WhatsApp ist ab sofort endlich auch im Browser nutzbar – leider sorgt eine ganze Reihe von nervigen Einschränkungen für verhaltene Freude.

WhatsApp ist Mist. Oh, Moment, das sollte ja das Fazit sein. Fangen wir also mit der wichtigen Sache an: WhatsApp lässt sich ab sofort ENDLICH auch im Browser nutzen. Für Menschen der Generation 30+, die noch nicht physisch mit ihrem Smartphone verwachsen sind, ist dies ein echter Pluspunkt, über den ich mich wirklich gefreut habe – bis ich die so genannte Web-Version von WhatsApp in der Praxis ausprobiert habe. So viel sei verraten: Sie ist Mist. Aber immerhin ein Anfang…

Einer der Hauptgründe, aus denen ich die Nutzung von WhatsApp so gut es geht vermeide war bislang nämlich nicht die lange fehlende Verschlüsselung, sondern die Unbenutzbarkeit auf verschiedenen Geräten. Im Gegensatz zur in allen Belangen besseren Alternative Telegram ist war WhatsApp nämlich bisher ans Smartphone gebunden – und auch hier nur an eine einzige Nummer. Da ich jobbedingt häufiger mit verschiedenen Handys unterwegs bin und der Umzug von WhatsApp auf ein neues Gerät jedes Mal mit einem Krampf verbunden ist, habe ich nicht selten Nachrichten verpasst. Doch jetzt wird ALLES BESSER, denn WhatsApp kann nun auch am PC oder Mac genutzt werden! YIPPIEH! Doch so sehr ich mich im ersten Moment über die beim Caschy gesichtete Nachricht gefreut habe, so schnell kam die Ernüchterung auf.

Damit WhatsApp im Browser funktioniert, müsst Ihr auf Eurem Smartphone zunächst einen QR-Code scannen – es sei denn, Ihr benutzt ein iPhone, dann geht gar nichts

Denn: Anstatt – wie Telegram – einen echten Client für Windows, Mac, iPad und Co. anzubieten, haben die Jungs und Mädels bei WhatsApp sich für eine Halbgar-Lösung entschieden. Ihr besucht dazu die Website https://web.whatsapp.com/ und verbindet Euch über den QR-Code mit der Smartphone-App (unter Android und Windows Phone findet Ihr den Punkt „WhatsApp Web“ im Menü, wobei Ihr vorher natürlich die neueste Version der App installieren müsst). Anschließend werden alle Nachrichten und Chat-Gruppen vom Smartphone in den Browser gespiegelt und Ihr könnt über den PC chatten. Klingt einfach und ist es im Grunde auch – wenn da nicht die Einschränkungen wären.

Die wichtigste zuerst: Das Ganze funktioniert Stand heute zwar unter Android und Windows Phone, nicht aber mit der iPhone-Version von WhatsApp. Meine Vermutung ist, dass das passende Update noch irgendwo in den Apple’schen Bürokratiemühlen festhängt, Stand jetzt sind die iOS-Nutzer aber noch von WhatsApp Web ausgesperrt. Der zweite große Nachteil: Die Browser-Fassung von WhatsApp ist momentan ausschließlich auf Google Chrome eingeschränkt, Nutzer von Firefox, Safari, Opera und dem Internet Explorer müssen draußen bleiben. Mir persönlich ist das vergleichsweise egal, da Chrome eh der Browser meiner Wahl ist, wer aber Google-frei leben möchte, kommt hier nicht zurande.

Von Smileys über blaue Häkchen bis hin zu Chat-Gruppen: Grundsätzlich ist die Web-Version von WhatsApp gar nicht soooooo mies, wenn nicht die Einschränkungen wären…

Davon abgesehen hatte ich bei der Nutzung von WhatsApp Web in den ersten Stunden mehrere Probleme, die aber fairerweise auch noch unter die Kategorie „Kinderkrankheit“ fallen könnten. So verlor der Browser mehrfach die Verbindung zum Handy, auch wurden Nachrichten manchmal nicht ordentlich synchronisiert. Extrem unpraktisch finde ich zudem, dass der Datenstrom nach wie vor über Euer Handy läuft. Spricht: Verschickt Ihr Fotos über den Browser (was erfreulicherweise funktioniert), knabbert WhatsApp Web an Eurem mobilen Datenvolumen, solange Euer Smartphone nicht im WLAN hängt.

Wie „Webclient“ richtig geht, beweist einmal mehr Telegram – a.k.a. „Das bessere WhatsApp“

Kurzum: Die Lösung ist ein guter Anfang, aber insgesamt wie irgendwie alles an WhatsApp irgendwie durchwachsen. Oder auch: Mist. Vielleicht wird hier später noch nachgebessert, ich bin jedenfalls gespannt. Einmal mehr wundert es mich aber, warum sich von all den guten Messenger-Lösungen da draußen ausgerechnet WhatsApp bei der breiten Masse durchgesetzt hat – die Welt wäre so viel einfacher, wenn die Menschen einfach Telegram nutzen würden (oder meinetwegen auch Hangouts, oder Line oder Viber oder WeChat oderoderoder…)

Über den Autor

Boris Hofferbert

Freier Journalist, seit seligen Amiga-Tagen technikbegeistert, schreibt über Windows, Smartphones, Games und eine Menge anderen Kram

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Kommentare

  • Tja, WhatsApp hat sich aber clevererweise als was eigenständiges vermarktet, nicht als längst aus der Mode gekommener Messenger … Aber diese Browser-Telefon-Anbindung ist schon ein spektakulärer Witz. Wie wäre es denn mit Wifi Keyboard für Android plus VNC: Per Wifi-Tastatur wird WhatsApp auf dem Smartphone über den Browser des stationären PCs gesteuert und der Android-Screen per VNC …

    • Joa, viel umständlicher ist das auch nicht, weil man ja hier auch mehr oder weniger nur WhatsApp fernsteuert (auch wenn das Smartphone dafür „aus“ sein kann).

      Der Grund für den Erfolg von WhatsApp war natürlich die einfachheit: Installieren, loslegen, kein Passwort, man sieht, wer es auch hat, man muss niemanden bescheid sagen etc. Und es kam zu ner Zeit raus, als SMS-Flats noch kein Standard waren. Aber warum Leute nicht irgendwann einfach was besseres wollen, ist mir schleierhaft – immerhin bin ich ja auch vom PC auf Mac umgestiegen :-p

  • 😀
    Habe ein wenig länger versucht den QR Code irgendwie mit dem iPhone zu scannen und aufgeben müssen. Aber jetzt weiß ich, warum das so ist. Ich glaub, ich wollte nicht wahrhaben, dass ich ausgesperrt bin. 😉

    • Hehe, mir ging es aber auch unter Android am Anfang ähnlich 🙂 Musste die App erst einmal neu installieren, damit der Link auftauchte (obwohl sie eigentlich auf dem neuesten Stand war). Bei anderen hat es direkt funktioniert… Ist alles wohl noch ein wenig frisch, kann mir nicht vorstellen, dass sie die iPhone-Freunde dauerhaft außen vor lassen 😉

  • Das Scannen des Codes funktioniert auf meinem Android nicht. Ich habe zwar genau die gleiche Anzeige wie auf dem Screenshot hier im Artikel, nur ohne „Ok, verstanden“. Somit hängt das Programm da fest.
    Kennt zufällig jemand eine Lösung?

  • Bei mir hat es nach Neuinstallation von WhatsApp auf dem Handy genau ein Tag funktioniert. Einmal abgemeldet, kreiselt sich die web.whatsapp.de zu Tode und nix geht ;-(

    • Hi Ully,

      das Problem hatte ich gestern auch, es ging allerdings nach ein paar Minuten wieder weg und funktioniert seitdem wieder (auch nach Neustart des Computers).

      Generell ist die Web-Version von WhatsApp aber anscheinend noch relativ verbuggt…

  • Schon etwas älter, dieser Beitrag — doch mit »Für Menschen der Generation 30+, die noch nicht physisch mit ihrem Smartphone verwachsen sind« fühle ich mich zweifach angesprochen 😉

    Mich störts zB nicht sonderlich, dass web.whatsapp.com aufs Handy (pardon, Smartphone) angewiesen ist. Doch viel mehr störts nicht, dass die m.E. äußerst praktische Funktion, Bilder mit (kurzen) Bildunterschriften zu versehen, nicht auch in der Webversion möglich ist. Dort muss man immer darauf hinweisen, das gleich ein Foto folgt bzw. sich die (BIld-Beschreibung auf das gerade verschickte Bild bezieht…

    … diese Option würde mir in der Weboberfläche gerade noch fehlen 😉

    • Yuppieh! Bildunterschriften nur wenige Stunden seit meinem vorherigen Posting möglich? – Wie schön, dass hier jemand mitliest und diese App-Funktion nun endlich auch in der Web-Oberfläche äußerst zeitnah umgesetzt hat 😉