Testlabor

Test: Voltcraft Energy Logger 4000

Stromverbrauch messen, Daten loggen, am PC auswerten - und herzlich fluchen ;)

Wenn sich der Autor auf einen Test freut ist das meist kein gutes Zeichen für das Produkt – und ich freue mich sehr ;) Das Messgerät Voltcraft Energy Logger 4000 hat durchaus seinen Reiz, für manch ein Szenario mag es sogar großartig sein – aber im Detail ist es einfach nur ein Haufen …

Features, Bedienung, Verarbeitung

Der EL4000 von Voltcraft – eine Marke von Conrad Electronics – sieht auf dem Papier im Grunde ziemlich gut aus; hier zunächst die Features:

  • Messdaten
    — Wirkleistung
    — Energieverbrauch
    — Wirkfaktor
    — Nennspannung
    — Strom
    — Frequenz
  • Stromtarif einstellbar
  • Kostenprognose
  • Backup-Batterie gegen Datenverlust (nicht enthalten!)
  • Datenlogger für 6 Monate
  • 3-zeiliges Display
  • Messbereich 1,5 bis 3.000 Watt
  • Beiligende Software

Die Verarbeitung ist nicht wirklich der Hit, aber völlig in Ordnung für eine simple Steckdose. Der einzig bewegliche Part ist die Schublade für die SD-Karte und die ist etwas lüttig. Dafür lässt sie sich aber auch ohne Frickelei öffnen und schließen.

Wackelig, aber selbst mit Handschuhen könnte man die SD-Karte wechseln – sehr schön!

Die Bedienung ist simpel und wird im winzigen Handbuch ausreichend erklärt. Über die Mode-Taste wird durch die Ansichten geschaltet, die Min- und Max-Tasten wechseln auf diesen Ansichten zwischen minimalen, maximalen und durchschnittlichen oder aktuellen Werten. Einstellungen bekommt man über Gedrückthalten der Mode-Taste. Eigentlich bedient sich das Teil wie eine simple Digitaluhr aus den 80ern – und das ist nicht schlecht.

Vor allem der Datentransfer ist erfreulich simpel gehalten: SD-Karte einlegen, Weiter-Knopf drücken, warten bis die Daten transferiert wurden. Gut, der Datentransfer ist fertig, wenn die Prozentanzeige auf 99 steht, was wohl ein paar Menschen verwirrt (die die Anleitung nicht gelesen haben). Aber nur für die 100 eine weitere Displaystelle einbauen? Mit 99 kann man wohl leben.

Soweit so gut und so langweilig – noch kann man das Teil ja anpreisen ;)

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Daten und Software

Der EL4000 sollte hier primär den Verbrauch eines Raspberry Pis mit einem MSI Cubi vergleichen – und versagt mehr als kläglich.

Das beginnt schon mit der Software: Downloads sind nicht zu finden, aber es liegt eine CD bei – mit natürlich extrem alter Software namens Voltsoft von 2010, ohne Update-Funktion. Zumal CD-Laufwerke nun wahrlich kein Standard mehr sind. Die Software selbst kann wenig und war schon vor zehn Jahren altbacken, aber sie kann die Daten nach CSV und Excel exportieren. Ja, exportieren, denn natürlich liegen die Daten in einem proprietären Format vor und zwar in Form zweier BIN-Dateien. Ohne die Voltcraft-Software kommt Ihr also nicht an die Daten.

Auch „witzig“: Man muss die Daten nach dem Import in die Software manuell von der Karte löschen, da man beim Import nur Ordner angeben kann, nicht die BIN-Dateien direkt. Und liegen dort zwei Paar BIN-Dateien, sieht Voltcraft gar keine. Noch mehr Witz: Die Daten werden in der Software scheinbar nicht gespeichert. Oder ein Highlight-Witz: Die BIN-Dateien haben das Datum des Loggers. Ist der Logger aber nicht auf das aktuelle Datum gestellt worden (wie hier, weil mich das Datum nicht im geringsten interessiert), findet die Voltcraft-Software sie standardmäßig nicht – weil ein Import-Zeitraum voreingestellt ist, der sich vom aktuellen Datum des Rechners ableitet. Kurzum, selbst soweit die Software funktioniert ist sie einfach nur schlecht. Und der letzte Beispiel-Witz: Die exportierten Werte sind keine Zahlen, sondern zum Beispiel sowas hier =“0,57783″ – ja, mit Gleichheits und Anführungszeichen. Viel Spaß also beim Aufbereiten dieser „Zahlen“.

Daten werden importiert – aber nur angezeigt, wenn der Datumsbereich stimmt . Ganz toll gemacht.

Aber hey, das macht eigentlich gar nichts – denn genau hier versaut Voltcraft sein Produkt, bei den Daten: Beim Test mit dem Raspi unter Vollast zeigt das Display eine Wirkleistung (Verbrauch in Watt) von 5,5 Watt – und das ist sehr plausibel! Die geloggten Daten zeigen auf dem PC jedoch etwas völlig anderes: Jeder der minütlich erstellten Messpunkte sagt das gleiche – 0 Watt.

Bis auf den letzten Messpunkt, der mit 201924,148275 wohl das Maximum sein soll, wie sich aus den CSV-Daten erkennen lässt. Wirklich interessant ist aber vor allem der Durchschnittswert, den Voltcraft hier mit 14.423,15 Watt angibt.

Der Raspi verbraucht also im Schnitt über 14 Kilowatt? Komisch, kann mich gar nicht daran erinnern, dass jemand einen eine Tonne schweren Dieselgenerator in meinem Wohnzimmer in Betrieb genommen hat – aber hey, gibt’s bei Amazon …

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Was meint Ihr, habe ich das Teil vielleicht unterm Couchtisch übersehen?

Schaut man sich die Kundenwertungen bei Amazon und Conrad an, findet man auch vereinzelt Berichte, dass die Daten im Display nicht mit den geloggten Daten übereinstimmen und, dass es wohl Probleme bei zu kleinen Verbrauchern gibt – und mit rund 5 Watt ist der Raspi natürlich ein solcher. Nur sagt der Hersteller:

Im Gegensatz zu günstigeren Geräten zeigt der Energy Logger 4000 bereits bei Verbrauchern ab 1,5 W hochpräzise Wirkleistungsmesswerte und eignet sich daher ideal auch für Messungen des Standby-Verbrauchs.

Es kann also offiziell nicht an einem zu geringen Verbrauch liegen. Und auch inoffiziell eher nicht, denn: Ein Testlauf mit einer 25-Watt-Leuchte bringt denselben Datenmüll zu Tage – und wieder bei einer völlig korrekten Display-Anzeige. Aber Mooooment: Einen weiteren Testdurchlauf später gibt es plötzlich auch in den CSV-Daten korrekte Verbräuche zu bewundern! Einige Messpunkte sind nach wie vor Kraut und Rüben, mal Null, mal (scheinbar) Min-Max-Werte, mal einfach nur fragwürdig.

Nun denn, offensichtlich kann das Teil korrekt messen und es kann bisweilen korrekte Messpunkte speichern. Vielleicht liegt es an der Messdauer? Auf Folgendes hatte ich eigentlich keinen Bock, zumal das Handbuch von Voltcraft auch nichts in der Art auch nur andeutet :(

Langzeittest: 4 Stunden Raspi

Also muss nun ein Langzeittest zeigen, was bei dem Mistding schief läuft. Vier Stunden mögen nicht nach „Langzeit“ klingen und daheim würdet Ihr das vermutlich eher über eine Woche durchziehen. Aber erstens müsste das dann auch so im Handbuch stehen, zweitens wäre ein Gerät, dass die eigenen Unzulänglichkeiten erst mit einer matschigen Rundungsrechnung geradegebogen bekommt immer noch Mist und drittens sind wir hier nicht Stiftung Warentest oder ein wissenschaftliches Prüflabor … Also müssen vier Stunden auf Halblast genügen.

Und? Gut fünf Stunden später nun die Ernüchterung: 258 mal 0 Watt gemessen, beim 259. und letzten Mal wurde dann „163387,602225“ notiert – und beide Dinge kombiniert Voltcraft dann zu 630 Watt Wirkleistung im Schnitt. So, nun entspricht 163387 : 258 ungefähr den 630 Watt – die Berechnung des Durchschnitts scheint also zu funzen. Ein Anflug von Logik? Keine Sorge: Der 5-Watt-Raspberry-Pi hat in den letzten 258 Minuten garantiert nicht 630 Watt im Schnitt und insgesamt 2,7 Kilowattstunden verbraucht ;)

Ein typischer Messgang sieht in Tabellenform (als Auszug) so aus:

Aufnahmezeit Stromstärke(A) Wirkleistung(W) Scheinleistung(W)
02-01-2008 18:31:00 2,247 0 2657,7516
02-01-2008 18:32:00 2,246 0 2599,0712
02-01-2008 18:33:00 2,249 0 2660,1172
02-01-2008 18:34:00 2,249 0 2660,1172
02-01-2008 18:35:00 2,241 0 2650,6548
02-01-2008 18:36:00 2,239 0 2648,2892
02-01-2008 18:37:00 2,242 0 2651,8376
02-01-2008 18:38:00 2,241 0 2650,6548
02-01-2008 18:39:00 2,231 0 2638,8268
02-01-2008 18:40:00 2,224 0 2630,5472
02-01-2008 18:41:00 2,23 0 2694,732
02-01-2008 18:42:00 2,229 0 2693,3007
02-01-2008 18:43:00 2,228 0 2692,0924
02-01-2008 18:44:00 65,535 201924,148275 79185,9405

Auch mit weiteren Geräten zeichnet sich immer dasselbe Bild ab: Display-Anzeige sehr gut, Log merkwürdiges Chaos.

Fazit

Nun könnte man meinen, ich solle doch mal fair bleiben, könnte ein Montagsgerät sein, könnte veraltet und nicht für Windows 10 gedacht sein, könnte … Nö. Für ein Montagsgerät arbeitet das Gerät in all seiner Eigenartigkeit schlicht zu zuverlässig – falsch, aber zuverlässig. Zudem haben die Werte ja scheinbar irgendwo korrekte Zusammenhänge. Und Nö Nr. 2: Wenn es veraltet und systembedingt nicht mehr gebrauchsfähig ist, sollte, könnte, müsste man so ein Produkt vom Markt nehmen.

Mmmmh, mal so nebenbei: Auf der SD-Karte landen hier Stromstärke, Wirkleistung und Scheinleistung – aber was ist eigentlich mit den vielen anderen Daten? Es lässt sich leider nicht sagen, ob die Daten gar nicht erst auf der SD-Karte landen oder nur nicht im Programm. Warum? Wie gesagt, es handelt sich um ein proprietäres Datenformat. Mmmh, von diesem ollen Voltsoft-Programm gibt es auch eine kostenpflichtige Variante? Ob die Daten darin vollständig angezeigt werden? Wer weiß es schon …

So ungefähr sehen alle Diagramme in Voltsoft aus – nutzlos.

Im Grunde müsste man jetzt ein zweites Gerät besorgen und gegentesten – so schlecht kann ein Produkt eigentlich gar nicht sein, unmöglich, niemals. Aber zum einen scheinen mir die Macken für echte Bugs zu „plausibel“, zum anderen ärgert mich das Teil zu sehr, um mich noch damit zu beschäftigen. Zudem ist auch die Packung bereits entsorgt, mit so einem Kokolores habe selbst ich alter Schwarzseher nicht gerechnet …

Nun denn, um positiv zu schließen: WENN das Ding die Daten ordentlich und vollständig wiedergeben würde, wäre es ganz okay (wenn man die Daten nach CSV-Export selbst auswerten kann und will). Naja, immerhin kann ich das 55-Euro-Gerät immer noch wie ein 20-Euro-Gerät ohne Datenlogger nutzen. Yippie-Ya-Yeah.

Versöhnliches Ende

Ein kleiner Nachtrag: Wenn ich ein Produkt so niedermache, teste ich dann meist doch immer noch ein wenig – um vielleicht doch noch das Gute zu finden. Vielleicht könnte man die Daten ja manuell etwas trimmen und doch noch ein hübsches Diagramm bekommen. Dabei tauchte gleich ein neues Problem auf: Die exportierten Werte in der CSV-Datei sind keine Zahlen, sondern Strings in der Form =“0,57783″ – inklusive Anführungs- und Gleichheitszeichen. Wtf?! Ein Messpunkt als CSV-Datum sieht im Detail so aus – und ließe sich mit viel Mühe möglicherweise sinnvoll irgendwo importieren:

"=""02-01-2008 20:10:00""","=""2,235""","=""0""","=""2242,3755"""

Na gut, letzter Versuch, Export nach XLS, frisst LibreOffice schließlich auch. Und siehe da, Voltcraft hat es doch tatsächlich geschafft Messwerte als stinknormale, verarbeitbare Zahlen zu exportieren. Bravo. Standing Ovations. Prost auf Euch!

Und wenn man diese Daten dann von den beknackten Werten befreit, also einigen Nullen und einigen Werten, die einfach nur phantasiemäßig hoch sind und somit jede Skala eines Diagramms sprengen würden, dann siehe da – eine sinnvolle Visualisierung! Hier seht Ihr ein über Nacht angeschlossenes Laptop mit 65-Watt-Netzteil, das anfangs aufgeladen wurde und danach schlicht im Standby blieb:

Wow – mit „ein wenig“ händischer Arbeit lässt sich tatsächlich etwas sinnvolles anstellen.

Das unbereinigte Original in Voltcraft selbst sieht übrigens so aus:

Na, wie sinnvoll ist das nun?

So, nun denke ich, habe ich mir genug Mühe gegeben, um dem Ding doch noch etwas Positives zu entlocken, oder? Und ja, vermutlich liefert das Gerät bei manchen Verbrauchern und über einen langen Zeitraum halbwegs sinnvolle Daten, bei denen falsche Messpunkte irgendwann nicht mehr so auffallen.

Und doch, ich sprach von Haufen, dominiert derzeit ein anderer Gedanke …

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Nachtrag vom 19.3.: Zur Ehrenrettung des EL4000 – nach ein paar Tagen Durchlaufzeit und eines bewusst gewählten Zeitausschnitts (:)) ist Voltsoft doch noch eine plausible Grafik entsprungen. Wer weiß, vielleicht entpuppt es sich ja nach ein paar Monaten doch noch als Highlight? Wenn die obskuren Spitzen zuverlässig nur anfangs auftreten, kann man den Datenbereich ja wieder beschneiden. Nicht schön, aber bislang habe ich noch keinen Logger gefunden, der die Daten einfach nur ausspuckt – alles landet übersimplifiziert in irgendwelchen Kinder-Apps fürs Smartphone.

Plausibel und aussagekräftig – es geht doch! Wenn auch mit ein wenig Trickserei beim Datenbareich.

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help

3 Kommentare

  1. Super Test, bei dem ich sogar mehrmals schmunzeln musste. Weiter so!
    Gibt es eigentlich Alternativen die zuverlässig funktionieren ?

    1. Danke!

      Was Alternativen angeht muss ich leider passen, die Dinger habe ich nie im größeren Stil getestet. Leider scheint es auch nicht allzuviele Geräte mit Datenexport zu geben.

      Zumindest habe ich aber noch einen Vergleichstest für smarte WLAN-Steckdosen mit Verbrauchsmessung gefunden – da scheinen aber auch alle Daten wieder nur in irgendwelchen ollen Apps zu landen …

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