Für Freunde des Extravaganten: Über das Darknet könnt Ihr Passwörter sicher verschicken – mit Anonymität statt Verschlüsselung 😉

Das Darknet ist derzeit omnipräsent und ja, Ihr könnt dort Waffen, Drogen und sonstigen Unfug finden oder Euch als Dissident an die Medien wenden. Aber auch für Otto Normalverbraucher hat das Darknet etwas zu bieten – Ihr müsst nur wissen, wie Ihr rein kommt. Zum Beispiel könnt Ihr es zum Versenden von Passwörtern nutzen – ohne (komplizierte) Verschlüsselung. Und zwar ganz einfach per Mail!

Die Sache mit dem Passwort-Safe

Neulich wollten wir für Tutonaut einen gemeinsamen Passwort-Safe anlegen und standen dann vor dem kleinen Problem, das Passwort zu teilen. Für verschlüsselte Mails kann ich meine lieben Kollegen leider nicht erwärmen, weil es ja soooo kompliziert und so ist … Per verschlüsseltem Chat? Telegram hat leider keine Verschlüsselung für Gruppen-Chats und Web- und Desktop-Client unterstützen auch sonst keine geheimen Chats. So kam der Schlüssel dann auf mein Smartphone und ich musste ihn von dort zum Rechner buxieren – nicht sehr elegant. Die Lösung wäre ganz einfach gewesen: Ab ins Darknet, (Tor-) Mail-Account erstellt, Passwort oder Schlüssel rein, zack fertig.

Ihr könntet ein Passwort hier durchaus unverschlüsselt per Mail verschicken, denn auch wenn Mails Darknet/Tor-Netzwerkt genauso mitgelesen werden könnten wie im normalen Internet, könnte sie niemand Euch zuordnen. Ein Datenabgreifer würde also eine Mail mit einem Passwort sehen, hätte aber keine reelle Chance, diese Mail einer bestimmten Person zuzoordnen. Ihr tauscht quasi Verschlüsselung gegen Anonymität. Nun, natürlich solltet Ihr entsprechend nichtssagende Mail-Adressen aussuchen und auch sonst schadet es nicht, Betreff und Mail-Inhalt dünn zu halten. Und so geht’s:

1. Ab ins Darknet

Tor-Browser installieren und .onion-Seinten besuchen – oder einfach unsere Anleitung durchspielen.

2. Web-Mail-Account erstellen

Sucht Euch im Darknet einen Mail-Anbieter, beispielsweise TorBox (torbod7japusejpn.onion), und erstellt einen Account. Übrigens: Wenn Ihr im Darknet unterwegs seid, solltet Ihr nirgendwo echte Daten wie Name, Adresse oder Mail angeben – nirgends!

Ein ganz normaler Web-Mail-Account, nur eben anonym.

3. E-Mails via Darknet verschicken

OK, um jetzt vertrauchliche Dinge zu verschicken, braucht Ihr die Tor-Mail-Adressen der Leute, mit denen Ihr zum Beispiel Passwörter teilen wollt – steht also im Grunde wieder vor demselben Problem wie am Anfang 😉 Naja, fast, selbst wenn Ihr die Tor-Mail-Adressen per Mail tauscht, ist es schon ein enormer Sicherheitsfortschritt. Wirklich praktisch ist so ein Tor-Mail-Account aber, wenn Ihr etwa mit Freunden regelmäßig vertraulich/anonym Daten tauschen wollt, die Ihr auch im echten Leben seht – denn dann könnt Ihr einmal offline Mail-Adressen tauschen und gut is‘. Per verschlüsseltem Chat ist das natürlich genauso gut möglich.

Der Web-Client ist schlicht, ist aber dafür auch super simpel.


Ist das wirklich nützlich?
Im Grunde ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung immer noch der beste Weg, doch viele finden das bei Mails zu kompliziert. Und verschlüsselte Messenger sind meistens nicht für Desktop-Rechner verfügbar, schon gar nicht systemübergreifend. Verschlüsselte ZIPs sind sicherlich eine gute Alternative, die jeder kapieren dürfte. Tor-Mail-Accounts sind primär für die anonyme, nicht für die vertrauliche Kommunikation gedacht. Aber für Freunde des Extravaganten, sind sie auch ein tolles Spielzeug für allerhand andere Zwecke.

Und anonyme Kommunikation ist ja auch was Feines: Witze über den Chef, Lästereien über den Lehrer, Informationen, die Ihr Whistleblower leaken wollt und so weiter sind gute Gründe, um als Absender nicht in Erscheinung zu treten.

P.S.: Natürlich könnt Ihr Tor-Mail-Accounts auch in Thunderbird einbinden, wenn Ihr ein Tor-Addon installiert habt.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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