Netflix ist da! Wir zeigen Euch, wie Ihr den Streaming-Dienst in Deutschland nutzt, was er bietet und wie er sich im Vergleich mit der Konkurrenz schlägt.

Wie schon länger erwartet hat Netflix nun auch in Deutschland seinen Betrieb aufgenommen. Der Streaming-Darling aus den USA tritt damit in Konkurrenz zu bereits vorhandenen Videostreaming-Diensten wie Watchever, Amazon Prime Instant Video, Maxdome oder auch Sky Snap. Für einen Pauschalpreis (dazu später mehr) steamt Ihr Filme und Serien unbegrenzt auf Euren PC, per App auf Smartphones und Tablets sowie auf Konsolen, Smart-TV oder Apple TV. Wir haben uns Angebot für Euch angeschaut und zeigen, wo Netflix im Vergleich zur Konkurrenz glänzt und wo es noch Nachholbedarf gibt.

Auf der Startseite von Netflix könnt Ihr Euch für einen kostenlosen Probemonat registrieren. Dabei habt Ihr die Wahl zwischen drei Tarifen: Für 7,99 Euro im Monat könnt Ihr Netflix auf einem Gerät und in Standard-Auflösung schauen, ein Euro mehr bringt Euch HD-Inhalte auf zwei Geräte und für 11,99 Euro im Monat landet Netflix auch in „Ultra-HD“ auf bis zu vier Geräten gleichzeitig. Da der erste Monat ja wie bei allen Anbietern aufs Haus geht, habe ich mir das große Paket gegönnt. Gekündigt werden darf im Monats-Turnus, außerdem scheint es keine (von mir befürchtete) Begrenzung auf eine bestimmte Anzahl an registrierbaren Endgeräten zu geben, wie es beispielsweise Google Play Music macht – lediglich das gleichzeitige Streamen wird je nach Paket eingeschränkt, was vor allem für Familien von Interesse sein dürfte.

Netflix stellt drei Abo-Modelle zur Wahl, die ihr monatlich wechseln dürft

Netflix: Die ersten Schritte

Bei der Einrichtung müsst Ihr Eure Zahlungsdaten eintragen (Bankeinzug, Kreditkarte oder PayPal stehen zur Wahl), anschließend noch eine Kindersicherungs-PIN eintragen, und dann geht es auch schon los. Also, fast, denn erst fragt Euch Netflix nach den möglichen Zielgeräten ab und bietet anschließend die Möglichkeit, den Content für mehrere Nutzer zu personalisieren. Sprich: Ihr tragt die Personen in Eurem Haushalt ein, die das Netflix-Abo mitnutzen, damit der Dienst später für jeden Nutzer eine eigenes Empfehlungsprofil erstellen kann. Ihr könnt auch ein Profil für Eure Kinder anlegen, damit diesen später nur jugendfreies Material präsentiert wird – meiner Meinung nach ein schönes Feature. Wie bei anderen Diensten dürft Ihr nun noch eine kleine Umfrage machen, bei der Ihr Filme und Serien bewertet. Auf dieser Basis erstellt Netflix später Vorschläge, die Ihr aber natürlich auch jederzeit erweitern und ändern dürft.

Auf Wunsch könnt Ihr mit Film- und Serienbewertungen das Angebot personalisieren

Netflix: Suche und Player

Nach der Anmeldung landet Ihr auf der Startseite von Netflix. Hier präsentiert Euch der Dienst Vorschläge auf Basis Eurer Sehgewohnheiten (oder, bei Facebook-Kopplung, auch denen Eurer Freunde). Mit einem Klick startet Ihr den Film oder die Serie Eurer Wahl, wobei letztere automatisch an der Folge anschließen, die Ihr zuletzt gesehen habt. Ein Segen: Im Browser arbeitet Netflix standardmäßig mit einem HTML-Player, der sich automatisch an die Größe des Browserfensters anpasst. UPDATE: Das ist zumindest der Idealfall, denn während Netflix dies bei meinen Tests mit Google Chrome problemlos tut, berichten einige User, dass Netflix bei Ihnen nur im von mir nicht eben präferierten Silverlight läuft. Bei einem schnellen Test mit Firefox 32 kam bei mir leider das selbe Problem auf – lasst uns hören, ob Ihr ähnliche Probleme habt!

Über die Suchleiste springt mir zur gewünschten Stelle im Film, wobei Euch ein Vorschaubild hilft. Über das Menü auf der rechten Seite springt Ihr zu anderen Folgen einer Serienstaffel. Auch an der Bildqualität habe ich absolut nichts auszusetzen, in FullHD auf dem Monitor reicht mir das Bild absolut aus. Sehr schön: Bei fast allen Filmen und Serien könnt Ihr zwischen der deutschen und der englischen Tonspur wählen sowie optional Untertitel einblenden. Ich selbst gehöre zwar nicht zwangsläufig zu den Synchro-Verteuflern dieser Welt, trotzdem gefällt mir die Option gerade bei Comedyserien.

Der Browser-Player überzeugt dank HTML5 und der Auswahl der Tonspur

Neben der Startseite bietet Netflix natürlich auch eine Suchfunktion, die nach meinen ersten Eindrücken sehr gut funktioniert. Schon bei der Eingabe macht die Suche Vorschläge, außerdem könnt Ihr auch nach Darstellern oder Regisseuren suchen, um entsprechende Filme zu finden. Nett: ist ein Film oder eine Serie nicht im Angebot enthalten, macht Netflix euch Alternativvorschläge. Insgesamt hinterlässt die Netflix-Suche einen guten ersten Eindruck.

Netflix: Das Angebot

Doch kommen wir zum Wichtigsten: Was bietet Netflix in Deutschland? Nun, sofern ich das nach knappen zwei Stunden Stöbern schon bewerten darf: Netflix bietet vieles, aber bei weitem nicht alles. Und um dieser wenig hilfreichen Meinung ein wenig Aussagekraft zu verleihen, ein paar Beispiele: Ihr findet viele Serien wie Breaking Bad, Sherlock oder Fringe mit allen Staffeln, darunter natürlich auch Netflix-Eigenbproduktionen wie House of Cards, Orange is the new Black oder Penny Dreadful. Bei anderen Serien wie The Big Bang Theory, New Girl, Dexter oder Sons of Anarchy hängt Netflix (mindestens) eine Staffel hinterher und ab und an gibt es da noch das absolute Streaming-No-Go, bei denen nur einige Staffeln im Angebot auftauchen, etwa die Seasons 5 bis 9 von Family Guy. Hier ist Netflix anscheinend einfach an den komplizierten deutschen Rechte-Flickenteppich gebunden, der viele Inhalte exklusiv an einzelne Anbeter verteilt. Beispiele? How i met your Mother findet sich komplett bei Amazon Prime Instant Video, Supernatural bekommt Ihr bei Watchever und Amazon und die HBO-Serienhits wie Game of Trones und True Detective werdet Ihr nach dem neuen Deal mit Sky wohl eher bei Sky Snap als bei Netflix finden (wobei zumindest dies auch in den USA nicht anders ist, da HBO seine Inhalte dort selbst vermarktet 😉 ) .

Das Anbgebot von Netflix macht einen guten ersten Eindruck, wenn es auch teilweise lückenhaft wirkt

Das Filmangbebot von Netflix kann ich an dieser Stelle noch nicht einschätzen, obwohl ich in der Suche schon einige Perlen gesehen habe (und damit ich nicht nur Sharknado und Sharktopus 😀 ). Leider ist mir hier aber auch gleich ein zweites großes No-Go sauer aufgestoßen: Netflix bietet anscheinend trotz FSK 18-Angeboten auch Filme in geschnittener Fassung an, beispielsweise Saw. Dieser liegt nur in der 16er-Fassung vor, was mir als Zensurgegner so ganz und gar nicht gefällt. Vielleicht ist es nur die Ausnahme, und ich hoffe sehr, dass 18er-Serien wie Dexter nicht auch zerstückelt werden – das wäre für mich tatsächlich ein Kündigungsgrund…

Netflix: Die Apps

Wenig zu meckern haben wir nach den ersten Gehversuchen mit den Netflix-Apps, die für Android, iOS und Windows Phone sowie Windows 8 und die diversen Konsolen zur Verfügung stehen. Wie im Browser dürft Ihr zwischen den Tonspuren wechseln,die Angebote durchforsten und die Filme und Serien bewerten. Auf dem iPad Mini Retina sowie dem Google Nexus 5 waren Bild- und Streaming-Stabilität völlig in Ordnung, auch die Bedienung macht einen runden Eindruck. Ich werde den Artikel später noch mit Eindrücken von der Konsolenfassung erweitern. Ein großer Wermutstropfen: Einen Offline-Modus wie bei Watchever oder Maxdome gibt es momentan noch nicht, wer Netflix auch in der Bahn schauen möchte, ist auf Streaming angewiesen – hier hoffen wir dringend auf ein Update. Schön ist dafür die Unterstützung für Googles Streaming-Stick Chromecast: Habt Ihr keinen Smart-TV, könnt Ihr die Netflix-Filme und Serien damit erfreulich einfach via iPhone, iPad oder Android-Device auf Euren Fernseher bringen – hier darf sich Amazon ruhig eine Scheibe von abschneiden, Fire TV hin oder her 😉 .

Die Mobil-Apps von Netflix hinterlassen einen guten Eindruck, wenn auch ein Offline-Modus leider fehlt

Netflix: Ein erstes Fazit

Ist Netflix nun der strahlende Ritter im Flickschusterwerk der deutschen Online-Videotheken? Nun, meiner Meinung nach nicht. Wie nicht nur von mir sondern auch von vielen Kollegen erwartet muss Netflix nicht nur mit mannigfaltig vorhandener Konkurrenz, sondern auch mit der komplizierten Rechtevergabe kämpfen. Wer wirklich ALLES sehen will, was es online so zu streamen gibt, kommt mit Netflix alleine nicht aus. Trotzdem halte ich den Deutschlandstart für gelungen, was vor allem an der ausgereiften Technik im Browser und mobil sowie dem durchaus starken Angebot liegt. Preislich bewegt sich Netflix freilich am oberen Ende des Spektrums. Ich gehe davon aus, dass sich die meisten User für das mittlere Paket entscheiden, das mit 8,99 Euro im Monat auf einem ähnlichen Preisniveau liegt wie Watchever oder Maxdome, aber deutlich über den 3,99 Euro die Sky Snap ausruft oder auch den rund 4 Euro und 8 Cent, die Euch eine Amazon Prime-Mitgliedschaft im Monat kostet (die nebenbei noch Extras wie die Kindle-Leihbücherei mitbringt).

Doch natürlich wird Netflix nicht stehen bleiben und sein Angebot in den kommenden Wochen und Monaten ausbauen. Mit dem Gratis-Monat macht Ihr auf jeden Fall nicht viel falsch, und da Konkurrenz so oder so das Geschäft belebt, heißen wir Netflix gerne auf dem deutschen Streaming-Markt willkommen!

Was sagt Ihr zu Netflix? Wechselt Ihr, bleibt Ihr bei der Konkurrenz oder haltet Ihr Streaming ohnehin für Kokolores? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

Update: Ihr könnt mit einem deutschen Account auch das US-Porgramm von Netflix gucken – wie es geht, zeigen wir Euch in dieser Anleitung.

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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Kommentare

  • Ich habe jetzt alle möglichen Browser unter WIN7 ausprobiert, und bei keinem funktioniert der HTML5 Player. Er fordert immer zur Installation von Silverlight auf. Genau das wäre der Grund für mich gewesen, dort Kunde zu werden. Ich bin am verzweifeln. 🙁

    • Hi Oliver,

      das scheint in der Tat noch ein wenig buggy zu sein! Unter Google Chrome ist Netflix bei mir ohne zu murren auf HTML5 gesprungen, in Firefox fragt es tatsächlich nach Ekel-Silverlight :-/ Das Problem haben anscheinende einige User, bei anderen läuft alles unter HTML5. Ich pass den Artikel mal an, bis sich das klärt 😉

  • „Mit dem Gratis-Monat macht Ihr auf jeden Fall nicht viel falsch, und da Konkurrenz so oder so das Geschäft belebt, heißen wir Netflix gerne auf dem deutschen Streaming-Markt willkommen!“
    Doch, und nein: Je mehr sich anmelden, desto eher gehen die Streaming-Affen davon aus, dass Streaming eine gute Idee ist. Ist es nicht – siehe http://www.tutonaut.de/der-amazon-prime-instant-video-bullshit.html. Und darum heiße ich sie auch nicht willkommen – die Qualität legaler Angebote ist nach wie vor dermaßen weit unter dem Niveau illegaler Plattformen (auch abseits vom Rechte-Mist, für den netflix & Co. nicht viel können), dass ich lieber Verzicht übe als mein Geld/meine Geduld/meine Freude in Perlen-Tant zu investieren
    .
    Vergesst Streaming – ich will Dateien! DRM funktioniert nicht, und nichts anderes steckt hinter Streaming.

  • Hmmm, ein Film über des Cos Players zweites Ich. Aber das eigentliche Erfolgsmodell sind doch die illegalen Quellen: Streamt da einer? (Gut, einige tun dies, aber man könnte die Dateien dennoch downloaden.) In der Regel werden dort doch wohl Dateien „getauscht“. Und ein eben solches Angebot hat die Industrie nie ernsthaft versucht – weil ja sonst jeder die Dateien tauschen würde … Keine Frage, in nicht allzu ferner Zukunft dürften Streaming-Angebote Standard und vielleicht auch mal gut sein, sofern die Rechtebesetzer mal beikommen. Aber dennoch: Gestern wollte ich eine South-Park-Folge gucken, ging nicht, Stream sprang einfach nicht an, andere Folgen gingen, toll. Spotify-Songs beim Fahrradfahren? Leider auch nicht, weil ich die Inhalte nicht auf den MP3-Player bekomme. Ich bleib dabei, ich will Dateien, es sollte mir überlassen sein, über welches Medium ich den per Lizenz bezahlten Inhalt konsumiere.