Ihr wollt eine ständig erreichbare virtuelle Maschine einrichten? Dann installiert VirtualBox auf einer NAS. Wir zeigen Euch, wie es geht!

Dass NAS-Systeme weitaus mehr sind, als reine Datenspeicher im Netzwerk, haben wir schon diverse Male bewiesen. Ob als Kodi-Player oder Ziellaufwerk für Time-Machine-Backups, eine NAS kann eine Menge. Doch das ist noch nicht alles: High-End-NASen bieten mittlerweile die Möglichkeit, per Virtualisierung ganze Computer im Netzwerk zu simulieren. Ob Synology, QNAP oder ASUSTOR, immer mehr Hersteller erlauben es, per VirtualBox einen Computer auf der NAS einzurichten. Wir zeigen Euch, wie Ihr VirtualBox auf einer NAS einrichtet und eine virtuelle Maschine im Netzwerk anlegt. 

VirtualBox auf der NAS: Was, wieso und warum?

Doch was habt Ihr davon, VirtualBox auf einem NAS-Server laufen zu lassen? Nun, eine ganze Menge. Über die Vorteile und Möglichkeiten von virtuellen Maschinen haben wir uns bereits das eine oder andere Mal ausgelassen. Wenn Ihr nun eine virtuelle Maschine auf der NAS installiert, könnt Ihr auf Eurem Arbeits-Rechnern Ressourcen einsparen. Nicht nur liegt die VM samt ihrer Festplatte direkt auf dem NAS-Laufwerk, auch die CPU Eures Laptops wird nicht belastet. Ein weiterer Vorteil: Eine virtuelle Maschine auf der NAS ist über das Netzwerk von jedem PC aus erreichbar. So könnt Ihr eine VM 24/7 laufen lassen, bestimmte Betriebssysteme ausprobieren und so weiter. In der Praxis könnt Ihr mit Virtualisierung natürlich nicht nur rumspielen, sondern auch professionelle Anwendungsszenarien umsetzen.

Virtuelle Maschine per NAS: Die passende Hardware

Natürlich bedarf es einiges an Rechenpower, um eine virtuelle Maschine auf einem NAS-Server laufen zu lassen. Grundsätzlich funktioniert die Virtualisierung meines Wissens nach nur auf NASen mit x86-kompatiblen Prozessoren. In unserem Beispiel installieren wir Debian auf einer Asustor 6204T. Das gute Stück ist mit einem Quadcore-Celeron-Prozessor und 4 Gigabyte RAM schon vergleichsweise leistungsstark. Trotzdem war mein erster Test mit einem virtuellen Windows 8.1 eher quälend. Für die Virtualisierung eines schlanken Linux-Systems wie Debian oder selbst Ubuntu reicht die Power des Servers aber allemal. Bei Asutor basiert die Virtualisierung übrigens auf dem bekannten VirtualBox.

Moderne NAS-Systeme wie die ASUSTOR 6204T stellen virtuelle Maschinen im Netzwerk zur Verfügung (Bild: ASUSTOR)

Andere Hersteller bieten zum Teil eigene Lösungen an. Qnap liefert auf seinen Profi-NASen beispielsweise mit Virtualization Station eine vielseitige Software, in die Ihr auch VMs aus VirtualBox oder VMWare importieren könnt. Meine Haus-und-Hof-Marke Synology bietet auf seinen High-End-Geräten vor allem Virtualisierungslösungen für professionelle Umgebungen. So bieten Geräte wie die Synology DS216+II Unterstützung für virtuelle Container via Docker.

Wir konzentrieren uns aber auf die „einfache“ Virtualisierungslösung mit VirtualBox.

1. VirtualBox auf der NAS installieren

In unserem Beispiel mit einer ASUSTOR-NAS ist die Einrichtung von VirtualBox auf dem NAS-System in wenigen Klicks erledigt. Loggt Euch in das Backend ein und öffnet die „App Central“. Hier sucht Ihr nach „VirtualBox“ und installiert das Ergebnis. Zusätzlich solltet Ihr dabei auch gleich die VirtualBox Extension installieren. Diese bringt später einen Haufen praktischer Extrafunktionen für VirtualBox.

Auf ASUSTOR-NASen könnt Ihr VirtualBox direkt installieren

2. ISO-Images auf die NAS kopieren

Damit Ihr eine virtuelle Maschine auf der NAS betreiben könnt, braucht Ihr natürlich ein passendes ISO-Image. Im Beispiel richten wir Debian in der virtuellen Maschine ein. Das passende ISO könnt Ihr hier herunterladen und dann direkt auf die Netzwerkfestplatte kopieren. Genauso könnt Ihr natürlich ein Ubuntu-Image herunterladen oder auch ein Medium für Windows 10.

Kopiert die ISO-Datei auf die NAS

3. VirtualBox per Browser öffnen

Nun seid Ihr im Grunde startbereit. Die eigentliche Einrichtung von VirtualBox auf dem NAS-Server erfolgt nun via Browser. In der Regel gebt Ihr dazu die IP-Adresse der NAS gefolgt von „/virtualbox“ ein. Alternativ dazu könnt Ihr VirtualBox auch direkt über das NAS-Backend starten. Das Ganze basiert übrigens auf dem sehr interessanten Projekt phpVirtualBox.

Der Zugriff auf VirtualBox erfolgt per Browser

4. Virtuelle Maschine auf der NAS einrichten

Die Einrichtung von VirtualBox auf der NAS funktioniert nun im Grunde genauso, wie Ihr es von der Desktop-Version kennt (hier eine ausführliche Anleitung dazu). Natürlich müsst Ihr bei der Erstellung einer VM darauf achten, welche Ressourcen Euer NAS-System abzwacken kann. Auf meinem ASUSTOR-Testgerät habe ich beispielsweise 2 der 4 Gigabyte RAM für eine VM zur Verfügung gestellt. Wollt Ihr die virtuellen Maschinen ständig laufen lassen, müsst Ihr hier einfach experimentieren. Bei der Zuweisung des Installationsmediums müsst Ihr natürlich zum Ort navigieren, an dem Ihr das ISO abgelegt habt. In der Regel findet Ihr die NAS-Laufwerke im Menü im Abschnitt „SHARES“.

5. Virtuelle Maschine auf der NAS starten und per Browser fernsteuern

Nun könnt Ihr die virtuelle Maschine auf dem NAS-Server starten. Um das darin laufende Betriebssystem fernzusteuern, benötigt Ihr ebenfalls einen Browser. Im Falle meines ASUSTOR-NAS-Systems funktionierte dies leider nur bei installiertem Flash Player. Für die Fernbedienung klickt Ihr im Fenster von phpVirtualBox oben rechts auf die Schaltfläche „Console“. Stellt dann bei „Requested Desktop Size“ eine Größe für das Fenster ein und klickt auf „Connect“. Wenn nun alles funktioniert, solltet Ihr die grafische Oberfläche des virtuellen Systems sehen. Führt nun die Installation des Gastsystems in VirtualBox durch.

Hier installieren wir Debian auf einer NAS-VM

6. VirtualBox auf der NAS in der Praxis

Einmal eingerichtet könnt Ihr die VM auf der NAS jederzeit per Browser starten. Auch Sonderfunktionen wie Snapshots lassen sich nutzen. Habt Ihr keine Lust auf die Fernsteuerung im Browser? Dann dürft Ihr auf den meisten Gastsystemen auch den Zugriff per Remote Desktop oder auch per Kommandozeile aktivieren. Damit könnt Ihr eine laufende VM direkt ansteuern. Auch Lösungen wie Team Viewer oder der von mir favorisierte Chrome Remote Desktop lassen sich als Alternative nutzen.

Debian in der virtuellen Maschine auf der NAS – läuft gut 🙂

Unabhängig zur manuellen Einrichtung einer neuen Maschine ist es natürlich auch möglich, eine fertige VM-Appliance zu importieren.

Alles in Allem finde ich die Möglichkeit, eine NAS als Virtualisierungsserver zu verwenden, grandios. Wenn irgendwann einmal ein Nachfolger für meine treue Synology ins Haus steht, spielen die Möglichkeiten zur Virtualisierung auf jeden Fall eine Rolle spielen. Wollt Ihr mehr Power für Eure virtuelle Maschine im Netzwerk, solltet Ihr diese aber direkt auf einem PC installieren. Beispielsweise könnt Ihr einen Intel NUC als Virtualisierungsserver abstellen – mehr dazu demnächst auf Tutonaut.de 😉

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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