Mit Sweet Home 3D spielt Ihr Tine Wittler: Räume einrichten,. Wände ziehen, fensterln, beleuchten und alles in schicke Fotos rendern – oder sogar Videos!

Ihr wollt eine Wohnung oder ein ganzes Haus einrichten? Professionelle Grundrisse erstellen? Oder sogar Begehungsvideos für Makler-Exposés kreieren? Mit Sweet Home 3D könnt Ihr das detailliert, einfach und kostenlos – das Programm ist Open Source. Wir zeigen Euch Schritt für Schritt, wie Ihr Räume erstellt und einrichtet, Fußböden, Wände und die Aussenwelt gestaltet, neue Gegenstände importiert, Fotos und Videos rendert. Übrigens: Alternativ zu diesem klassischen Ansatz gibt es auch Tools, bei denen Ihr eine Schablone in Euer Zimmer legt, dann ein Foto macht und anschließend genau diesen fotografierten Raum einrichten könnt. Das ist regelrecht fancy, aber …

… erfahrungsgemäß recht ungenau und oberflächlich. Wenn Ihr wissen wollt, ob ein Bestimmter Sesseln gut in Eure eingerichtete Wohnung passt, ist dieser Ansatz perfekt. Wollt Ihr jedoch umfangreich einrichten oder Wohnungen für den Wohnungsmarkt aufbereiten, sind klassische Einrichter wie Sweet Home 3D deutlich besser – auch wenn sich das „Schöne“ erst nach der Arbeit zeigt, beim Rendern.

Der Arbeitsablauf in Kürze: Raum erstellen, Wände erstellen, Türen/Fenster einfügen, Gegenstände/Möbel hinzufügen, Leben einhauchen und schließlich Fotos und Videos rendern.

1. Raum erstellen

Zunächst müsst Ihr einen Raum erstellen, indem Ihr das Raum-Tool anwählt und den Raum aufzieht („Raum“ kann hier natürlich die ganze Wohnung meinen, da Ihr einzelne Räume später per Mauer definiert). Per Klick beendet Ihr eine Wandstrecke, per ESC eine Wand und Ihr könnt jederzeit beim Wändezeichnen per ENTER einen konkreten Wert für die Wandlänge eingeben und dann weiter mit der Maus arbeiten.

Raum aufziehen.

2. Wände erstellen

Wählt nun das Wand-Tool und zieht die Wände ein – das funktioniert genauso wie beim Raum-Tool. Beendet wird also wieder mit ESC.

Wände einziehen.

3. Objekte importieren und Tür auswählen

Sucht Euch nun aus dem Objekte-Browser links eine Tür heraus. Verweilt kurz mit dem Mauszeiger darüber, um ein Vorschaubild zu bekommen. Standardmäßig bekommt Ihr nur eine sehr übersichtliche Auswahl von Möbeln und Gegenständen, auf der Homepage gibt es aber Nachschub. Ihr könnt wahlweise einzelne Möbel über den Assistenten importieren oder aber eine der Sammlungen als ZIP herunterladen, entpacken und per Doppelklick auf die sh3f-Datei komplett integrieren.

Objekt-Browser.

Unter den Objekten befinden sich auch Spielzeuge, Nahrungsmittel, Bäume und natürlich auch Menschen:

Schick gerenderte Menschen für Eure Wohnung – der Tipp für Makler, um mehr Leben in die Bilder zu bringen.

4. Türen und Fenster einfügen

Zieht nun die Tür per Drag&Drop auf eine Wand. Die Tür dockt sich an die Wand an und Ihr seht auch direkt die Abstände zu den Wänden, was präzise Arbeit enorm erleichtert. Bei Fenstern geht Ihr genauso vor.

Objekte heften sich an Wände an.

5. Objekte anpassen

Doppelklickt auf die Tür, um sie genau anzupassen; hier stehen Euch Position, Größe und Aussehen zur Verfügung.

Über die Anfasser an Objekten geht es auch mit der Maus, aber Anpassungen sind präziser via Kontextmenü.

6. Objekte anordnen

Die Blumenvase soll auf den Tisch? Kein Problem: Stellt einfach die „Höhe über Boden“ auf die Höhe des Tisches ein.

Objekte lassen sich auch auf andere Objekte stellen.

7. Objekte gruppieren

Manche Möbel gehören einfach zusammen, etwa Rekale damt Deko oder Tisch und Stühle der Essgruppe. Um solche Gruppen zu erstellen, markiert Ihr die gewünschten Möbelstücke in der Liste (mit gedrückter STRG-Taste) oder im Plan (mit gedrückter UMSCHALT-Taste) und ruft dann das Kontextmenü auf – und schon lassen sich die Gruppen als einzelne Objekte bewegen.

Gruppen erleichtern das Positionieren.

8. Wände, Böden und Decken beleben

Doppelklickt auf einen leeren Teil des Raums, um das Optionenfenster zu öffnen. Hier findet Ihr Texturen und Farben, um Wände, Decken und Böden zu gestalten – vom schlichten Weiß bis hin zu schicken Holzfußböden.

Wände, Decken, Böden – und schon wird es wohnlich.

9. Die Außenwelt gestalten

Noch immer sieht es recht unbelebt aus – es fehlen Erdboden und Himmel. Dieses Mal ruft Ihr das Kontextmenü über einen Rechtsklick auf die 3D-Ansicht auf und wählt die 3D-Ansichtsoptionen. Ein paar Wolken, ein wenig Rasen und schon wird es langsam wohnlich. Zeit, sich endlich in den Raum zu begeben.

Ein wenig Grün …

10. Raum betreten

Ändert nun die 3D-Ansicht, zum Beispiel über das Kontextmenü, in „Virtuelles Begehen“. Ihr seht dann im 2D-Plan auch einen „virtuellen Besucher“, den Ihr per Doppelklick anpassen könnt – und zumindest den standardmäßig eher wenig optimalen Sichtbereich solltet Ihr vergrößern. Per Maus, samt Rad, oder Pfeiltasten bewegt Ihr Euch dann durch den Raum. Aber mal ehrlich, hässlich ist das immer noch, oder? Auf zum Rendern!

3D-Innenansicht.

11. Foto erstellen

Bewegt den virtuellen Besucher an eine hübsche Stelle und ruft dann „Foto erstellen“ über das 3D-Ansicht-Menü auf. Macht das Foto ruhig etwas größer und nutzt die bestmögliche Qualität – schon hier in der Vorschau seht Ihr, wie groß der Unterschied zwischen gerendertem Foto und der Arbeitsansicht ist. Auf älteren Rechnern wird die Kombination aus großem Bild und bester Qualität übrigens zu einiger Verweildauer führen …

Genau an diesem Punkt fängt SH3D an Spaß zu machen.

12. Begehungsvideos erstellen

Begehungsvideos vermitteln nochmal ein wesentlich besseres Bild von Räumen, als Render-Fotos und sie sind erfreulich fix erstellt. Nun, Eure Arbeit ist fix erledigt, der Rechner muss ackern. Ruft die Video-Option über das 3D-Ansicht-Menü auf. Das Konzept ist super simpel: Setzt den virtuellen Besucher auf die Anfangsposition und klickt den roten Record-Button. Dann bewegt Ihr den Besucher an die nächste Stelle, ändert gegebenenfalls die Blickrichtung und drückt wieder Record und so weiter. Verändert Ihr die Blickrichtung, dreht sich der Besucher gleichmäßig, während er sich zu seiner neuen Position begibt. Wählt wieder die beste Qualität, damit das Video genauso aussieht wie das Render-Foto. Aber Vorsicht bei der Skalierung: Für ein 18-Sekunden-Video wurden hier beispielsweise rund 98 Minuten Rechenzeit für 720×540 Pixel veranschlagt (auf einem Win 7 64 Bit, 16 GB RAM, i7 4790K,).

Über Wegpunkte lassen sich professionelle Rundgänge rendern.

Die Ergebnisse

Zunächst das Render-Bild:

Trotz mäßigem Aufwands ein recht anschauliches Ergebnis.

Das Render-Video: 17 Sekunden, 25 FPS, 720p – Verarbeitungszeit rund 13 Stunden!

Sweet Home 3D mag anfangs nicht so freundlich erscheinen, wie manch andere Raumplaner, aber der Funktionsumfang ist sehr gut, die Bedienung präzise und es können etliche weitere Objekte aus diversen Quellen importiert werden. Vor allem die virtuellen Begehungsvideos sind praktisch und ein echter Tipp für Makler, zumindest für die teureren Immobilien.

Nachtrag: Objekte anpassen

Per Doppelklick auf Objekte könnt Ihr Möbel & Co. übrigens wunderbar anpassen – wenn Frau oder Lampe also zum Beispiel mit hübschen Wolkenhimmel texturiert werden sollen …

Objekte sind umfangreich anpassbar.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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1 Kommentar

  • Praxis-Tipp für alle, die keinen ganzen Tag auf ein 17 Sekunden-Video warten wollen: Schiebt den Qualitätsregler um eine oder zwei Stufen nach links. Auf meinem PC (Core i7 4770, 16 GB) dauerte das gleiche Video dann lediglich 3 Minuten bzw. 55 Minuten und genügte vollends, um einen Eindruck des „Rundgangs“ zu bekommen 😉