Das Orbsmart Soundpad 500 vereint Internetradio und Android-Tablet. Wie gut der Hybride funktioniert, verrät unser ausführlicher Test. 

Internetradios wirken in Zeiten von Tablets und Smartphones ein wenig wie ein moderner Anachronismus. Das Soundpad 500 von Orbsmart will das alles besser machen und verbindet die Vielseitigkeit von Android mit potenten Boxen und Tablet-Hardware. Ob das Experiment gelingt, verrät unser Test.

Rund 170 Euro verlangt Orbsmart für das Android-Radio – ein vergleichsweise hoher Preis im Vergleich mit klassischen Internetradios. Dafür erhaltet Ihr einen Allrounder, der mehr können will als “nur” Musik aus dem Internet abspielen. Die Macher verbauen typische Tablet-Hardware in einem wohnzimmertauglichen Gehäuse mit vergleichsweise starken Boxen und einer Reihe von Anschlüssen, die gewöhnlichen Tablets gut zu Gesicht stehen würden. Wir checken, was das Orbsmart Soundpad 500 in der Praxis taugt.

China-Tablet im Radio-Gehäuse

Das Gehäuse des Orbsmart Soundpad 500 besteht aus recht wertigem Kunststoff und einem stabilen Metall-Fuß. Mit seiner ovalen Front und seinem vergleichsweise dezentem Design macht das Orbsmart auf dem Küchentisch oder im Regal eine – wie ich finde – sehr ordentliche Figur. Die Bedienung am Gerät erfolgt fast ausschließlich über den 7 Zoll großen Touchscreen, der von zwei Stereo-Boxen mit an Hardware-Tasten sind lediglich Lautstärke- und Power-Buttons an der Oberseite des Soundpads vorhanden. Alternativ dazu kann das Soundpad 500 auch über die mitgelieferte Infrarot-Fernbedienung gesteuert werden. Ebenfalls mit an Bord ist einfache Kamera sowie ein Mikrofon, sodass auch ein Skype-Anruf oder eine “Okay, Google”-Anfrage kein Problem darstellt.

Das Gehäuse des Soundpad 500 ist ansprechend gestaltet und stabil verarbeitet

Die Rückseite beherbergt neben dem Anschluss für das Netzteil auch einen vollwertigen HDMI-Anschluss, einen microSD-Kartenslot, ein OTG-Port zum Anschluss von USB-Geräten und einen Kopfhörer-Anschluss – ich persönlich hätte mir noch einen digitalen Audioausgang gewünscht, dennoch können die Anschlüsse überzeugen.

Lediglich ein optischer Audioausgang fehlt uns

Im Inneren des Soundpad 500 verrichtet Hardware ihren Dienst, die Geeks wie Ihr und ich vermutlich hauptsächlich von günstigen Tablets aus China kennt. Als Herzstück dient dabei der nicht mehr ganz frische Rockchip RK 3128, dessen vier Kerne aber für die meisten Basis-Funktionen genügen (mehr dazu später). Zur Seite stehen dem SoC 1 Gigabyte RAM sowie 8 Gigabyte interner Speicher, von dem ab Werk noch 6 GB für Apps und Daten zur Verfügung stehen. Der Touchscreen ist mit einer Auflösung von 1024 x 600 Bildpunkten im Jahr 2015 wirklich keine Augenweide mehr: Texte erscheinen fransig, allzu hell ist der Bildschirm ebenfalls nicht und beim seitlichen Blick sorgen fehlende Kontraste für wenig Sehvergnügen. Trotzdem habe ich das Orbsmart Soundpad 500 im Test immer mal wieder gerne als Videoplayer genutzt – vor allem für die Hintergrundbeschallung bei der Arbeit im Haushalt reicht dies meiner Meinung nach vollkommen aus. Kurzum: High End geht zwar anders, in der Preisklasse liefert das Orbsmart Soundpad aber noch vergleichsweise gute Hardware.

Pures Android als Mini-Kritikpunkt und Riesen-Vorteil

Wer beim Kauf eines Internetradios erwartet, direkt zur Sendesuche via WLAN zu gelangen, wird überrascht: Beim ersten Einschalten begrüßt das Orbsmart Soundpad 500 Euch mit dem Einrichtungs-Assistenten von Android – ganz so, wie man es von Smartphones und Tablets her kennt. Wer will, kann sich hier auch gleich mit seinem Google-Konto anmelden, um später weitere Apps aus dem Google Play Store auf dem Soundpad 500 zu installieren. Nach dem Start landet Ihr auf einer erfreulich puren Android 5.1-Oberfläche. Die Entwickler haben lediglich kleine Änderungen vorgenommen, etwa dauerhaft eingeblendete Lautstärke-Buttons in der Menüleiste von Android.

Die Oberfläche des Soundpad 500 versprüht Nexus-Simplizität – das ist aber nicht NUR vom Vorteil

Den “Internetradio-Part” muss man allerdings erst suchen – auf dem ersten Blick sieht nämlich alles nach einer typischen Android-Tablet-Oberfläche aus. Erst in der App-Übersicht finden sich mit den Apps von Radio.de, Deezer, Google Play Music und einigen anderen die erwarteten Basisfunktionen. Will sagen: Das Orbsmart Soundpad 500 ist ein vorkonfiguriertes Android-Tablet mit radiotauglichen Boxen.

So sehr ich sonst gegen alternative Android-Oberflächen bin, dem Orbsmart 500 hätte eine angepasste UI, die alle Radiofeatures bündelt, meiner Meinung nach gut getan. Zwar dürften die meisten von Euch kein Problem damit haben, durch eine Android-Oberfläche zu navigieren und mit Google-Konten und anderen Services zu hantieren, als Basis für ein Webradio ist das aber sicherlich für den einen oder anderen Nutzer zuviel des Guten. Fairerweise hilft eine deutsche Anleitung bei der Einarbeitung in die Navigation und die ersten Schritte im System.

Per Radio-App beschallt der Orbsmart-Allrounder problemlos auch größere Räume

Hat man sich zudem erst einmal in das System eingearbeitet, sorgt Android für deutlich mehr Auswahl in Sachen Musik: Ob Ihr mit PowerAmp oder music Player Eure lokalen MP3s- und AACs abspielt oder Ihr via Spotify, Google Play Music oder Soundcloud auf das Orbsmart Soundpad streamen möchtet: Solange es eine Android-App gibt, bekommt Ihr die Musik auf das Gerät – da können klassische Internetradios niemals mithalten. Einziger Wermutstropfen: Google Cast unterstützt das Orbsmart Soundpad nicht, als Ersatz für den Chromecast (beispielsweise am A/V-Receiver) lässt sich das Gerät also nicht nutzen. Dafür kommt es ab Werk mit einer AirPlay-App, die im Test problemlos Musik vom iPad abspielt.

Sound: Kraftvoll ohne Wow-Faktor

Das wichtigste bei einem Internetradio ist zweifelsohne der Klang – und hier können wir dem Orbsmart eine ordentliche Leistung attestieren: Die Lautsprecher bieten einen klaren Klang mit ordentlicher Lautstärke, die auch bei lauter Musik nicht verzerren. Besonders basslastig ist der Sound des Radios nicht, Höhen und Mitten kommen aber gut zur Geltung. Während beispielsweise A Capella- und Akustikgitarren-Songs wirklich gut klingen, kommen kräftige Rocksongs ein wenig zu dumpf rüber.

Die Musikwiedergabe beherrscht das Orbsmart Soundpad 500 erfreulich gut

Das Soundpad 500 genügt meiner Meinung nach voll und ganz, um ein typisches Wohnzimmer oder eine Küche zu beschallen. Für den Preis und in dem Gehäuse kann man freilich kein HiFi-Wunderwerk erwarten, eine vollerwertige Soundbar oder ein Sonos-System wird das Orbsmart-Gerät also nicht ersetzen können; mit typischen Bluetooth-Lautsprechern hingegen hält der Sound allemal mit, Tablets und Smartphones hängt es komplett ab. Höransprüche sind natürlich extrem verschieden, meine persönliche Erwartungshaltung in Sachen Sound hat das Gerät aber grundsätzlich erfüllt. Vielleicht erzeugt es keinen WOW-Faktor, Beschwerden über den Klang hab ich aber auch im Hörtest mit audiophileren Menschen als ich es bin nicht gehört.

Einen größeren Malus bieten die Boxen aber dennoch: Bei niedrigen Lautstärken ist aus naher Distanz ein recht deutliches Rauschen zu vernehmen – bei leiseren Tönen oder auch beim Anhöhren von Talk-Radio oder Hörbüchern kann das empfindliche Ohren durchaus stören.

Leistung: Akzeptabel, aber kein Überflieger

Abseits vom kräftigen Sound zeigt sich das Orbsmart Soundpad leistungsmäßig eher zurückhaltend. Zwar läuft die Android-Oberfläche recht flüssig über den Bildschirm, Alltagsdinge wie der Start einer App oder auch der Wechsel zwischen mehreren geöffneten Programmen werden aber immer mal wieder durch kleine Verzögerungen unterbrochen. Der Touchscreen fühlt sich hinter seiner Plastik-Scheibe nicht so gut an, wie es teurere Tablets mit ihren Glasoberflächen hinkriegen, reagiert aber dennoch sauber auf Fingereingaben.

Der Antuto-Benchmark lässt es ahnen: Ein Rennpferd ist das Orbsmart Soundpad 500 nicht

Wenn Ihr neben Musik und Videos auch Spiele auf dem Orbsmart-Allrounder zocken möchtet, stehen Euch mit dem riesigen Angebot im Google Play Store alle Möglichkeiten dazu offen. Lediglich grafisch besonders fordernde Spiele wie beispielsweise Asphalt 8 bringen die CPU-GPU-Kombination im Soundpad 500 ins Schwitzen – hier hilft nur, die grafischen Details herunterzuschrauben.

Alles in Allem ist das Orbsmart Soundpad 500 leistungstechnisch auf einem ähnlichen Niveau wie Android-Tablets der gleichen Preisklasse. Die schlanke Oberfläche ist hier wahrscheinlich ein Pluspunkt, denn in Benchmarks schneidet das Internetradio eher unterdurchschnittlich ab. Ich halte ja nicht soooo viel von solchen Benchmarks, aber da es sich nicht vermeiden lässt, hier die Punktzahlen:

AnTuTu: 17979

3D Mark Ice Storm: 709

Geekbench 3: 311 (Single Core) / 779 (Multi-Core)

Soundpad 500: Nur eingeschränkt mobil

Etwas enttäuscht bin ich vom verbauten 3.200 mAh-Akku im Soundpad 500. Dieser hält im Musikbetrieb mit abgeschalteten Bildschirm je nach Lautstärke nur rund 5 Stunden und weniger durch, bei der Videowiedergabe ist sogar schon nach weniger als 3 Stunden schluss. Die Option, das Orbsmart Soundpad im Sommer für einen langen Nachmittag mit in den Park oder auf die Terasse nehmen zu können, ist also nur bedingt gegeben (zumindest per Offline-Funktion der Streaming-Dienste oder MP3-Sammlung lässt sich das Gerät schließlich auch abseits vom WLAN nutzen). Im Gehäuse wäre problemlos Platz für einen größeren Akku gewesen. Auch ist es schade, dass die Macher sich gegen den Einsatz einer Micro-USB-Ladebuchse entschieden haben – damit hätte man zumindest per externem Akku noch ein wenig mehr Mobilität aus dem Internetradio herausholen können. So bleibt das Orbsmart Soundpad 500 prädestiniert für den Einsatz in den eigenen vier Wänden.

Emulatoren, Kodi und Co: Internetradio mit hohem Geekfaktor

Ihr habt es vermutlich schon bemerkt: Wer sich für das Orbsmart Soundpad 500 entscheidet, erhält mehr als ein klassisches Webradio. Die Kombination aus Anschlüssen, Innenleben und dem vollwertigen Google Play Store laden natürlich zu Experimenten ein. Mein erster Test: Die Installation des Mediacenter Kodis. Und was soll ich sagen? Kodi läuft hervorragend auf dem Gerät, spielt sowohl von SD-Karten oder per OTG-Kabel angeschlossenen USB-Sticks alles ab, wie aus dem Netzwerk von der NAS. Per HDMI angeschlossen wird aus dem Webradio also mal eben ein vollwertiger Videoplayer. Natürlich ist das Orbsmart Soundpad im TV-Rack nicht ganz so dezent wie beispielsweise ein Apple TV oder ein Amazon Fire TV, als Bonus kann man die Kodi-Tauglichkeit aber gerne mitnehmen. Übrigens: Getestet habe ich vornehmlich FullHD-Material, weil 4K-Videos weder auf dem niedrig aufgelösten Bildschirm noch per HDMI-Ausgabe ein Thema auf dem Gerät sind – es ist halt im Herzen doch ein Internetradio und keine HD-Streamingbox.

Den Kodi-Test mit Big Buck Bunny in FullHD besteht das Internetradio bravourös

Positiv ist, dass Kodi sich auch mit der Fernbedienung des Orbsmart-Geräts gut verträgt. Diese arbeitet zwar nur per Infrarot und braucht daher – anders als man es von Fire TV und Co. gewohnt ist – eine Sichtverbindung zum Radio, davon abgesehen klappt die Fernsteuerung von Musik, Videos und Menüführung aber gut.

Und wenn Ihr das Ding schon einmal am Fernseher habt, könnt Ihr auch gleich eine Runde zocken! Natürlich sind die meisten Spiele im Play Store für die Touchscreen-Steuerung ausgelegt. Über das OTG-Kabel oder per Bluetooth nimmt das Soundpad aber – wie jeder gute Androide – auch Eingaben per Gamecontroller entgegen. Damit stehen den Gamern unter Euch natürlich neue Welten offen: Nicht nur kommt das Radio mit den meisten Gamepad-kompatiblen Android-Spielen gut zurecht, auch die Installation von Emulatoren für alte Konsolen ist kein Problem. Die Leistung des Orbsmart Soundpad 500 genügt, um beispielsweise Super Nintendo- (Snes9X EX+) Sega Mega Drive- (gGens MD) und auch Nintendo 64- (MegaN64) Spiele ruckelfrei zu spielen. Bei Emulatoren für neuere Konsolen wie PPSSPP für die Sony Playstation Portable oder auch dem Nintendo DS-Emulator DraStic muss das Orbsmart aber kapitulieren, hier lassen sich dank Rucklern lediglich rundenbasierte Spiele noch einigermaßen erträglich spielen.

Mario statt Radio – die Vielseitigkeit des Soundpad 500 macht es möglich

 

Fazit: Internetradio und mehr – wenn man es denn braucht

Es ist gar nicht so leicht, das Orbsmart Soundpad 500 zu bewerten. In seiner Kerndisziplin, nämlich der Musikwiedergabe, schlägt sich der Radio-Tablet-Hybrid erfreulich gut und überzeugt mit sattem und insgesamt ausgewogenem Klang – ledigliche das Grundrauschen stößt mir sauer auf. Es fällt mir aber nicht eben leicht, das Soundpad 500 als “Internetradio” zu bewerten, denn eigentlich ist es eher ein Android-Tablet mit brauchbaren Boxen. Und hier werden meine Ansprüche nur zum Teil erfüllt: Zwar gefällt mir die angenehm puristische Android-Oberfläche, wer aber ein pures Radio erwartet, bekommt hier fast schon zuviel für’s Geld. Der niedrig auflösende Touchscreen ist zweckmäßig, wirkt aber im Vergleich zu aktuellen Tablets einfach nicht mehr zeitgemäß. Andererseits erlaubt er es, beim Kochen entspannt eine Folge der Lieblingsserie auf Netflix zu schauen, wobei die starken Boxen auch den typischen Küchenlärm überkommen – zumindest bei mir scheitern die meisten Tablets an dieser Aufgabe 😉

Im Testzeitraum ein echter Mehrwert: Netflix-Videos auf der Kaffeemaschine mit gutem Sound

Trotzdem gilt: Das Orbsmart SoundPad bietet eine Menge mehr Optionen, als es “reine” Internetradios tun. Das liegt neben dem vollwertigen Play Store auch am reichlichen Anschluss-Angebot mit echtem HDMI, USB-OTG und natürlich der mitgelieferten Fernbedienung – ob Ihr all dies braucht, müsst Ihr entscheiden 🙂 Empfehlen kann ich das Soundpad 500 vor allem dann, wenn Ihr einen Androiden mit guten Sound und netten Extras benötigt, der ohne Hickhack am Fernseher funktioniert und auch noch für seichtes Gaming sowie als Media-Player taugt. Es dient weder als Ersatz für einen netzwerkfähigen A/V-Receiver mit integriertem Radio, noch kann es in Sachen Bedienung mit einem reinen Internetradio mithalten. Es ist eher ein Allrounder, der viele Dinge gut, aber auch keine Sache perfekt beherrscht.

Ich persönlich mag solche Geräte ja gerne und kann das Orbsmart Soundpad 500 vor allem für die Bastlernaturen unter Euch empfehlen – alleine schon wegen des guten Kodi-Supports. Wer aber bereits ein brauchbares Tablet besitzt und einfach nur dessen Soundfähigkeiten erweitern will, ist mit einem Bluetooth-Lautsprecher eventuell besser beraten.

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Hinweis: Das Soundpad 500 wurde uns zu Testzwecken von MyHDPlayer.de zur Verfügung gestellt.

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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Kommentare

  • Danke für die ausführliche Beschreibung des Gerätes und dessen Funktionen inclusive Hardwarebeschreibung.
    Hat einige offene Fragen beantwortet und mich bei der Kaufentscheidung gut beraten. Gut finde ich unter anderem dass es eine Fernbedienung gibt.
    Ich werde mir die Kiste mal kommen lassen.
    Der Author ist kompetent und sachkundig, gute Arbeit,
    Danke, ein Geek aus Karlstein

  • Hey,
    ganz dickes Lob an dich!
    Du hast den Artikel super geschrieben, nicht zu lang und nicht zu kurz und alles wichtige ist drinne.
    Danke für deinen beratenden Beitrag 😉
    LG

  • Super Bericht, vielen Dank!
    Möchte aber anmerken, dass das baugleiche Medion-Gerät eine deutlich bessere Firmware hat (in der auch Amazon Music und Groove klappen) und Orbsmart diesbezüglich gar nicht reagiert und sogar Kommentare bei Facebook löscht. Absolutes No-Go. Zum Glück kann man umflashen 😉