Mit dem LZR 588 liefert Magnat einen Over Ear-Bluetooth-Kopfhörer zum Kampfpreis – im Test prüfen wir, was der Kopfhörer taugt. 

Nachdem mein Macbook kürzlich nur knapp dem Falltod durch ein zu kurzes Kopfhörer-Kabel entgangen ist, begab ich mich auf die Suche einem guten kabellosen Kopfhörer. Aufgrund vieler positiver Tests und Kundenbewertungen entschied ich mich für den Magnat LZR 588, einem Over Ear-Kopfhörer mit langer Akkulaufzeit und elegantem Design. Wie sich der LZR 588 in der Praxis schlägt, verrate ich Euch im ausführlichen Test.

Mit einem Straßenpreis von knapp über 100 Euro befindet sich der Magnat LZR 588 im Mittelfeld der Bluetooth-Kopfhörer, verspricht aber dennoch eine Top-Leistung. Hersteller Magnat ist mir vor allem durch seine Boxen ein (guter) Begriff, in Sachen Kofphörern hatte ich bislang noch keinen Kontakt mit dem Hersteller. Umso gespannter war ich auf den Praxistest des LZR 588.

Da alles rund um das Thema Audio-Hardware ja vergleichbar kontrovers diskutiert wird wie Fußballvereine und Religionen vorab ein kleiner Disclaimer meinerseits: Ich bin mitnichten das, was man als “audiophil” bezeichnen kann. Ich höre zwar den Unterschied zwischen einer 128 kbp/s MP3 und einer AAC-Datei mit 256 kbp/s, kann aber letztere nicht von einer CD-Aufnahme unterscheiden. Grundsätzlich sind meine Ohren recht empfindlich, aber ich bin alles andere als ein Goldohr. Behaltet das bitte im Hinterkopf, wenn Ihr mir in den Kommentaren meine völlige Inkompetenz in Sachen Hörtest vorballert ;-p

Technisch auf der Höhe der Zeit

Der Magnat LZR 588 funkt mit Bluetooth 4.0 und verbindet sich auf Knopfdruck mit Laptops, Smartphones und Tablets. Dabei unterstützt er den Audiocodec aptX, der über Bluetooth Musikübertragung in CD-Qualität verspricht (das muss allerdings auch vom Quellgerät unterstützt werden!). Kurzum: in Sachen Soundübertragung macht Magnat alles richtig. Das macht sich auch in der Praxis bemerkbar: Im Test habe ich den Magnat-Kopfhörer mit einem Macbook, einem Windows 10-PC, drei Android-Geräten (inklusive dem Amazon Fire TV) und dem iPad Mini 2 gekoppelt und nie kam es zu irgendeinem Problem. Der Sound wurde stets verzögerungs- und unterbrechungsfrei übertragen – und das zum Teil sogar durch Wände hindurch. Mit „freier Sicht“ konnte ich mich problemlos acht Meter und mehr von der Soundquelle entfernen, ohne dass es zu Aussetzern kann – absolut top!

Schlicht und elegant: Designtechnisch überzeugt der LZR 588

Ein weiteres Highlight ist die Akkulaufzeit des LZR 588 BT. Magnat verspricht eine Wiedergabelaufzeit von bis zu 18 Stunden mit einer Akkuladung und auch nach intensiven Tests konnte ich dem kaum widersprechen. Selbst nach 12 Stunden Dauertest bei mittlerer Lautstärke (ich hatte den Kopfhörer dabei nicht die ganze Zeit auf 😉 ) dudelte der LZR 588 fröhlich und ununterbrochen weiter. Nach dem ersten Aufladen via microUSB-Kabel (dauert ca. 3 Stunden) konnte ich problemlos eine Arbeitswoche mit gelegentlichem Musikhören überstehen, ohne den Magnat wieder einzustöpseln. In Sachen Akkuleistung ist der Magnat-Hörer meiner Meinung nach über jeden Zweifel erhaben. Schade nur, dass keine Anzeige darüber informiert, wieviel Saft noch im Akku verbleibt. Nur mit einem iOS-Gerät gekoppelt verrät der LZR 588, wie es um die Batterieladung steht.

Klasse: Wenn dem Akku dann doch mal die Puste ausgeht, könnt Ihr wahlweise bei angeschlossenem Stromkabel weiterhören oder den Kopfhörer per mitgelieferten Klinkenkabel auf die altmodische Art und Weise nutzen.

Hinter dieser Klappe versteckt sich der microUSB-Anschluss zum Aufladen des Akkus

Für die Kenner unter Euch die wichtigsten technischen Eckdaten des Magnat LZR 588:

Treiber: 40 Millimeter „Laser-Technology“

Impedanz: 32 Ohm Frequenzbereich: 15 – 23.000 Hz

Schalldruck: 118 dB (1 kHz, 1 VRMS)

Klirrfaktor: < 0,18% THD (1kHz, 106 dB)

Gewicht: 239 Gramm

Design und Bedienung

Optisch machen die Magnat-Kopfhörer eine recht traditionelle Figur: Statt auf Pseudo-stylishen Killefitz setzt Magnat auf ein ziemlich gradliniges und (meiner Meinung nach) zeitloses Design mit Elementen von Schwarz und Silber. Das Kopfband ist größtenteils aus Kunststoff gefertigt, wird aber an den wichtigsten Stellen durch Metallelemente unterstützt, sodass der Kopfhörer einen stabilen Eindruck hinterlässt. Das ist auch wichtig, lässt er sich doch zusammenklappen und im mitgelieferten Tragesäckchen platzsparend transportieren. Die Over Ear-Ohrmuscheln sind mit einer dünnen Polsterung versehen, die grundlegend angenehm ist – doch dazu später mehr. Generell gefällt mir das Design des LZR 588 sehr gut, aber für mich sind Kopfhörer auch keine Lifestyle-Objekte 😉

Der Klappmechnismus ist mit Metall verstärkt und wirkt äußerst stabil

Über die Bedientasten an der linken Ohrmuschel lassen sich Songs skippen, pausieren und die Lautstärke der Wiedergabe anpassen; außerdem schaltet Ihr den Kopfhörer über die Play-Taste aus und startet den Pairing-Vorgang. Eben jene Bedienknöpfe ließen mich im Test gelegentlich verzweifeln und an den sonst hervorragenden Entscheidungen der Magnat-Entwickler zweifeln. Warum? Nun, nicht etwa, weil die Plastik-Tasten ein wenig wackelig sind, nein. Sondern weil Sie meiner Meinung nach komplett kontra-intuitiv funktionieren: Bei so gut wie jedem anderen Bluetooth-Kopfhörer, den ich bislang ausprobiert habe, sorgt ein kurzer Druck auf die Taste für eine Änderung der Lautstärke während ein langer Druck den Song wechselt.

Beim Magnat LZR 588 ist es genau umgekehrt: Kurz drücken fürs Skippen, langes Drücken für die Lautstärke. Vielleicht bin ich da zu pingelig, aber: ARGH, ging mir das auf den Senkel! Nicht nur ist es schwierig, die Lautstärke fein zu regulieren, weil nie ganz klar ist, wann die Lautstärkeregelung in Kraft tritt, auch überspringt man viel schneller einen Song, als einem lieb ist. Das mag bei zweieinhalb Minuten-Werken noch okay sein, bei langen Stücken oder auch Hörbüchern führte das aber – zumindest bei mir – zu Frust. Für mich eindeutig der größte „echte“ Kritikpunkt am LZR 588, auch wenn viele das wohl als Gewöhnungssache einordnen dürften.

An die Tastenbelegung konnte ich mich einfach nicht gewöhnen

Magnat LZR 588 im Hörtest

Genug der Vorrede – wie schlägt sich der Magnat LZR 588 in der Praxis? Nun, wenn man es auf den Sound herunterbricht: Ganz hervorragend! Gut 95 Prozent meiner Musik besteht aus Rock, Punk, Folk und Ska. Für eben diese Musikrichtungen kann ich den Magnat LZR 588 absolut empfehlen: Der Bass ist kräftig, ohne zu Brummen, Höhen und Mitten kommen wunderbar zur Geltung. Auch die maximale Lautstärke des LZR 588 liegt weit über dem, was man sich über mehrere Stunden antun sollte, ohne dabei zu scheppern – absolut kein Grund zur Klage! Durch die Over Ear-Bauweise ist man auch gut von äußeren Störgeräuschen abgeschirmt, andere Menschen im Raum bekommen allerdings bei hohen Lautstärken einiges von den Kopfhörern mit.

Besonders auf Geräten, die den Bluetooth-Codec APTX unterstützen (beispielsweise das Sony Xperia Tablet Z3 Compact oder – mit entsprechendem Feintuning – dem Macbook Pro) höre ich in der Praxis keinen Unterschied zwischen der Soundübertragung via Bluetooth oder über das angeschlossene Kabel. Doch auch mit meinem geliebten Nexus 6p überzeugt mich der Sound des Bluetooth-Kopfhörers ohne jede Einschränkung. Ich kann hier einfach nur den Hut vor Magnat ziehen: Ich hätte niemals gedacht, dass mich ein Bluetooth-Kopfhörer klanglich so sehr vom Hocker hauen kann. Auch der Direktvergleich zwischen Magnat LZR 588 und meinen über Jahre bewährten Sony-Kopfhörern (der nicht mehr erhältliche MDR XB 700) geht unentschieden aus – für einen Bluetooth-Kopfhörer ist das weitaus mehr, als ich erwartet habe.

Das Kabel ist optional und wird dank des tollen Akkus nur selten benötigt – der Klang des LZR 588 überzeugt zudem auch drahtlos!

Zum besseren Vergleich habe ich den LZR 588 mit verschiedenen Musikrichtungen ausprobiert und bin zum Schluss gekommen, dass er ein echter Allrounder ist. Beim Klassikkonzert kann ich einzelne Instrumente raushören, Dubstep verursacht mir zwar Kopfschmerzen, kommt durch den satten Bass aber toll zur Geltung und laut dem Expertenurteils eines Hip Hop-affinen Freundes bringt der Magnat LZR 588 auch Dr. Dre und Co. gut zur Geltung (ich bin da aber der falsche Ansprechpartner 😉 )

Um es kurz zu machen: der Magnat LZR 588 klingt fast durchgehend hervorragend und kann spätestens per Equalizer auf so gut wie jede Musikrichtung abgestimmt werden.

Neben der Mucke hatte ich den Bluetooth-Kopfhörer auch am Spiele-PC im Einsatz, wo Mad Max, The Witcher 3 und Co. erfreulich gut zur Geltung kamen. Und wenn Ihr den Magnat mit dem Handy gekoppelt habt, könnt Ihr ihn dank integriertem Mikro auch zum Telefonieren nutzen. Die Anrufer klingen dabei sehr gut, die eigene Stimme wird wohl etwas dumpf, aber ausreichend laut übertragen, sodass es auch hier nicht viel zu meckern gibt.

Für den Transport lässt sich der Magnat LZR 588 zusammenklappen

Warum es doch ein anderer Kopfhörer wurde

Ihr merkt es: Technisch hat mich der Magnat LZR 588 von ein paar Kleinigkeiten abgesehen voll und ganz überzeugt. Und dennoch habe ich ihn schweren Herzens zurückgeschickt. „Warum, du mieser kleiner Typ?!?” brüllt Ihr und zeigt anklagend mit dem Finger auf mich. Nun, ganz einfach: Ich konnte das Ding nicht länger als eine halbe Stunde schmerzfrei aufsetzen.

Egal, wie ich die Ohrpolster positioniert oder den Kopfhörerbügel eingestellt habe, nach einigen Minuten drückten die Ohrmuscheln unangenehm auf die Ohren – und zwar so stark, dass ich den Kopfhörer nicht über längere Zeit tragen konnte. Leider hat sich das auch nach zwei Wochen täglichen Tragens nicht geändert, sodass ich den Magnat-Kopfhörer schweren Herzens zurückschicken musste. Fairerweise sei gesagt, dass ich nicht eben den kleinsten Kopf habe, allerdings hatte ich derlei Probleme mit einem Bügelkopfhörer beim LZT 588 zum ersten Mal. Ein Blick in die Rezensionen bei Amazon und Co. zeigt mir auch, dass ich mit der Meinung vergleichsweise alleine dastehe, aber ich fand den LZR 588 im Dauereinsatz einfach unkomfortabel.

Tuto-Selfie for Science: Allzu lange konnte ich den LZR 588 leider nicht aufsetzen…

Nach längerem Hin und Her habe ich mich dann schließlich für einen No Name-Bluetooth-Kopfhörer entschieden, den Geega S204. Dieser bietet ebenfalls aptX, einen sehr guten, wenn auch nicht ganz so beeindruckenden Sound, er war deutlich günstiger und vor allem: Er sitzt perfekt. Selbst nach einem langen Tag am Arbeitsplatz mit durchgängiger Musikuntermalung macht sich der Geega S204 nicht unangenehm bemerkbar (eventuell dazu später mehr in einem separaten Test 😉 ).

Fazit: Top, wenn er denn passt

Ein kurzes Fazit zum Magnat LZR 588: Ein toller Bluetooth-Kopfhörer mit nahezu überragendem Sound, schöner Verarbeitung, grandiosem Akku und wenigen Macken. Neben de fragwürdigen Tastenbelegung hat mich persönlich „nur“ das Drücken auf den Ohren davon abgehalten, meinen Traumkopfhörer gefunden zu haben. Wenn Ihr damit kein Problem habt, solltet Ihr dem LZR 588 in jedem Fall eine Chance geben (und die Komfort-Bewertung unten in Relation dazu sehen ;)). Ich konnte kürzlich bei einem Bekannten den wesentlich teureren Bose Soundlink probehören, und – sofern mich meine durch viele Live-Konzerte malträtierten Ohren nicht täuschen – er war sicherlich keine 100 Euro besser als der Magnat 😉

Wenn Ihr auf der Suche nach einem Bluetooth-Kopfhörer mit Top-Sound und langer Akkulaufzeit seid, solltet Ihr den Magnat LZR 588 definitiv auf dem Schirm haben!

Der Magnat LZR 588 verspricht kabellosen Musikgenuss – und kann das auch halten

Magnat LZR 588 bei Amazon bestellen und Eure Lieblings-Tutonauten unterstützen

Hinweis:

Ich habe mir den Magnat LZR 588 auf eigene Kosten bei Amazon bestellt, es handelt sich also nicht um ein vom Hersteller zur Verfügung gestelltes Testmuster. Auch ist dieser Test nicht von Magnat bezahlt oder auf andere Art und Weise durch den Hersteller beeinflusst.

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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Kommentare

  • da habe ich doch direkt mal eine Frage und vielleicht kannst du mir da weiter helfen. Ich habe einen August EP650 Bluetooth Kopfhörer der auch aptX hat und kann. Ich bekomme ihn am Macbook Pro 13″ 2015 El Capitan aber nicht mit aptX zu laufen. Er verbindet sich immer per SBC, weitere Bluetooth Geräte habe ich nicht verbunden und auch mit dem Bluetooth Explorer (Force aptX) habe ich es nicht geschafft. Hast du vielleicht noch Ideen oder Tipps oder sogar eine Lösung für mich? Gruss Michel

    • Hallo Michel,

      du hast mir die Antwort eigentlich schon aus dem Mund genommen: Bei mir hat aptX beim Magnat mithilfe des Bluetooth Explorers funktioniert, wollte ich demnächst noch ein Tuto zu schreiben. Ebenfalls unter OS X 10.11 auf dem 2015er MPB – ich gucke aber die Tage nochmal, ob das noch aktuell ist, den neuen Kopfhörer hab ich bislang noch nicht mit dem Macbook gekoppelt…

    • Vereinfacht ausgedrückt ist aptX ein Audio-Codec, der bei der drahtlosen Übertragung zum Einsatz kommt und für eine bessere Qualität sorgen soll. Infos findest du zum Beispiel hier . Pauschal sollte Bluetooth-Audio mit aktiviertem aptX besser klingen, da spielen aber viele Faktoren mit rein.

      Am Mac kannst du prüfen, ob der Bluetooth-Sound per aptX übertragen wird. Dazu klickst du mit gedrückter Alt-Taste auf das Bluetooth-Symbol und öffnest dann den Eintrag für den Kopfhörer, während Sound abgespielt wird. Hier sollte dann bei „Aktives Codec“ „aptX“ und nicht SBC stehen. Android-Geräte zeigen es auch an, wenn ein aptX-Kopfhörer verbunden wird (zumindest bei meinem Sony-Tablet ist dies der Fall), iPhone und iPad unterstützen den Codec hingegen nicht. Ist ein ziemliches Chaos 😉