Mit dem Wiko Rainbow gibt es für unter 140 Euro ein smartes Plastikbomber-Phone mit 5-Zoll-HD-Screen, Quad-Core-CPU, 8 Megapixeln – und auch Qualität?

Lieblos zusammengewürfelt lagen sie da, durcheinander, auf dem Grabbeltisch im Saturn: Dutzende Wiko-Kisten für 139 Euro – da musste kurzfristig eines mit, der Akku vom MotoG hatte just den Geist aufgegeben. Der 5-Zoll-Plastikbomber Wiko Rainbow konnte in puncto Datenblatt zwar nicht ganz mit einem ZTE-Grabbeltisch mithalten, aber die zehn Euro teureren Konkurrenten waren schon ausverkauft – schön, dass sie dann noch zum Anpacken im Regal liegen … Die Basics: Android 4.2 (Update auf 4.4 verfügbar), 8-Megapixel-Kamera, Quad-Core 1,3 GHz, 5-Zoll-IPS-HD-Bildschirm (1280×720 Pixel), Dual-SIM, MicroSD-Slot, 1 GB RAM, 4 GB ROM – und bunt, es heißt nicht umsonst Rainbow. LTE kann es übrigens nur in einer rund 40 Euro teureren Version.

Ein Smartphone wie so viele – nur etwas billiger.

Gleich beim Auspacken fällt schon mal erfreulich auf, dass Adapter für Micro- und Nano-SIM-Karten beiliegen – so passt auch die Micro-Karte vom MotoG in den Standard-SIM-Slot. Das äußere Plastik ist knallgelb, das innere türkis; Oberflächenstruktur gibt es keine, dennoch fühlt es sich recht ordentlich an, damit kann man gut leben – angeben können damit aber nur Farbfetischisten. Das Gerät hat eine völlig unauffällige Bauform: normal-flach, normal-rund, normal-alles, eben ein Gebrauchsgegenstand. Gut: Die Abdeckung sitzt fest, der Akku lässt sich (leicht) entnehmen, alle Karten-Slots sind gut platziert und obwohl die Buttons in die Plastikabdeckung integriert sind, sind sie weniger wackelig als etwa beim MotoG. Über das Glas liefert Wiko keine vernünftigen Infos, aber zumindest mit der Spitze des Taschenmessers lässt sich das Display bei moderatem Kraftaufwand nicht verkratzen.

Dünnes, billiges Plastik – aber die lüttigen Adapter funktionieren tadellos.

Betrieb
Ohne irgendwelche Benchmarks bemüht zu haben: Android läuft flott, der Touchscreen reagiert problemlos, Apps, Musik und Videos werfen ebenfalls keine Probleme auf – bis auf mein geliebtes BlitzMail, das bisher den Start verweigert, was aber eher an der Android-Version liegen dürfte. Die Tonqualität ist definitiv schlechter, als bei Highend-Geräten, aber beim Telefonieren ist das reichlich egal und per Kopfhörer sowieso – das dürfte wohl durch Plastik und Lautsprecher-Hardware bedingt sein. Was die Kamera angeht: Welten besser als der MotoG-Mist, insbesondere der Fokus. Hier mal zwei Fotos zum Selbergucken:

Kleines 0,7-Megapixel-90-Grad-Panorama aus zwei Aufnahmen bei schlechtem Licht vom Fahrrad aus geschossen.

Blitzaufnahme bei kaum vorhandenem Umgebungslicht, maximalem Zoom und auf 30 Prozent verkleinert.

Fazit
Das Motorola Moto G war seinerzeit mit 169 Euro ziemlich konkurrenzlos für die Ausstattung – mit zwei Makeln: Kein SD-Karten-Slot, kein Wechsel-Akku – ersteres führte zu verzweifelten, recht erfolglosen App-Deinstallationsorgien, letzteres zur Verschrottung. Das Wiko Rainbow hat zwar Konkurrenz und dürfte Käufern von 600-Euro-Marktführer-Smartphones (MIT ABGERUNDETEN ECKEN) eher nicht sooo gefallen, aber für unter 140 Euro bekommt man ein Smartphone, das mit aktzeptabler Haptik, sehr ordentlichem (Standard-) Design, brauchbarer Kamera und völlig ausreichender Hardware überzeugt.

Nicht geeignet für: Statussymbol-Suchende, anspruchsvolle Handy-Fotografen und Display-Fetischisten, die jeden Pixel vermessen.

Sehr geeignet für: Alle, die ein schickes (im Sinne von bunt ;), günstiges, großes Smartphone suchen, um zu surfen, Bahnverbindungen zu googlen, Youtube, Whatsapp, Telegram & Co. zu fröhnen, zu zocken, Schnappschüsse von Nahrung, Landschaften und Menschen zu schießen, Zeitung zu lesen, zu telefonieren, zu simsen und so weiter – also Otto-Normal-Smartphone-Nutzer. Ich für meinen Teil nutze Smartphones jedenfalls ganz „normal“ (von übermäßigem Einsatz von F-Droid und Open Source Software mal abgesehen) – nicht als echten Kamera-Ersatz, nicht als Laptop-Ersatz und schon gar nicht, um „was Schickes“ mit mir herumzutragen. Und bislang bin ich mit dem Ding sehr zufrieden und kann eine klare Kaufempfehlung aussprechen – was Langlebigkeit angeht, kann ich feilich (noch) nichts vermelden.

Das wichtigste für die Kaufentscheidung: Kein wirklicher Flaschenhals, kein grober Makel, sehr überzeugendes Preis-Leistungsverhältnis.

Buntes Plastikinterieur? Ach Gottchen, warum auch nicht …

Mit Android …

Auch nicht gerade vielsagend: Android, Smartphone – irgendwie vertraut.

Und von der Seite …

Gerade, dünn, unauffällig – nur die Kamera lukt ein wenig hervor.

Update 1: Die eingebaute Leuchte ist extrem schwach – schlecht für Fotos in dunklen Räumen.

Standard-Kamera in Gelb – vielmehr gibts hier nicht zu sagen. Die Funzel ist allerdings recht dunkel und hat ob des Gehäuses einen leichten Grünstich.

Update 2: WLAN, Navigation & Co. funktionieren im Alltag einwandfrei; Akku ist keine Offenbarung, aber bei kräftiger Nutzung sind rund ein bis eineinhalb Tage in Ordnung.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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