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Vom Honor 6x zum Google Pixel 3a – erste Eindrücke

google pixel 3a

Vom 3 Jahre alten 250-Euro-Smartphone Honor 6x zum aktuellen 400-Euro-Gerät Pixel 3a: Wie groß ist der Unterschied? Lohnt sich das? Drängt es sich auf?

Mein Honor 6x hat vor zweieinhalb Jahren 250 Euro gekostet, jetzt „musste“ ein neues Telefon her. Mit richtig teuren Smartphones kann ich nichts anfangen, Pixel waren die einzigen, die mich überhaupt gereizt hätten. Reines Android, lange Updates, bekanntermaßen gute Hardware und eben ein Zwischenproduzent weniger. 400 Euro für’s 3a wären mir auch zu viel. Aber bei 340 Euro wurde ich dann doch schwach.

Technische Werte, Vergleiche von Prozessortakten und Ähnlichem sucht Ihr hier vergebens. Mir geht es wirklich nur um persönliche erste Eindrücke direkt nach dem Wechsel von Honor 6x auf Pixel 3a. Von 250 Euro auf 400 Euro. Von 2016 auf 2019. Oder wenn es unbedingt eine elende Autometapher sein soll, von Polo auf Golf (kommt das hin, liebe Autofans?). Und natürlich: Lohnt sich der Umstieg überhaupt?

340 Euro? Und nur ein 3a?

Jaaaa, das ist schöngerechnet. Letztens hatte Media Markt es für 385 Euro im Angebot, bei Google sind es 399 Euro. Aber es gibt einen Google Home Mini im Wert von 60 Euro dazu. Da ich den für die Arbeit nutzen kann, sind es dann ganz praktisch 340 Euro. So viel zu meinen Rechenkünsten.

google pixel 3a
Ein Google Home Mini – fotografiert mit dem 3a.

Der Unterschied zum Pixel 3 ist preislich deutlich höher als qualitativ. Rein haptisch tun sich die beiden tatsächlich deutlich weniger als man hätte meinen können. Vorhin mal Boris‘ 3er in der Hand gehabt – ich hätte nicht wirklich bemerkt, dass die Rückseite wohl besseres Material verwendet. Kein kabelloses Laden? Ist mir persönlich völlig egal. Innen werkelt zusätzlich eine Grafikeinheit, die natürlich nett wäre. Aber bei mir laufen auf dem Handy nur Mini-Spiele, also auch egal. Die doppelte Frontkamera am 3er dürfte für Selfiejunkies jedoch durchaus relevant sein. Für mich wiederum nicht. Das 3a hat aber eine Sache, die das 3er nicht hat – und mir sehr wohl wichtig ist: Einen verdammten Klinkenanschluss. Klinkenanschlüsse sind super. Aber es soll hier ja nicht um 3 vs. 3a gehen.

Erste Eindrücke

Im direkten Vergleich mit dem Honor 6x fällt vor allem das Format auf. Beide kommen auf eine Diagonale von 5,6 Zoll, haben aber unterschiedliche Seitenverhältnisse – das 3a ist spürbar schmaler. Das ganze Gerät wirkt gerade in der Hosentasche deutlich schlanker. Und billiger. Rein haptisch reicht das 3a definitiv nicht an das 6x heran, was mich durchaus erstaunt hat. Sobald der Bumper da ist, spielt’s aber auch keine Rolle mehr.

Das Display vom 3a ist ganz eindeutig klarer, schärfer, besser und dürfte tatsächlich jedem Besitzer sofort auffallen. Sobald die Schutzfolie angekommen ist, wird sich das aber auch wieder etwas legen ;) Und wenn man die Beanspruchung von 2,5 Jahren draufrechnet – wer weiß. Dennoch: Hier lohnt es sich.

Die nächste Impression: USB-C. Klar, USB-C ist besser. Spürbar besser in jeder Hinsicht. Mein ganzes Kabel- und Buchsenuniversum ist aber leider noch auf Micro-USB ausgelegt. Rechnet ruhig nochmal 20 Euro für Kabel, Adapter, Hubs oder was weiß ich ein.

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Smartphones von vorn – wie spannend :/
Immerhin: Links neu und sauber, rechts alt und verdreckt.

Ebenfalls umgehend gewöhnungsbedürftig: Die Power-Taste ist oben, Laut/Leiser unten – hatte zumindest ich bislang immer umgekehrt, sofern auf derselben Seite. Noch sitzt die Bedienung nicht so ganz, Jahre der Konditionierung sind nicht an einem Tag wegzuprogrammieren. Aber: Es ist besser so, da man Laut/Leiser doch häufiger benötigt als Ein/Aus, da das meist der Fingerabdrucksensor erledigt. Apropos: Fühlt sich viel schlechter an als beim 6x, weil dort aus Metall, reagiert aber spürbar besser und vor allem fixer.

Nach ein paar Minuten kommt das Teil dann mal auf den Tisch und siehe da: Da die Kamera herausragt, liegt das 3a sicherlich nicht sonderlich gerne so da. Nutzen, während das Ding auf dem Tisch liegt? Macht keinen Spaß, es wackelt. Aber hey, auch scheissteure iPhones haben damit schon Fans vergrault ;)

google pixel 3a
Ei der Daus!
Sie lukt heraus.
Ach was ein Graus.

Innere Werte

Die Kamera spielt in einer ganz anderen Liga als die vom 6x. Die hat zwar hinten zwei Linsen und beherrscht Schärfentiefe wirklich hervorragend, aber beim 3a gibt es selbst unter dem Schreibtisch bei kaum Licht superscharfe Bilder – beim 6x gibt es nur braunen Quark. Klar kommt man dann ganz schnell auf tolle Spielereien wie Google Playground (siehe unten). Scheint für das Honor nicht nachzurüsten zu sein und vermutlich wäre es auch zu langsam.

pixel 3a playground
Playground-Clip vom Pixel 3a – in bescheidener Qualität. Eigentlich sieht das verdammt gut aus, aber zum Verständnis soll’s genügen.

Apropos: Das Open-Source-Spiel Apple Flinger ist super – macht auf dem 6x aber keinen Spaß, weil ultralangsam. Auch auf dem 3a ruckelt es bisweilen gewaltig, aber in der Regel ist es endlich spielbar. Soll heißen: Selbst bei „kleinen Games“ (in diesem Fall, ich weiß es nicht, vielleicht auch nicht allzu super duper programmierten Spielen …) ist das Performance-Plus spürbar. Überhaupt, auch Nicht-Handy-Freaks, mobile Otto Normalverbraucher, dürften das merken – und mögen!

Denn auch Webseiten oder beispielsweise Artikel in der SPON-App laden merklich schneller.

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Links: Pixel 3a
Rechts: Honor 6x
Urteil: 1:0 für Pixel
google pixel 3a
Links: Pixel 3a
Rechts: Honor 6x mit min. Schärfentiefe.
Urteil: Ohne Worte …

Nebenschauplätze

Darunter würde ich zum Beispiel verstehen: Die Absenz eines Slots für Speicherkarten. 64 Gigabyte sollten für ein olles Handy genügen, aber ich hasse es dennoch. Mit Leib und Seele. Hätte das wirklich so weh getan? Wer weiß. Aber gut, Google bietet kostenlose Online-Speicher und spielt in einem Land, in dem mobiles Internet nicht noch und meist absurd teuer ist.

Ich bin keine 16 mehr. Von daher trage ich das Smartphone nicht in voller Lautstärke vor sich hin scheppernd in der Gegend rum – wofür gibt es männermäßige Bluetooth-Ghettoblaster … Naja, aber wenn ich wollte: Der Sound ist noch weiter weg vom 6x als die Kamera. Da macht selbst ein Film Spaß, der von Stereoeffekten lebt.

Die drucksensitiven Seiten hätte ich vor ein paar Stunden sicherlich noch als Nebenschauplatz eingeordnet, jetzt schwanke ich schon. Man gewöhnt sich doch verdammt schnell dran, den Google-Assi so aufrufen zu können – wenn man wie ich das „OK Google“ deaktiviert hat. Da ein Home Mini dabei war, müsste ich das auch fast …

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Von hinten weiß das 6x mehr zu überzeugen.

Wie groß der Performance-Unterschied ist, zeigt das Thema VR – auch wenn das sicherlich noch ein Nischenthema ist. Mit dem Pixel machen VR-Videos und -Welten in Cardboard-mäßigen VR-Brillen durchaus Spaß. Es ist flüssig und macht keine Kopfschmerzen. Beim 6x ist das der reinste Horror.

Ach, und natürlich das Thema Software: Ich muss sagen, dass das, was Honor aus Android gemacht hat, ziemlich gut ist – und vor allem größtenteils im Rahmen persönlichen Geschmacks liegt. Auch bezüglich Updates ist Huawei bislang vorbildlich gewesen. Der original Android-Launcher ist sicherlich deutlich flexibler, vor allem wenn man viele, viele Apps installiert. Manche Kleinigkeiten wie das App-Wechsel-Wischen sind mir ebenfalls sofort ans Herz gewachsen. Aber auch Honor hat nette Eigenheiten: Screenshots per Drei-Finger-Runter-Wischen, die Wisch-Suche etc. Für mich persönlich ist es von Vorteil, dass es sich um ein reines Android handelt, da meine Android-Anleitungen ansonsten je eher Honor-Android-Anleitungen sind. Aber das ist wohl kaum für die meisten von Euch ein Manko.

Lohnt sich nun der doppelte Umstieg?

Jein. Jaja, doof, ne?! Ist aber so. Das 3a ist viel besser. Das 6x ist eben drei Jahre alt und hat nur 62,5 Prozent des Pixels gekostet. Die beiden Faktoren Zeit und Geld lassen sich leider nicht so ganz sauber trennen.

Für mich hat es sich definitiv gelohnt, vor allem, weil ich beruflich einfach jeden Mist installiere, teste und herumspiele, die Fotoqualität endlich genügt, um mal eben ein paar Bilder für einen Artikel zu machen und weil mich jede Sekunde Warterei näher an den nervlichen Abgrund bringt. Und hey – immerhin 1,5 News mehr pro Screen ;)

google pixel 3a
Das 3a ist etwas schmaler und länger – gut zum Lesen von News & Co.

Ich bin aber nicht sicher, ob es sich wirklich für jeden auszahlen würde. Legt Ihr Wert auf eine gute Kamera UND seid bereit diese mittels Hülle vor Kratzern zu schützen (ich bin es leider nicht), lohnt es sich. Nutzt Ihr die Performance tatsächlich aus (VR, aufwändigere Spiele), lohnt es sich auch.

Jedoch kenne ich viele Smartphone-Nutzer, die bestenfalls mal ein paar Schnappschüsse für Social Media machen, das Gaming auf kleine Knobeleien hier und da beschränken und nicht jede Millisekunde Verzögerung beim Aufbau einer Website bemerken. Und selbst das alte, eine ganze Klasse darunter agierende Honor 6x genügt dafür noch. Selbst nach zweieinhalb Jahren ohne echte Hülle. Und es liegt immer noch wertiger in der Hand.

Soll heißen: Wenn Ihr mit Eurem 6x-ähnlichen Smartphone noch zufrieden seid und keinen Wert auf zusätzliche Spielereien (Playground, VR, A-Titel-Spiel, Drucksensoren) legt, müsst Ihr weder eine Klasse noch überhaupt aufstocken. Ein neues 400-Euro-Smartphone scheint mir, im Vergleich mit einem drei Jahre alten 250-Euro-Smartphone, für viele Nutzer nicht so viele Vorteile zu bieten, als dass sich die 400 Euro wirklich aufdrängen würden. Man hat nicht das Gefühl aus einem alten Trabbi auszusteigen und in einem neuen Ferrari davon zu fahren. Für mich fühlt es sich eher an nach: Aussteigen aus einem sehr gut ausgestatteten Golf, wegfahren mit dem etwas weniger gut ausgestatteten Nachfolgermodell in der Variante mit größerem Motor.

Und schon wieder bei den blöden Autometaphern gelandet. Schande über mich. Aber vielleicht hilft es ja, ein gewisses Gefühl dafür zu entwickeln, was man als Besitzer eines 6x (oder vergleichbar) vom 3a erwarten kann.

Mehr zu Smartphones findet Ihr hier.

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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