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Windows, Linux oder MacOS: Welches Betriebssystem ist besser?

Die Wahl des "richtigen" Desktop-Betriebssystems kann ärgerlich sein. Allerdings haben sich die Grenzen inzwischen deutlich verschoben.

Wenn es um die Auswahl eines Betriebssystems geht, fällt die Wahl nicht immer leicht: Windows ist der Standard, ist aber teuer und hat aber einen (inzwischen zu Unrecht) schlechten Ruf. Linux ist grundsolide, aber unübersichtlich. Und MacOS? Ohne Apple-Steuer auf teure Hardware geht da gar nichts, also nichts für Sparfüchse. Doch welches Betriebssystem ist das Beste? Soviel sei vorab verraten: Es ist inzwischen relativ egal.

Windows 10: Das „Standard-Betriebssystem“ für PCs

Windows 10 ist der aktuelle Abkömmling einer langen Reihe von Microsoft-Betriebssystemen seit den frühen 1980er Jahren. Wer „PC“ sagt, meint in aller Regel Windows: Vom ersten IBM-PC (1981), der bis heute die Vorgabe für PC-Systeme liefert, war Microsoft mit seinen Betriebssystemen mit an Bord. Windows hatte in der Vergangenheit mit allerlei Problemen zu kämpfen, inzwischen ist Windows 10 aber zu einem durchaus soliden und endlich auch weitestgehend benutzerfreundlichen System herangereift. Selbst ich als Mac-Nutzer, der seinerzeit wegen Windows XP von Windows-PCs geflohen ist, habe an Windows 10 nicht viel auszusetzen.

Fast jedes Programm erhältlich

Der Marktanteil aller Windows-Versionen liegt derzeit weltweit bei über 75 Prozent, alle anderen Desktop-Betriebssysteme teilen sich das restliche Viertel. Das hat einerseits den großen Nachteil, dass Windows für Virenentwickler das Hauptziel ist. Andererseits gibt es aber viele Vorteile: Wichtige Software wird immer auch für Windows entwickelt, selbst wenn sie eigentlich ursprünglich für den Mac oder Linux entwickelt wurde. Beispiele sind die praktischen Affinity-Kreativtools, Gimp oder der beliebte iAWriter.

Windows 10 ist der Betriebssystem-Standard.
Windows 10 ist der Betriebssystem-Standard.

Ideal für Gaming und Arbeit

Teure Software-Entwicklungen – und dazu zählen vor allem Blockbuster-Videospiele – sind dementsprechend zumeist ebenfalls für Windows erhältlich und für kein anderes System außer Konsolen. Schlicht, weil sich die Windows-Plattform durch ihre hohe Verbreitung besonders lohnt.
Kurzum: Wer zocken will und Standard-Software braucht, kommt auch heute nicht um Windows herum.

MacOS: Das Edel-System

Wenn Windows das Betriebssystem für die breite Masse ist, ist MacOS das Edel-System. Das hängt auch damit zusammen, dass Apple seine Betriebssysteme seit jeher an die hauseigene Hardware bindet: Wer MacOS will, muss einen Mac kaufen – es sei denn, er will wirklich viel basteln. Hinzu kommt, dasa MacOS das älteste moderne Betriebssystem auf dem Markt ist: MacOS – wenn auch nicht in seiner heutigen Form und mit Leerzeichen zwischen Mac und OS – wurde bereits 1984 mit dem ersten Macintosh-Rechner ausgeliefert. Es hatte damals bereits die Bedienung mit Maus und Fenstern, die wir bis heute verwenden. Microsoft kopierte die Idee zwar, allerdings blieb Windows bis in die 90er eher erfolglos.

Das beste aus beiden Welten

Das heutige MacOS hat mit dem Mac OS von 1984 natürlich genauso wenig gemeinsam wie Windows 10 mit MS-DOS 1.0: Es besitzt einen Unix-Unterbau, der dem von Linux nicht unähnlich ist und für Stabilität sorgt. Gegenüber Linux hat es aber ein deutlich homogeneres Bedienkonzept. Gegenüber Windows sorgt die Hardware-Kopplung dafür, dass MacOS nur auf einer kleinen Hardwarebasis laufen muss – mögliche Probleme, mit denen Windows seit jeher zu kämpfen hat, bleiben also aus. Apple es trotz vieler Krisen geschafft, sich dauerhaft als Alternative zum PC zu etablieren.

MacOS: Schick und zuverlässig.
MacOS: Schick und zuverlässig.

Ein weltweiter Desktop-Marktanteil von rund 17 Prozent ist nicht zu verachten. Dabei profitieren Mac-Nutzer von einer breiten Software-Basis mit Standard-Programmen wie MS-Office oder Photoshop, auf die Linux-Nutzer verzichten müssen. Spiele sind unter MacOS allerdings eher selten, wer zocken will, sollte sich auch heute noch eine XBox oder Playstation (oder einen Windows-PC) neben den Mac stellen.
Kurzum: MacOS bietet exklusiven Charme und gute Funktionalität für alle, die kreativ arbeiten, aber nicht spielen wollen.

Linux: Nischensystem für Nerds? Von wegen!

Als dritter im Bunde hat sich seit bald drei Jahrzehnten Linux etabliert. 1991 ursprünglich als Experimentier-System von Linus Torvalds entwickelt, zeigte sich schnell das Potential des stabilen, flexiblen und vor allem unter GNU-Lizenz veröffentlichten Unix-Systems. Linus Torvalds segnet bis heute den Kernel ab, der Rest ist Sache der Entwickler, die den Linux-Kernel plus beliebige Erweiterungen und Programme als sogenannte Distribution zusammenstellen.

Dadurch ist Linux extrem flexibel: Zwar wird Linux aus gutem Grund auf dem Desktop nur spärlich (~ 2% weltweit) eingesetzt. Doch seine Stärken spielt Linux dort aus, wo extrem schlanke oder extrem angepasste Systeme benötigt werden: Von Bastelcomputern wie dem Raspberry Pi über Car-Hifi-Systeme, Stereoanlagen, Heimautomatisierung, Webserver und natürlich im Internet of Things, um nur einige Anwendungen zu nennen. Auch Android und ChromeOS sind im Kern Linux-Betriebssysteme.

Distributionen wie Ubuntu versuchen, ein "Standard-Linux" zu sein.
Distributionen wie Ubuntu versuchen, ein „Standard-Linux“ zu sein.

Linux auf dem Desktop: Ideal für Entwickler

Wer sich für Linux entscheidet, erhält vor allem eines: Flexibilität. Linux läuft auf jeder Hardware-Plattform, ist kostenlos und mit der richtigen Desktop-Umgebung ein modernes Betriebssystem, das sich exakt an die Bedürfnisse des Anwenders anpassen lässt. Zwar müssen Linux-Nutzer auf Standard-Software wie Photoshop oder MS-Office und auf viele kommerzielle Spiele verzichten, erhalten aber in aller Regel gute Alternativen aus der Open-Source-Ecke, wie etwa LibreOffice. Allerdings handelt es sich dabei um keine Linux-exklusive Software: Die meisten Linux-Programme sind in der ein oder anderen Form auch für Windows und MacOS erhältlich. Warum also Linux auf dem Desktop?
Nun: Es ist stabil, flexibel, auch für leistungsschwache Hardware geeignet und vor allem kostenlos.

Welches Betriebssystem ist denn nun das Beste?

Linux ist nach wie vor keine wirkliche Alternative zu Windows und MacOS auf dem Desktop, was vor allem seiner hohen Diversität und dem Mangel an Standard-Software geschuldet ist. Große Distributionen wie Ubuntu oder Mint bringen zwar eine gewisse Standardisierung in die Linux-Welt, trotzdem ist Linux nicht gleich Linux – und „das“ Linux schlicht nicht vorhanden. Genau deshalb teilen sich MacOS und Windows den Löwenanteil des Desktop-Betriebssystem-Marktes. Die Wahl zwischen beiden Systemen ist vor allem unter Kostenaspekten und für Spieler keine Raketenwissenschaft. MacOS ist das unflexibelste System im Bunde, punktet aber durch enorme Stabilität und geringen Wartungsaufwand, während Windows eben alles kann – mit allen Vor- und Nachteilen.

Es gibt kein „besseres“ Betriebssystem

Und so haben alle drei Betriebssysteme auf dem Desktop ihre Vor- und Nachteile. Ein „besseres“ System gibt es also nicht. Zumal sich die Grenzen zusehends auflösen: Windows kann mit dem Windows Subsystem für Linux weitestgehend Linux-kompatibel werden und unter MacOS gibt es Tools wie Homebrew, die ebenfalls die Ausführung von Linux-Software erlauben. Unter Linux wiederum lassen sich Windows-Programme mit Wine ausführen, darunter auch manche aktuellen Spiele.

Die Cloud lässt die Grenzen verschwinden

Und dann ist da noch die dicke Wolke, die alles überschattet: Per Cloud-Software im Browser findet Standard-Software ihren Weg auf alle drei Systeme: Wer Microsoft Office nutzen möchte, kann das im Browser auf allen drei Systemen – und eben auch unter Linux – tun. Das gleiche gilt zum Beispiel für Apples iCloud oder Spiele, Stichwort Nvidia GeForce Now oder Google Stadia Dementsprechend schwinden die Grenzen zwischen den drei Systemen auf dem Desktop zusehends: Je mehr Software als Cloud-Anwendung verfügbar ist, desto weniger wichtig ist das Betriebssystem. Denn leistungsfähige, moderne Webbrowser gibt es auf allen drei Systemen und so entscheidet inzwischen vor allem der persönliche Geschmack darüber, welches Betriebssystem für den eigenen Anwendungszweck am besten geeignet ist.

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs. Neuerdings Tochtervater. Spendier‘ mir einen Kaffee.

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2 Kommentare

  1. Obwohl ich mein iPhone und mein iPad sehr mag, finde ich jedoch, dass der Windows PC besser arbeitet als ein Mac.
    Auf meinen Geräten (Mac Book Pro, MacMini, Surface Pro und ein altes Lenovo ThinkCentre m93p) läuft Windows unter dem Strich am flüssigsten an meinem LG 4K UHD (Ultra HD) mit 3840 × 2160 Pixeln.
    Ich habe das Gefühl, Windows 10 ist am schlankesten programmiert, z.B. ist Affinity Pfoto auf dem Windows PC am fixesten bei der Sache.

    Linux habe ich an den Nagel gehängt, Nase voll. Zwar fand ich Fedora ganz gut, aber eine vernünftige Skalierung für den großen Monitor bekommt man nur mit Trick 17 hin und dann läuft es eher zäh.
    Nebenbei werden beim Update von Gnome 3.38 auf 3.40 die Gnome-Shell Erweiterungen erst einmal nicht mehr funktionieren…
    Also:
    iPhone o.k.
    iPad o.k.
    Windows PC o.k.

  2. Schöner Artikel!
    Und genau aus oben genannten Gründen habe ich einen Win-PC zum zocken und ein MacBook Air für die Mobilität.
    Denn das muss man Apple lassen: Ich habe bis dato kein Laptop besessen, auf dem sich schöner schreiben lässt.

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