Gratis-Lesestoff für Euren Kindle könnt Ihr Euch nicht nur über Amazon besorgen! Wir zeigen Euch, wie Ihr aus einem Raspberry Pi einen eBook-Server bastelt

Das Internet bietet tonnenweise freie Literatur zum Herunterladen auf eBook Reader wie Amazons Kindle oder den Tolino von Thalia und Co. Große Klassiker findet man bereits in gängigen Formaten auf Projekt Gutenberg – und zwar kostenlos und völlig legal. Doch jedes Mal den Kindle an den PC/Mac anschließen um neue Literatur auf das Gerät zu überspielen? Das muss nicht sein! In diesem Tutorial von unserem Gastautoren Benjamin Mewes verwandelt Ihr ein günstiges Linuxboard für unter 10 Euro (wie den Orange Pi One oder den Raspberry Pi Zero) in einen kleinen, leichten eBook Server der eure Calibre-Bibliothek (mehr dazu findet Ihr hier) ins Netz bringt.

Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: Statt jedes Mal die kostenlosen oder anderweitig bezogenen eBooks für den Kindle manuell per Kabel zu übertragen, nutzt Ihr einfach den integrierten Webbrowser und ladet Euch die Bücher direkt vom dauerhaft laufenden Raspberry Pi herunter. So habt Ihr immer aktuellen Lesestoff, ohne jedes Mal manuell eingreifen zu müssen. Wie immer bei Linux gilt: Die erstmalige Einrichtung ist ein wenig aufwändig, wenn der kostenlose eBook-Server aber erst einmal lauft, werdet Ihr ihn nicht mehr missen wollen!

Der Raspberry Pi als Zulieferer für den Kindle – ein weiterer Beleg für die Vielseitigkeit des kleinen Allrounders

eBook-Server für den Kindle – was brauche ich dafür?

Erst einmal ein eingerichtetes Linuxboard. Mit einem Raspberry Pi oder dem günstigeren Orange Pi geht das am einfachsten, wenn Ihr ein passendes Debian-Image herunterladet und nach der Anleitung auf eurem Board installiert. Jetzt müsst ihr nur noch das Board an das Netzwerk anschließen und schon könnt ihr loslegen. Nicht wundern: Wir sprechen im Folgenden der Einfachheit halber vom Raspberry Pi, die Einrichtung funktioniert aber auf jedem System, dass auf Debian basiert.

NGINX-Server auf dem Raspberry Pi aufsetzen

Als erstes installieren wir einen leichten Webserver, der nachher die Seite im Browser  darstellt, über die Ihr Euch die kostenlosen Ebooks für den Kindle herunterladen könnt. Dazu laden wir zunächst das Paket NGINX und die Software PHP5 via Terminal herunter. Gebt dazu folgende Befehlskette in das Terminal Eurer Linux-Distribution ein und bestätigt mit eurem Passwort:

sudo apt-get install nginx php5-fpm php5-gd php5-sqlite php5-json php5-intl

Wählt nun das Standard Verzeichnis eures NGINX Servers aus. Hier werden später alle eBook-Inhalte abgelegt und gesucht. Öffnet dazu die Einstellungsdatei in nano:

cd /etc/nginx
sudo nano sites-enabled/default

Stellt nun das Verzeichnis /var/www/ als root Verzeichnis ein:

server {
listen 80 default_server;
listen [[::]]:80 default_server ipvp6only=on;
root   /var/www/;
index  index.html index.htm;        }

Wichtig: In der Zeile „index index.html index.htm;“ fügt ihr noch ein „index.php“ nach „index“ hinzu. Vergleicht die Einstellungen einfach mit dem Screenshot!

Über diese Einstellungen macht Ihr Euren eBook-Server im Netz erreichbar

Um nano zu verlassen, müsst ihr nun STRG+X drücken. Das Programm fragt euch ob Ihr speichern wollt, was Ihr mit „Y“ beantwortet und mit der Eingabetaste bestätigt.

Den eBook-Server starten

Das war es auch schon! Startet den neu eingerichteten Server für Eure Ebooks nun mit folgendem Befehl:

sudo /etc/init.d/nginx start

Damit der Ebook Server fehlerfrei funktioniert, muss noch die PHP-Erweiterung aktiviert werden.  Dazu wechselt ihr in das NGINX-Verzeichnis und öffnet eure Begrüßungsseite:

cd /etc/nginxsudo nano sites-enabled/default

Scrollt nun weiter nach unten (mit dem Pfeiltasten) und löscht das # vor folgenden Zeilen:

location ~ .php$ {
fastcgi_split_path_info ^(.+.php)(/.+)$;
fastcgi_pass unix:/var/run/php5-fpm.sock;
fastcgi_index index.php;
include fastcgi.conf;
}

Speichert die Änderungen und verlasst nano.

Jetzt muss NGINX neugestartet werden:

sudo /etc/init.d/nginx reload

Durch das Auskommentieren dieser Zeilen aktiviert Ihr PHP auf dem Server

Wechselt mit dem Terminal in euer /var/www Verzeichnis:

cd /var/www/

Erstellt nun eine Datei namens index.php indem ihr die index.html kopiert und in nano öffnet um sie zu verändern:

sudo mv index.html index.php
sudo nano index.php 

Löscht alle Inhalte aus der Datei heraus und gebt stattdessen folgende Zeile ein:

<?php echo phpinfo(); ?>

Verlasst nano und speichert die Datei. Wenn ihr jetzt im Browser eures Raspberry Pi (oder welchen Mini-PC ihr auch immer verwendet) „localhost“ als Adresse eingebt, sollte eine PHP-Informationsseite erscheinen. Der Webserver für euren eBook-Server ist nun bereit!

eBook-Server COPS auf dem Raspberry Pi einrichten

Jetzt installieren wir den eBook Server COPS. Besucht dazu die Github-Homepage und entpackt das Zip-Archiv im „/var/www/“ – Ordner auf eurem Linuxboard. Erstellt euch am besten einen Unterordner „/ebooks/“, in den ihr den Inhalt des Zip-Archivs reinpackt. Als letztes kopiert ihr eine Calibre-Bibliothek von eurem PC oder Mac mitsamt den eBooks auf euer Linuxboard (dazu nutzt Ihr beispielsweise einen SSH-Client). Ich empfehle euch, einen Ordner mit dem Namen library im „/var/www/ebooks/“-Ordner anzulegen. Im Terminal geht das so:

cd /var/www/ebooks

sudo mkdir /library/

Die eigentliche Einrichtung des eBook-Systems ist jetzt nur noch wenige Textdatei-Änderungen entfernt, aber leider recht umfangreich. Falls ihr nicht im „/var/www/ebooks/“ Ordner seid, wechselt mit dem Terminal in das Verzeichnis hinein.

cd /var/www/ebooks/

Kopiert nun die Servereinstellungen:

sudo cp config_local.php.example config_local.php

Ruft nun mit dem schon bekannten Texteditor nano im Terminal die Datei config_default.php auf:

sudo nano config_ default.php

Navigiert mit den Pfeiltasten in die Zeile, in der der Pfad zur Calibre-Datei angezeigt wird und gebt den Pfad zum Ordner library an, den wir eben erstellt haben:

$config['calibre_directory'] = '/var/www/ebooks/library/';

Mit diesen Einstellungen macht Ihr den eigentlichen eBook-Server startklar

Geschafft! Der eBook-Server ist nun bereit für den Einsatz. Startet den Webbrowser und gebt die IP-Adresse eures Linuxboards an. Testweise könnt ihr auch direkt in einem Webbrowser auf dem Linuxboard die Adresse „localhost/ebooks“ angeben. Wenn alles geklappt hat, sollte nun die Liste mit Euren Gratis-eBooks erscheinen, die Ihr mit einem Klick herunterladen könnt. Auf dem Kindle müsst Ihr nun noch in den Einstellungen Beta-Funktionen aktivieren und im Browser über die IP-Adresse auf den COPS-Server zugreifen.

Per Klick Bücher auf den Kindle herunterladen – mit einem eigenen Server kein Problem!

Ab sofort könnt Ihr alle Bücher, die Ihr mit Calibre für den Kindle vorbereitet habt, mit einem Klick auf den Kindle herunterladen – damit geht Euch der Lesestoff garantiert niemals aus!

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Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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Kommentare

  • Klasse Artikel. Aber braucht man das? Ich habe einfach alle eBooks in Calibre und kann die dann auf den Kindle synchronisieren – der fasst ja immerhin 2.000 Stück, die Zeit zum Lesen muss man erstmal finden 😉

    • Ich habe das nicht geschrieben, enthalte ich mich. Aber als jemand, der kürzlich als Auftrag einen Artikel zur Sicherung einer NAS auf (!) den Raspberry Pi geschrieben hat, glaube ich, dass man… öhm…. ALLES braucht, was mit dem Raspi zu tun hat 😀

  • OPDS Feed kann man bei manchen Readern und Tablet Apps auch einbinden + COPS stellt die Bibliothek auch als OPDS dar.

    Nettes Zusatzfeature. 🙂