Wir haben für Euch das neue kabellose Qi-Ladesystem von IKEA unter die Lupe genommen. Lest im Test, ob sich der Kauf lohnt – oder ob Ihr lieber die Finger davon lassen solltet.

Kabelloses Laden mit dem Qi-Ladesystem schont nicht nur Nerven, sondern auch die empfindlichen Anschlüsse des teuren Smartphones, denn unnötiges Kabelstecken entfällt. Derzeit scheint sich das Qi-System in Europa durchzusetzen, das von zahlreichen namhaften Elektronikherstellern unterstützt wird. IKEA hat nun seit diesem Jahr ebenfalls Qi-Ladeysteme für Smartphones im Sortiment: Wir haben uns die Ladestation Nordmärke samt der Ladehülle Vitahult für gängige Smartphones einmal angeschaut.

Mit IKEAs Qi-System lassen sich Smartphones und iPhones kabellos laden.

Handliche Holzplatten

Das Ladesystem von IKEA besteht, wie alle kabellosen Ladesysteme, aus zwei Bestandteilen: Auf der einen Seite gibt es einen „Sender“ für die Energie, der den Strom übermittelt, auf der anderen Seite muss das Smartphone natürlich dafür geeignet sein, den Strom zu empfangen. Die Sender sind dabei recht einfach konstruiert und müssen nur mit dem Strom verbunden werden. IKEA verbaut die Ladeplatten derzeit in verschiedenen Möbelstücken, zusätzlich gibt es jedoch Standalone-Ladestationen, die unter dem Produktnamen „Nordmärke“ laufen. Diese sind wahlweise für ein Gerät (35 Euro) oder für drei Geräte (59 Euro) erhältlich und aus einem Stück Holz gefertigt, in dem sich die Elektronik verbirgt. Das sieht nicht nur wertig aus, sondern fühlt sich auch so an. Zudem besitzen sie einen USB-Anschluss, der es erlaubt, ein weiteres Gerät auf die klassische Weise per Kabel zu laden, was bei uns im Test auch anstandslos mit einem iPad Air 2 funktionierte. Optisch und technisch macht die Nordmärke-Ladeplatte viel her und ist deutlich attraktiver als viele andere Qi-Ladegeräte. Wer also ein Smartphone mit Qi-Ladefunktion, aber noch kein entsprechendes Ladegerät hat, kann bedenkenlos zugreifen.

Die Nordmärke-Ladeplattform ist elegant und aus massivem Holz. Zudem verfügt sie über einen zusätzlichen 10-Watt-USB-Port.

Ein Blick auf die Vitahult-Ladehülle

Um kabellos geladen zu werden, muss im Smartphone ein System eingebaut sein, das den elektromagnetischen Stromfluss „einfängt“ und wieder in für das Gerät verwertbaren Strom verwandelt. Dazu ist eine Spule nötig, die die elektromagnetische Induktion wieder in Strom verwandelt. Diese ist inzwischen bei vielen aktuellen Microsoft-, Samsung- und LG-Smartphones an Bord, anders sieht es hingegen bei älteren Geräten und insbesondere allen Apple iPhones aus: Diese Geräte unterstützen von Haus aus keine kabellose Ladetechnik, die Spule samt Ladeelektronik muss also über eine Hülle nachgerüstet werden. Bei IKEA heißt das Teil „Vitahult“ und ist für Samsung Galaxy S3 bis S5 sowie iPhone 4(S), 5(S) und 6 erhältlich. Während es sich bei Samsung-Smartphones um ein einfaches Backcover handelt, das statt des regulären Rückseite angesteckt wird, ist es bei iPhones komplizierter: Mangels Rückendeckel muss das Vitahult-System die Ladeelektronik per Lightning-/Dock-Adapter mit dem Smartphone verbinden. Das iPhone wird in die Vorderseite der Hülle eingelegt, die dann in das Rückenteil eingeschoben wird, was auch recht gut klappt. Dadurch geht allerdings der Lightning-Anschluss verloren, stattdessen führt IKEA einen Micro-USB-Anschluss nach außen. Immerhin: Mit einem Micro-USB-Kabel kann das iPhone damit nicht nur geladen, sondern auch synchronisiert werden. Im Test funktionierte das anstandslos mit einem Kindle-USB-Kabel, während ein älteres Micro-USB-Kabel nur ab und an richtig arbeitete. Trotzdem ist die Synchronisation möglich, womit der Micro-USB-Adapter für das iPhone entfällt. Leider gibt es bei der Vitahult-Hülle gleich mehrere dicke Minuspunkte: Das Plastik wirkt wenig robust und schmutzanfällig, auch wenn die Montage recht simpel vonstatten geht und die Hülle anschließend stabil sitzt. Größter Kritikpunkt ist allerdings, dass die Hülle enorm aufträgt; in der Tat wirkt das iPhone 5 mit angezogener Hülle wie ein Gadget aus den Neunzigerjahren, was sicherlich nicht jedermann Sache ist. Hier gibt es deutlich schlankere und kompatible Alternativen beim Mitbewerb. Allerdings ist die IKEA-Lösung auch vergleichsweise preiswert und die dicke Schale hat natürlich auch den (kleinen) Vorteil, dass sie das iPhone gegen Stürze schützt.

Die Vitahult-iPhone-Hülle enthält die nötige Elektronik für das Qi-System. Zudem führt sie einen USB-Anschluss aus dem Gerät. Leider ist die Gesamtkonstruktion der Hülle etwas plump.

Anwendung der Ladeplatte ein Kinderspiel

Der Aufbau und Anschluss des Qi-Ladegeräts IKEA Nordmärke ist intuitiv, auch weil nichts zusammengebaut werden muss, einzig das Netzteil muss an das fest an der Ladeplatte angebrachte, rund 2 Meter lange und relativ dünne Kabel angesteckt werden. Einziger Kritikpunkt: Das Netzteil selbst ist relativ groß und eignet sich damit nicht für Steckdosen hinter Möbeln. Einmal aufgebaut, ist das Nordmärke-Ladegerät auch gleich betriebsbereit und sieht einfach nur elegant aus, kein Vergleich zu den teils potthässlichen Qi-Staubfängern, die andere Anbieter im Programm haben. Das iPhone mit aufgesteckter Vitahult-Hülle muss nun nur noch aufgelegt werden und der Ladevorgang beginnt. Da das Qi-System auf 5 Watt beschränkt ist, entspricht die Ladeleistung in etwa der des Standardnetzteils des iPhones, auch die Ladegeschwindigkeit ist vergleichbar, zumindest haben wir – ohne jetzt im Detail zu messen – keinen nennenswerten Unterschied feststellen können. Schneller geht es übrigens am USB-Port der Nordmärke-Ladeplatte, der 10 Watt leistet – ausreichend auch für die meisten Tablets, Kindles und viele andere USB-Geräte.

Wird das iPhone in der Vitahult-Hülle oder ein anderes Smartphone mit Qi-Unterstützung aufgelegt, beginnt sofort der Ladevorgang.

Fazit: Eine gute Lösung – mit Abzügen für die iPhone-Hülle

Insgesamt können wir allen, die ihr Smartphone kabellos laden können, die Qi-Ladeplatte „Nordmärke“ von IKEA vollumfänglich empfehlen: Sie sieht schick aus, ist hochwertig verarbeitet und leistet, was sie leisten soll. Der praktische USB-Anschluss ist ein zusätzliches Goodie für einen aufgeräumten Schreibtisch. Weniger gut gefielen uns die Vitahult-Ladehüllen für das iPhone: Diese sind zwar funktional sinnvoll, verpassen dem iPhone einen vollwertigen Micro-USB-Anschluss und sind auch in Sachen Preis-Leistung absolut empfehlenswert. Was jedoch nicht gefällt, ist das absolut plumpe Design und das preiswerte Polycarbonat – hier wären nicht nur höherwertige Materialien und eleganteres Design, sondern auch verschiedene Farbvarianten sinnvoll, denn die Hülle gibt es derzeit nur in weiß. IKEA als größter Möbelhersteller der Welt könnte sich durchaus einen seiner Designer schnappen und die Qi-Hüllen attraktiver gestalten. Technisch allerdings gibt es nichts an der Lösung auszusetzen – und das ist die Hauptsache. Daher volle Kaufempfehlung.

Das System ist gut, allerdings könnte sich ein Designer der iPhone-Hülle annehmen.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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