Welche Technik-Gadgets eignen sich als Reisebegleiter? Und welche kann man getrost weglassen? Hier meine Packliste im Praxis-Check.

Nun denn. Von den vier Wochen Indien sind bald drei vorbei und ich bin aus verschiedenen Gründen nicht einmal dazu gekommen, hier einen Blogeintrag zu verfassen. Da war einerseits die Tour, die kaum Freizeit ließ, hinzu kamen die vielen Eindrücke und natürlich die Tatsache, dass das Internet hier im indischen Süden – zumindest an den Orten, an denen ich war – faktisch nur selten wirklich nutzbar war. Wi-Fi haben sie alle, ausreichend schnell oder im Hotelzimmer verfügbar ist es aber selten. Hier daher ein kurzer Überblick über meine finale Technik-Packliste – und wie sie sich bewährt hat.

Gewicht gespart – trotz zusätzlicher Geräte
Mitgenommen habe ich nach langem hadern ein Minimum an technischer Ausstattung: Neben Kindle und Fuji X30-Digitalkamera war natürlich das iPhone Pflicht. Als Image-Tank und für den Einsatz als Unterwegs-Surfbrett entschied ich mich dann doch für das Macbook Air 13″ statt des iPads mit Tastaturhülle, auch weil ein Laptop im Fall der Fälle einfach das praktischere Arbeitsgerät ist. Hinzu kamen ein Dual-USB-Netzteil, ein Lightning- und ein Micro-USB-Kabel sowie das Netzteil des Macbooks, eine Ersatz-SD-Karte und einen großen USB-Stick als „Tauschmedium“, falls unterwegs irgendwelche Daten ausgetauscht werden müssen, was jedoch bisher nicht der Fall war. Gegenüber früheren Reisen konnte ich mit vier Geräten zwar nicht den Fuhrpark an sich reduzieren, aber dafür das Gesamtgewicht.

Gratis-Wi-Fi gibt’s inzwischen überall. In Indien mag’s aber nicht so recht funktionieren.

Wenig Gewicht trotz „Vollausstattung“
Nun sitze ich mit dem ganzen Kram mit einer kalten Limca auf dem Balkon meines Hotels, wo das Wi-Fi sich zumindest zeitweise stabil verhält, und bin weitestgehend zufrieden mit der Gadget-Wahl. Alles zusammen brachte inklusive aller Netzteile kaum mehr als 3 Kilo auf die Waage, hat also unterwegs nicht gestört. Auch die Packgröße und Verstaubarkeit des Equipments im Safe oder im abschließbaren Rollkoffer stellte nie ein Problem dar. So war das Equipment nie eine Belastung, aber jederzeit in Sicherheit.

Eigentlich reicht dieses Zubehör, um bei einer Reise gut ausgestattet zu sein. Den Kindle habe ich vergessen, auf’s Foto zu nehmen.

Mit Rollen reist’s sich besser
Apropos Rollkoffer: Nachdem ich im vorvergangenen Jahr in Thailand noch mit dem Rucksack unterwegs war, weiß ich heute, warum ich nach langer Überlegung zum Rollkoffer gegriffen habe: Einerseits, weil ich bei 35 Grad Außentemperatur und ca. 90% Luftfeuchtigkeit wirklich keine Lust habe, zwei (!) Rucksäcke zu schleppen. Zum anderen hat der Rollkoffer den Vorteil, unterwegs keine Last zu sein, hohen Bordsteinen oder holprigen Fußgängerwegen zum Trotz. Und so ein Rollkoffer hat auch einen sozialen Aspekt: Für die allgegenwärtigen Dienstboten, die Gepäck ins Hotelzimmer bringen, ist ein Rollkoffer weit weniger anstrengend als ein Rucksack – wie übrigens auch für den Reisenden. Insgesamt kann ich daher jedem Reisenden nur ans Herz legen, auf einen (robusten) Rollkoffer zu setzen. Anders als der Rucksack hat mich das Teil nämlich bislang nicht einmal gestört. Und trotz geringer Anschaffungskosten und indischen Grob-Asphalts mit Riesenschlaglöchern sind auch die Räder noch völlig intakt. Ja, ich denke, dass der klassische Backpacker-Rucksack nur noch Folklore ist, aus einer Zeit, als es eben keine Rollkoffer gab. Dafür nehme ich auch gerne in Kauf, im Urlaub wie ein Business-Fritze auszusehen, denn der Trick am Reisen ist nicht die Wahl des Gepäckstücks, sondern die Packgröße – und hier bin ich mit meinem mittelgroßen Rollkoffer wirklich auf der sicheren Seite. Da können mich die Vertreter der Backpacker-Subkultur dreimal mit großen Augen anstarren und für „uncool“ befinden, das ist mir egal.

Für die Affenfotografie wäre mehr Zoom gut gewesen.

Die ewige Sorge um’s Notebook
Aber zurück zu meinem Technik-Klimbim: Für künftige Reisen nehme ich mir vor, weiter zu reduzieren. Das Macbook zum Beispiel kommt zwar gerade bei diesem Blogeintrag zum Einsatz, war jedoch den restlichen Teil der Reise trotz seiner nur 1,5 Kilo inklusive Netzteil fast ausschließlich Ballast. Was mich zu zwei Schlussfolgerungen führt: Laptop ja, auf jeden Fall. Aber: Je kleiner, desto besser. Nun wiegt das Air nicht viel, aber ein 11″-Gerät (oder ein altes, preiswertes Netbook) hätte es auch getan, nur wollte ich das nicht extra anschaffen. Es geht sogar noch weiter: Das 13″-Air ist fast schon zu groß, weil man ständig Angst hat, es könnte sich verbiegen oder zu auffällig für Langfinger sein – alles, noch größer, schwerer oder wertvoller ist, empfehle ich daher nicht. Wer nur unterwegs ein wenig surfen will, sollte zudem überlegen, ob nicht ein Tablet das sinnvollere Gerät ist, zum Bloggen, Facebooken, Tumblrn und Twittern reicht es allemal, wobei ich aufgrund der beschränkten Möglichkeiten hier vom iPad absehen und eventuell auf ein Microsoft Surface oder ähnliche Geräte setzen würde. Grundsätzlich empfehlenswert ist natürlich, auf ein möglichst billiges Gerät zu setzen oder teure Hardware wenigstens in einer billig wirkenden Hülle zu verstecken.

Suchbild mit indischem Bison.

Nächstes Mal mit Spiegelreflex – oder iPhone!
Ganz anders sieht es mit der Kamera aus: Die Fuji X30 hat mir zwar gute Dienste geleistet, allerdings zeigt sie massive Schwächen, wenn es darum geht, schnell zu sein. Wegen des 4-fach-Zooms und des 28mm-Weitwinkels ist sie zudem recht unflexibel, was die Optik – und damit die Motivwahl – angeht. Grundsätzlich lässt sich das durch ein wenig Bewegung, Stichwort „Turnschuh-Zoom“ bzw. „Turnschuh-Weitwinkel“, kompensieren, doch spätestens, wenn man Motive verpasst, weil der Zoom nicht reich oder die Einschalt- und Auslöseverzögerung doch eine Milisekunde zu lang waren, ärgert man sich. Zudem ist das Thema Kamera mit aktuellen Smartphones wie dem iPhone 5 mit 35mm-Optik und hoher Lichtstärke in vielen Standardsituationen durchaus ausreichend abgedeckt: Wenn die zusätzliche Digitalkamera nicht einen speziellen Vorteil wie hohen Weitwinkel- und Zoomfaktor oder eine deutlich bessere Bildqualität bietet, kann sie eigentlich zuhause bleiben. So war die X30 in vielen Fällen auch eher Ballast, viele meiner Bilder schoss ich mit dem iPhone und ich traf viele Reisende, die komplett auf eine „echte“ Kamera verzichtet haben und nur ihr Smartphone nutzten – mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen. Der 35mm-Optik des iPhones ist geschuldet, dass Nähe nur durch echte Nähe erzeugt wird, die Bildqualität ist zumindest bei Tageslicht ohne Tadel. Für künftige Reisen werde ich daher wohl entweder ausschließlich auf das iPhone als Kamera setzen – oder die dicke Canon EOS 60D samt 40mm-Pancake und Reisezoom mitnehmen. Gerade in Sachen Geschwindigkeit und Flexibilität sind diese Spiegelreflexen ihren Kompakt- und Systemverwandten nach wie vor deutlich überlegen. Die Fuji X30 – eine Notanschaffung, weil meine X10 zwei Wochen vor dem Urlaub den Geist aufgab und sich als wirtschaftlicher Totalschaden entpuppte, obwohl der Schaden relativ gering ist – werde ich wohl wieder verkaufen.

Ein Fest für die Makro-Linse: Feuerameisen.

Der Kindle: Der wohl praktischste Begleiter
Völlig ohne Tadel ist hingegen der Kindle Paperwhite als treuer Reisebegleiter: Vor dem Urlaub mit diversen eBooks ausgetankt, konnte ich unterwegs aus zahlreichen Büchern wählen. Er nimmt seinem Besitzer weder Strandsand, noch Stöße oder starke Sonne übel, der Akku hält ewig und falls er kaputt geht oder gestohlen wird, kann er jederzeit für kleines Geld neu gekauft werden. Ich habe ihn zum Schutz zudem mit einer robusten und eleganten Anker-Kunstlederhülle versehen. Richtig praktisch ist allerdings der eingebaute Kindle-Shop: Ist ein Buch ausgelesen, kann einfach ein neues gekauft werden, denn gerade deutschsprachige Literatur ist anderswo nur schwer zu bekommen. Einziges Manko: Amazon sollte über eine Ausleihfunktion zwischen Kindles nachdenken, damit Bücher zwischen zwei Kindles (eventuell in Form eines „Familienpakets“) ausgetauscht werden können. Das klappt zwar, wenn mehrere Kindles auf einem Amazon-Account laufen, wer als Paar oder Freunde jedoch mit eigenen Konten arbeitet, ist angeschmiert, wenn ein Buch ohne Kindle verliehen werden soll.

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Funktionierendes Internet ist in indischen Hotels eine Seltenheit.

Mein Fazit: Eigentlich reicht das iPhone
Nun ist dieser ganze Technikkram natürlich weitestgehend optional. Grundsätzlich kann man eine Reise nämlich auch komplett mit einem Smartphone bewältigen, denn die Geräte bieen einen kompletten Technik-Fuhrpark im Hostentaschenformat. Man kann mit ihnen im Web surfen, Unterkünfte buchen, Musik hören, Bücher lesen, Filme schauen und aufnehmen, fotografieren und so weiter. Mehr braucht man eigentlich nicht – und da man das Smartphone eigentlich immer dabei hat, muss man sich auch um langfingriges Hotelpersonal oder diebische Backpacker keine Sorgen machen. Laden lassen sich die Geräte auch überall, viele Fluglinien haben inzwischen USB-Stecker im Bord-Entertainment-System, vergessene USB-Netzteile und Lighning-Kabel lassen sich weltweit für kleines Geld ersetzen. Per Bluetooth-Keyboard lassen sich theoretisch auch am iPhone bequem Blogeinträge verfassen und natürlich gibt es auch genügend Spiele und anderen Firlefanz für jeden beliebigen Anwendungszweck. Sogar Unterwassergehäuse sind erhältlich.
Mir persönlich erscheint ein iPhone zwar wenig, wenn ich allerdings an die alten Zeiten zurückdenke, in denen man eine Kleinbildkamera, einen Walkman, Reiseführer, Bücher und Karten mit sich herumschleppte, fällt mir auf, dass der damalige Fuhrpark auch kaum mehr leistete als heute das kleine Telefon. Insofern kann man eigentlich auf alle anderen Gerätschaften verzichten.

Der Automatikmodus der Fuji X30 und ihre Lichtstärke sind beeindruckend.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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