Testlabor

Keychron K3 im Dauertest: Zuviel Licht und ein großer Schatten

Die Keychron K3 könnte die perfekte mechanische Tastatur für den Mac (und Windows) sein. Nach 18 Monaten starker Nutzung zeigen sich aber Probleme.

Irgendwann vor einigen Jahren sah ich die hervorragende Dokumentation California Typewriter: In dem Film geht es um die Liebe zur klassischen Schreibmaschine. Die habe ich zwar nicht, weil ich zu jung bin, um ernsthaft mit so etwas zu arbeiten. Aber irgendwie hatte ich danach Lust, ein mechanisches Keyboard zu kaufen, das Keychron K2. Das war mir aber auf Dauer zu sperrig und zu laut, weshalb ich vor rund 1,5 Jahren auf das „Keychron K3 Ultra-slim Wireless Mechanical Keyboard (Version 2)“ umstieg. Doch wie gut schlägt die sich im Alltag?

Keychron K3: Leise mechanische Tastatur für Mac und Windows

Das Keychron K3 ist eine schlanke mechanische Tastatur mit 75%-Layout, also mit Funktionstasten, aber Tenkeyless. Es gibt aber eine Spalte Sondertasten wie „Page Up“ und „End“. Das Keychron K3 ist mit Gateron Low-Profile-Schaltern und entsprechend flachen Tastenkappen ausgestattet. Dadurch baut das Keyboard, das mit Mac- und Windows-Tastenkappen geliefert wird, im Vergleich zur K2 sehr niedrig, was für mich das Argument für die Tastatur war. Sie ist vergleichbar mit der Logitech MX Mechanical for Mac, die es aber damals noch nicht gab.

Das K3 besitzt einen USB-C-Anschluss, einen verbauten Akku mit 1550mAh und kann sowohl am Kabel, als auch per Bluetooth betrieben werden. Bei Bedarf kann die K3 bis zu drei Geräte koppeln. Wer die Position ändern will, kann das Keyboard mit den zwei Füßen hochstellen.

Praktisch: Die Aufsteller für zwei Höhen. Allerdings rutscht das Keychron K3 dadurch leichter.

Ich habe die Variante mit weißer LED-Beleuchtung und einfachen Schaltern, es gibt aber auch eine RGB-Option, Hot-Swappable-Schalter und wer mag, kann beim Kauf optische Keychron-Schalter statt der Gaterons einsetzen lassen. Ich habe aber die Basisversion, denn bei den ISO-Tastaturen hat Keychron üblicherweise nicht alle Varianten auf Lager.

Leiser Anschlag trotz blauer Schalter

So weit, so grundsätzlich praktisch: Mac-Tasten eingesetzt, verbunden, läuft – Treiber oder sonstige Software wird nicht benötigt. Die bei Drittanbieter-Keyboards für den Mac manchmal störrischen Multimedia-Tasten funktionieren ohne weitere Einstellungen.

Seitenansicht mit Staub: Ihr seht die flachen Schalter und Tasten. Letztere sind das größte Problem der Keychron K3.

Was sofort am K3 positiv auffällt, ist der leise Anschlag. Ich kaufe blaue Schalter, weil sie mir vom Tippgefühl her am besten gefallen, allerdings sind die Dinger laut. Nicht so beim K3: Es klickt bei jedem Tipp, aber in einer Lautstärke, die eher an konventionelle Tastaturen erinnert. Es fehlt natürlich der satte Sound „großer“ mechanischer Keyboards, dafür kann ich mit dem K3 auch arbeiten, wenn nebenan die Kurze schläft.

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Vom Tippgefühl her ist die Keychron für mich, der vor dem Griff zur mechanischen Tastatur Apples Magic Keyboard für das Maß aller Dinge hielt, ausgesprochen angenehm mit klarem Druckpunkt und ordentlichem akkustischen und haptischen Feedback. In dieser Hinsicht ist sie für mich perfekt. Ich denke, manchen Nutzern klassischer mechanischer Tastaturen dürfte der Anschlag zu weich sein: Wenn ich das K3 mit dem K2 vergleiche, gefällt mir das K2 in dieser Hinsicht auch tatsächlich eine Spur besser.

USB-C-Anschluss und abgeklebte LED.

Keychron K3: Der Akku ist schnell leer

Leider zeigt sich im beleuchteten Betrieb schnell ein dicker Nachteil der Keychron K3 gegenüber der K2: Der Akku ist winzig und besitzt nur rund ein Drittel der Kapazität der K2 (4000mAh). Das zeigt sich auch im Alltag: Bei Vielschreibern wie mir ist der Akku nach wenigen Tagen erschöpft. Ärgerlich dabei: Die Keychron-Tastatur übermittelt auch nicht die Akkuladung per Bluetooth. Vielmehr ist es nötig, die LED auf der Rückseite im Blick zu behalten oder die Tastenkombination (fn)+(B) zu drücken.

Apropos LED: Das kleine Lämpchen auf der Rückseite neben dem USB-Anschluss ist extrem hell, allerdings nur an, wenn die Tastatur verkabelt ist. Ist sie per Bluetooth angeschlossen, leuchtet da nichts. wegen der geringen Akkulaufzeit nutze ich die K3 aber meistens verkabelt. Das rote oder grüne Leuchten empfinde ich als störend. Daher habe ich es mit einem Stück Ducktape abgeklebt.

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Beleuchtung nervt

Ach ja, die Beleuchtung: Nervig ist die Beleuchtungstaste rechts oben: Die ist schnell aus Versehen gedrückt, anschließend muss ich mich durch all die mehr oder weniger albernen Beleuchtungsprogramme klicken, bis ich wieder die richtige Einstellung habe. Immerhin kann die Beleuchtung über die Helligkeitstasten komplett abgestellt werden, ist aber in ihrer aufdringlich blinkenden Scheußlichkeit sofort wieder da, wenn ich falsch drücke. Kurzum: Nervig – hier wäre eine Lösung per Fn-Tastenkombination deutlich hilfreicher.

Die großen Gummistopper geben guten Halt, solange die K3 nicht auf den Füßchen steht.

Immerhin: Das Beleuchtungsprogramm kann mittels Hotkey gesperrt werden: Halte ich die Tastenkombination (Fn)+(L)+(Lichttaste) für 6 Sekunden, wird der aktuelle Effekt „eingebucht“ und die Beleuchtungstaste deaktiviert.

Keychron K3: Tastenkappen lösen sich auf

Neben der lästigen Beleuchtungstaste sind der größte Schwachpunkt des Keychron K3 tatsächlich die Tastenkappen: Diese sind, wie bei allen Keychron-Keyboards der K-Reihe wohl aus Preisgründen aus ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) und damit nicht besonders langlebig: In meinem Fall hat (wahrscheinlich) der Ehering schon zweimal die Beschichtung der rechten Shift-Taste zerlumpt, auch die Leertaste hat bereits Kratzer und auch andere Tasten nutzen bereits ab.

Schöner wären hier PBT-Keycaps (Polybutylenterephthalat), die hat Keychron auch als Nachrüst-Set im Angebot – aber eben nicht mit deutschem ISO-Layout, was sehr ärgerlich ist: Als ich wegen der zweiten Shift-Ersatztaste Keychron kontaktierte, wurde ich wegen abgelaufener Garantie abgebügelt, obwohl die letzte Ersatztaste keine 6 Monate alt war. Der Versand der Ersatztaste koste 8 Euro, was aus meiner Sicht absolut unangemessen ist. Apropos Support: Der hat in Sachen Geschwindigkeit und Freundlichkeit definitiv Verbesserungspotential. Aber ich verstehe, dass Keychron Geld verdienen muss und nicht ständig Tasten gratis verteilen kann.

Die Alternative ist normalerweise der Kauf von Drittanbieter-Keycaps, zumal es die in lustigen Designs gibt. Aber auch die sind für diesen Formfaktor schwer zu bekommen: Keychron ist vom Layout her nicht vollständig standardkonform, zudem konnte ich bisher keine Quelle für Low-Profile-Keycaps in einem mit Keychron kompatiblen ISO-DE-Layout auftun – falls Ihr eine kennt, schreibt es bitte in die Kommentare, ich wäre Euch sehr dankbar.

Die rechte Shift-Taste hat es besonders erwischt. Sie wurde bereits gewechselt. Aber auch die anderen Tasten sind angegriffen, da die Tastenkappen leider eher billig sind. (Foto: Christian Rentrop)

Fazit: Keychron K3 – gute Tastatur mit Qualitätsmängeln

Eigentlich ist die Keychron K3 die optimale Tastatur für mich: Mechanisch, aber leise und gut zu handghaben. Ich schreibe tagtäglich viele Tausend Zeichen, hinzu kommen Korrekturen, Chats, E-Mails, Postings und so weiter. Kurzum: Meine Tastaturen haben in aller Regel kein besonders schönes Leben und sind schnell abgenutzt. Meine Lebendauer-Meister sind bislang das Apple Magic Keyboard 1 und das Logitech K380, die ich in der Vergangenheit viel und lange benutzt habe, liegen dank der K3 aber nun in der Schublade.

Tastaturseitig zeigt das Keychron nach 18 Monaten intensiver Nutzung keine Mängel, es sind vielmehr die „weichen“ Faktoren, die nerven: Die Drölfzig Beleuchtungsprogramme sind aus meiner Sicht Unfug, genau wie die Beleuchtungstaste, die diese direkt durchwechselt. Die Beleuchtung hat nur drei Stufen. Alles Dinge, die sich ändern lassen, insofern keine echten Minuspunkte.

Wirklich ärgerlich ist aber das Problem mit den Tastenkappen: Es gibt schlicht keine Ersatzkappen für das Keyboard, wer welche haben will, muss diese über den Keychron-Support anfordern. Drittanbieter-Kappen konnte ich bisher nicht auftreiben. Da die Qualität des Tastenlacks ganz offensichtlich nicht die beste ist, wäre es supersinnvoll, wenn Keychron Original-Keysets einfach für kleine Geld anbieten oder die PBT-Keycap-Sets ISO-tauglich machen würde. Schade – gäbe es dieses Problem nicht, wäre die K3 wirklich perfekt.

Christian Rentrop

Diplom-Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Schreiberling in Totholzwäldern und auf digitalen Highways unterwegs. Öfter auch auf der Vespa oder mit dem Wohnwagen unterwegs. Seit 2020 Tochtervater, dementsprechend immer sehr froh über eine kleine Kaffeespende.

4 Kommentare

  1. Small tip for the issue of having to go through every lighting setting if the button has been pressed by accident – just press Shift + LightButton, goes to the previous light mode.

  2. Für die nervige, oben rechts überpräsente Beleuchtungstaste gibt es Abhilfe:
    How can I lock the light effect?
    -> For the regular K series, please press the fn+L +light effect key for 6 seconds to lock it.

    Mich persönlich hat an der K3 zusätzlich der geringere Abstand zwischen den Tasten gestört: ich tippe eher ‚unsauber‘ und erwische die Nachbartasten häufiger als bei der K2, die ich mir als Ersatz besorgt habe.
    Keycaps für die K3 habe ich auch nicht gefunden.

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