Unter Linux lassen sich DSLRs und Knippsen ganz einfach fernbedienen – mit gphoto2 im Terminal oder auch mit Darktable, einem kompletten Foto-Workflow.

Programme zum Fernsteuern von Kameras gibt es viele, meist auch direkt vom Hersteller (dies natürlich nur für Windows). Für Linux gibt es natürlich wieder auch eine besonders schicke Variante für die Kommandozeile – und bevor Ihr jetzt wegrennt: Das hat durchaus Vorteile! Beispielsweise könntet Ihr den Raspberry Pi zum Steuern nehmen, ohne einen separaten Bildschirm dafür zu haben. Ihr könnt super einfach Automatisieren, etwa für Zeitraffer- oder Langzeitaufnahmen. Fotos automatisch weiterverarbeiten. Die Kamera Menü-geführt einstellen. Und vieles mehr – und das alles mit denselben Befehlen für alle unterstüzten Kameras, hier etwa Canons EOS 600D Für die GUI-Nörgler: Die schicke Variante folgt ganz unten ….

Unter Ubuntu ist gphoto2 bereits installiert, Ihr könnt also direkt loslegen. Erste Frage: Wird meine Kamera unterstützt? Die Antwort liefert:

gphoto2 --list-cameras

liefert alle Modelle und per

gphoto2 --list-cameras | grep Canon 

könnt Ihr Eure Kamara darin suchen. Alternativ könnt Ihr einfach schauen, ob Eure per USB angeschlossene und nicht-gemountete (manuell per Rechtsklick im Dateibrowser aushängen!) Kamera von gphoto2 erkannt wird:

gphoto2 --auto-detect

Die meisten Kameras dürften problemlos erkannt werden und man könnte etwa die Kameraeinstellungen aufrufen:

gphoto2 --config

ruft ein simples Textmenü hervor, das die internen Kameraeinstellungen zeigt, also Aufnahmeformate etc. So, und um die ganze Angelegenheit nun ein wenig abzukürzen, so könnte dann der Spaß aussehen:

gphoto2 --capture-image-and-download --filename=%H_%M_%S_.%C --interval 10 -F 300

Der erste Schalter dürfte klar sein, Ihr nehmt ein Bild auf und speichert es zusätzlich auf dem Rechner; das geht natürlich auch ohnne Download und mit Nur-Download, falls Ihr die Bilder nicht auf der Speicherkarte der Kamera haben wollt. Es folgt die automatische Namensgebung, hier Mit Stunde_Minute_Sekunde_.Dateiendung. Aufgenommen wird dann im 10-Sekunden-Intervall und zwar insgesamt 300 Bilder. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Optionen, die Ihr wunderbar übersichtlich und auf Deutsch in der Hilfe findet.

Probleme macht leider das Capturen von Video: Hier werden offenbar nur einige wenige Geräte unterstützt – natürlich exklusive der EOS 600D, die nur kurz anspringt, aber keine Bilder aufnimmt, schade eigentlich. Und wenn Ihr es lieber grafisch, schick, an Adobe Lightroom angelehnt mögt: Darktable ist eine wundervolle Foto-Workflow-Lösung, die auch als Fernbedienung taugt.

Darktable – nicht soooo schön wie gphoto2, aber wer’s mag …

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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