Gerade grottenschlechte Fotos können in sozialen Netzwerken durchaus noch ihre Berechtigung haben und für alle Zeiten als Meme durchs Web geistern. Natürlich müsst Ihr dafür nicht Eure schlechtesten Bilder nehmen – das klappt auch mit feinen Werken 😉

Foto ist nicht gleich Foto: Ist das Bild über- oder unterbelichtet oder besonders verwackelt, landet es bei den meisten Fotofans direkt im Papierkorb. Das muss jedoch nicht sein: Gerade grottenschlechte Fotos können in sozialen Netzwerken durchaus noch ihre Berechtigung haben, ja sogar viral gehen und für alle Zeiten als Meme durch Facebook, Twitter und Co. geistern. Alles, was Ihr dafür machen müsst, ist ein schlechtes Foto ein wenig zu bearbeiten. Wir zeigen Euch, wie es geht.

1. Ein wirklich schlechtes Foto wählen und eine Meme erstellen

Dieses Foto ist wirklich schlecht: Als schneller Funktionstest der Fokusqualität eines Objektivs quer über den Schreibtisch geschossen, zeigt es als Motiv eine Bierflasche, einen Post-It-Stapel sowie einen vollen Aschenbecher. Der goldene Schnitt fehlt ebenso wie ein vernünftiger Bildausschnitt, der Hintergrund verschwindet in Tiefenunschärfe. Ja: Ihr seht hier ein Foto, das nach allen Regeln der Fotografie und Ästhetik Mist ist. Einzig die Verwendung des internen Blitzes der Kamera hätte das ganze Bild noch mehr verderben können.

Schlechtes Bild nehmen…

2. Retro-Kunstfilter anwenden

Schaut Euch das Bild jetzt an: Bierflasche, Schreibtisch, Aschenbecher… das sieht nach Arbeit aus, deprimierender Arbeit, journalistischer Arbeit. Das bedeutet, dass das Bild eine depressive Grundstimmung hat, die man perfekt mit Retro-Kunstfiltern à la Hipstamatic hervorheben kann. Dabei helfen Online-Bildbearbeitungstools wie Rollip oder Fotor. Wichtig: Das Bild sollte anschließend sehr monoton wirken.

… durch einen Filter jagen…

3. Bild in Schwarzweiß umwandeln und mit Rauschen versehen

Nun müsst Ihr das Bild nur noch mit einem sattem Schwarz und ordentlich Körnung in Schwarzweiß setzen. Dabei helfen Bildbearbeitungstools wie etwa Photoshop oder das vorzügliche Pixelmator für den Mac. Aber auch iPhoto, Picasa oder The Gimp können dabei helfen, da sie über ähnliche Funktionen verfügen. Spielt so lange an den Reglern für den Tonwert und das Bildrauschen herum, bis Euch das Bild weinerlich genug erscheint.

… richtig depressiv bearbeiten…

4. Einen klugen Spruch dichten und in Helvetica-Schrift einfügen

Schön, oder? Das Bild wirkt jetzt nicht mehr wie ungewollt und ungekonnt, sondern so, als hätte der Fotograf exakt diesen Bildausschnitt, diese Komposition, geplant. Als wäre ein großer Künstler am Werk gewesen. Nun kommt jedoch der wichtigste Schritt: Dichtet einen poesiealbumhaften, für wirklich jeden verständlichen und ultratiefsinnigen Spruch, wie er nur aus Emo-Mund oder von Julia Engelmann stammen kann, und schreibt ihn ausschließlich mit Helvetica oder, noch besser, der typischen Meme-Schriftart Impact auf das Bild, etwa:

Mein Leben ist wie eine Bierflasche: Immer leer.
Ich bin wie ein Aschenbecher: Immer voll.

Traurig, oder? Also ab auf’s Bild damit!

… mit einem schönen Spruch in Helvetica beschriften…

5. Bild twittern, facebooken, pinteresten

Jetzt kommt der schönste Teil: Nehmt das Bild, packt es in einen Tweet und in Eure Facebook-Timeline, zu Pinterest, Instagram, egal, hauptsache weg damit. Lasst es ein wenig kursieren oder postet es mehrfach. Schon bald werdet Ihr merken, dass es die Runde macht und wieder und wieder – auch in Varianten – in Euren Netzwerken auftaucht.

… und in Social Networks posten.

Hier gibt’s das ganze Elend zum Download.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.