Vier Wochen Backpacking in Indien – doch welche Technik soll man auf die Reise mitnehmen? Eine persönliche Packliste mit Kamera, Rechner und Co.

Zeit für eine kleine Auszeit: Ich werde mich ab kommendem Freitag auf eine größere Südindien-Tour samt anschließendem Backpacking begeben, derweil Mirco und Boris hier die Stellung halten werden. Das letzte Mal besuchte ich den Subkontinent 2006, damals bloggte ich auf meiner alten Website regelmäßig von unterwegs über meine Erlebnisse. Als technisches Equipment Bord waren damals ein iPod Nano, eine Konica A200-Digitalkamera und mein altes Sony Ericsson-Handy. Bloggen war nur möglich, weil ich mir unterwegs Internet-Cafés suchte, die in Indien die wohl weltschmierigsten Tastaturen haben. Heute gibt es zum Glück Alternativen, weshalb ich Euch hier einmal meine Technik-Packliste vorstellen möchte.

Eigentlich reicht dieses Zubehör, um bei einer Reise gut ausgestattet zu sein. Den Kindle habe ich vergessen, auf’s Foto zu nehmen.

Was braucht der moderne Geek, wenn er auf Reisen geht? Digitalnomadin Conny hat auf ihrem Reiseblog Planet Backpack im Rahmen ihrer ultimativen Packliste eine Reihe von technischen Geräten an Bord, darunter eine Kompaktkamera, einen Kindle und ein Macbook, auch weil sie unterwegs arbeiten muss. Aus Erfahrungen mit Aufenthalten in Neuseeland, Thailand, den USA und nicht zuletzt Indien weiß ich, dass ihre Empfehlungen in Sachen Technik durchaus brauchbar sind, allerdings muss nicht alles mit, weil man viel auch unterwegs bekommen kann, USB-Sticks, Speicherkarten, Verlängerungskabel und so weiter führt in Asien jeder winzige Dorf-Shop. Und so packe ich für Indien 2015 ein:

Indien 2006: Taxifahrer in Mumbai

  • Fujifilm X30-Digitalkamera, der beste Kompromiss zwischen Handling, Flexibilität, Bildqualität und Packgröße. Auf eine Spiegelreflex verzichte ich ganz bewusst, da ich das Teil anno 2010 durch ganz Neuseeland geschleppt habe und mir nichts sehnlicher gewünscht habe, als eine Kompaktkamera wie die X10/X20/X30, die es aber damals noch nicht gab. Meine X10 ist leider vor zwei Wochen kaputt gegangen und jetzt ein wirtschaftlicher Totalschaden, sonst hätte ich die mitgenommen. Zur neuen X30, die ein hervorragendes Dispay, endlich einen brauchbaren optischen Sucher, beste Lichtstärke und Wi-Fi hat und endlich über eine USB-Ladefunktion verfügt, habe ich mir eine passende Tasche gegönnt.
  • Amazon Kindle Paperwhite, denn ich lese unterwegs sehr, sehr viel. Der Kindle erlaubt anders als ein iPad das Lesen bei Sonnenlicht, umgeht das lästige Problem, passende deutschsprachige Lektüre im Ausland zu finden und weil er nicht viel kostet und alle Daten in der Amazon-Cloud gespeichert werden, ist es auch kein Problem, ihn mit an den Strand zu nehmen, denn wenn er kaputt geht oder gestohlen wird, ist Ersatz schnell beschafft.
  • Das iPhone 5 ist natürlich Pflicht. Nicht nur, um unterwegs erreichbar zu bleiben und schnell etwas im Internet nachzuschauen, sondern natürlich auch als iPod-Ersatz und kleine Zweitkamera sowie um in Karten nachzuschauen oder um ein paar kleine Videospiele wie mein geliebtes Angry Birds zu zocken.
  • Ein USB-Ladegerät ist absolute Pflicht. Ich verwende seit geraumer Zeit das Innergie USB-Ladegerät, das genug Wumms hat, um iPad und iPhone/Kamera/Kindle gleichzeitig zu laden und ist dabei noch kleiner, als Apples 12-Watt-Netzteil des iPads. In Indien wird zwar grundsätzlich kein lästiger Steckeradapter benötigt, allerdings nehme ich zur Sicherheit trotzdem meinen praktischen Universal-Adapter mit, den ich anno 2010 am Flughafen Singapur gekauft habe. Das Ding hat Stecker für alle denkbaren Steckdosen und gleich auch noch einen USB-Steckeradapter. Da mein derzeit geplanter Gerätepark unterwegs dank USB-Ladefunktion weitestgehend ohne eigene Netzteile auskommt, habe ich damit Zugriff auf drei USB-Ladebuchsen.
  • Mein günstiges Rollei Mini-Flexi-Stativ, das nicht nur leicht, sondern auch sehr flexibel ist. Klar: Nichts für Profi-Fotografen, aber als preiswerte Alternative zum GorillaPod durchaus zu empfehlen, da es sich überall befestigen lässt.
  • Einen Haufen Kabel, darunter ein Lightning-Kabel und Kopfhörer für das iPhone, ein Micro-USB-Kabel für Kindle, Kamera und ggf. die iPad-Tastaturhülle sowie allerlei Kleinzubehör für die Kamera, etwa Filter und Sonnenblende. Hinzu vermutlich irgendein Computer, was mich zu meiner schwersten Entscheidung bringt:

Indien 2006: Mädchen in einem Wüstendorf in Rajasthan

Macbook Air oder ein iPad auf Reise mitnehmen?

Wie Ihr hier lesen könnt, möchte ich unterwegs vielleicht bloggen oder etwas schreiben, außerdem will ich Fotos sichern, anschauen und gegebenenfalls bearbeiten. Beides geht mit dem Macbook Air 13″ ebenso gut wie mit meinem iPad Air 2, für das ich mir neulich aus einer Laune heraus eine ZaggFolio-Tastaturhülle gekauft habe, die ich vor dem Urlaub an dieser Stelle auch noch ausgiebig testen werde hier getestet habe. Die Alternative wäre natürlich das Macbook Air, aber das ist im Vergleich zum iPad doch recht sperrig und da ich das iPad abends gerne als Lesegerät für Online-Content verwende, würde ich nur ungern darauf verzichten. Nun ist ein Macbook natürlich in vieler Hinsicht flexibler als das kleine Tablet, dafür kann ein Macbook unterwegs aber mächtig stören, schon weil man ständig Angst darum hat. Falls das iPad „wegkommt“, hält ist sowohl der finanzielle, als auch der logistische Aufwand in Grenzen, das Gerät ist weltweit neu zu kaufen und per iCloud-Backup problemlos wiederherstellbar. Die endgültige Entscheidung werde ich aber vermutlich auf den Tag des Abflugs verlegen. Ich tendiere momentan eher zum iPad, weil ich schon mehrmals unterwegs das Notebook verflucht habe, allerdings kann sich das jederzeit ändern. Falls ich mich final für das iPad entscheide, werde ich meine Erlebnisse damit natürlich ebenfalls hier festhalten.

Indien 2006: Frauen holen Wasser vom Brunnen

Ein Rückblick auf Fernreisen 1996

Wenn ich mir überlege, dass ich noch 1996 als Teenager nach Indien reisen konnte, ohne all den Firlefanz an Bord zu haben: Meine technisch-gestalterische Reiseausstattung beschränkte sich damals auf eine analoge Kompaktkamera mit 36er-Rollfilmen, einen alten Sony-Walkman samt einem halben Rucksack voller Kassetten, eine Reihe von Büchern und Zeitschriften sowie ein Moleskin-Notizbuch, natürlich kein originales. Unterwegs mussten das indische TV-Programm und die seinerzeit extrem lausigen Bord-Entertainment-Systeme der verschiedenen Fluglinien ihren Zweck erfüllen. Seit dem Rückflug, bei dem mein Walkman den Dienst quittierte, kann ich außerdem „Herz an Herz“ von Blümchen auswendig, weil das Inflight-Entertainment sich auf fünf „Radiosender“ mit einem sich stündlich wiederholenden Programm sowie zwei höchst banale Hollywood-Komödien beschränkte. In der Rückschau würde ich, wäre ich heute auf diese Form der Technik angewiesen, vermutlich den Flieger aus purer Langeweile zur Notlandung zwingen. Das wäre damals noch gegangen, denn Taschenmesser waren, wie auch das Rauchen, an Bord erlaubt. Nun gut, das ist 20 Jahre her und das war, aus heutiger Sicht, eine andere Welt.

So viel Klischee muss sein: Schlangenbeschwörer in Neu-Delhi 1996 (Foto mit einer analogen Konica aufgenommen)

Der Gepäckberg ist geschrumpft

Trotz aller technischer Spielereien, die heutzutage problemlos auf Reisen mitgeführt werden können, habe ich jedes Mal, wenn ich wieder aufbreche, das Gefühl, dass ich nicht mehr, sondern weniger als beim letzten Mal mitschleppen muss. Diverse Kopien wichtiger Dokumente finden heute in der Dropbox Platz, Geld wird vor Ort am Geldautomaten geholt, lästige Reisechecks, Geldwechselei und die blöde Bauchtasche für wichtige Dokumente entfallen. Die musikalische Untermalung übernimmt mein iPhone, das allein weniger wiegt als eine Musikkassette von 1996 und auch kleiner ist, dafür aber die wichtigsten Teile meiner Musiksammlung beherbergt. Die für heutige Verhältnisse recht klobige Fujifilm X30 ist kaum größer als meine Analogknipse seinerzeit, allerdings fasst eine Speicherkarte mehr Material als 100 Analogfilme, zudem brauche ich keine Videokamera (auch wenn ich nie eine mitgenommen habe). Die Bücher, die ich damals mitschleppte, finden heute bequem auf dem Kindle oder iPad Platz, Notizen und Reisetagebuch kann man auf dem iPhone führen. Die lästigen Ersatzbatterien für alle Geräte entfallen dank integrierter Akkus und vielfältiger USB-Lademöglichkeiten, vom erhöhten Komfort durch die Inflight-Entertainment-Systeme der großen Fluglinien, der Möglichkeit, überall zu telefonieren oder sich in ein WLAN einzuklinken, um Dinge per Internet zu regeln, als säße man zuhause vor dem Rechner ganz zu schweigen. Theoretisch könnte ich sogar einen Fernzugriff auf den heimischen iMac einrichten, mit dem ich ohne Weiteres an meine Daten käme.

All das sind Vorzüge, die man früher auf Reisen nicht hatte, weshalb ich mich auch wegen des „ausufernden“ Geräteparks nicht beschweren möchte, schließlich fallen fast alle Analogmedien, vom ein oder anderen Buch einmal abgesehen, weg. Und falls es Probleme mit einem der Geräte gibt, kann ein anderes zumindest teilweise einspringen, fällt die Kamera aus, hilft das iPhone und so weiter. Zumal die boomende Volkswirtschaft Indien auch bei Bedarf – und wenn das Kleingeld stimmt – Ersatz bereit hält und ich vermutlich an jeder Straßenecke ein neues Gerät erwerben kann. Auch das war 1996 – und auch noch 2006 – anders.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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