Beim Stöbern durch archivierte Ordner bin ich auf ein altes Editorial aus der OpenSource gestoßen, in dem ich was über freie Musik geschrieben habe. Anlass war der großartige Musiker Ey Lou Flynn, Erfinder des Hippiepunk, der den Open Source-Gedanken wunderbar auf Musik übertragen hat: Das Album gab es nicht nur kostenlos und unter freier Lizenz, analog zum Quelltext von Software, lagen auch Texte und Akkorde bei – das Editorial im Original findet Ihr weiter unten. Als Anspieltipp kann ich Euch „die Hundbrandballade“ ans Herz legen – insgesamt könnte man an frühe Die Ärzte als Soloprojekt und ohne Einmischung von Lables denken, oder so … Grund genug, hier mal wieder eine wunderbare Quelle freier Musik samt Anspieltipp vorzustellen: The Free Music Archive und Rolemusic.

Beim Stöbern durch archivierte Ordner bin ich auf ein altes Editorial aus der OpenSource gestoßen, in dem ich was über freie Musik geschrieben habe. Anlass war der großartige Musiker Ey Lou Flynn, Erfinder des Hippiepunk, der den Open Source-Gedanken wunderbar auf Musik übertragen hat: Das Album gab es nicht nur kostenlos und unter freier Lizenz, analog zum Quelltext von Software, lagen auch Texte und Akkorde bei – das Editorial im Original findet Ihr weiter unten. Als Anspieltipp kann ich Euch „die Hundbrandballade“ ans Herz legen – insgesamt könnte man an frühe Die Ärzte als Soloprojekt und ohne Einmischung von Lables denken, oder so … Grund genug, hier mal wieder eine wunderbare Quelle freier Musik samt Anspieltipp vorzustellen: The Free Music Archive und Rolemusic.

Das gute alte Papier …

The Free Music Archive (FMA) ist ein Projekt des Radiosenders WFMU in Kooperation mit weiteren Sendern wie etwa KEXP.org. Und entsprechend dem Konzept von Radiosendern, verfolgt auch FMA einen redaktionellen Ansatz, in Form von Kuratoren, die „Programm machen“. Natürlich könnt Ihr auch frei durch die Tausenden Songs und Alben stöbern, bequem über die Genres. Technisch ist die Site sehr angenehm einfach aufgebaut, Songs hören oder Playlisten erstellen geht on the fly auf der Seite – erfreulicherweise ohne jegliche Anmeldung. Alle Stücke bei FMA sind kostenlos und legal, die meisten unterliegen freien Creative Commons-Lizenzen. In der Regel dürft Ihr die Stücke also hören, weitergeben und teils sogar modifizieren.

Besuch-Befehl: Tolle Musik, gratis, legal, schön aufbereitet.

Und dass hier professionell und mit Liebe Musik gemacht wird, zeigt Rolemusic: Bei FMA findet Ihr das Album The Pirate And The Dancer und Ihr solltet dringend in das Titelstück reinhören. Und mindestens jeder Gamer wird zumindest mit einem Lächeln belohnt: Hier handelt es sich um Chipmusic, genauer gesagt um Musik, die mit dem original Gameboy-Chip umgesetzt wurde (in emulierter Form). Aber keine Angst, das ist kein obskures Gepiepe, eigentlich sogar erstaunlich Mainstream-taugliche Elektromusik mit sehr schöner Melodie und mitreissendem Rythmus. Die Musik bietet sich nicht nur geradezu für die Verwendung in Videospielen an, sie darf auch tatsächlich lizenzkostenfrei in solchen verwendet werden – Creative Commons sei Dank (CC-BY).

Scheiß auf Katy Parry, wie auch immer die sich schreiben mag, das hier ist großer Pop!

Und wenn Ihr direkt testen wollt – Titel-Track starten und gebt ihm mindestens 40 Sekunden:

FMA bietet aber für jeden Geschmack etwas, von grausigen Toneffektspielereien über obskuren Deathmetal bis hin zur Fahrstuhlmusik. Die Website ist dank Kuratoren und Lables sehr spaßig zu durchsuchen, aber Ihr könnt auch die Android-App aus Google Play installieren – die ist allerdings noch beta, sieht auch so aus und spielt die Musik nicht selbst ab. Dafür ist der Online-Player super!

Sehr, sehr beta …

P.S.: Gerade bemerkt – das Ey Lou Flynn-Album heißt mittlerweile Hippiepunk, meine Ausgabe hatte mit „Naja, ich hab‘ mein Bestes gegeben!“ sicherlich den schöneren Namen (und duftet immer noch, seit über vier Jahren – das war eine Option im Bestellprozess!). Und kaufen kann man das wohl auch nicht mehr, nur noch gratis saugen – schade um das schöne Geschäftsmodell?! Im übrigen läuft dort noch bis zum 11.11. ein Gewinnspiel mit Hauptgewinn PS4 – einfach ’ne Laterne malen …

Ach – mehr Gratis-Mucke, diesmal Konzerte, gibt es auch über den Android-Client für archive.org.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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Kommentare

  • Warum kannte ich dieses Editorial nicht? Hättest Du mich damals darauf hingewiesen, hätte ich das überall rumposaunen und nebenher noch die OpenSource bewerben können! 😉 Danke für die Blumen übrigens.

    An dem Album hatte noch etwas rumgeschraubt, nachdem es schon grepresst war. Songs ausgetauscht, neue mit raufgenommen usw. Das kennt man doch auch von Software, ob nun Open Source oder nicht – laufende Aktualisierungen.

    Das Ding umzubenennen, war vermutlich ein Fehler. Ich hätte ein „2.0“ dranhängen sollen. Und die CDs… waren irgendwann ausverkauft und ich hab’s bisher verpeilt, neue pressen zu lassen. So viel zu meiner „Geschäftstüchtigkeit“.

    Das Problem mit freier Musik ist, dass sie nur in einer recht überschaubaren Nische stattfindet. Grob gesagt – viele Leute interessieren sich nicht besonders für „diese komischen Bands, die keiner kennt“. Inzwischen gibt’s ja sowieso alles kostenlos, und Dank Spotify & Co sogar legal.
    Für die kleinen Musiker ohne Labels ist das das nicht SO toll, weil sie sich in dem riesigen Überangebot auch mit freien lizenzen kaum Gehör verschaffen können. (Fotografen, Journalisten, Filmemacher, Blogger, Zeichner usw. beklagen ja oft das gleiche Problem. Besonders die, die damit schon ganz gern Geld verdienen würden.)

    Wer Musik für eigene Projekte braucht, findet aber problemlos einen Haufen Zeug. Jamendo hat alles da, auch professionell gemachte Soundtracks, Orchestermusik, alles Creative-Commons-lizensiert. Man muss nur ein bisschen stöbern.

    Oh, und die Musikpiraten haben seit inzwischen 6 Jahren ihren „Free Music Contest“ laufen, bei dem jedes Jahr ein Sampler mit freier Musik aus aller Welt rauskommt. Wer Überblick über die ganze CC-Musikszene verschaffen will, ist damit ganz gut bedient. Einfach nach „Free Music Sampler“ suchen.

    • Warum kannte ich dieses Editorial nicht? Hättest Du mich damals darauf hingewiesen, hätte ich das überall rumposaunen und nebenher noch die OpenSource bewerben können!

      Weil ich Depp damals noch in der Redaktion von Data Becker gesessen habe und da war es zeitlich meist so eng, dass ich nicht mal die drei Minuten für ne Mail auf die Reihe bekommen habe … clever.
      Und ja, das mit dem „diese komischen Bands, die keiner kennt“ höre ich auch ständig. Aber es scheint besser zu werden. Zumal Plattformen wie SoundCloud auch helfen könnten, Leute von den Saturn- und iTunes-Regalen mit vorgefertigten „Top“ 100 wegzubringen – ist zwar eher weniger freier Content, aber immerhin kostenlos und auch Branchen-Größen wie Epitaph sind bei SoundCloud; natürlich ohne die großen Bands wie Bad Religion selbst, aber nach kurzem Anspielen einiger Titel scheint Epitaph auch bei SoundCloud zu halten, was man eben erwartet. Aber es erfordert tatsächlich ein wenig Stöberei, immer wenn sich Bands bei FMA ins Avantgarde-Genre einsortieren, wird die Toleranzgrenze ausgetestet.

      Was Spotify & Co. angeht, kann ich eigentlich nur hoffen, dass viele da eine ähnliche Wandlung wie ich durchmachen: Als MP3s aufkamen war ich schwer begeistert, vor allem, weil Playlisten nicht mehr auf die 70 Minuten der CD beschränkt waren – 300-Titel-Playlisten waren für Autofahren und Partys einfach super. Mittlerweile bin ich fast zu 100 Prozent wieder auf CDs (und Platten …) umgestiegen, weil der ganze Bibliothekskram dazu verleitet, immer nur hier ein Lieblingsstück zu hören, dort ein Ear-Catcher in die Playlist einzufügen und ständig zu skippen, wenn mal was nicht sofort gefällt. Das Hören ganzer Alben, am Stück, in der vom Musiker angedachten Reihenfolge, kommt dabei einfach zu kurz und damit bleibt einiges auf der Strecke – ob Pixies‘ Complete ‚B‘ Sides heute überhaupt noch erschienen wäre? Und einen Spannungsbogen baut der verdammte Zufalls-Modus vom Gratis-Spotify auch nicht auf. Und insofern kaufe ich CDs auch dann gerne, wenn ich eine MP3-Version umsonst bekäme.

      Zum Gehör verschaffen hilft aber vermutlich nur irgendeine Art von redaktionellem Angebot, das all zu „avantgardistisches“ aussortiert, oder einfach die Highlights zu Tage fördert. Zwei Seiten im Display in der Visions nur zu freier Musik, das wäre doch mal eine schöne Sache. Ach was, gleich ein ganzes Sonderheft. Und es dürften sogar viele Stücke auf die Heft-CD übernommen werden (und da ich auch ein paar Jahre Heft-CDs, wenn auch ohne Musik, gemacht habe, weiß ich, dass man sich da tendeziell über guten, günstigen Content freut).

      Und die Empfehlung zum Free! Music! Sampler kann ich nur wiederholen, hab ich nämlich auch gekauft: http://musik.klarmachen-zum-aendern.de/tags/allgemein/free_music_sampler_2013

      • Stimmt, redaktionelle Vorauswahl jeder Art wäre hilfreich. Auf Musikblogs z.B. findet die ja statt. Auf Visions-Sonderhefte müssen wir wahrscheinlich noch etwas warten, aber so eine Doppelseite wär schon nett.

        Ich bin auch eher ein Fan von ganzen Alben (sofern sie nicht lauter Füllmaterial enthalten). Sorgfältig zusammengestellte Mixtapes haben auch ihren Reiz, aber Playlists im Shuffle-Modus… nunja.

        Ansonsten hätte ich das gescannte Editorial genauer lesen sollen, bevor ich meinen Kommentar drunterklatsche. Free Music Contest wird da ja deutlich genannt. Lesen, Schreiben, auf Fehler prüfen, absenden. Irgendwann krieg ich das noch hin.