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Ist das Kunst? Und kann das weg?

Wie kommt man von vollgemüllten Datenträgern auf Kunst? Ganz einfach – per WinDirStat. Das Tool ist nicht bloß eines der besten Helferlein aller Zeiten, sondern auch ein wunderbares Praxisbeispiel für das, was im Studium unter Visualisierung von Informationsräumen fiel. Anders ausgedrückt: WinDirStat rendert hübsche Bilder mit enormem Nutzen!

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Kann das weg?

Sinn und Zweck von WinDirStat ist ganz klar das Auffinden von Speicherfressern, wie wir es auch hier vor einiger Zeit gezeigt haben. Das Tool liest jede Datei auf einem oder mehreren Laufwerken ein und stellt jede einzeln als ein farbiges Rechteck dar – je größer die Datei, desto größer das Rechteck. Dateien im selben Ordner bekommen auch dieselbe Farbe.

Das mag unspektakulär klingen – ist es aber in gleich zweierlei Hinsicht nicht: Künstlerisch und akademisch. Im Studium hatte ich tatsächlich die oben erwähnte Vorlesung zur Visualisierung von Informationsräumen. Dabei geht es darum, riesige Datenmengen so aufzubereiten, dass sie für Menschen erfassbar sind, Übersicht bieten, aber auch den Blick auf Details erlauben. Stellt Euch die Erde zum Beispiel mal als reines Zahlenwerk vor: 40.7128° N, 74.0060° W, 10 m über NN, 783 qm – die Daten von New York. Und? Habt Ihr jetzt eine genaue Vorstellung von New York und seiner Lage? Und wie groß es ist? Sicherlich nicht. Jetzt versucht es mit dieser Bilderreihe, die allesamt von OpenStreetMap stammen:

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Das vermittelt schon deutlich mehr, gell? Man könnte Weltkarten durchaus als Visualisierung aller Vermessungsdaten verstehen und dann wird schnell klar, was das soll: Eine Liste mit allen Koordinaten der Welt, von allen Straßen, Häusern, Flüssen, Ländern, Städten, Gemeinden, Bergen und so weiter, würde einen Menschen vollkommen überfordern. Man könnte kaum eine sinnvolle Information daraus ziehen. Packt man das Ganze aber in eine Karte, bietet diese plötzlich jede Menge Übersicht – eine schlichte Welt-Landkarte zeigt im Zweifelsfall einfach nur Länder- und Kontinentgrenzen. Zoomt man dann ganz tief hinein, kann man sogar die Umrisse einzelner Gebäude erkennen. Und man kann wunderbar in dieser Visualisierung stöbern. Stöbert mal in einer reinen Koordinatenliste – das macht deutlich weniger Spaß als ein Stündchen Google Maps ;)

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Und genau das erledigt auch WinDirStat: Auf meinen Laufwerken C und D liegen rund 1,5 Millionen Dateien. Zu jeder Datei braucht es mindestens Informationen zu Name, Pfad, Rechte, Dateiart und Größe, was sich schon auf 7,5 Millionen einzelne Daten summiert. Und jetzt versucht mal, in einer Liste mit 5 Spalten und 1,5 Mio Zeilen die bösen Platzfresser zu finden. Bei WinDirStat ist das ganz einfach: „Aha, ein grüner Bereich mit großen Klötzen – mal reinzoomen“. Und schon seht Ihr, um welche Dateien in welchen Ordnern es sich handelt.

Dateien/Rechtecke können aus dem Kontextmenü heraus gelöscht werden.

Und da WinDirStat nicht bloß visusalisiert, könnt Ihr natürlich auch direkt in den visualisierten Daten arbeiten, sprich identifizierte Speicherfresser löschen. Soweit zum Akademischen und zum Nutzen. Aber es bleibt die Frage:

Ist das Kunst?

Befreit man die WinDirStat-Ausgabe mal von dem Fensterdriss, bleibt etwas, dem man eine gewisse Ästhetik kaum absprechen kann. Ich für meinen Teil könnte mir sowas an die Wand hängen – was viele vermutlich als Freaktum abtun würden … Aber in einer Gallerie? 20 Stück davon nebeneinander, als Verbildlichung des (digitalen) Lebens von 20 Personen? Noch ein paar Stories dazu, fertig ist das Kunstprojekt. Noch ein paar Rollkragenpullis und eine Ansammlung von Barbershopkunden und weiteren Hipstern, schon rollt der Rubel. Entscheidet selbst, hier ein paar Varianten von Boris, Christian und mir.

Update: Nun hängt es an der Wand, 125 x 50 x4 cm, Leinwand auf Holzrahmen, von myposter.de – und äußerst zufrieden mit dem Druck:

Auch andere Programme können wirklich hübsche Ausgaben erzeugen – wie wäre es etwa mit einer Netzwerkvisualisierung mit Struwwelpeter-Anleihen:

windirstat screens
So hübsch kann IT-Monitoring sein – seht Ihr Ähnlichkeiten?

Die Ausgabe stammt von Checkmk, das seit kurzer Zeit über diese hübsche Visualisierung für das Business-Intelligence-Modul verfügt. Und mit dem Darkmode sieht das doch verdammt schick aus.

Habt Ihr noch Vorschläge für künstlerisch wertvolle Programmausgaben? Immer her damit, irgendwann machen wir zumindest eine digitale Gallerie daraus.

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help

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