Mit dem Marshall Major II liefern die Verstärker-Veteranen einen Bluetooth-Kopfhörer. Wir prüfen, was der Rock’n’Roller unter den Kopfhörern leistet.

Der Name Marshall hat unter Gitarristen einen beinahe legendären Klang. Auch meine bescheidenen Ausflüge in die Welt der E-Gitarre wurden damals von einem Marshall-Verstärker vertont – sehr zum Leidwesen meiner Nachbarn. Mit dem Major II liefern die Amp-Veteranen nun auch einen Bluetooth-Kopfhörer im On-Ear-Stil. Mit dabei: Ein fetter Akku, typisches Marshall-Design und ein Sound, der eine volle Breitseite Rock’n’Roll auf die Ohren zaubern will. Wie sich der Marshall Major II Bluetooth im Test schlägt, lest Ihr hier. 

Rund 150 Euro verlangt Marshall für den Major II Bluetooth. Er fällt damit preislich in die Mittelklasse der Bluetooth-Kopfhörer: Weit weg von den Edel-Hörern von Bose oder Sennheiser, aber eben auch mehr als Billo-Headsets wie die von Mirco verrissenen Audio MX. Hier die technischen Daten des On-Ear-Kofhörers:

Treiber: 40 Millimeter

Impedanz: 64 Ohm

Frequenzbereich: 10 Hz – 20 kHz

Schalldruck: 99 dB

Gewicht: 146 Gramm

Der Marshall Major II will vor allem mit kräftigen Sound punkten

Tolles Design…

Schon auf den allerersten Blick wird klar, dass Marshall seine typische Verstärker-Optik fast schon eins-zu-eins auf den Major II übertragen – die Hipster unter Euch dürften es lieben 😉 Wo die meisten Hersteller auf glatte Kunststoff-Oberflächen setzen, findet sich beim Marshall Major II Kunstleder und der typische Marshall-Look mit Kunstleder-Elementen. Das wirkt zwar (in meinen Augen) nicht extrem edel, setzt sich aber vom Design-Einheitsbrei im Kopfhörer-Segment ab. Als etwas fragwürdig empfinde ich die Konstruktion des Major II: Kopfbügel und Ohrmuscheln sind über relativ dünne Streben verbunden, außerdem lässt sich der Kopfhörer in sich recht stark verbiegen. Generell ist das leichte Gehäuse vor allem dem Einsatz von viel Plastik zu verdanken, eine stabile Stahlkonstruktion sucht man hier vergebens. Es sei aber dazugesagt, dass die Verarbeitung des Kopfhörers in meinen beiden Testwochen keinerlei Probleme gemacht hat – es ist eher subjektives Empfinden. Zum platzsparenden Transport lassen sich die Ohrmuscheln einklappen. Ein passendes Transport-Case oder zumindest eine Tasche liefert Marshall allerdings nicht mit. Mit einem Gewicht von unter 150 Gramm trägt der Major II im Rucksack generell erfreulich wenig auf.

Der Marshall Major II übernimmt die Optik der legendären Gitarrenverstärker

Für mich ein Highlight am Marshall Major II: Der kleine, goldene Steuerknüppel an der linken Ohrmuschel. Über den Vier-Wege-Stick regele ich die Lautstärke, skippe Songs, pausiere die Musik oder nehme eingehende Anrufe an. Das alles funktioniert nach kurzer Eingewöhnung besser, als es bei anderen Bluetooth-Kopfhörern der Fall ist. Das Ding werde ich bei anderen Hörern auf jeden Fall vermissen…. Stichwort „Anrufe“: Die Freisprech-Funktion des Marshall Major II funktioniert im Test durchweg gut.

Kleiner Joystick, großer Nutzen: Der Vier-Wege-Knüppel macht die Bedienung des Major II zum Kinderspiel

… mauer Tragekomfort

Leider kann ich nicht behaupten, dass der Marshall Major II Bluetooth besonders komfortabel sitzt. Zwar sind die Ohrpolster relativ dick, allerdings pressen die Bügel recht stark gegen den Kopf. Anders, als es beim Mangat LZR 588 der Fall war, stehe ich dieses mal mit dieser Meinung nicht allein da. Sowohl meine Freundin (ihrerseits mit einem sehr viel kleineren Kopf gesegnet als ich 😉 ), als auch zwei Freunde mit ebenfalls recht unterschiedlichen Kopfhörer-Vorlieben bestätigten mir, dass der Major II schnell auf die Ohren drückt. Auf Dauer war der Kopfhörer mir einfach zu unbequem. Das ist überaus schade, da er mir optisch ansonsten sehr gut gefällt. Vielleicht legt Marshall irgendwann mal eine Over-Ear-Variante des Major II nach, die weniger drückt…

Tuto-Hipster: Marshall Major II-Kopfhörer + T-Shirt einer aufgelösten Band. Leider drückt der Kopfhörer im Gegensatz zum Shirt…

Technik: Top Akku, stabile Verbindung

Die Verbindung zwischen Kopfhörer und Smartphone bzw. Laptop ist schnell hergestellt. Zwar hat Marshall auf NFC verzichtet, über einen Doppelklick auf die Power-Taste klappt das Bluetooth-Pairing aber auch so schnell und unkompliziert. Einmal gepairt klappt die Verbindung reibungslos und unterbrechungsfrei. Im Test mit dem Nexus 6p konnte ich sogar durch eine Wand und rund acht Meter Entfernung noch unterbrechungsfrei Musik hören – hier gibt’s nichts zu meckern.

Auf kompatiblen Geräten (etwas meinem geliehen Sony Xperia Z3 Tablet) erfolgt die Soundübertragung zum Marshall Major II  über den aptX-Codec, der bei Bluetooth für besseren Sound sorgt. Meine nicht allzu goldenen Ohren haben allerdings keinen Unterschied zwischen „mit und ohne“ aptX feststellen können. Erfreulicherweise galt das gleiche aber auch für den Wechsel von der Bluetooth- auf die Kabelverbindung. Über das mitgelieferte Klinken-Kabel lässt sich der Marshall II nämlich bei Bedarf direkt an den Audioausgang klemmen.

Im Karton findet sich auch ein Kabel für die direkte Verbindung, das man aber nur selten braucht

Das dürfte in der Praxis aber nur selten nötig sein, da der Akku des Marshall Major II einfach nur grandios ist! Marshall verspricht selbstbewusst „bis zu 30 Stunden“ Wiedergabezeit mit einer Ladung – und das haut durchaus hin! Ich habe die Kopfhörer über 24 Stunden bei mittlererer Lautstärke dudeln lassen, ohne dass der Akku schlapp machte. Mangels Ladestandanzeige kann ich nicht genau sagen, wieviel Saft noch genau im Major II weilte, aber mal im Ernst: Wer binnen 24 Hörstunden nicht in die Nähe einer Steckdose kommt, der liegt bei Bluetooth-Kopfhörern meiner Meinung nach falsch 😉 Erfreulicherweise ist der Akku über das mitgelieferte microUSB-Kabel in weniger als drei Stunden wieder vollständig geladen. Außerdem ist es möglich, während des Ladevorgangs weiter Musik zu hören. Kurzum: Marshall macht in Sachen Akkulaufzeit wirklich alles richtig!

Das kompakte Design und die lange Akkulaufzeit machen den Major II zum guten Reisebegleiter

Marshall Major II im Sound-Test: One louder!

Und wie klingt er nun, der Marshall Major II? Nun, ich würde fast sagen: So, wie man es von der Marke erwartet. Der Kopfhörer hat ordentlich Wucht, wovon vor allem kräftige Gitarren- oder Bass-Parts profitieren. Ob Guns’n’Roses, AC/DC, Motörhead oder Black Sabbath, das Ding scheint maßgeschneidert für den Rock’n’Roll aus besseren Tagen. Ich habe ihn auch mit Ska aus der Ecke von Talco und Reel Big Fish sowie mit Folk a la Frank Turner, Chuck Ragan oder Skinny Lister befeuert und war durchgehend zufrieden. Doch auch für ruhigere Stücke und Akustikklänge taugt der Marshall Major II meiner Meinung nach gut. Erfreulich ist dabei vor allem, dass die Ohrmuscheln auch ohne „Over-Ear“-Design oder Noise Cancelling die Außenwelt ordentlich abschotten.

Toll: Das Ding ist Laut. Und zwar so richtig laut. Sowohl im Bluetooth- als auch im Kabelbetrieb habe ich bei keinem Song den Eindruck, dass es an Klangvolumen mangelt. Erfreulicherweise schafft der Major II seinen Brachialsound, ohne dass die Musik hörbar verzerrt oder blechern klingt. Kurzum: Das ist der wohl lauteste Bluetooth-Kopfhörer, den ich bislang im Einsatz hatte. Marshall wusste aber bekanntlich schon immer, wie das mit „laut“ funktioniert 😉

Bei allem Lob gibt es aber auch Kritik: Während Instrumente hervorragend zur Geltung kommen, saufen vor allem höhere Stimmlagen im Hörtest ein wenig ab. Außerdem ist der Major II überaus basslastig, was mir persönlich nicht so schmeckt. Zwar ist der Sound nicht so waberig, wie ihn beispielsweise Mirco im Test der günstigeren Audio MX beschreibt, dennoch spielt sich der Bass eindeutig in den Vordergrund. Im Hip Hop-Test fällt der Marshall Major II Bluetooth nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen Gasthörern durch.

Ich habe über Google Play Music auch ein wenig in elektronische Musik reingehört und fand den Major II okay, wenn auch nicht überragend. Hier sei fairerweise gesagt, dass das nicht wirklich mein Genre ist 😉 Und auch bei den „Nebendisziplinen“ wie Hörbüchern und Filmen kann der Marshall-Kopfhörer im Vergleich zu Modellen von Sony oder Magnat nur eingeschränkt punkten: Stimmen klingen weniger natürlich, als es beispielsweise beim Magnat LZR 588 der Fall ist. Das ist allerdings jammern auch höherem Niveau, denn ich habe auch schon Kopfhörer erlebt, die deutlich weniger gut klangen.

Die Ohrmuscheln liefern ordentlich Wumms und isolieren zudem überraschend gut

Aus diesen Gründen konnte mich der Marshall II nur mit Einschränkungen überzeugen. In seiner (und meiner 😉 ) Kerndisziplin „Alles mit Gitarren“ liefert er top Resultate, für andere Musikrichtungen eignet er sich hingegen etwas weniger. Hört auf jeden Fall selber rein und testet Ihn mit Eurer Mucke, um zu prüfen, ob Euch der Major II Bluetooth zusagt.

Fazit

Selten war ich bei einem Kopfhörer so hin- und hergerrissen wie beim Marshall Major II: Ich liebe das coole Design und den markigen Gitarrensound. Ich bin enttäuscht vom viel zu strammen Sitz und der etwas wackeligen Verarbeitung. Ich mag die gute Verbindungsqualität und die extrem lange Akkulaufzeit. Mich stören der übertriebene Bass und die nicht perfekte Stimmwiedergabe.

Vor allem aufgrund des mangelnden Tragekomforts habe ich mich dazu entschieden, den Marshall Major II an Amazon zurückzuschicken. Das ist schade, war der Kopfhörer doch wie maßgeschneidert für meinen Musikgeschmack. So geht die Suche nach dem perfekten Bluetooth-Kopfhörer also weiter – ich bin gespannt, was die nächsten Kandidaten bringen…

Wie immer gilt: Das Sound-Empfinden ist bei jedem Menschen anders. Im Idealfall hört den Marshall Major II mit Eurer Musik Probe und prüft, ob Euch der Sound

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Infos zum Major II bei Marshall

Hinweis: Ich habe mir den Marshall Major II auf eigene Kosten bei Amazon bestellt. Weder Marshall noch jemand anderes hatte Einfluss auf dieses Review.

Hier noch einige Bilder des Marshall Major II:

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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