Emulator-Games machen erst mit den richtigen Super-Nintendo-Gamepads wirklich Spaß. Wir haben ein besonders günstiges Modell getestet.

Man kann emulieren, wie man will, das richtige Retrogaming-Gefühl kommt erst mit dem richtigen Gamecontroller auf. Weil ich für OpenEmu schwärme und gerne Mario-Clones auf dem Mac zocke, war mir mein locker 10 Jahre altes Logitech-Wingman-Gamepad nicht mehr genug, ich wollte einen authentischen 16-Bit-Controller. Da kam mir das „USB Super Nintendo Controller-Set„, bestehend aus zwei Super-Nintendo-Gamepads für den USB-Port für lächerliche 6,99 Euro inklusive Versand aus China gerade recht.

SNES-Gamepads im Doppelpack für 6,99 Euro direkt aus China. Sie kamen nicht nur an…

Super-Nintendo-Gamepads – warum so günstig?

Gut. 6,99 Euro inklusive Versand aus China sind natürlich auf den ersten Blick eine echte Ansage für gleich zwei USB-Gamepads. Lizenziert ist da natürlich nichts, verzollt auch nicht. Ich habe auch ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass die Teile a) ankommen und b) auch noch funktionieren. Doch wer sich den Preis genauer anschaut, wird auch schnell feststellen, dass dieser „realistisch“ ist. Immerhin ist es Billigtechnik aus Billigmaterial. Solche Gamepads werden bei Amazon im Doppelpack zu 14,90 Euro verkauft – inklusive Import, Zoll, Händlermarge, Amazon-Gebühr und so weiter. Insofern scheint der Preis bei Direktimport aus China durchaus gerechtfertigt. Ein wenig Spielergeist gehört natürlich auch dazu: Mir sind bereits deutlich niedrigpreisigere Ebay-Käufe aus Fernost nach wochenlangem Versand im Zoll hängengeblieben, zuletzt ein USB-Bluetooth-Adapter für den Raspberry Pi (2,59 Euro inklusive Versand aus China!). Solche Preise rechtfertigen natürlich nicht den Aufwand, die Ware beim Zoll abzuholen. Ich habe in solchen Fällen einfach nochmal bestellt, beim zweiten Versuch ging es meist durch und oft genug sind die Händler kulant genug, das Geld für nicht angekommene Ware zu erstatten. Doch genug der Versandtheorie: Was taugen die Billig-Pads in der Praxis?

… sondern sind auch durchaus praxistauglich.

No-Name, aber gut!

Natürlich sind Gamepads dieser Preisklasse haptisch nicht wirklich mit Gamepads von Markenherstellern vergleichbar. Das Plastik fühlt sich billig an, schüttelt man die Pads, klappert es. Die Pads sind eine Spur zu leicht, was auf niedrige Plastikqualität schließen lässt. Im Direktvergleich mit alten SNES-Originalcontrollern, die ich noch im Keller hatte, wirken die Teile aber keinesfalls wie billige Kopien. Vielmehr ist erstaunlich, wie nah sie an die Originale herankommen. Alle Tasten – Steuerkreuz, A-B, L-R, X-Y, Start und Select sind vorhanden. Allerdings sind die Wege der Knöpfe eine Spur länger und der Druckpunkt fällt etwas härter und unpräziser aus als beim über 20 Jahre alten Originalcontroller aus meinem Keller – beim Spielen fällt das aber nicht auf.

Die Einrichtung unter OpenEmu für Mac OS X stellt übrigens kein Problem dar.

Jetzt macht Retro-Zocken richtig Spaß

Genau: Spielen! Denn genau dafür wurden die SNES-Gamepads für den USB-Anschluss ja angeschafft. Ich habe sie einfach am Macbook angeschlossen und OpenEmu gestartet und siehe da: Die Gamepads wurden sofort als Gamepads in den Controller-Einstellungen erkannt. Alle Tasten sind separat belegbar, wie es sein muss. Mit wenigen Tastendrücken am Joypad sind die Tasten dann auch richtig gesetzt und der Retro-Gaming-Spaß kann losgehen. Im Spiel schlagen sich die Controller dann dementsprechend gut, Super-Nintendo-Games machen mit diesen Controllern gleich doppelt so viel Spaß wie mit dem ollen Wingman-Joypad. Ob sie der Belastung durch hartes Spielen dauerhaft standhalten, ist natürlich die andere Frage – nach einigen Stunden Super Mario World sieht es aber immer noch gut aus. Und wenn wir ehrlich sind, ist es auch egal, ob so ein Gamepad nach einigen Monaten den Geist aufgibt: Der Ersatzcontroller wurde ja direkt mitgeliefert und falls beide durch sind, kostet Ersatz nur 6,99 Euro. Insofern kann ich bei diesem Produkt guten Gewissens (fast) volle fünf Sterne vergeben.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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