Mit Chrome Remote Desktop bietet Google eine erstklassige Alternative zum mittlerweile nicht mehr sicheren TeamViewer. Wir zeigen Euch, wie es funktioniert.

Über Jahre hinweg habe ich Teamviewer verwendet, um von unterwegs auf PCs im heimischen Netzwerk zuzugreifen oder mal schnell bei Freunden und Verwandten technischen Support zu leisten. Da TeamViewer aber nunmehr Opfer eines ziemlich üblen Hackerangriffs wurde, suchte ich eine Alternative – und fand sie in Chrome Remote Desktop. Google liefert eine praktische Chrome-Erweiterung, die aus den Browser eine vollwertige und flexible Remote-Desktop-Lösung macht. Das funktioniert in der Praxis so zuverlässig, dass ich TeamViewer nicht mehr vermisse.

Chrome Remote Desktop funktioniert überall dort, wo Ihr den Chrome-Browser installieren könnt. Außerdem stellt Google eine passende App für Android und iOS zur Verfügung. Damit könnt Ihr PCs auch über das Handy oder ein Tablet aus der Ferne bedienen (was natürlich nicht allzu komfortabel ist, aber es funktioniert).

Ein wenig Grundvertrauen in Google vorausgesetzt müsst Ihr Euch übrigens keine Sorgen machen, dass Larry Page und Co. auf Eurem PC herumschnüffeln und Euch beim Remote Desktop-Betrieb zuschauen. Laut FAQ passiert die Übertragung des Bildschirms komplett verschlüsselt, sodass Google nicht sehen kann, was auf dem ferngesteuerten Rechner passiert. Im Detail heißt es:

Zu Ihrer Sicherheit sind alle Remote Desktop-Sitzungen durch die Verwendung der SSL-Funktionen von Chrome vollständig verschlüsselt. Darin ist die lückenlose Unterstützung von AES inbegriffen.

Ihre Verbindung wird zwar über die Server von Google eingerichtet, aber die eigentlichen Daten Ihrer Remote Desktop-Sitzung werden direkt vom Client an den Host gesendet. Nur in wenigen Ausnahmefällen werden sie unter Umständen über Relays von Google geleitet. Aufgrund der erforderlichen PIN und des Zugriffscodes kann Google jedoch niemandem außer Ihnen selbst Zugriff auf Ihren Computer geben. Client und Host verifizieren diese Angaben, ohne sie jemandem mitzuteilen. Auch Google erhält diese Angaben nicht. Durch die Kombination aus PIN/Zugriffscode und SSL-Verschlüsselung wird zudem sichergestellt, dass niemand Ihre Daten einsehen kann, wenn Sie eine Host-Verbindung (egal ob Peer-zu-Peer oder mittels Relay) herstellen, selbst Google nicht.

Ihre Sitzungsdaten werden nicht gespeichert und auch nicht so übermittelt, dass Google oder irgendein Dritter (außer den Teilnehmern) darauf zugreifen könnte.

Erfasst werden jedoch die Dauer Ihrer Sitzung und gegebenenfalls Daten zu Netzwerkverzögerungen. Diese Informationen sind völlig anonym. Wir verwenden sie, um zu erfahren, wie wir Chrome Remote Desktop in Zukunft verbessern können.

Mir persönlich genügt das, wenn Ihr es anders seht, müsst Ihr Euch nach anderen Alternativen zu TeamViewer und Co. umschauen (…und per Kommentar erzählen, worauf die Wahl fiel 😉 ).

Doch genug der Vorrede, fangen wir an!

1. Chrome Remote Desktop installieren

Wie schon erwähnt benötigt Ihr natürlich als erstes den Chrome-Browser bzw. alternativ Chromium. Anschließend müsst Ihr diese Seite ansteuern und die Erweiterung für Chrome Remote Desktop installieren. Startet Chrome Remote Desktop anschließend über das Startmenü bzw. die Spotlight-Funktion des Macs.

2. Fernsteuerungs-Tool für Chrome Remote Desktop installieren

Auf dem Computer, den Ihr per Erweiterung fernsteuern wollt, müsst Ihr nun noch ein Zusatzprogramm installieren. Google bietet dies für Windows, macOS und Linux an. Um es herunterzuladen, klickt in Chrome Remote Desktop auf „Teilen“. Das Programm schlägt dann automatisch den Download des zu Eurem System passenden Tools vor. Installiert dieses anschließend auf Eurem Rechner.

3. Fernzugriff mit Chrome Remote Desktop erlauben

Nach der Installation des Hilfsprogramms erstellt ein erneuter Klick auf „Teilen“ einen zwölfstelligen Zugangscode. Über diesen Code können nun andere User auf den Computer zugreifen und ihn fernsteuern.

4. Kontrolle über einen PC übernehmen

Dazu klickt Ihr Chrome Remote Desktop auf „Zugreifen“ und gebt den Code ein. Nach wenigen Sekunden erscheint der komplette Desktop des ferngesteuerten Computers im Fenster und Ihr könnt diesen über das Internet bedienen, als säßet Ihr „live“ davor. Ihr könnt das Fenster vergrößern, um die optimale „Desktop-Erfahrung“ zu generieren. Leider ist es – Stand dieses Tutos zumindest – noch nicht möglich, mit Chrome Remote Desktop Dateien zwischen den Rechnern zu verschicken. Davon abgesehen funktioniert das Ganze aber meiner Einschätzung nach sehr gut.

Windows im Fenster, Mac auf dem Desktop – die Fernsteuerung mit Chrome Remote Desktop funktioniert hervorragend

5. Unbeaufsichtigten Zugriff zulassen

Mein persönliches „Killerfeature“ von Chrome Remote Desktop ist die Möglichkeit, Computer mit Eurem Google-Konto zu verknüpfen und jederzeit ohne Zugangscode darauf zugreifen zu können. Dazu müsst Ihr Euch in Chrome mit einem Google-Konto anmelden. Anschließend klickt im Hauptbildschirm des Programms auf „Remote-Verbindungen aktivieren“. Chrome Remote Desktop fordert Euch anschließend auf, einen sechsstelligen PIN-Code einzugeben, den Ihr Euch natürlich merken müsst.

6. Ohne Zugangscode auf die eigenen Computer zugreifen

Einmal vorbereitet könnt Ihr nun unterwegs oder im eigenen Netzwerk jederzeit auf die entsprechenden Computer zugreifen, ohne den langen Zugangscode einzugeben. Die für den Fernzugriff vorbereiteten Computer tauchen auf der Startseite von Chrome Remote Desktop im Bereich „Meine Computer“ auf. Klickt hier einfach den entsprechenden PC an, gebt den PIN-Code ein und schon habt Ihr von überall Zugriff auf Eure Rechner. Feine Sache!

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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1 Kommentar

  • Perfekt! Genau danach habe ich gesucht.

    Ich hab bisher auch IMMER Teamviewer verwendet und war auch echt zufrieden. Das mit dem Hackerangriff hab ich gar nicht mitbekommen, werde aber nun lieber die Chrome-Alternative verwenden.

    DANKE