Für Business-Menschen sind PowerPoint und Präsentation ein und dasselbe – absolut niemand käme auf die Idee, den tausendjährigen Muff von Folienpräsentationen anzuzweifeln. Und dass PowerPoint auch die Art und Weise, wie Informationen aufbereitet und präsentiert werden, ist längt kein Geheimnis. Jetzt will Microsoft mit dem neuen Sway endlich die Revolution starten und das Einschlafpotenzial der PowerPoint-Schubserei ausmerzen – endlich! Und ab heute dürft Ihr auch selbst kostenlos testen, was bisher einem geschlossenen Kreis vorbehalten war. Und es ist der Hammer.

Für Business-Menschen sind PowerPoint und Präsentation ein und dasselbe – absolut niemand käme auf die Idee, den tausendjährigen Muff von Folienpräsentationen anzuzweifeln. Und dass PowerPoint auch die Art und Weise, wie Informationen aufbereitet und präsentiert werden beeinflusst, ist längt kein Geheimnis. Jetzt will Microsoft mit dem neuen Sway endlich die Revolution starten und das Einschlafpotenzial der PowerPoint-Schubserei ausmerzen – endlich! Und ab heute dürft Ihr auch selbst kostenlos testen, was bisher einem geschlossenen Kreis vorbehalten war. Und es ist der Hammer.

Upps, ‚tschuldigung, gemeint war eher der Wunsch, mit einem Hammer geschlagen zu werden, und bitte ganz doll. Ja, Sway-Präsentation lassen sich problemlos im Browser anzeigen. Ja, Sway wirkt modern. Und ja, Inhalte aus Youtube, Twitter, Facebook und so weiter lassen sich direkt über die integrierte Suche einbauen. Und ja ja ja, man kann problemlos Farbschemata ändern, Layouts anpassen, animierte Bilderstapel via Bing bauen und das alles auch noch auf dem Tablet. Eine Menge Jas gibt es im passenden Video dazu:

Keine Sorge vor Überforderung, viele der im Clip gezeigten Features gibt es noch gar nicht. Und wo wir gerade bei den Neins sind: Nein, ich will keine abgespeckte, oberflächlich modernisierte, Tablet-taugliche Kinderversion von PowerPoint. Und mehr ist das nicht. Folien heißen nicht mehr Folien, aber das Konzept ist im Grunde das gleiche, nur dass jetzt alles aussieht, wie eine Facebook-Timeline. Und mal ehrlich, macht die große Masse der Menschen Präsentationen auf 10-Zoll-Tablets? Im Stehen an mobilen Arbeitsplätzen? In lichtdurchfluteten Büros mit lauter Hipstern? Nö. Tom, Dick, Harry, Average Joe, Bob Dobalina, Hinz, Kunz und die Strombergs dieser Welt sitzen in Großraumbüros, Cubicles und Beamtenstuben und klicken fröhlich mit der Maus neben ihren 20-Zoll-Bildschirmen.

Oh ja, total anders als PowerPoint; eine völlig neue Art, wie Ideen zum Leben erweckt werden.

Mit Sway lassen sich tatsächlich binnen weniger Minuten ziemlilch gut aussehende Präsentationen basteln, insbesondere, wenn es hauptsächlich darum geht, Medien von Dritten zu zeigen. Für das in US-Schulen typische Show & Tell ist Sway super und Kinder scheinen auch die Hauptzielgruppe zu sein. Nur sind dies alles genau die Attribute, die auch PowerPoint früher immer zugeschrieben wurden – stimmte ja auch! Nur haben wir alle uns satt gesehen an behämmerten Folienüberblendungen. Wir alle haben Vorträge von Menschen erleiden müssen, die ganze Sätze auf Folien schreiben, in Schriftgröße 12. Und erst die peinlichen Effekte … Natürlich gibt es großartige PowerPoint-Präsentationen und es wird ebenso feine Sway-Präsentationen geben – aber nicht dank Jeder-kanns-Software, sondern dank cleverer User.

Perfekt: Der Import fremder Medien von Online-Plattformen funktioniert tadellos.

Sway vereinfacht Dinge. Zu sehr. Ein Beispiel: Ihr könnt über die Suche Hundebilder zu einem Stapel zusammenstellen und wenn der User draufklickt, wandert das oberste Bild flüssig animiert nach unten – das sieht super aus und dauert rund 15 Sekunden! Aber was seht Ihr unten? Einen Haufen Hundebilder von …, äh, ja, moment, mmmhh – von mir? Nö. Fremde Inhalte einfügen ist kein Problem bei Sway, Quellenhinweise einzufügen aber durchaus – kann das nicht bitte automatisch mit eingefügt werden? Selten habe ich gesehen, dass Microsoft Nutzer dermaßen zum Diebstahl fremden geistigen Eigentums einlädt.

Dinge wie animierte Bilderhaufen sind wirklich sehr gut umgesetzt – wenn man auf Copyright-Hinweise scheisst.

Das alles ist dermaßen sauber integriert, dass man überhaupt keine Lust hat, sich um Copyrights, Bildlizenzen oder sonstwas zu kümmern. Letztlich bietet Sway nur einen Bruchteil der PowerPoint-Funktionen und konzentriert sich ganz auf oberflächliche Medienguckerei. Es fehlen Touch-bedingt einfach Features. Bilder skalieren? Kein Problem: Man tappe auf das Bild und wähle einen von drei Sternen. PowerPoint für Web-2.0-Kinder bis elf Jahre.

Genau das mach Touch-Kompatibilität: Statt umfangreicher Kontextmenüs und Funktionen, gibt es drei Sternchen zum Skalieren. Äußerst professionell, bravo.

Dennoch: Wer per Tablet/Smartphone medienlastige Kurzpräsentationen erstellen will dürfte mit Sway wesentlich glücklicher werden als mit PowerPoint. Noch ein Highlight gefällig? Na gut: Text kann fett gemacht werden – und kursiv, und eingefärbt und … – ach ne, nochmal ‚tschuldigung, nur fett, sonst nichts. Aber hey, ist doch egal. Es gibt schließlich einen Remix-Button, mit dem Sway Eure Präsentation einfach nochmal mit Zufallsattributen versieht und etwas gaaaaaaanz Neues daraus zaubert. Wenn PowerPoint die Süddeutsche Zeitung ist, ist Sway die Bild – vermutlich werden es also viele von Euch total gut finden.

Ach kommt schon Microsoftler – sowas erwarte ich von Google und Apple.

P.S.: Natürlich handelt es sich bisher um eine Preview, offen für alle. Insofern könnte sich noch jede Menge tun – aber wenn MS Dinge in die Öffentlichkeit entlässt, dann eher in einem recht finalen Status und messen lassen müssen sie sich sowieso auch an einer solchen offenen Beta.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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