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Linux-Quartett – Distri-Impressionen 19: Linux Mint

mint cinnamon

Linux Mint ist wohl der vielversprechendste Kandidat, um Ubuntu als Nummer-1-Linux-auf-dem-Desktop-Treiber zu vergraulen. Das Community-Projekt basiert natürlich auf Ubuntu und bietet somit schon mal dessen solide Grundlage sowie ein riesiges App-Angebot. Mint gibt es standardmäßig mit den Desktops Cinnamon, Mate und Xfce. Hier soll es das moderne, umfangreiche Cinnamon sein, auch wenn ich persönlich den schlankeren Mate bevorzuge.

Über Linux-Distri-Impressionen

Ausführliche Infos: Quartett-Artikel und Distri-Impressionen-Übersicht. Hier nur ganz kurz zur Einordnung: Die Distri-Impressionen sind für das Quartett quasi „nebenher“ entstanden und sind keine tiefschürfen oder technischen Analysen. Es geht hier um das, was mir bei Installation, Einrichtung und Herumspielerei mit Desktop, Einstellungen und Tools aufgefallen ist. Was mich langweilt, was mich begeistert.

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Wie Ubuntu punktet Mint mit der Verbreitung – ist aber deutlich frischer.

Linux Mint mit Cinnamon

Im Grunde könnte ich hier genauso gelangweilt sein, wie ich es bei Ubuntu war. Denn wenn irgendwer Linux-Artikel ordert, dann meist mit einer dieser beiden Distris. Allerdings sehe ich Mint häufiger mit Mate, insofern könnte der Desktop vielleicht doch noch etwas Neues bieten. Cinnamon ist optisch nach wie vor großartig, vom edlen, dezenten Farbschema, über den vorgegebenen Desktop-Hintergrund, bis hin zum perfekten Startmenü. Letzteres bietet die klassische Navigation, eine extra Leiste für Standards wie die Systemeinstellungen und selbstverständlich auch die direkte Eingabe von Suchanfragen. Alles reagiert flüssig, die Inhalte einer Kategorie werden sichtbar, sobald der Mauszeiger über der Kategorie liegt, wirklich wirklich schön. Genau so soll es sein ;) Auch hübsch: Über das Kontextmenü der Einträge im Startmenü können diese direkt der Taskleiste hinzugefügt werden – das ist andernorts deutlich schwieriger!

Software für Mint gibt es massenhaft; das installierte Synaptic zählt über 62.000, irgendwo war eine Zahl um die 55.000 zu finden und Mint selbst spricht von rund 30.000 Paketen. Den Verzicht auf ein explizites „Software-Center“ finde ich gut, das bringt nur Verwirrung und Fehlerpotenzial mit sich. Andererseits: So ein schickes grafisches Frontend wäre für Nicht-Fachleute wohl der bessere Ansatz.

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Cinnamon ist schon ein verdammt aufgeräumter, sauber designter Desktop.

Auch von der Upgrade-Variante bin ich absolut kein Fan: Bei Ubuntu sind es ein paar übliche Befehle im Terminal, um auf die nächst höhere Ubuntu-Version upzugraden. Ein Mint-Upgrade, nach offiziellem Weg, heißt schlicht: Neue Version drüber installieren. Das mag man beim Mint-Team einfacher finden. Und klar, wenn das denn so reibungslos auch bei komplex eingerichteten Systemen funktioniert, ist es das vielleicht auch. Aber wer kommt denn darauf? Und wer bitte macht sich keine Sorgen, dass bei diesem Prozedere irgendwas kaputt oder verloren geht? Ich liebe gute Usability und Erwartungskonformität gehört nun mal dazu – und derlei Upgrades passen da nicht wirklich. Ist aber auch nicht so wichtig.

Mint hat zwei große Vorteile gegenüber Ubuntu: Der Standard-Desktop Cinnamon ist für Windows-Umsteiger und klassische Linux-Nutzer wesentlich intuitiver zu nutzen. Das gilt für die Fensterdarstellung, für den Desktop selbst und vor allem für das Startmenü. Außerdem ist der Community-basierte Ansatz angenehmer als das Firmen-getriebene Ubuntu, bei dem man immer unpopuläre Entscheidungen gegen die User befürchten muss.

Auch wenn ich von einigen der letzten 18 Distris begeisterter war, wegen toller Kleinigkeiten oder Konzepte, würde ich Linux-Einsteigern, Windows-Umsteigern und selbst macOS-Aussteigern eher Mint empfehlen. Letztere müssten sich dann vielleicht noch irgendeinen lästigen Dock-Mist installieren. Mint hat einfach eine größere Nutzerbasis und macht seit Jahren vieles sehr sehr richtig. So ist es auch eine Selbstverständlichkeit, dass der HP-Netzwerkdrucker automatisch ins System eingebunden wird – das passiert eigentlich nur bei den „Großen“. Wer etwas experimentierfreudiger ist, hat vielleicht mehr Spaß an Zorin OS, wer es konservativ und traditionell mag, sollte sich OpenSuse anschauen.

Und noch eine „Kleinigkeit“: Mit einer Startzeit von 62 Sekunden liegt Mint 4 Sekunden unter den Ubuntu-Derivaten elementaryOS, Peppermint und Zorin OS und 14 Sekunden unter Ubuntu – nur das Lightweight-Linux Bodhi ist in der Ubuntu-Familie mit 45 Sekunden nochmal deutlich sportlicher.

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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