10 Desktops für Ubuntu und wie Ihr sie installiert: Gnome Flashback, LXDE, LXQt, Xfce, KDE, Cinnamon, Mate, Unity, Openbox und der absolute Minimalist Black.

Was Ihr nach dem Start von Ubuntu seht, ist nicht Ubuntu. Nicht wirklich. In der Windows-Welt ist es simpel: Windows rechnet im Hintergrund, Windows verwaltet Fenster, Windows erstellt Desktop und Startmenü – ein Produkt aus einem Guss. Bei Linux sollte man ein wenig unterscheiden: Desktop, Startmenü, Taskleiste und die vorinstallierte Programmsammlung gehören zu Desktop-Umgebungen wie Gnome, KDE oder Mate, Fenster werden von Fenster-Managern wie Openbox, Compiz oder Metacity verwaltet und gegebenenfalls mit Effekten ausgestattet. Und Ubuntu ist dann die Zusammenstellung aus Linux-Kernel, Programmen, Treibern, Designs und eben Gnome/Unity als Desktop-Umgebung mit Compiz als Fenster-Manager. Im Gegensatz zu Windows lassen sich diese Komponenten aber tauschen – Ubuntu muss nicht mit der schrecklichen, Ressourcen fressenden Unity-Oberfläche laufen. Installiert einfach neue Desktop-Umgebungen und Fenster-Manager und schon könnt Ihr Euch bei der nächsten Anmeldung eine Arbeitsumgebung aussuchen. Folgend eine Auswahl von zehn teils ziemlich unterschiedlichen Desktops samt Installationsanleitungen – es handelt sich immer um ein und dieselbe virtuelle Maschine.

Unity
Die widerliche Standardoberfläche von Ubuntu hört auf den Namen Unity, ist eine Shell für Gnome 3, verzichtet auf ein herkömmliches Startmenü und verweigert Nutzern damit die Möglichkeit, erwartungskonform durch die installierte Software zu stöbern. Es ist langsam, die Menüleisten von Fenstern sind von den Fenstern getrennt, es wimmelt und wackelt, überall Tranzparenzen – einfach ein Elend. Insbesondere für Windows-Umsteiger ist Unity eine Zumutung, weil man die Namen von Programmen kennen muss, um sie zu starten – ein klassisches Startmenü muss sein! Microsoft hat denselben dämlichen Fehler bei Windows 8 gemacht und musste das Startmenü später nachliefern. Also weg damit.

Böses Ubuntu, aus! Unity mag seine Benefits haben, aber vor allem nervt es durch Ressource-Verbrauch und mangelnde Erwartungskonformität.

Gnome Flashback (Metacity)
Neben Unity bringt Ubuntu standardmäßig „Gnome Flashback“ mit, was die gleiche User Experience auf den Monitor bringt wie das alte Gnome 2 – ein stinknormaler Desktop ohne Klickibunti-Wir-Wollen-Unbedingt-Modern-Sein-Marotten. Wer nichts installieren will, könnte damit schon glücklich sein.

Per „Gnome Flashback“ kommt das gute alte Gnome-2-Feeling zurück.

Xfce
Die Xfce-Oberfläche sieht dem Gnome Flashback einigermaßen ähnlich, bringt aber natürlich andere Standardprogramme auf den Rechner, schon Ressourcen und ist eine gute Wahl für jeden, der einen modernen Desktop mit klassischer Benutzerführung und nichts allzu freakiges haben will. Die Installation erfolgt über „sudo apt-get install xubuntu-desktop“ – wenn Ihr genau wisst, dass Ihr Ubuntu mit Xfce nutzen wollt, könnt Ihr freilich auch gleich Xubuntu nehmen.

Xfce – für alle, die weniger Eye Candy aber ansonsten alle Modernitäten haben wollen.

LXDE
Mit LXDE wird es noch ein wenig leichtgewichtiger und mit „sudo apt-get install lubuntu-desktop“ ist es fix eingerichtet – natürlich sieht es standardmäßig nicht so aus wie auf dem Screenshot … . Das in Lubuntu verwendete System ist schlank, klassisch und nicht nur für ältere Rechner die vielleicht beste Wahl überhaupt. In Kombination mit Debian statt Ubuntu bekommt man eines der besten Systeme überhaupt.

Mein persönlicher Standard, LXDE – das bödsinige Windows-XP-Theming kann man sich aber sparen.

LXQt
LXQt ist eine ganz frische Portierung von LXDE, die im Hintergrund auf Qt statt auf GTK setzt (beides sind Werkzeugsammlungen zur Erstellung grafischer Nutzeroberflächen), was Otto Normalendnutzer zunächst ziemlich gleichgültig sein kann. Noch ist LXQt eher was für Freunde der Experimentiererei – und hier zeigen wir Euch die Installation.

LXQt – neu, unfertig, langfristig wohlmöglich ein würdiger LXDE-Nachfolger.

KDE
Mit Kubuntu existiert auch ein KDE-Ubuntu und die Installation läuft analog zu Lubuntu/Xubuntu über „sudo apt-get install kubuntu-desktop“. KDE und Gnome sind lange Zeit die einzig wirklich relevanten Desktops gewesen und Flamewars tobten in den tiefen Einöden der Forenhöl(l)en. Aber keine Sorge, KDE Plasma nervt binnen Sekunden mit verspieltem Klickibunti-Müll und dürfte schnell wieder vom Desktop verschwinden. Wer eine moderne Eye-Candy-GUI haben will, aber dennoch ein klassisches Startmenü, könnte aber durchaus seine Freude daran haben.

KDE auf Ubuntu – blingblingbling, klimperklimper, nichtmeinding.

Mate
Mate ist normalerweise in Linux Mint zu finden und ist ein moderner Desktop mit klassischer Bedienung, Effekten und einer gewissen Ähnlichkeit zum alten Gnome – nun, es ist ein Fork des eingestellten Gnome 2, insofern kein Wunder. Mate verbindet ordentliche Leistung mit klassischer Bedienung und ist erste Wahl für Linux Mint auf schwächeren Rechnern. Unter Ubuntu muss das nicht wirklich sein, aber es geht:

echo "deb http://repo.mate-desktop.org/archive/1.8/ubuntu $(lsb_release -cs) main" | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/mate-desktop.list
wget -qO - http://mirror1.mate-desktop.org/debian/mate-archive-keyring.gpg | sudo apt-key add -
sudo apt-get update
sudo apt-get install mate-core mate-desktop-environment mate-notification-daemon

Damit wird die Nightly-Version (die tagesaktuelle Entwicklerversion) installiert – also nichts für Produktivsysteme!

Mint forkte Gnome 2 zu Mate als Lightweight-Alternative zum hauseigenen Gnome-3-Fork Cinnamon – was für ein schöner Satz.

Cinnamon
Die Mint-Linuxer wollten auch Gnom-3-Software vernünftig integrieren und haben mit Cinnamon auch noch eine eigene Gnome-3-Variante – zum Probieren braucht’s ein paar Zeilen:

sudo add-apt-repository ppa:gwendal-lebihan-dev/cinnamon-nightly
sudo apt-get update
sudo apt-get install cinnamon
sudo apt-get upgrade
sudo apt-get install gir1.2-cmenu-3.0

Cinnamon ist Mints Standardumgebung – schick, einfach, brauchbar.

Openbox
Openbox ist der Standard-Fenster-Manager LXDE. Normalerweise versieht Openbox seinen Dienst ohne jegliche Aufmerksamkeit im Hintergrund, aber es kann auch der Star sein: Lasst den Desktop-Käse doch einfach mal weg. Openbox pur beschränkt sich auf ein Kontextmenü und Programmfenster – kein Startmenü, kein Wallpaper (machbar mit Nitrogen), keine Taskleiste, keine Effekte, gar nichts. Soviel Purismus ist nicht jedermanns Sache, aber es spart Ärger und Ressourcen – und verweigert unkundigen Fremden spontanes Herumspielen.

Openbox only – wer braucht schon einen ganzen Desktop.

Blackbox
Die Openbox-Fenster sind noch zu bunt? Installiert Blackbox mit „sudo apt-get install blackbox“ nach und schon habt Ihr das wohl puristischste Betriebssystem überhaupt vor Augen – schlanker wäre nur noch die gute alte „Eingabeaufforderung“, also ein Terminal zum Tippen. Openbox basiert auf Blackbox, verfügt aber über mehr Features. Wie auch immer, von hier ein dickes +1 für Blackbox.

So geht das! Blackbox ist kaum mehr als eine Art Terminal-Frontend – alle Ressourcen für die Programme.

Und wo ist der ganze Kram jetzt? Ganz einfach: Bei der Anmeldung gibt es neben der Wahl des Benutzers auch einen leider recht unauffälligen Button zum Auswählen der Session, sprich des zu verwendenden Desktops/Fenster-Managers. Beim Standard-Ubuntu befindet sich der Button direkt am Nutzernamen. Dieser grafische Anmeldebildschirm stammt allerdings vom Display Manager LightDM und wenn Ihr beispielsweise Kubuntu installiert, wird dieser Bildschirm von kdm bereitgestellt und der Button wandert entsprechend – ist aber auch egal, wenn über den Button an sich Bescheid weiß. Und jetzt viel Spaß beim Probieren!

Da könnte sich Windows mal ein Scheibchen abschneiden – ein Betriebssystem, etliche Bedienkonzepte.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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Kommentare

  • Unity abschmettern, ohne es ausprobiert zu haben. In Unity muss man nicht wissen, wie ein Programm heisst, man muss nur wisssen, was man machen möchte – tippt man „schreiben“ ins Suchfeld, werden installierte Texteditoren und Textverarbeitungen angeboten. Desgleichen auch bei anderen Tasks. Das Ganze ist eleganter und schneller als die Suche in einem verschachtelten Menüebaum, wo man dann ja auch wissen muss, dass gedit ein einfacher Textveditor ist.
    Statt Konzepte, die in den 90ern funktionierten, aber allein wegen der Vielzahl der heute auf einem PC installierten Programme nicht mehr funktionieren oder unergonomisch sind, weiter zu tradieren, gehen Unity und GNOME3 mutig neue Wege, Gerade Unity reduziert die Komplexität immens und ist so sehr aus dem Weg wie wenige andere Desktopumgebungen.

    • Natürlich habe ich Unity ausprobiert, ich kann’s nur nicht leiden. Der riesige Vorteil eines Menübaums ist, dass ich stöbern kann. Aha, eine Office-Kategorie – was gibt es da wohl? Oh, Spiele, da gucke ich doch mal rein. Bei Unity muss Du nicht immer das konkrete Programm mit Namen kennen, aber wenn etwa ein Terminal-Fenster aufgemacht werden soll, muss schon „terminal“ eingegeben werden (damals, als ich das probiert habe jedenfalls noch) – und wenn der Windows-Umsteiger „eingabeaufforderung“ eintippt? Oder „shell“? Oder „bash“? Dann klappt es nicht mit dem Terminal – und das ist für Einsteiger nunmal nicht selbstverständlich. Wenn ich die Eingabeaufforderung suche, klicke ich auf eine Kategorie wie Systemwerkzeuge und dort werde ich schon fündig, auch ohne Thesaurus.

      Ganz abgesehen von diesem Navi-Konzept, ist dieses ganze Gewimmel und Geblinke, etwa in der Seitenleiste zum Heulen – da kann ich mir ja gleich Vista mit Aero und irgendeinen schwachsinnigen 3D-Desktop-Aufsatz einrichten.

      Und von Performance muss ich wohl gar nicht erst anfangen, oder?

      So, ich musste es nochmal probieren – Puristik kann man mir vielleicht manchmal „vorwerfen“, aber das mit der Sorgfalt versuche ich zumindest zu berücksichtigen.
      Eben geschrieben ins Unity-Suchfeld: „schreiben“ – Treffer? Pustekuchen. Meinungen abzuschmettern, ohne die eigenen Argumente vorher zu testen …

      Unity ist eben schwammig/unscharf – reduziert das die Komplexität? Ja, auf jeden Fall – wenn ich dem Navi im Auto nur noch sagen kann „nach süden“, reduziert das die Komplexität auch.

      schreiben != gedit finden
      Mmmmmhhhh - muss ich gedit etwa doch kennen?

      Nachtrag: Nur dass mir jetzt keiner mit falscher Sprachversion kommt – suche ich nach „write“ kommen sehr wohl gedit und LibreOffice Writer ans Licht, das vorinstallierte Leafpad aber schon nicht mehr. Das Grauen.

    • ich muss immer wissen was ich suche
      habe ich nicht das richtige suchwort dann funktioniert es einfach nicht
      und ich bin ein eindeutiger verfechter des klassischen Menues
      ich gehe auch nicht in ein Restaurant und sage essen es wird dann schon igrendwas kommen
      nein ich schaue was bietet mir das Retaurant BEVOR ich reingehe anhand der Menuekarte

      oder gehst du zum autohändler und sagst fahren dann bekommst du halt auch nur ein Gestell mit 5 Rädern und einem Holzstuhl (reicht zum fahren)

      ich will mir nicht merken wie meine 500 installierten Bildbearbeitungsprogramme heisen ich mochte das Menue aufklappen und da stehen alle fein sauber sortiert
      P.S. ich mag auch kein Windows 10

      ich bin des lesen mächtig, ich kann unterscheiden und entscheiden was ich mit was tun möchte, ich kann sogar noch denken
      ich bin aber auch faul, neugierig und experimentierfreudig

      ich hersche über das system, ich bestimme was womit und wann getan wird
      ich arbeite seit 30 Jahren am PC da möchte ich alle INformationen haben die ich bekommen kann und nicht was ein unbeteiligter Dritter meint mir vorsetzen zu müssen.
      ich hasse es 50 begriffe auszuprobieren zu müssen um herauszufinden auf welchen das System reagiert weil ich denke an ganz andere Dinge ich beschreibe das was ich tun möchte auch mit anderen Worten
      und es ist nicht immer so profan das ich „schreiben“ möchte
      die frage ist was möchte ich in welcher Form, wie, in welchem Zusammenhang mit welchem Tool usw. arbeiten

      ich brauche wiederherstellungs einrichtungs hardwareinformations virenprogrogramme programiertools perl, bash awk ….
      und ja der Dauuser mag sich mit unity anfreunden der kann von mir auch auch gerne mit schreiben, rechnen, vorlesen , suchen, browsen… zufrieden geben udn damit arbeiten
      einem Profi reicht das nicht und ich mag auch überhaupt nicht die 500 Gerichte beim Chinesen auswendig lernen. ich möchte nicht 30 mal die suche verfeinern bis das ich das gewünschte NICHT gefunden haben.
      und wo liegt das Problem BEIDES UMSCHALTBAR je nach Userbedürfnissen bereitzustellen?
      seit 30 Jahren arbeiten wir mit Menue warum soll ich mich da umstellen?
      die Software hat sich bitte meinen Bedürfnissen anzupassen nicht umgekehrt
      Software soll mir das leben ERLEICHTERN nicht mit noch mehr das ich selber denken muss erschweren

  • Das schöne an Linux ist doch, dass es immerhin die Möglichkeit bietet, die Desktopumgebung den Bedürfnissen entsprechend anpassen zu können. Ich kann verstehen, dass Unity nicht für jeden was ist. Mich interessieren viele der Effekte ebenfalls nicht und stören eher, zum Beispiel die nicht-klassische Fensterleiste.
    Wenn ich dann noch an den aktuellen Windows-Desktop denke, den sie mir auf der Arbeit in der Schule zur Zeit aufzwingen… Zum Glück gibt es Alternativen.
    Also, vielen Dank für den hilfreichen Artikel.

  • Super Artikel…

    Unter Xfce
    „sudo apg-get install xubuntu-desktop“ muss wohl eher
    „sudo apt-get install xubuntu-desktop“ heißen.

    VG Matthias