Erinnert Ihr Euch noch an das furchtbare Microsoft Songsmith? Wir haben kurz drüber gebloggt.

Microsoft ist ja bekannt für zeitlose, hervorragend durchentwickelte Produkte. Intuitiv bedienbare Hard- und Softwarelösungen, die der Kreativität erst den nötigen Schub geben, weil sie einfach so praktisch und funktional sind und den technischen Overhead reduzieren. Programme, die gerne von Profis aus Kunst und Kultur bei der Arbeit verwendet werden und… Ach nein, Entschuldigung, das war Apple. Microsoft hingegen, nunja, ist mit neuem Manager, coolen Produkten wie Windows 8 und dem Surface Pro 3 und ein wenig weniger Office-Mentalität inzwischen immerhin auf dem richtigen Weg. Produkte wie Songsmith vonMicrosoft wollen wir nämlich nie wieder sehen!

Intro des Werbespots: Was haben wir über diesen charmanten Witz gelacht.

2009, lange vor dem endgültigen Scheitern des Zune und der Erfindung einer brauchbaren iPhone-Konkurrenz, erkannte Microsoft, dass den Nutzern nicht mehr nach bräsigen Office-Projekten und Powerpoint-Folien stand. Kreativität war gefragt – und was ist kreativer als Musik? Man entschloss sich, eine Alternative zu Apples Musikertool Garage Band ins Rennen zu schicken. Was dann geschah… nunja, seht selbst:

Ein scheußlicher Spot
„Songsmith“ hieß dieses kultverdächtige Produkt mit dem fremdschamsprühenden 4-Minuten-Spot und dem spießigen Namen. Songsmith… das klingt wie das Gegenteil von Garage Band: Da ist der Name Smith in all seiner massenhaften Gewöhnlichkeit, auch als metallverarbeitende Berufsbezeichnung ist der englische „Schmidt“, also „Schmied“, nicht gerade Garant für funkensprühenden Feingeist, sondern eher für stahlharte Gewalt. Da ist das „Singen“, worum es ganz offensichtlich geht und das in Zeiten von Youtube und selbstverlegten MP3s versprach, auch die untalentiertesten Duschkabinensänger in kleine Stars zu verwandeln.

„I’m singing Songs with Songsmith, Dad, because it’s the cool new thing.“ Nicht.

Während Apple schon bei der Namenswahl den Geburtsort vieler guter Bands, die heimische Garage, einsetzte, zeigte Microsoft blanke Brachialität. So auch der scheußliche Spot, der, unterlegt von einfachsten Midi-Klängen, Menschen beim Singen zeigt, mit denen man nicht einmal im gleichen U-Bahn fahren möchte. Ein Musikprogramm für die Kollegen, die ihre Kreativität sonst durch Effekte in Powerpoint-Folien auslegen. Erschreckend, wenn man über den Aufwand hinter der Idee, Projektplanung und Entwicklung der Software nachdenkt: Dutzende Menschen waren involviert, haben Meetings abgehalten und diesen Spot produziert – und niemandem ist etwas aufgefallen. Auch nicht, dass der Rechner im Spot ein Macbook Pro ist.

Songsmith beim Meeting? Laut Microsoft kein Problem. Man beachte den „WHAT THE FUCK“-Blick der beiden Business-Leute links und rechts.

Nun war Songsmith interessanterweise nicht völlig erfolglos: Im Forum wird bis heute über Funktionen und Lösungen diskutiert, auch wenn die letzte Produktpflege schon mehrere Jahre zurückliegt. Microsoft lässt Songsmith inzwischen ganz offensichtlich sterben – was für die Musikwelt sicher kein all zu herber Verlust ist.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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