Ein gratis VPN-Zugang ohne Traffic-Limit – klingt zu schön um wahr zu sein! Der Opera-Browser bietet nun genau das – wir zeigen, was Ihr beachten müsst

Wer seine Identität so gut es geht vor Webseitenbetreiber verschleiern will, kommt um einen VPN-Zugang nicht herum. Neben kommerziellen Anbietern gibt es eine Reihe von kostenlosen Lösungen zu diesem Zweck, die allerdings größtenteils nur auf bestimmte Traffic-Kontingente beschränkt sind oder – wie im Falle von Hola – massiv Schindluder mit ihren Nutzern betreiben. Ab sofort hat der alternative Browser Opera eine integrierte VPN-Funktion, über die Ihr per Klick anonym surft und bei Bedarf auch gesperrte Inhalte bei YouTube und Co. ansehen könnt – und zwar kostenlos und ohne Einschränkungen!

Aktuell funktioniert das ganze in der Entwicklerversion 38 von Opera, die Ihr hier herunterladen könnt. Vermutlich dürfte der Gratis-VPN später auch in die finale Version von Opera Einzug halten. Um den VPN-Zugang zu aktivieren, müsst Ihr die Einstellungen des Browsers öffnen und im Bereich „Datenschutz und Sicherheit“einen Haken bei „Enable VPN“ setzen.

Aktiviert diese Option, um den kostenlosen VPN-Zugang einzuschalten

Der Gratis-VPN in der Praxis

Ein VPN hat aus Nutzersicht einige große Vorteile: Die aufgerufenen Webseiten sehen nicht Eure echte IP-Adresse, sondern die des verwendeten VPN-Servers. Beim Test mit dem von uns favorisierten IP-Check von IPChicken mit aktiviertem Opera-VPN wird anstelle der Netcologne-Adresse eine IP aus dem Opera-Netzwerk angezeigt – soweit, so gut. Vor allem in öffentlichen WLANs – ich rede mit Euch, Ihr Macbook-im-Starbucks-Drehbuchautoren 😉 – empfiehlt es sich ohnehin immer, eine VPN-Verbindung zu nutzen, da die Verbindung dadurch verschlüsselt und nicht mehr durch dritte einsehbar ist.

IP-Chicken

Ein weiterer Vorteil von VPN-Diensten ist die Möglichkeit, Ländersperren im Internet zu umgehen und damit gesperrte Videos bei YouTube und Co. zu sehen. Opera bietet Euch zu diesem Zweck die Möglichkeit, per Klick auf das VPN-Symbol neben der Adressleiste das Land des VPN-Servers zu wechseln. Derzeit stehen neben Deutschland noch Server in den USA und Kanada zur Wahl. Nach dem Wechsel konnte ich problemlos GEMA-geblockte Videos auf YouTube anschauen, wenn auch mit ein wenig Geduld – die Geschwindigkeit des kostenlosen VPN-Zugangs ist zumindest aktuell noch nicht besonders hoch.

Per Klick gaukelt Ihr Webseiten eine andere Herkunft vor und umgeht Geo-Sperren

Nachteile der Gratis-Lösung – Echte IP kann ermittelt werden!

Getreu dem kölschen Motto „Wat nix kost, dat is‘ och nix“ war ich natürlich ein wenig skeptisch, wie Opera den kostenlosen Service finanzieren will. Das Ganze funktioniert derzeit über das von Opera gekaufte VPN-Netzwerk von SurfEasy realisiert. Opera behält sich zudem vor, das Surfprotokoll zu speichern und zu analysieren – behaltet das bei der Nutzung von Opera VPN im Hintergrund. Ich bevorzuge Anbieter mit einer strikten „No Logs“-Politik.

Viel schlimmer wiegt hingegen, dass Eure echte IP-Adresse auch MIT aktiviertem VPN-Dienst enthüllt werden kann. Der Grund dafür liegt im Kommunikationsprotokoll WebRTC, das unter anderem von Diensten wie diesem hier verwendet wird. Im Test auf Browserleaks konnte trotz aktiviertem VPN meine echte IP ermittelt werden – nicht gut, Opera! Ihr könnt Euch davor aber einfach schützen: Installiert die Erweiterung WebRTC Leak Prevent, um WebRTC daran zu hindern, Eure Adresse zu verraten.

Ohne Erweiterung kann Eure echte IP trotz VPN-Zugangs ermittelt werden!

Apropos „VPN“: Nicht nur mein erster Gedanke zum Opera-Angebot: Das ist eigentlich kein echter VPN-Zugang, da dieser normalerweise systemweit funktioniert. Wenn Ihr beispielsweise Eure Mails über Thunderbird abruft, erfolgt dies mitnichten verschlüsselt. Hier bedarf es schon einer vollwertigen, kommerziellen VPN-Lösung, die per Client den gesamten Computertraffic über einen VPN-Server leitet und damit alles verschlüsselt, was Ihr online tut. Ich vertraue seit über einem Jahr dem sehr guten Service von NordVPN. Der Dienst aus Panama verhindert beispielsweise auch ohne Erweiterung, dass meine echte IP per WebRTC verraten wird. Doch es gibt eine Reihe von brauchbaren VPN-Diensten da draußen – die paar Euro sollte Euch Eure Sicherheit nämlich wert sein.

Trotz dieser Einschränkungen empfinde ich die Entscheidung von Opera als Schritt in die richtige Richtung! Eine kostenlose VPN-Lösung ist allemal besser als gar keine. Selbst, wenn Ihr nur mal eben mit wenig Aufwand ein gesperrtes Video schauen wollt (Netflix klappt übrigens nicht 🙁  ), lohnt sich die Installation des neuen Opera-Browsers meiner Meinung nach!

via Computerbase, Caschy

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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