Nimm doch einfach die VHD-Datei, lad‘ sie in Deiner VirtualBox und starte das Windows im abgesicherten Modus (etwa indem Du F8 drückst oder, falls das nicht geht, die VM einfach ausschaltest, wodurch anschließend das entsprechende Menü angezeigt wird). Der abgesicherte Modus ist ohne Treiber, bootet also auf jeden Fall. Hier kannst Du jetzt Treiber, die Probleme machen, über die Software-Deinstallation entfernen. Danach „normal“ in der VM starten, VirtualBox-Treiber installieren, fertig.

  • Leider funktioniert es bei mir mit VirtualBox 4.3.28, Windows 8.1 und disk2vhd 2.01 NICHT beim Start der eingebundenen vhd-Datei erhalte ich in VBox den Fehler „FATAL: No bootable medium found!“ Bei disk2vhd hatte ich alle Partitionen ausgewählt.