Fake-News sind in aller Munde – doch was ist mit Bildfälschungen? Bösartig oder schlicht Volksverblödung: Wir zeigen, wie Ihr ein Fake-Bild erkennen könnt.

Das Thema Fake-News steht ganz oben auf der politischen Agenda. Unser Justizminister Maas, oder wie ich ihn nenne: der schöne Heiko, hat sich die Bekämpfung falscher Nachrichten und Hassrede bei Facebook und Co. auf die Fahnen geschrieben. Dass das nicht ganz ohne politischen Eigennutz vonstatten geht: Geschenkt. Schließlich (Sarkasmus) ist Zensur voll OK, wenn sie nur die richtigen trifft (/Sarkasmus). Besser als gesetzliche Maßnahmen ist es sowieso, dass leichtgläubige, allesteilende Überschriftenleservolk zu mehr Netz-Aufmerksamkeit zu erziehen. Was wir heute jetzt mal mit Euch machen wollen: Wir zeigen Euch, wie Ihr im Netz ein Fake-Bild erkennen könnt.

Fake-Bilder sind schnell gemacht

Zunächst ein wenig Theorie: Dank Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, Pixelmator oder dem kostenlosen Gimp sind Fake-Bilder selbst für Laien heute recht einfach herzustellen: Bild öffnen, Situation zurechtschneiden und mit ein bisschen Können dramatisieren oder Inhalte entfernen ist selbst für Anwender mit wenig Erfahrung kein Problem. Der Grad des Könnens zeigt sich später vor allem darin, wie leicht das Fake zu identifizieren ist. Dass diese Art der Bearbeitung inzwischen üblich ist, zeigen nicht nur die Fotos der Modezeitschriften: Auch im normalen Pressebetrieb wird mit Bildausschnitten, Farboptimierungen und Montagen nicht selten so weit dramatisiert, dass sie hart an der Grenze zur Bildmanipulation liegen. Natürlich: Schon immer wurden Bilder manipuliert und gefälscht, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Doch heute geschieht das inflationär: Zahllose frei verfügbare Bilder im Internet, die vergleichsweise einfache Bildbearbeitung und die supersimple Verbreitung in sozialen Netzwerken, die von leichtgläubigen Zeitgenossen noch multipliziert wird, machen es heutzutage aber besonders leicht.

Fake-Bilder

Echt oder falsch? Eigentlich ist das leicht festzustellen…

Grenze zwischen Dokumentation, Dramatisierung und Fake ist oft fließend

Die Grenze zwischen einfacher Bearbeitung und Falschaussage ist dabei oft fließend: Wenn ich zur Dramatisierung das Drumherum eines Motivs entferne, kann das schon einen anderen Eindruck erwecken. So wie etwa beim bekannten Bild des Mädchens Kim Phúc, das der vietnamesische Fotograf Nick Út 1972 aufgenommen hatte: Durch das Wegschneiden werden Informationen unterschlagen, ob im Positiven oder im Negativen sei dem Leser überlassen. Aber die Manipulation setzt oft noch früher an: Im Grunde hätte der Bildausschnitt auch durch ein Teleobjektiv erzielt werden können, allein der Blick des Fotografen und die verwendete Technik stellen, streng genommen, eine Verzerrung der Realität dar: Das Foto zeigt bestenfalls die Realität, die der Fotograf gesehen hat oder sehen wollte – und die seine Kameratechnik in diesem Moment zuließ. Eine typische Reportage-Optik mit 50 Millimetern Brennweite stellt zum Beispiel „nur“ 45 Grad einer theoretischen 360-Grad-Rundumsicht der Situation dar. Sprich: Allein durch die Blickrichtung und die Kamera des Fotografen werden 315 Grad – oder 7/8 der Wirklichkeit – ausgeblendet. Und auch auf der Zeitachse ist ein Foto zwar ein Dokument – aber eben nur das Dokument des Auslösezeitraums: Es sagt nichts über Hintergründe oder Ursachen aus, gibt keine Informationen über das unmittelbare Davor und Danach. Das gleiche Problem haben übrigens auch Bewegtbilder: Auch hier kann der räumliche und zeitliche Ausschnitt manipulative Wirkung haben.

Ein Fake-Bild enthält Falschaussagen

Doch daran sind wir seit langem gewöhnt, zumal die Technik eben bis vor wenigen Jahren nicht mehr hergab. Bis heute nehmen normale Kameras keine Totale der Szene auf, der Fotograf muss sich also auf Teile des Geschehens beschränken. Bei einem Fake-Bild im Netz ist die Vorgehensweise in aller Regel plumper: Die Fälscher nehmen sich ein Foto und setzen es in einen falschen Kontext, umrandet von vielen, vielen Ausrufezeichen. Ein Beispiel ist etwa dieses Foto hier: Es zeigt die Skulptur eines Mensch-Tier-Hybriden der australischen Künstlerin Patricia Piccinini namens „The young family“ und taucht wieder und wieder auf Facebook und anderswo auf. Meist in Posts hysterischer Gentechnik-Gegner und anderer Verschwörungstheoretikern. Ähnliche Beispiele gibt es tausendfach. Kontext-Bildfälschungen wie diese kursieren mit schöner Regelmäßigkeit im Netz und auf Facebook.

Gentechnik-oder-Kunst

Gentechnik oder Kunst? Auch echte Bilder im falschen Kontext wie diese Skulptur sind Fake-Bilder.

Gentechnik oder Kunst?

Eine Bildfälschung im klassischen Sinne ist es nicht, aber ein hervorragendes Beispiel für eine Fake-News. Hier hilft nur eine ordentliche Portion gesunder Menschenverstand und vielleicht eine Google-Inversbildersuche, um das Fake schnell zu entlarven:

  • Wer postet das Bild zu welchem Zweck?
  • Sieht das Dargestellte auch auf den zweiten und dritten Blick wie das aus, was es sein soll?
  • Gibt es Gegenstände im Foto, die auf eine andere Herkunft deuten, etwa: Landestypische Steckdosen, Straßenschilder, Autokennzeichen, zeitgenössische Zeitungen, Computer, Handys usw.?
  • Passt die Qualität des Bildes zur behaupteten Aussage? Etwa: Hochauflösendes Farbfoto eines schon vor 100 Jahren Verstorbenen?
  • Erkennt Ihr vielleicht sogar eine Szene aus einem Film oder einer Serie?
  • Und was sagt eigentlich die Wikipedia darüber?

Fake-Bilder: Auf den ersten Blick nicht erkennbar?

Perfider wird es, wenn Fotos per Photoshop retuschiert wurden. Von der oben erwähnten Verschönerung von Models in Modezeitschriften über Montagen, die die Wirklichkeit verzerren, bis zu manipulierten und montierten Fake-Bildern perfekter Machart geht die Reise. Diese Art der Manipulation ist unterschwellig, aber auch schwerer herzustellen. Denn schon kleine Fehler lassen erfahrene Betrachter skeptisch werden. Hier hilft zumeist eine dicke Portion gesunder Menschenverstand:

  • Fallen die Schatten richtig?
  • Stimmt die Lichtrichtung und -stimmung?
  • Gibt es komische oder unstimmige Proportionen?
  • Ist etwas scharf oder unscharf, obwohl die Perspektive anderes erwarten lässt?
  • Wirken Vorder- und Hintergrund vertauscht?
  • Tauchen Personen und Dinge auf, die zeitlich oder räumlich gar nicht auf einem Bild sein können? Etwa: Jesus neben einem Motorrad?
  • Und nicht zuletzt: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas, wie auf einem Foto zu sehen ist, passieren kann?

Kann ich ein Fake-Bild erkennen?

Der Klassiker in diesem Zusammenhang sind übrigens UFO-Fotos: Ob als fotografierte Küchenlampe, per Photoshop oder mit einer schrottigen Gratis-App, das Ergebnis ist immer dasselbe: Ein Foto, das eine falsche Information wiedergibt und für den Laien auf den ersten Blick nicht zwangsläufig als Fake einzuschätzen ist. So wie dieses hübsche Foto, das ich mit eben jener App gerade gebastelt habe. Könnt Ihr das Fake-Bild erkennen?

Ufo-ueber-koeln-porz

Woohoo, ein UFO über Köln-Porz? Nein: Drei Sekunden Bastelei in einer ausgesprochen schrottigen App.

Das Bild ist jetzt natürlich sehr offensichtlich, aber wie das Beispiel des knibbelnden Imperiums zeigt heißt das heutzutage gar nichts. Es würde mich nicht wundern, wenn dieses Bild (oder das im Teaser) demnächst in diesem oder jenem UFO-Forum auftauchen würde. Das Problem ist: Solange Menschen glauben wollen, glauben sie eben jeden Scheiß, so unwahr (= fake) er sein mag. Hauptsache, es klingt in ihrem Weltbild plausibel, das da wäre: Gentechnik-Konzerne basteln Mensch-Tier-Mischwesen und halten sie in Labors. Ausländer sind immer kriminell. Die Presse lügt. Oder Außerirdische haben nichts besseres zu tun, als Millionen Lichtjahre weit herzufliegen, um sich das nun wirklich nicht so schöne Köln-Porz von oben anzugucken. Die Liste wahnhafter Weltbilder lässt sich natürlich beliebig erweitern.

Fakebilder mit Forensik-Tools entlarven

Um solche Fakebilder zu entlarven braucht es, wie bereits gesagt, nur ein wenig gesunden Menschenverstand. Bei besseren Fake-Fotos ist das dann schwerer: Selbst das geschulte Auge weiß oft nicht, ob das, was gezeigt wird, der Realität entspricht – oder ob das Bild manipuliert wurde. Zum Glück gibt es das Internet: Direkt neben Fakebilder-Jauchegruben wie 4Chan und Facebook gibt es hier nämlich auch praktische Tools, um falsche Bilder zu entlarven. Eines der besten: Forensically. Hier müsst Ihr Euer Bild nur hochladen, um es auf Herz und Nieren auf Manipulationen zu prüfen:

Forensically

Mit Forensically könnt Ihr Bilder genau auf technische Fehler untersuchen, die auf Manipulation hinweisen.

Bildfälschung entlarven

Die Benutzung ist denkbar einfach: Klickt auf „Open File“, um ein Bild, das Ihr für ein Fake haltet, in Forensically zu laden. Nun habt Ihr verschiedene Tools zur Auswahl, um das Bild zu überprüfen. Besonders aufschlussreich und treffsicher bei Montagen ist die Noise-Analysis. Und die funktioniert so: Eine Kamera hat über den gesamten Bildsensor ein gleichbleibendes Hintergrund-Bildrauschen, das sich später auf dem Foto wiederfindet. Das sollte im ganzen Bild identisch sein. Ist das nicht der Fall, wurde hier manipuliert, wie bei meinem UFO-Bild leicht zu erkennen ist. Das Rauschen des UFOs ist ein ganz anderes als das des restlichen Fotos. Die Montage ist entlarvt:

Forensically-Noise

Über das Hintergrundrauschen könnt Ihr ein Fake-Bild erkennen.

Wer teilt was – und warum?

Jenseits aller technischen Maßnahmen solltet Ihr natürlich Eure Leute kennen. In jedem Facebook-„Freundeskreis“ gibt es die drei, vier Deppen, die wirklich jeden Schrott teilen: Reißerische News, falsche Nachrichten, Fake-Bilder – es muss nur brisant genug sein. Auch per WhatsApp werden solche Infos gerne weitergeleitet. Leider ist hier eine präzise Bestimmung, ob ein Bild ein Fake ist, nicht ganz so einfach. Grundsätzlich solltet Ihr aber versuchen, die Quelle des Bildes herauszufinden und zu verifizieren. Ist die Quelle unseriös – und ich rede jetzt nicht von „BILD“-unseriös, sondern so richtig schlimm, sollte sich das leicht ermitteln lassen, etwa über den sonstigen Content der Facebook-Seite oder Website. Auch ein Blick ins Impressum kann helfen. Un zuguterletzt immer und immer wieder der gesunde Menschenverstand: Wer teilt das Bild und welches Ziel will er damit erreichen? Und nicht zuletzt: Kann das Dargestellte überhaupt in dieser Form stattgefunden haben? Jetzt seid Ihr gefragt – und der schöne Heiko kann die Füße still halten.

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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