Hier mal ein völliges Off-Topic-Thema für alle, die gerne spontan Urlaub machen und noch einen günstigen Campingausbau suchen. Ich habe eine 90-Euro-Lösung gefunden.

Das hat hier nichts mit den sonstigen Themen zu tun, deshalb Off-Topic. Trotzdem wollte ich meine liebe Leserschaft natürlich daran teilhaben lassen, dass sich der VW Caddy (Maxi) hervorragend als Single-Camper für Kurztrips eignet. Die Investition für den Ausbau belief sich bei mir auf gerade einmal 90 Euro und hat sich bei einem 3-Tages-Trip in Nordfrankreich wunderbar bewährt.

Single-Camping-Caddy: Das Basisfahrzeug

Der VW Caddy ist ein prima Auto. Meiner ist die lange PKW-Version, also mit Kunststoffverkleidungen innen und fünf Sitzen. Es gibt den Wagen auch als Siebensitzer. Doch die Sitze in der dritten Reihe müssen für Camping auf jeden Fall raus. Mein Caddy hat hat keine dritte Sitzreihe, dafür den 1,6-Liter-Basisdiesel mit 105 PS: Ja, den pöhsen Schummeldiesel EA189 von VW, aber das ist mir ziemlich egal, denn dadurch konnte ich ihn im April sehr günstig von einer Textilfirma einkaufen, die ihn für Messen genutzt hatte.

Mit dem Caddy auf einem abgelegenen Campingplatz in den Dünen: So schön kann Urlaub sein.

Mit dem Caddy auf einem abgelegenen Campingplatz in den Dünen: So schön kann Urlaub sein.

Das Diesel-Software-Update ist drauf und Nachrüstungen für Euro 6 wird es in irgendeiner Form auch geben, immerhin wurden Millionen von den EA189-Motoren weltweit verkauft. Und was soll ich sagen: Das Maschinchen reicht tatsächlich, säuft im Schnitt 6 Liter und fährt mit Anlauf 180 km/h – vollkommen OK. Und ich bin ansonsten sehr zufrieden mit der Kiste: Der Sitzkomfort ist grandios, trotzdem bleibt er in der Stadt mit knapp unter 5 Metern handlich und fährt sich im Grunde wie ein Golf. So oder so die richtige Basis für einen kleinen, flexiblen Campingausbau. Zumal das Ding unauffällig auf Parkplätzen stehen kann, weil nicht alles nach Camping-Hipster oder Wandereuropäer schreit. Das Beste ist allerdings, dass der satte Aufpreis für den Caddy Tramper bzw. Caddy Beach nicht nötig ist.

Spartanisch, aber gemütlich: Der Camping-Caddy im Einsatz.

Spartanisch, aber gemütlich: Der Camping-Caddy im Einsatz.

Es muss nicht einmal ein VW sein

Dabei muss es weder ein Caddy Maxi, noch die PKW-Version sein: Es tut auch ein normaler Caddy oder die Handwerker-Variante ohne Fenster. Es muss nicht einmal ein Volkswagen sein: Der lange Renault Kangoo dürfte sich ebenso eignen wie Langversionen aller anderen Hochdachkombis. Sogar der Nissan NV200/Evalia oder ein Dacia Dokker sollten es tun. Der Caddy ist aber für mich die beste Wahl, weil er für einen Hochdachkombi einerseits leidlich OK aussieht und nicht wie ein schlimmer Pampersbomber, sondern eher wie eine Handwerker-Kiste. Und andererseits ist er halt auch vergleichsweise groß, weil er auf Golf-Basis fährt. Ich brauchte die zwei Meter Ladefläche. Wer kleiner ist, kann natürlich auch zu kleineren Fahrzeugen greifen.

Wildcampen wäre denkbar. Ich hätte hier übernachten können, ziehe aber Plätze wegen der Infrastruktur vor.

Wildcampen wäre denkbar. Ich hätte hier übernachten können, ziehe aber Plätze wegen der Infrastruktur vor.

Caddy-Campingausbau: Ihr braucht keine teure Box

Um einen Caddy (Maxi) für kleines Geld zum Single-Camper umzurüsten, braucht Ihr tatsächlich nicht viel. Zwar gibt es diese dollen Campingboxen wie die Ququq-Box, die IQ-Box oder die Biber-Box, die allen Firlefanz an Bord haben. Schön finde ich auch das Auto-Himmelbett. Aber die haben auch ein entsprechendes Preisschild von 900 Euro aufwärts, tendenziell eher gegen 2.000 Euro. Für das erste Ausprobieren definitiv zu viel. Zumal diese Boxen immer Zweipersonen-Liegeflächen machen. Ich wollte aber Platz haben und mich noch halbwegs im Caddy bewegen können, weshalb ich eine schmalere Lösung haben wollte, die einen Durchgang freilässt. So wie die wunderbare Highcamper-Lösung. Die war mir aber auch für die ersten Tests zu teuer. Außerdem müssen die hinteren Sitze dafür komplett raus.

Sieht nicht so aus, ist aber erstaunlich gemütlich.

Sieht nicht so aus, ist aber erstaunlich gemütlich.

Campen im Caddy für 90 Euro

Und so begab ich mich auf die Suche nach einer Lösung. Die ist meist naheliegender, als man denkt: In meinem Fall war es eine Karpfenliege. Das ist so eine Art besseres Feldbett für Angler, aber eben deutlich bequemer. So etwas gibt es bei Amazon für kleines Geld.. Das Problem im PKW-Caddy ist, dass die Fußräume der hinteren Sitze vertieft sind: Ich brauchte also eine Liege, die am Fußende keine Stützen hat. Ich entschied mich daher für die Angelliege von Camp-Feuer für 69,95 Euro. Die kann ich mit dem Kopfende zur Heckklappe stellen, sie ist faltbar und schnell auf- und abgebaut. Und trotz meiner über 100 Kilo kann ich darauf gut schlafen.

Caddy-Spar-Camping: Die Billigverdunkelung

Was jetzt noch fehlte, war eine Fenster-Verdunkelung. Nachdem ich lange überlegt hatte, ob ich Isomatten zuschneide, eine fertige Lösung für 100-150 Euro kaufe oder eben ohne Verdunkelung leben kann, entschied ich mich für die Billigvariante: Teppich und Klett-Klebeband. Ich fuhr also in den Bauhaus, besorgte 3 Quadratmeter schwarzen Billigteppich (6 Euro) und einige Meter Klett-Klebeband (10 Euro). Den Teppich versuchte ich zunächst passend zuzuschneiden, aber das ist dann doch viel Arbeit. Stattdessen schnitt ich Stücke zurecht, die halbwegs in die Fensterrahmen passten, pappte Klett-Klebeband an den Scheibenrahmen und zackfertig: Dunkelheit im Caddy inklusive perfektem Sichtschutz. Für die Fahrerhausabtrennung habe ich einfach ein großes Handtuch mit Wäscheklammern an der Ablage über der ersten Sitzreihe geklemmt. Fenster einen winzigen Spalt auf für die Lüftung. Gesamtkosten bis jetzt: 89 Euro inklusive 50 Wäscheklammern aus dem Supermarkt – und der Camping-Caddy ist einsatzfähig.

Die Fahrerhausabtrennung per Handtuch und Wäscheklammer. Funktioniert.

Die Fahrerhausabtrennung per Handtuch und Wäscheklammer. Funktioniert.

Kleinigkeiten, die man braucht

Sinnvoll sind natürlich weiter Kleinigkeiten: Neben Schlafsack und Kissen (vorhanden) war ein Campingkocher sinnvoll. Den hatte ich zum Glück auch schon: Im Aktions-Abverkauf bei Kaisers vor einigen Jahren für drei Euro inklusive zwei Gaskartuschen geschossen. Kaffee morgens muss einfach sein. Einen kleinen Topf und eine Tasse hat man ja sowieso zuhause, mit Fertig-Cappuccino-Pulver ist der Kaffee so schnell gemacht. Ansonsten muss natürlich Klopapier an Bord sein, wer gerne in seinem mobilen Schlafzimmer A-A macht, kann freilich auch einen Porta-Potti kaufen, wenn der demnächst wieder bei Aldi im Sonderangebot ist. So etwas kostet aber rund 70 Euro. Ansonsten müsst Ihr halt an Bord haben, was Ihr so braucht – nichts Spezielles. Ich hatte noch eine elektrische Auto-Kühlbox, die Gold wert ist. Wer auch bei Regen entspannt sitzen will, sollte über ein Vorzelt und einen Campingstuhl samt Tisch nachdenken.

Fazit Camping-Caddy: Was ich ändern würde

Die Sparausrüstung hat sich über drei Tage bewährt, dank Kühlbox hätte ich deutlich länger fahren können, aber die Zeit fehlte leider. Trotzdem reicht der Ausbau für kleine Single-Kurzurlaube, zumal der Wagen im Fahrbetrieb eben ein normaler PKW ist. Allerdings musste ich für die Angelliege die Doppelsitzbank in der zweiten Reihe ausbauen – die ist sauschwer und will irgendwo gelagert werden. Ich stellte sie vor dem Urlaub ins Gartenhaus meiner Eltern, was ich bei der beschriebenen Lösung nur empfehlen kann. Der Einzelsitz blieb drin und diente umgeklappt als kleiner Tisch und Halterung für die Kühlbox (hinter dem Beifahrersitz).

Vorne im Bild der umgeklappte Rücksitz. Die Doppelsitzbank ist ausgebaut, damit die Liege genug Platz hat. Der Rücksitz kann als Tischchen dienen, theoretisch hätte ich ihn aber auch entfernen können.

Vorne im Bild der umgeklappte Rücksitz. Die Doppelsitzbank ist ausgebaut, damit die Liege genug Platz hat. Der Rücksitz kann als Tischchen dienen, theoretisch hätte ich ihn aber auch entfernen können.

Es gibt daher auch drei Haken: Einerseits wäre eine Lösung gut, bei der nur der kleine Sitz raus muss. Andererseits ist die Angelliege nicht so gut zum seitlichen Sitzen geeignet. Wer also eine längere Reise plant, sollte darüber nachdenken, sich eine Holz- oder Alusteck-Konstruktion zu basteln, bei der die Liegefläche ähnlich der Camping-Boxen über die umgeklappte Sitzbank gelegt werden kann. Zuguterletzt ist der Billigteppich sicher nicht die allerbeste Wahl: Er hat anfangs stark chemisch gemüffelt, aber da ich nicht wusste, wo ich auf die Schnelle Gardinen hätte nähen lassen oder große Stücke Filz hätte kaufen können, musste das ausreichen. Inzwischen müffelt der Teppich aber nicht mehr.

Insgesamt hat die Billiglösung aber gereicht, um ein paar Tage entspannt Campingurlaub im Caddy zu machen – und das war ja das Ziel der Übung. Wer mehr will, muss natürlich mehr investieren – oder selber Säge und Akkuschrauber schwingen. Doch egal, ob Ihr auf meine Sparvariante zurückgreift oder mehr Geld in die Hand nehmt: Der Caddy Maxi ist eine gute und günstige Alternative zum VW-Bus – als Mini-Camper, Mini-Wohnmobil oder Surfmobil für alle, die gerne allein unterwegs sind!

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Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und manchmal in der echten Welt unterwegs.
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