Günstig CarPlay nachrüsten ist keine Kunst – zumindest, wenn Ihr einen aktuellen VW besitzt. Ein Original-VW-Radio aus China macht’s möglich.

Carplay nachrüsten ist nicht schwer.

Carplay nachrüsten ist nicht schwer.

Neulich bin ich schwach geworden und habe mir einen VW Caddy (Bj. 2013) gekauft. Gebraucht, natürlich, denn VW nimmt mit der Ausstattung, die ich haben wollte, übelste Preise. Leider hatte der Gebrauchte nur ein armseliges VW RCD310-Radio an Bord, dazu ein MDI, das aber weder mit meinem iPod, noch mit meinem iPhone so richtig zusammenarbeiten wollte. CarPlay musste her. Zum Glück gibt es den freundlichen Chinesen, der das für kleines Geld möglich macht.

Unter 200 Euro für ein Original VW CarPlay-System

In China baut VW nämlich auch Autos. Und die haben, anders als in Deutschland, recht leistungsstarke und einfache VW-Radios mit CarPlay drin. Damit kann man auch deutsche Fahrzeuge mit CarPlay nachrüsten. Kein bescheuertes Car-Net, keine Abos, keine Freischaltcodes, kein fest eingebautes Navi mit teuren Updates: Einfach ein Radio mit Touchscreen, Apple CarPlay, Android Mirror-Link, Bluetooth, Freisprechanlage, Radiofunktion und Anzeigen für Rückfahrkamera oder Park Distance Control (PDC). Der Clou: Sie passen einfach in den Slot des RCD310, RCD510 und anderer VW-Radios mit Doppel-DIN-Blende und Car-Play. Und sie sind original VW, fügen sich also anders als der sonstige Nachrüst-Rödel perfekt und ohne viele Adapter in die Optik und Haptik des Armaturenbretts ein.

Hübsch, oder? Das RCD330 ist ein VW-Produkt, entsprechend gut passt es in meinen Caddy.

Hübsch, oder? Das RCD330 ist ein VW-Produkt, entsprechend gut passt es in meinen Caddy.

RCD330, das Wunderding

Wie dieses Wunderding heißt, fragt Ihr? Nun: Das Modell heißt RCD330, und es muss einfach nur mit dem Quadlock-Stecker des vorhandenen Radios verbunden werden. Altes Radio raus, neues Radio rein. Der Clou: Das Teil ist auf den üblichen Plattformen wie Amazon und Ebay nagelneu für zumeist deutlich unter 200 Euro zu haben, also sogar günstiger als die Doppel-DIN-Brecher mit CarPlay von Sony, Alpine und Co.

RCD330 einbauen

Der Einbau des RCD330 im Caddy ist ein Kinderspiel:

  • Mit einem alten iPod-Spudger lässt sich die Blende, die um Radio und Klimaanlagen-Steuerung gebaut ist, mit wenigen Handgriffen abhebeln.
  • Darunter findet Ihr vier Torx-Schrauben, die es zu lösen gilt.
  • Danach könnt Ihr Euer altes Radio rausziehen.
  • Um das RCD330 einzubauen, müsst Ihr noch den Quadlock-Stecker und das Antennenkabel lösen.
  • Anschließend steckt Ihr alles ans neue RCD330, schiebt das Radio wieder rein und schraubt es fest.
  • Blende aufstecken – fertig!

Das folgende Video zeigt, wie die Nachrüstung im Golf geht. Bei anderen VWs ist die Vorgehensweise aber identisch:

VW per RCD330 mit CarPlay nachrüsten: Was Ihr beachten müsst

95 Prozent der Radio- und Systemfunktionen sind anschließend sofort verfügbar, die restlichen fünf sind bauartbedingt leider nicht an Bord:

  • Das RCD330 unterstützt kein Radiotext-System (RDS), zeigt also keine Sendernamen.
  • Als Menüsprache können nur Englisch oder Chinesisch ausgewählt werden.
  • Auch die Anzeige/Steuerung per Multifunktionsanzeige (MFA) im Tacho geht nicht.
  • Klimaanlagen-Infos werden nicht eingeblendet, ebensowenig Sitzheizung. Das ist aber schon beim RCD310 nicht der Fall gewesen.
  • Steuerung via Multifunktionslenkrad konnte ich nicht testen, weil ich dieses Feature nicht habe.
  • Bei mir meckert das Gerät, dass die Rückfahrkamera nicht vorhanden ist. Das stimmt. PDC funktioniert trotzdem, aber man muss manuell auf die Anzeige umschalten. Wenn das stört, muss die Kamera mit einem VCDS aus dem Radio codiert werden. Was ich demnächst machen werde.
  • Für die Radiofunktion wird gegebenenfalls – auch beim Caddy – ein Antennenadapter von Doppel-Antenne (FAKRA) auf Einzelantenne benötigt. Den gibt’s für einen Zehner im Netz.
  • Achtung: Es sind mehrere Varianten des Geräts im Umlauf. Es gibt sie ohneCarPlay für meist kleines Geld, außerdem existieren zwei 6″-Versionen und eine 5″-Version. Die korrekte (und beste) Variante ist die mit der 6RD 035 187B
  • Augen auf beim Kauf: Es sind auch geflashte Geräte und solche mit Jailbreak im Netz unterwegs. Davon möglichst die Finger lassen!
  • Wenn Ihr das Gerät wie ich bei Ebay kauft, achtet auf Versand aus Deutschland. Meines war in 36 Stunden da und es gab kein Geraffel mit dem Zoll.
Hier sitzen beim Caddy die Halteclips.

Hier sitzen beim Caddy die Halteclips.

CarPlay ist immer deutsch!

Trotz dieser Kleinigkeiten gefällt mir das Gerät sehr gut. Vor allem, weil es, sobald man CarPlay aktiviert, auch eine deutsche Anzeige im Gerät erhält. Das liegt an CarPlay, das immer die Menüsprache des iPhone übernimmt. Der Betrieb ist soweit stabil, allerdings sollte ein MFI-zertifiziertes Lightning-Kabel verwendet werden, sonst hakt es im Betrieb. Am besten, Ihr nehmt das Originalkabel, das bei Eurem iPhone dabei war.

Das RCD330 hat eine eincodierte Rückfahrkamera. Diese muss mit dem VCDS heraus genommen werden. PDC geht trotzdem.

Das RCD330 hat eine eincodierte Rückfahrkamera. Diese muss mit dem VCDS heraus genommen werden. PDC geht trotzdem.

Freisprecheinrichtung an Bord

Richtig schön ist übrigens, dass das Gerät auch gleich eine Freisprecheinrichtung nachrüstet, zumindest mit CarPlay: Das RCD330 besitzt ein eingebautes Mikrofon, die Tonausgabe erfolgt über die Auto-Lautsprecher. Telefonieren funktioniert einwandfrei, zumal dank CarPlay und Siri auch die Hände frei bleiben: Siri fragt, wen man anrufen will und welche Nummer gewählt werden soll. Die Qualität reicht dafür völlig aus – perfekt!

Fazit: CarPlay nachrüsten für kleines Geld

Ich muss nach einigen Tagen mit dem VW RCD330 sagen, dass ich selten so ein gutes Autoradio für so kleines Geld hatte. Der Einbau ist selbst mit zwei linken Händen problemlos zu bewältigen, egal ob in Caddy, Golf, Passat, Beetle, Jetta oder sonstigen Fahrzeugen. Da spielt VWs Baukastensystem dem Anwender endlich mal zu, statt ihn zu ärgern. Vermutlich wird mich mein VW-Vertragshändler anmeckern, wenn ich mit dem Caddy demnächst in den Service gehe, aber im Zweifel tausche ich eben schnell die Radios aus. Meiner Meinung nach sollte VW das Teil als Nachrüstlösung in Deutschland anbieten – es ist um Welten besser als alles, was ich bisher an Nachrüst-Radios in den Händen hatte. Absolute Kaufempfehlung!

Übrigens: Falls Ihr weitere Infos sucht, findet Ihr sie in diesem ausufernden Thread im Motor-Talk-Forum.

Update: Was tun, wenn der Radioempfang beim RCD330 schlecht ist?

Nach einigen Tagen Einsatz wollte ich das RCD330 schon wieder Retour gehen lassen. Der Grund: Der RDS-freie Radioempfang am Headunit war lausig. Nicht nur „schlecht“, sondern ein verrauschtes Trauerspiel. Was besonders ärgerlich ist, da das Radio, wenn kein iPhone angeschlossen ist, einen Radio-Fallback hat, der mir die Ohren mit Rauschen zermarterte.

Die Ursache habe ich dann aber gefunden, genauer gesagt: die beiden Ursachen! Einerseits störte der USB-Zigarettenanzünder-Adapter den Radioempfang. Er ist billig, schlecht geschirmt und direkt unterhalb der Antennenkabel – ein Phänomen, das sich sogar beim RCD310 zeigte, das ich zu diesem Zeitpunkt schon wieder eingebaut hatte. Das Entfernen des Ladegeräts brachte eine deutliche Empfangsverbesserung.

Die zweite Ursache war der FAKRA-Adapter: Er griff das Signal der Doppelantenne (Diversity) ab und gab es zusammengeführt an das RCD330 weiter. Dadurch störten sich die Signale, was den Empfang massiv verschlechterte. Das Abtrennen eines der beiden Antennenkanäle brachte eine deutliche Verbesserung. Selbst problematische Sender wie der Deutschlandfunk sind jetzt – zumindest hier in Köln – astrein zu empfangen. Das RCD330 darf also im Caddy bleiben – und ich bin happy!

Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und manchmal in der echten Welt unterwegs.
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