Just in diesen Tagen wird das Update auf Firefox 38.01 ausgerollt und mit dem Abschied von 37 dürfen ganz neue Dinge begrüßt werden – sichtbar schon an den Einstellungen, die nun nicht mehr als separate Fenster, sondern als Tabs auftauchen. Und dort ist standardmäßig ein Häkchen gesetzt, das Ihr auf jeden Fall entfernen solltet – ein böses „Ja, bitte, legt mir Ketten an“-Häkchen. Mozilla hat mit der neuen Version dieses verdammte digitale Rechtemanagement implementiert und standardmäßig aktiviert, nachzulesen bei Heise, Winfuture und überall sonst. Winfuture etwa spricht von „zähneknirschend“ und sich der Realität beugen – scheiss doch drauf, basteln wir uns lieber eine bessere Realität

Just in diesen Tagen wird das Update auf Firefox 38.01 ausgerollt und mit dem Abschied von 37 dürfen ganz neue Dinge begrüßt werden – sichtbar schon an den Einstellungen, die nun nicht mehr als separate Fenster, sondern als Tabs auftauchen. Und dort ist standardmäßig ein Häkchen gesetzt, das Ihr auf jeden Fall entfernen solltet – ein böses „Ja, bitte, legt mir Ketten an“-Häkchen. Mozilla hat mit der neuen Version dieses verdammte digitale Rechtemanagement implementiert und standardmäßig aktiviert, nachzulesen bei Heise, Winfuture und überall sonst. Winfuture etwa spricht von „zähneknirschend“ und sich der Realität beugen – scheiss doch drauf, basteln wir uns lieber eine bessere Realität.

Das wichtigste zuerst: Extras/Einstellungen/Inhalte – entfernt das Häkchen bei „Inhalte mit DRM-Kopierschutz wiedergeben“. Noch besser: Deinstalliert Firefox und schmeisst ihn in die Mülltonne, dieser elende Speicherfresser zieht seine Existenzberechtigung doch seit jeher nur aus zwei Aspekten: Die nette Mozilla Foundation und das riesige Ökosystem. Die Verfügbarkeit von Add-ons ist nach wie vor so beispiellos wie Speicherbedarf und Absturzhäufigkeit, doch mit der Nettigkeit ist es jetzt vorbei. Dass DRM ein Haufen Bockmist für anspruchslose Konsumzombies ist, muss ich wohl nicht mehr groß erklären – selbst die früher verhasste Musikindustrie scheint das verstanden zu haben, Amazon Autorip ftw! Dass DRM bei Bewegtbildern Realität ist, muss man anerkennen – ebenso aber auch die Tatsache, dass es nicht funktioniert. Wenn mir jemand von Euch auch nur einen einzigen DRM-geschützten Film nennen kann, den ich nicht illegal ohne DRM bekäme, werde ich mich entschuldigen, zu Kreuze kriechen, mich mit Apples Sekten-Hardware eindecken und die nächsten Jahrzehnte nur noch beduseltseligen Ja-Massa-Singsang von mir geben, versprochen.
UPDATE: Ich bin ja lernfähig, offenbar ist der Link zum DRM-Update-freien Firefox, von Mozilla selbst, viel nützlicher, als meine folgende Meckerei … dankt Kommentator Nummer 1: Firefox-Version ohne Adobe Content Decryption Module (CDM)

Ja, Mozilla mag DRM genausowenig wie ich – aber das hier gehört opt-in, nicht opt-out!

DRM funktioniert nicht
Hat es nie. Braucht kein Mensch. Gibt es reichlich Infos zu. „Home Taping Is Killing Music“ – schon die Kassette, mit der böse Jugendliche vor Jahrzehnten Musik illegal aus dem Netz gesogen (=Radio mitgeschnitten) haben, wurde als Tod der Musikindustrie beschworen. Und dann kamen Minidiscs, die das ganze sogar verlustfrei ermöglichten. Und dann erst die CDRs, die sich sogar als Standard durchsetzen konnten. Und was haben allle Kampagnen und „Kopierschutzmaßnahmen“ gebracht? Nichts. Und wie schnell ist die Musikindustrie untergegangen? Gar nicht. Erinnert Ihr Euch noch an Raubkopien von VHS-Kassetten? Ja, gut, da gab es Kopierschutz, der fast funktioniert hat – die Qualität der Videos war bisweilen mies. Aber das galt auch für das Original, nachdem es 20 mal gespielt wurde. Und der Schutz komplett digitaler Produkte? Photoshop gibt es als Portable-Version als einzelne komfortable EXE-Datei. Spiele mit Online-Anbidung gibt es als gehackte Offline-Versionen ohne Verifikation. Und was Filme angeht: Alles, absolut alles, was abgespielt werden kann, kann auch aufgenommen, kopiert, vervielfältigt werden. Oder um mal einen gewichtigeren Menschen zu zitieren:

„… trying to make digital files uncopyable is like trying to make water not wet.“

(Bruce Schneier) Ob man DRM nun gutheißt oder nicht, funktionieren tut es auf keinen Fall. DRM macht nur eines: Ehrliche Käufer nerven. Den Drei-Minuten-Spot mit dem kleinen Kind, dass seinen Papa im Knast besuchen muss, weil er raubkopiert hat? Bekommen nur Käufer von Filmdatenträgern zu sehen – das raubkopiert natürlich niemand mit. Eine Beschränkung auf drei System-Umzüge bei Adobes Creative Suite? Die nervige Telefonfreischaltung für das vierte System belästigt sicherlich nicht die Nutzer der portablen EXE-Version. Musik, die nur auf bestimmten Geräten und mit einem einzigen vorgegebenen Player funktioniert? Nein, liebe Audible-Kunden, das ist kein Naturgesetz – da muss man erstmal den Dummen finden, der das kauft.

DRM ist Realität
Ja, DRM ist Realität und mir ist klar, dass vermutlich nicht ein einziger Netflix-Zombie davon abrücken wird, frei nach dem Motto: Für mich funkioniert es. Kein Audible-Kunde wird sich von dem behämmerten Player-Zwang abwenden, frei nach dem Motto: Ich höre doch eh auf meinem Smartphone. Und Steam-Nutzer von In-App-Käufen und Wertschätzung in Form von Statuspunkten abzuschneiden, wird auch nicht funktionieren. Gut, bitte, Masochismus war schon immer ein Fetisch. Aber bitte, fügt Euch nicht einfach der Realität, hinterfragt sie wenigstens – Konsumverzicht ist die einzige wirkliche Waffe, die wir Konsumenten haben. Stell Dir vor, Netflix streamt, und keiner guckt zu. Mozilla allein kann die Realität nicht ändern, da müsst Ihr schon mithelfen – das weiß auch Mozilla-Oberhaupt Mitchell Baker, die schon vor einem Jahr bloggte:

Unfortunately, Mozilla alone cannot change the industry on DRM at this point. In the past Firefox has changed the industry, and we intend to do so again. Today, however, we cannot cause the change we want regarding DRM

Der Industrie ist mit Logik nicht beizukommen, solange Geld sicher fließt, wird so schnell niemand auf die Idee kommen, mit einem besseren Geschäftsmodell mehr Geld anzustreben. An der DRM-Realität können nur (Nicht-)Nutzer etwas ändern. Und an dieser Stelle würde ich mir auch von Mozilla wünschen, sich nicht der aktuellen Realität zu fügen, sondern eine bessere anzustreben – aber ich höre schon das übliche „Stört doch nicht, wenn Firefox DRM-Content abspielt, muss ich ja nicht nutzen.“. Aber dank solch „kleiner“ Maßnahmen wird DRM zusehends Normalität, die wirklich niemand mehr hinterfragt. Welcher technisch nicht sonderlich interessierte Otto Normalnutzer wird schon ein Häkchen entfernen, das dafür sorgt, dass Inhalte korrekt abgespielt werden?

Defective by Design sagt eigentlich alles.

Raubkopieren ist auch Realität
Gleichzeitig ist aber auch das Gegenteil absolut normal. Folgender Workflow: Spreche ich in mein Smartphone beispielsweise die Worte „tatort münster youtube“, bekomme ich so ziemlich alle Tatort-Münster-Folgen aufgelistet – als ganze Filme. Tippe ich einen an, fragt mich Android, ob ich den Clip in Kodi abspielen will – und schon läuft der Film anstandslos auf dem TV. Kann man hier ernsthaft erwarten, dass ein junger/unerfahrener/uninteressierter/normaler Nutzer auf die Idee kommt, das könnte illegal sein? Eher nicht – und dennoch wird wohl niemand behaupten, es sei Realität und daher auch völlig in Ordnung. DRM und Raubkopiererei sind gleichermaßen Realtität – und gleichermaßen nicht in Ordnung. Wenn es überhaupt eine Chance gibt, Raubkopiererei zu minimieren, dann sind es Produkte, die so gut sind wie die raubkopierten Versionen – simple Dateien im gewünschten Format, nutzbar wie, wo und womit der Käufer will. Wer immaterielle Güter partout nicht bezahlen will oder kann, wird auch mit dem besten DRM aller Zeiten nicht zum Kunden. Wer aber illegal herunterlädt, weil er DRM aus praktischen oder ideellen Gründen ablehnt, könnte durchaus zurückgewonnen werden.

Bei soviel Selbstverständlichkeit – woher soll das Unrechtsbewusstsein noch kommen?

Leider keine Realität …
… ist ein Shop, wie ich ihn mir wünschen würde: Ich kaufe die Lizenz, beispielsweise einen Filme sehen zu dürfen – und dann entscheide ich, wie ich ihn abspielen will; lokal als Datei, unterwegs als Stream oder auf DVD gebrannt im Old-School-DVD-Player. Wäre es nicht schön, wenn man bei Amazon bei jedem Film, jeder Serie, jedem Spiel sagen könnte: Lieferung bitte als Datei-Download? Was, liebe Industrie, lieber Handel, habt Ihr denn zu verlieren? Habt Ihr ernsthaft Angst davor, ein Titel könnte illegal in Umlauf geraten? Jeder Titel ist illegal im Umlauf, meist sogar, bevor er legal im Umlauf ist. Aber genug geseihert, Anti-DRM-Rants und -Seiten gibt es schon genügend und die Diskussion ließe sich endlos, und differenzierter, fortsetzen – also zurück zum Mozilla und Firefox: DRM-Inhalte optional abzuspielen wäre gerade noch akzeptabel, die Funktion standardmäßig zu aktiviren ist aber eine denkbar schlechte Entscheidung, die ausschließlich Rücksicht auf die Realität nimmt und Ideale außen vor lässt – von einer gemeinnützigen Organisation erwarte ich mehr. Hoffen wir einfach, das andere Non-Profit-Organisationen nicht solche Hofknickse vor der Realität machen – wenn das Rote Kreuz nur noch Schnupfenmittel verteilen …

Dateien! Endlich! Die Musikindustrie als Vorbild – wer hätte das gedacht …

Wie auch immer, eigentlich geht es nur darum, dass Euch klar ist, dass DRM mit dem Firefox-38-Update noch ein Stückchen mehr Normalität wird (ganz neu ist es nämlich auch nicht). Entfernt das Häkchen. Oder ersetzt Firefox durch Pale Moon (auf Firefox-Basis, Add-on-kompatibel), Chromium (die nicht Google-verseuchte Google-Chrome-Basis) oder Lynx (Der Browser mit dem WOW-Effekt; oder sagen wir Hä?-Effekt). Kündigt Euren DRM-Verkäufern. Meckert Mozilla an. Meinetwegen schreibt mir auch, was für einen Scheiss ich absondere – Hauptsache, Ihr nehmt die Thematik überhaupt zur Kenntnis.

Mmmmh – OK, es muss nicht unbedingt Lynx sein …

P.S.: Im übrigen mag auch Mozilla kein DRM – wie in der Ankündigung der DRM-Implementierung nachzulesen ist, die auch gleich auf eine Firefox-Version ohne Adobe Content Decryption Module (CDM) verweist!

Lest die Update-Hinweise – wenigstens dieses eine Mal!

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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Kommentare

  • Wenn du den Tip mit dem DRM-freien FF vorne angestellt hättest;
    wer weiss der eine oder andere mehr hätte den denn dann auch installiert.
    Rant hin oder her, der Leser muss schon durch einen tiefen Sumpf durch um sich an der Quelle zu laben.

    P.S.
    Nicht jeder Leser ist mit Windoof und DRM unzufrieden. Die verstehen gar nicht was Du Ihnen „wegnehmen“ willst.
    Muss man halt akzeptieren. Menschen sind so – auch blöd.

    Im übrigen gibt auch eine Version für OSX-Benutzer.
    Mit OSX bin auch ich nicht konfliktfrei, aber immer noch besser bedient als mit WinzigWeich.

    Für den Mac siehst Du hier nach:
    http://download.cdn.mozilla.net/pub/firefox/releases/38.0/mac/de/Firefox%2038.0.dmg

  • Ich habe ja nach der News zum Firefox-Update die Minuten gezählt, bis Mirco das Ganze aufgreift 😉

    Unabhängig davon: Sooooo ein langes DRM-Gemecker und dann nicht eine einzige Erwähnung von GOG.com, dem glänzenden Beispiel für einen Shop mit DRM-freien Medien (auch wenn die Videosektion zugegebenermaßen sehr überschaubar ist)? Schäme dich, Herr Lang 😉