Normalerweise mache ich keine Pauschalreisen. Diesmal muss es aber sein. Die Urlaubsbuchung über das Internet ist allerdings eine Katastrophe.

Normalerweise mache ich keine Pauschalreisen. Ich packe meinen Koffer, buche einen Flug und unabhängig davon einen Mietwagen und eine Unterkunft. Das klappt üblicherweise hervorragend. Aber diesen April will ich einfach mal billig in die Sonne und habe keine Lust auf Stress, weshalb ich entgegen meinen sonstigen Angewohnheiten einfach mal eine Pauschalreise per Urlaubsbuchung über das Netz einkaufen wollte. Dummerweise lassen mich die Reiseportale Expedia, Check24 und Holidaycheck nicht. Ich bin stinksauer. Warum? Das lest Ihr nach dem Sprung.

Mallorca kann mehr als Ballermann

Wenn einer eine Reise tut…

Ich will einfach blöd nach Mallorca fliegen. Eine Woche. Kein Stress. Ab Köln. Zu einer humanen Zeit und in einem halbwegs anständigen Hotel, in dem man nicht die Kakerlaken aus dem Bett oder vom Frühstücksbuffet scheuchen muss. Das heißt auf Mallorca üblicherweise: 3 Sterne plus. Frühstück, Flug, Transfer vom Flughafen zum Hotel sollen drin sein. Das sollte nicht schwer sein. Millionen Menschen machen das jedes Jahr. Buchen eine Reise bei Expedia.de, Check24.de oder Holidaycheck.de, insofern sollte das nicht so schwer sein. Und letztes Mal, als ich das getan habe, war es auch absolut kein Problem. Allerdings ist das ein halbes Jahrzehnt her.

Deutlich mehr!

Versuch 1 mit Expedia: Guter Preis, aber ich darf nicht bezahlen

Wie damals lief ich zuerst Expedia.de an. Hier gibt es gute Preise und eine leichte Buchungsabwicklung – dachte ich zumindest. Die Suche nach dem Hotel war schnell abgeschlossen, da war ich schonmal, kein Thema, das Ding ist OK. Und für das gewünschte Datum wurden auch reihenweise Angebote ausgespuckt. Ich wähle aus, woraufhin mir Expedia meldet, dass sich die Reise um 15 Euro verteuert hätte. Gut, geschenkt. Bei der Auswahl der Flüge muss ich für eine humane Zeit – also An- und Abflug nicht mitten in der Nacht – erneut in die Tasche greifen: 20 Euro für den Hinflug um 11 Uhr. Die 79 Euro für den Rückflug um 13 Uhr spare ich mir und nehme zähneknirschend den Acht-Uhr-Morgens-Abflug in Kauf. Jetzt stelle ich fest: Im „günstigen“ Preis ist auch kein Transfer drin. Zack, weitere 15 Euro pro Person müssen zum Reisepreis hinzuaddiert werden, der plötzlich gar nicht mehr so attraktiv aussieht. Ich denke: Egal – und klicke auf „Buchen“. Expedia meldet: „Ein Fehler mit der Kreditkarte ist aufgetreten, probieren sie eine andere Karte.“ Weil ja jeder drölfzig Kreditkarten hat. Andere Zahlungsmethoden gibt es nicht. Ich habe zum Glück noch eine, Mastercard. Nach Meldung, dass man dafür, dass man mit Mastercard bezahlen will, noch einmal 20 Euro bezahlen darf, bricht der Kauf auch hier ab, Kartenfehler. Auch die dritte Kreditkarte von der Freundin wurde nicht genommen, eine Buchung ist nicht möglich. Gut, Expedia, dann eben nicht, diese komischen Methoden zur Preiserhöhung passen mir eh nicht. Weiter zum nächsten Anbieter.

Expedia will die Kreditkarte nicht…

2. Versuch Check24: Gutes Zahlungssystem – und dann die Stornierung

OK, hallo Check24.de, die Website für alles. Heute dann mal die Reisebuchung. Und tatsächlich spuckt die Suche das gewünschte Hotel zu einem angenehmen Preis aus, inklusive Flug zu angenehmen Zeiten (11 Uhr ab Köln, 10 Uhr ab Palma) und Transfer von/zum Flughafen. Wunderbar, das war ja einfach, denke ich und gebe meine Daten ein. Die Zahlungsabwicklung ist gut, denn hier ist neben der 10 Euro Aufpreis kostenden Kreditkartenzahlung auch die Zahlung per Rechnung und Bankeinzug möglich. Klappt alles? Wunderbar: Ein Klick auf „Buchen“ bestätigt die Buchung. Freundin und ich schlagen ein und freuen uns auf den Urlaub. War doch ganz einfach…


… nicht. 10 Minuten nach der Buchungsbestätigung kommt die Mail von Check24:

Die von Ihnen angefragte Reise konnte durch den Veranstalter „XYZ“ zum Preis von XXXX,00 € nicht bestätigt werden, da das Flugkontingent des Veranstalters ausgebucht ist.

Dickes, fettes Super-Fuck. Was soll der Blödsinn? Immerhin bietet Check24 auch gleich eine Alternative an:

Voraussichtliche Flugzeiten
CGN-PMI 01.04.16 04:20-06:40
PMI-CGN 10.04.16 10:40-13:05

Nein. Nicht um 4:20 Uhr. Das ist mitten in der Nacht. Das bedeutet einen kompletten Tag ohne Schlaf, denn ich kann am Urlaubsort erst schlafen, wenn es wieder dunkel ist, zu groß der Wunsch, die Umgebung auszukundschaften. Und da ich grundsätzlich nicht vor 1 Uhr nachts ins Bett gehe – was bei diesem Flug Aufstehzeit wäre – wäre ich zwischen zwei Matrazenhorchsitzungen 36 bis 40 Stunden auf den Beinen. Nope. Insofern lasse ich das Alternativangebot Alternativangebot sein und entschließe mich, noch einmal woanders zu schauen.

… Check24 storniert die vollständige Buchung…

3. Versuch: Holidaycheck

Wohlan denn, Holidaycheck, Du verlässliches, vielbeworbenes Portal. Zeig mir, wie Du den Mitbewerb abhängst. Ich suche meine Reisedaten und mein Hotel und finde auch reihenweise Angebote verschiedener Anbieter. Aber die Flüge sind unterirdisch: Wenn sie nicht mitten in der Nacht sind, sind sie mit Ryanair. Und ich fliege nicht mit Ryanair, weil diese Firma meiner Ansicht nach dafür mitverantwortlich dafür ist, dass Kurzstrecken-Flugreisen inzwischen für Menschen mit einem Minimalanspruch an Komfort, Beinfreiheit und freundliche Bedienung die Hölle auf Erden sind. Der 11. September 2001 hat der Flugindustrie schon übel mitgespielt – Ryanair hat ihr mit den Geiz-ist-Geil-Angeboten den Rest gegeben. Nein. Kein Ryanair. Also auch kein Holidaycheck. Sorry, Freunde. Ich gucke weiter, diesmal bei Ab-in-den-Urlaub.de, und, oh, Überraschung: Der gleiche Käse wie bei allen anderen.

… und bei Holidaycheck gibt’s nur Ryanair.

Ich mag keine Flüge. Und auch keine Pauschalreisen

Bevor Ihr Eure Pressesprecher einschaltet, liebe Internet-Reiseunternehmen: Vielleicht habe ich einfach „falsch gesucht“. Aber ich habe auch andere Hotels und Daten ausprobiert, wieder und wieder mit dem gleichen Ergebnis. Dazu muss ich sagen: Ich mag aber auch keine Flugreisen und auch keine Pauschalurlaube. Erstere nicht, weil Fliegen in der Holzklasse durch den Preisdruck und die Verschärfung der Flugsicherheitsbestimmungen nach dem 11. September einfach nur noch eine lästige, thrombosenverursachende Katastrophe ist. Letztere nicht, weil sie für mich der Inbegriff des Viechertourismus sind. Man wird wie ein Rindviech in riesigen Hotelbunkern zusammengepfercht, mit tumber Animation tyrannisiert, darf sich rund um die Uhr Kindergeschrei anhören, sich um Liegen prügeln und muss zu allem Überfluss auch noch für das Essen Schlange stehen. Viele Touristen setzen während ihres Urlaubs keinen Fuß aus der Hotelanlage, weshalb es denen im Grunde vollkommen egal sein sollte, ob sie ihren Urlaub in Indien, Ägypten, Spanien oder im heimischen Badespaß-Schwimmbad verbringen. Ich kenne Menschen, die drei Wochen in Thailand waren und ausgerechnet auf der scheußlichen Insel Ko Samui exakt drei Wochen im Riesenressort sitzen geblieben sind. Warum so weit fliegen, wenn das einzige, was man von der lokalen Kultur mitbekommt, „Kulturabende“ mit Bauchtanz und viel Blingbling im All-Inclusive-Besaufraum sind? Menschen, die im Urlaub Bändchen tragen, die nicht nur auf den ersten Blick an die Seriennummer-Piercings von Milchkühen erinnern und das für Luxus halten, haben es wahrscheinlich nicht anders verdient.

Ställe für Viechertouristen.

Urlaubsbuchung über das Netz – geht es nur mir so?

Am allerwenigsten allerdings – noch weniger als Flug- und Pauschalreisen – kann ich es aber leiden, verscheißert zu werden: Wenn Ihr eine Reise für einen bestimmten Preis anbietet und mich dazu zwingt, mich durch den Buchungsprozess zu hangeln, ehe Ihr mir mitteilt, dass die Reise schon ausgebucht ist, Ihr aus irgendwelchen obskuren Gründen den Preis hintenrum in die Höhe treibt oder Euch weigert, meine doppelt und dreifach gedeckte Kreditkarte anzunehmen, fühle ich mich einfach verarscht. Sorry.
Da will ich mich schon entgegen aller Prinzipien alle Jubeljahre bei den tumben Touri-Viecher einreihen und den Blödsinn mal wieder mitmachen, um ein wenig Sonne zu bekommen und werde gelockt, um anschließend nicht zu bekommen, was ich haben will, obwohl Ihr es mir doch angeboten habt. Was soll der Quatsch? Überarbeitet gefälligst Eure Buchungsroutinen und -datenbanken und nehmt Reisen raus, wenn die weg sind – das kann doch nicht so schwer sein. Und bietet ordentliche Bezahloptionen an! Nur Kreditkarte ist ja wohl von Hintergestern, besonders wenn man dafür dann auch noch Gebühren latzen darf.

Ja, das bin ich. Mit einem Jägermeisterhut. Für das authentische Foto.

Geiz ist eben nicht geil

Ehrlich gesagt frage ich mich, wieso Ihr mit dieser Methode überhaupt noch Menschen dazu bekommt, über Euch zu buchen. Und ja, ich weiß, dass Ihr alle irgendwie auf die gleichen Drittanbieter zurückgreift, was jedoch absolut nichts am Grundproblem ändert. Standard-Reisebüros sterben aus, was bleibt, sind die Buchungsportale mit ihren angeblichen Bestpreisen, die mir wie Lockvogelangebote erscheinen. Die versteckten Aufschläge könnte man auch direkt kommunizieren, aber dann wäre man natürlich nicht mehr der „Billigste“. „Billig“ ist übrigens ein Attribut, das ich niemandem an den Kopf werfen möchte, es erinnert mich immer an die jungen Damen, die gegen einen Kinobesuch und eine Tüte Popcorn Blowjobs verteilt haben. Als ich das letzte Mal auf Mallorca war – ich habe ganz bewusst und ausgesprochen ironisch mit meinem Bruder das, in diesem Fall wörtlich, billigste Angebot genommen, dass Ihr, liebe Internetbuchbuden, im Angebot hattet (200,50 Euro pro Nase inklusive Flug für vier Tage in einem drittklassigen Hotel im Herzen von El Arenal) – musste ich Dinge sehen, die ich normalerweise nicht geglaubt hätte. Vor meinen Augen und am helllichten Tag stand da ein stolzer Familienvater und gab einem der berüchtigten Hütchenspieler, vor denen RTL immer warnt, 50 Euro. Und er sagte in breitem Kölsch: „Isch weiß genau, wo de Kugel ess.“ Wusste er nicht, 50 Euro weg, aber mal voll auf Risiko und Leben am Limit und so. Irgendwie seid Ihr wie die Hütchenspieler, liebe Reiseportale, und Eure Kunden sind wie dieser Familienvater. Aber ich will nicht urteilen, sondern suche weiter. Eins ist jedenfalls sicher: Im April bin ich ein paar Tage auf Mallorca – mit oder ohne Urlaubsbuchung bei Euch. Aber die Kugel suche ich nicht.

Und ich werde es schaffen. Sonst spring‘ ich!

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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