Im Test: Die ConferenceCam Connect ermöglicht für gut 400 Euro Videokonferenzen für bis zu sechs Personen, streamt Tablet-Bildschirme auf TVs und ist mobil einsetzbar.

Wenn man ein Logitech-Paket mit zwei Konferenzkameras bekommt und sich fast einen Bruch hebt, ist eines schon vor dem Auspacken klar: Hier sind Business-Systeme drin. Die ConferenceCam Connect ist das kleinere Modell und auch dessen UVP von 599 Euro spricht eine klare Sprache, selbst wenn der Straßenpreis bei 408 Euro anfängt. 33 cm hoch, rund mit 7,5 cm Durchmesser und stolze 768 g schwer, soll das Zeiss-Objektiv bis zu sechs Personen erfassen. Und das Gerät weiß zu überraschen.

Was kann die Konferenzkamera?

Das System verfügt über ein schwenkbares 1080p-Zeiss-Objektiv mit digitalem 4-Fach-Zoom, 360-Grad-Lautsprecher, Mikrofon sowie USB- und HDMI-Anschlüsse. Dazu gehört eine Fernbedienung, die gleichzeitig die magnetische Abdeckung für den Objektiv- und Kontroll-Panel-Bereich ist. Die Fernbedienung kann Anrufe starten und stoppen, zoomen, die Lautstärke verändern und auf Stumm schalten. Außerdem lässt sich die Kamera seitlich im 90-Grad-Winkel schwenken. Die senkrechte Ausrichtung der Kamera erfolgt mechanisch über ein Rädchen am Kontroll-Panel.

Der HDMI-Anschluss ist zum drahtlosen Übertragen von PC-, Tablet- und Smartphone-Bildschirmen an einen Fernseher gedacht. Per USB geht es dann wie gehabt an den Rechner. Für die Freisprecheinrichtung stehen neben USB auch NFC und Bluetooth zur Verfügung. Das ganze System läuft auch ohne Stromanschluss per Akku; bis zu 3 Stunden mit Video, bis zu 15 als Freisprecheinrichtung.

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Ordentliche Linse, aber immer noch eine Webcam – Wunder sind trotz 1080p nicht zu erwarten.

Hardware und Video

Haptik und Verarbeitung sind einfach hervorragend. Vom gummierten Fuß über die matte Metalloberfläche bis hin zu den schalterlosen Bedienelementen obendrauf finden sich auschließlich gute, gut verarbeitete Materialien. Das gleiche gilt für die Fernbedienung, die erfreulicherweise Tasten mit ordentlichen Druckpunkten hat. Nettes Detail: Das Stromkabel ist ziemlich lang und mit Adapter für US-amerikanische Steckdosen ausgestattet. So lässt sich die Kamera auch gut mobil nutzen und in Konferenzräumen vernünftig platzieren. Und auch über das Kensington-Schloss an der Rückseite darf man sich freuen, gerade wenn man das Gerät auch mal in Hotel-Konferenräumen nutzt. Soweit die Ausstattung.

In der Praxis zeigt sich die Hardware durchaus leistungsfähig. Das Bild ist bei perfekten Bedingungen sehr gut und auch bei mäßiger Beleuchtung noch völlig in Ordnung. Freilich: Es ist nach wie vor eine Webcam und der Digital-Zoom produziert die zu erwartenden Verluste. Sehr gut funktioniert auch die Objektiv-Steuerung: Per Fernbedienung lässt sich genügend flott zoomen und schwenken. Der Spielraum genügt, um beispielsweise zwischen mehreren Personen in der Totalen, einzelnen Rednern und noch einem Whiteboard zu wechseln. Und zu guter letzt läuft auch der Autofokus einwandfrei. Die senkrechte Einstellung, das Kippen über das Rädchen funktioniert, allerdings dürfte das Bedienelement durchaus ein wenig weiter herausstehen – aber das ist nicht wirklich der Rede wert.

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In Ermangelung repräsentativer Konferenzräume, beschränken wir uns auf ein paar Bilder unter schlechten Bedingungen – aber auch die Fernbedienung direkt vor der Kamera ist gerade eben noch scharf.

Audio und Design

Mikrofon und Lautsprecher bringen die Sprache klar und ohne Echo rüber – bei 5 Meter Abstand konnte die Gegenstelle nicht sagen, ob ich noch am Schreibtisch sitze oder nicht und de Beschallung reicht locker auch für größere Runden.

Beim Design gibt es zwei Punkte zu beachten. Zunächst mal den ästhetischen Aspekt – das mag Geschmackssache sein, aber die schlichte Säule macht definitiv auch in edler ausgestatteten Büros eine gute Figur. Eben typisch Business-Produkt: Schlicht elegant in Schwarz und Mattgrau. Auffällig ist eigentlich nur der blau, rot oder grün leuchtende Ring am Fuß, der Aufschluss über den Status gibt, was durchaus praktisch ist. Und da sind wir auch schon beim Punkt Funktionalität: Das Design platziert die Kamera auf einer brauchbaren Höhe, die runde Bauweise spart Platz und die als Abdeckung eingelassene Fernbedienung ist genial – tolle Haptik, dezente Optik im Nicht-Betrieb und nie wieder Fernbedienungen suchen … Wenn man akribisch nach Kritipunkten sucht: Die Fernbedienung ist nur mit beiden Händen abzunehmen – was aber wohl nur bei äußerst ungünstiger Platzierung des Geräts von Relevanz sein könnte.

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Fernbedienung und Rundum-Lautsprecher – der anders als die omnipräsenten Bluetooth-Brüllwürfel ohne Übersteuerung auskommt und klare Sprache liefert.

Einrichtung und Software

Unter Windows läuft die ConferenceCam Connect per Plug&Play und wird sofort als Webcam erkannt – und kann entsprechend flexibel genutzt werden. Logitech gibt explizit zwar nur Skype for Business (vormals Lync), Cisco Jabber und einige andere an, tendenziell dürfte aber jede Konferenzlösung funktionieren, die beliebige Webcams akzeptiert. Selbst Einfachst-Webcam-Tools wie Dorgem arbeiten korrekt mit der Kamera. Für Lync/Skype for Business gibt es allerdings Erweiterungen, um die Kamera direkt über die Clients zu steuern. Im Test haben wir uns des hervorragenden Jitsi bedient – ein sicherer, kostenloser, anmeldungsfreier (!) Web-Conferencing-Dienst, den wir Euch hier schon mal vorgestellt haben. Und auch im Jitsi-Meeting gibt es mit dem Gerät keinerlei Probleme.

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Ein Firmware Update ist Plficht!

Auf den Logitech-Seiten gibt es einige Tools, die man sich herunterladen sollte: LogiCamDiagnostic, LogiCamSettings und den Firmware-Updater. Mit dem Diagnostic-Tool testet Ihr unkompliziert Kamera und Mikrofon/Lautsprecher, mit dem Settings-Werkzeug nehmt Ihr Einstellungen für Helligkeit, Sättigung, Kontrast, Format und Weißabgleich vor und könnt den Zoom bedienen. Und der Firmware-Updater macht auch direkt was er soll – ein Update erfolgreich durchführen. Und das war wohl auch nötig, denn vorher funktionierte der Ton nicht. Etwas unschön: Das Diagnostic-Tool hat lediglich keinen Ton aufgenommen und/oder wiedergegeben – eine Fehlermeldung gab es nicht.

Alles in allem funkionieren Einrichtung und Betrieb völlig problemlos. Dass Handbücher und Software erst zusammengesucht werden müssen und es keine zentrale Steuerung gibt, ist jedoch schade.

Bildschirm-Spiegelung

Die Bildschirm-Spiegelung verdient noch eine Extraerwähnung. Die Einrichtung ist simpel: Die Kamera wird per HDMI mit dem TV verbunden und und der Übertragungsmodus aktiviert. Anschließend wird etwa unter Android die Funktion „Übertragen“ aktiviert und letztlich die ConferenceCam Connect gewählt. Folglich landet der Bildschirm sauber und fast ganz synchron auf dem TV (wir reden hier von Milisekunden). Das ist praktisch, weil dank Akkubetrieb nur ConferenceCam und ein HDMI-Kabel benötigt werden – mit dem Smarphone/Tablet in der Hand kann man sich auch dem Publikum widmen und sich frei bewegen. Und somit ist die Konferenzkamera auch ein mobiles Vortragssystem. Aber auch in den angedachten Videokonferenzen ist das nützlich, um Produkte vorzustellen, Videos zu zeigen und so weiter.

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Bildschirm-Spiegelung – genau wegen diese schönen Features ist die ConferenceCam nicht „nur“ eine sehr gute Webcam.

Die Bildschirm-Spiegelung funktioniert via Miracast ab Android 4.3 und Windows 8.1.

Fazit

Zu einem Test gehört immer auch eine gewisse Einordnung – die ist hier allerdings schwierig. Webcams gibt es ab 20 Euro, Klein-Büro-Systeme für rund 200 und ab rund 900 bis X-Tausend Euro Profilösungen jeglicher Größenordnung. Zwischen 200 und 900 gibt es allerdings nicht allzuviel auf dem Markt – und im Standard-Handel oft gar keine Alternativen. Dabei dürfte das Segment für kleine bis mittlere Konferenräume gar nicht so uninteressant sein – für die Projektarbeit etwa sind fünf, sechs Anwesende eine ziemlich plausible Größenordnung. Und genau dort passt das System wie angegossen.

Die ConferenceCam Connect kann einfachst aufgebaut und eingerichtet werden, ist mobil nutzbar und liefert einfach ein gutes Konferenzerlebnis, weil Bild und Ton gut sind und die schwenkbare Kamera einiges an Flexibilität bietet. Skype for Business wird voll unterstützt und auch davon ab gibt es reichlich Systeme, die genutzt werden können – sie müssen nur eine „normale“ Webcam akzeptieren. Und die Bildschirm-Spiegelung obendrein ist weit mehr als nur ein i-Tüpfelchen! Da das Ganze dann noch in ansprechendes Design und gute Verarbeitung gepackt wurde, können wir die Kamera für den gedachten Zweck voll und ganz empfehlen. Oder mal ganz direkt ausgedrückt: Innovative Hardware, die nützlich ist und Spaß macht.

Die zweite Kamera im Pake
t ist die Logitech Group, die mit knapp 1.000 Euro in einer ganz anderen Liga spielt – das gilt auch für den Begeisterungs-Faktor … Der Test kommt in ein paar Tagen.

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Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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