Kostenlose Bilder für den kommerziellen Gebrauch? Gibt es! Wir erklären die Lizenzen, zeigen, wie Ihr sie nutzt und wo es professinelle Fotos gibt.

Wer Bilder für kommerzielle Webseiten, Broschüren, Werbung oder ähnliches benötigt, greift traditionell auf Stock-Foto-Anbieter zurück – aber das kostet. Was aber, wenn kein Budget zur Verfügung steht? Dann helfen Bilder unter freien Lizenzen, im Wesentlichen sind das die verschiedenen Varianten der Creative Commons, der Lizenz, unter der auch die Wikipedia steht. Wir zeigen, was man mit welcher Lizenz darf und wie man Bilder korrekt einsetzt. Außerdem: Alternativen, Quellen und ein Ausflug zur Frage: „Was ist eigentlich kommerziell?“

Zunächst mal sollte klar sein, dass alle Bilder urheberrechtlich geschützt sind – und spätestens, wenn Ihr sie kommerziell einsetzen wollt, müsst Ihr vorsichtig sein. Es gibt auch keine lizenzfreien Bilder, jedenfalls nicht hierzulande (mehr dazu im Abschnitt Public Domain). Nutzen dürft Ihr nur Bilder, deren Lizenzen dies explizit erlauben. Die heute eigentlich einzig relevanten Lizenzen sind diesbezüglich die Creative-Commons-Lizenzen, bekannt als Abkürzungen wie CC-BY, CC-BY-SA und so weiter – Erklärungen folgen. Grundsätzlich könnt Ihr CC-Lizenzen als das Content-Äquivalent freier Software-Lizenzen (GPL, Apache, MPL, etc.) sehen. Grundsätzlich räumen Euch CC-Lizenzen Freiheiten ein, was Nutzung, Veränderung und Verbreitung von Inhalten, hier eben Bildern, einräumen – teils allerdings mit Abstrichen!

Eines noch vorweg: Der Artikel hier wird keine ausführliche Abhandlung über Lizenzen – wer etwas grundsätzliches und recht detailliertes über freie Software-Lizenzen sucht, könnte sich meinen c’t-Artikel Open-Source-Lizenzen und Ihre Implikationen aus dem letzten Jahr dazu anschauen, da geht es vor allem um GPL, MIT, MPL, Apache und BSD sowie um Basics wie Copyleft, Rechtssprechung und den richtigen Einsatz der Lizenzen in Kombination miteinander. Hier erfahrt Ihr nur das Wesentliche: Welche Lizenzen es gibt, wie Ihr sie einsetzt und was Ihr dürft – vor allem im kommerziellen Umfeld.

Da durfte ich mich mal richtig austoben …

Mindestens einen Aspekt haben alle regulären CC-Varianten gemeinsam: Wenn Ihr ein CC-Bild nutzt, müsst Ihr den Autoren angeben. Diese Attribution, also das Nennen der Autorennamens, ist auch bei Software-Lizenzen enorm wichtig: Die Urheber geben Euch gerne Rechte/Freiheiten, wollen im Gegenzug aber genannt werden – sollte aber eigentlich eh selbstverständlich sein! Genaueres zur Attribution folgt.

CC-BY
BY steht schlicht für die Attribution, sprich Ihr dürft mit dem Bild machen, was Ihr wollt, solange Ihr den Namen des Autors nennt und etwaige Copyright-Hinweise übernehmt. Und bitte: Nennt den Autor nicht irgendwo im Impressum wo es keiner sieht – wer Euch kostenlos Bilder zur Verfügung stellt, sollte auch gewürdigt werden. Die Attribution gehört direkt ans Bild! Außerdem sollten der Titel, soweit vorhanden und wenn möglich die URL zum Bild hinzukommen. Letztlich solltet Ihr die Lizenz selbst verlinken. Bestenfalls sieht das etwa so aus:

„Sonnenaufgang“ by Mirco, verfügbar unter CC-BY, © 2015

Meist findet man eher eine Kurzversion in der Art:

Foto von Mirco, CC-BY

Natürlich sollte jeweils nicht die Autoren-Homepage, sondern das Bild direkt verlinkt werden. Neben der reinen Weitergabe ist auch die Veränderung gestattet – allerdings müsst Ihr diese ebenfalls attributieren, etwa:

„Sonnenaufgang“ by Mirco, verfügbar unter CC-BY, © 2015 / aufgehellt von Jochen

Oder wenn Ihr nicht nur ein wenig verändert, sondern ein komplett neues Werk auf dem alten Bild basierend erschafft, also ein Derivat:

Dieses Bild, „Sonnenaufgang 2“, ist ein Derivat von „Sonnenaufgang“ von Mirco, verfügbar unter CC-BY. „Sonnenaufgang 2“ steht unter der CC-BY von Jochen.

Ausführliche Beispiele zur korrekten Attribution gibt es bei Creative Commons.

Die Kurzversionen der CC-Lizenzen sind sehr einfach zu verstehen – schöne Sache!

CC-BY-SA
SA steht für Share Alike und heißt, dass Ihr das Bild weitergeben dürft, aber nur unter derselben Lizenz, also gleichen Bedingungen, zu denen Ihr das Bild auch bekommen habt. Das ist der berühmte Copyleft-Effekt, den auch die GPL propagiert.

CC-BY-ND
ND steht für Non-Derivative – Ihr dürft also keine Änderungen an dem Bild vornehmen.

CC-BY-NC
NC ist der grauenhafte Zusatz Non-Commercial – Ihr dürft das Werk also nicht für kommerzielle Zwecke einsetzen; grauenhaft, weil dies den Prinzipien freier Software widerspricht.

Und natürlich gibt es die CC-Lizenzen auch noch in diversen Kombinationen

Public Domain – CC0
Public Domain ist wohl jedem ein Begriff: Gibt der Autor sein Urheberrecht komplett auf, gehört das Bild der Allgemeinheit, jeder darf tun und lassen, was er will. Nun kann zwar ein Copyright Holder sein Copyright aufgeben und sein Werk ins Public Domain entlassen, aber hierzulande kann kein Urheber sein Urheberrecht wegwerfen. Es gibt hier kein Public Domain. Abhilfe schafft die CC Zero/CC0: Diese formalisiert schlicht den Public-Domain-Gedanken – und schon könnt Ihr doch wieder machen, was Ihr wollt, der Urheber will einfach nichts von Euch, nicht einmal Anerkennung.

Flickr ist hier vorbildlich!
Übrigens: Auch vom Tutonauten gibt es hier freie Bilder – nicht viele, aber leckere, mit Schlumpfmus …

Was bedeutet kommerziell im Sinne der CC?
Diese Frage beschäftigt einige Zielgruppen immer wieder, beispielsweise Vereine, Behörden und Redaktionen – dank des omnipräsenten Google Ads aber auch Privatpersonen. Um es kurz zu halten: Es gibt zwei Positionen. Kommerziell könnte alles bedeuten, was irgendwie auf finanziellen oder sonstigen wirtschaftlichen Mehrwert hinarbeitet – im Zweifelsfall selbst ein Privatblog, der Werbung schaltet. Kommerziell könnte aber auch bedeuten, dass direkt mit dem lizensierten Werk Gewinn erwirtschaftet wird – Ihr also das Werk verkauft oder auch in eine Reklametafel verwandelt. Das Problem: Es ist nicht wirklich scharf definiert, Ansichten und Interpretationen gehen auseinander. So ist es Behörden zum Beispiel verboten, Gewinn zu erwirtschaften – dennoch gab es vom Landgericht Köln ein Urteil, das Deutschlandradio haben gegen NC verstoßen, als es ein derart lizensiertes Bild nutzte. Till Jaeger kommentiert beim ifrOSS gegen diese Auslegung. Das Urteil ist aber auch für Nicht-Rechtsexperten als reichlich schwach zu erkennen: Zum einen reduziert das LG die Nutzung im wesentlichen auf rein private Nutzung – dabei sind Nutzergruppen explizit von der NC-Definition ausgenommen. Es kommt auf die Verwendung an, nicht den Verwender. Zum anderen spricht das Gericht davon, dass es in der Lizenz keine genauren Regelungen bezüglich „kommerziell“ gäbe – was schlicht falsch ist:

“NonCommercial means not primarily intended for or directed towards commercial advantage or monetary compensation.”

Hinzu kommen reichlich Hilfstexte von Creative Commons. (Andererseits ist der gesamte Fall doch etwas komplexer …) Und es gibt auch eine ausführliche Studie, wie NC von Nutzern und Autoren interpretiert wird. Klare Antworten? Fehlanzeige. Allerdings wird die Verwendung im Zusammenhang mit Werbung auf einer Website recht häufig als kommerziell verstanden. Und ganz allgemein werden auch Nutzergruppen zur Bewertung herangezogen – auch wenn CC dies eigentlich ausschließt – und da gilt natürlich: Die Nutzung durch Privatleute, NGOs und Behörden wird tendenziell als weniger kommerziell, durch Unternehmen als eher kommerziell betrachtet. Auch der redaktionelle Gebrauch ist fraglich – schließlich zielen auch Zeitschriften auf Vergütung ab. Wissenschaft? Auch hier bleiben Fragezeichen.
Das ist alles nicht hilfreich? Nun gut, dann zwei praktische Ratschläge: Zum einen solltet Ihr im Zweifelsfall die Finger von NC-Werken lassen – es ist den Ärger nicht wert, selbst wenn Ihr Recht bekommen solltet.
Zum anderen solltet Ihr die Gesinnung der CC verstehen: Eigentlich geht es darum, dass der Urheber einige seiner Rechte aufgibt, damit Ihr die Werke verwenden könnt. Die CC sollten für Inhalte das sein, was GPL & Co. für Software/Quellcode sind. Und eine Einschränkung der Nutzung kommt hier eigentlich nicht in Frage – der ganze NC-Passus ist eigentlich ein schlechter Witz: Nicht vernünftig abgegrenzt (absichtlich, wegen Spielraum …) und so gar nicht im Sinne der FLOSS-Community. Den Grundsätzen einer freien Lizenz im Sinne der Software-Welt widerspricht das jedenfalls – und wer seine Werke unter eine CC-NC-Lizenz stellt …, nun, wirklich sauber ist das nicht. (Jaja, Privatleute können es ja nutzen, und man is‘ ja gar nicht so streng, und man kann den Autor ja fragen, blablabla – aber Freeware und Free Software sind eben doch zwei völlig verschiedene Dinge; aber ich schweife mal wieder ab.)
Mein persönlicher Tipp: Lasst die Finger von NC-Lizenzen, die sind kaum besser als beliebige Gratis-aber-nicht-Free-Lizenzen – das L in FLOSS steht für Libre, und bezüglich der Nutzung gibt es die hier nicht.

Eine der besten CC0-Sammlungen überhaupt – wer Startup-Bilder sucht, ist hier richtig.

Alternativen
Es gibt in vielen Datenbanken Bilder, die kostenlos sind, häufig nur für die private Nutzung, teils aber auch für kommerzielle Nutzung – hier gibt es aber keine einheitlichen Regelungen, vielmehr sind die Nutzungsbedingungen der Anbieter relevant. Der große Nachteil: Wenn Ihr häufig Bilder benötigt, müsst Ihr immer den ganzen Sermon lesen – und verstehen! Dann gibt es noch freie Lizenzen, die sich auf Content anwenden lassen wie die Do What The Fuck You Want To Public License oder die GFDL, die GNU Free Documentation License – früher mal die Lizenz der Wikipedia und ein absoluter Anwendungsgraus, da etliche Bedinungen zu erfüllen sind, die zudem noch explizit auf Papier-Dokumentationen ausgelegt sind. Public Domain solltet Ihr nicht als Alternative verstehen – zwar gibt es das zum Beispiel in den USA, aber auch dortiges Public Domain ist hier kein Public Domain – auch wenn es seeeeeeeeeeeeeeehr unwahrscheinlich ist, dass Euch ein Ami, der sein Bild als PD in die Welt entlassen hat, für die in seinen Augen rechtskonforme Nutzung ans Leder will …

Quellen
Auf der CC-Seite gibt es eine Suchfunktion für diverse Bilderanbieter – ein guter Einstiegspunkt, wenn auch nur an die Anbietersuchen weitergeleitet wird. Die wohl wichtigsten Allgemein-Quellen sind Googles Bildersuche, die Filter für Lizenzen bietet, die Wikimedia Commons (quasi der Datenspeicher der Wikipedia, naja, fast) und selbstverständlich Flickr, denn auch hier gibt es Filter für Lizenzen! Dann gibt es noch allerlei mehr oder weniger große Seiten mit einzelnen Angeboten, etwa StartUpStockPhotos, das wirklich hervorragende CC0-Bilder aus dem Bereich Start-Up liefert – eine glorreiche Ausnahme. Wie leider oft üblich, schafft der Anbieter es nicht, direkt auf der Seite auf die Lizenz hinzuweisen – erst auf der Homepage von Sculpt wird man fündig – nun, da ist eigentlich nur von Public Domain die Rede, und das auch noch nur implizit. Bei Pixabay findet Ihr dieselben Fotos nochmal konkret unter der CC0. Eine ganze Reihe weitere Angebote listet dieser Blogpost auf. Aber Vorsicht: Beachtet die jeweiligen Lizenzen, leider sind die meisten Datenbanken bunt gemischt. Der Vollständigkeit halber hier noch der Link zur CC-Übersicht von Flickr – die vielleicht beste Adresse.

Wer sollte CC-Bilder finden, wenn nicht Google?

Wie gesagt, das Thema ist sehr umfangreich – aber es gibt durchaus einige gute Quellen zu derartigen Themen im Netz und wenn Ihr Fragen habt: Fragt!

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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