Den Ägyptern mögen die zehn bekanntesten Plagen auferlegt worden sein, aber auch Computer-Nutzer leiden spätestens seit dem Herr der IT-Neuzeit unter Plagen – Bill Gates hat uns mit seinem First-to-Market-Konzept bis in alle Ewigkeit dazu verdammt, Hard- und Software zu nutzen, die nicht fertig ist, fehleranfällig und oft einfach Mist. Für alle, denen First-to-Market nichts sagt, hier in Ultrakurz: Gates brachte DOS unfertig auf den Markt um Erster zu sein – einmal von den PC-Herstellern adaptiert, wäre es schwieriger gewesen, auf ein besseres System umzustellen, als auf Patches für den fehlerhaften Status quo zu setzen; und wirkliche Konkurrenz blieb so gleich aus. Diese massive Abhängigkeit von einem Hersteller ist auch gleich die erste meiner persönlichen IT-Plagen – neuzeitlicherer Bockmist wie DRM, 14-Jährige, Shop-Frontends, Spyware, unfähige Nutzer und mehr gesellen sich:

Den Ägyptern mögen die zehn bekanntesten Plagen auferlegt worden sein, aber auch Computer-Nutzer leiden spätestens seit dem Herr der IT-Neuzeit unter Plagen – Bill Gates hat uns mit seinem First-to-Market-Konzept bis in alle Ewigkeit dazu verdammt, Hard- und Software zu nutzen, die nicht fertig ist, fehleranfällig und oft einfach Mist. Für alle, denen First-to-Market nichts sagt, hier in Ultrakurz: Gates brachte DOS unfertig auf den Markt um Erster zu sein – einmal von den PC-Herstellern adaptiert, wäre es schwieriger gewesen, auf ein besseres System umzustellen, als auf Patches für den fehlerhaften Status quo zu setzen. Diese massive Abhängigkeit von einem Hersteller ist auch gleich die erste meiner persönlichen IT-Plagen – neuzeitlicherer Bockmist wie DRM, 14-Jährige, Shop-Frontends, Spyware, unfähige Nutzer und mehr gesellen sich:

Plage 1: Abhängigkeit/Proprietarität
Stellt Euch mal vor: Ihr habt ein Auto von Audi und könnt nur noch Audi-Benzin tanken, Audi-eigene Reifen nutzen und müsst Audi-Radio hören. Ihr kauft Dosenlebensmittel im Aldi und könnt diese nur mit einem 200-Euro-Aldi-Dosenöffner öffnen. Und Nike-Schuhe lassen sich ausschließlich mit Nike-Socken tragen und wenn Ihr von Nike auf Puma umsteigen wollt, müsst Ihr auch Eure restliche Kleidung auf Puma umstellen. Und auf Lebensmitteln würde grundsätzlich nicht draufstehen, was drin ist. Klingt nicht gerade nach Paradies, oder?

Würdet Ihr Essen verputzen, ohne zu wissen, was drin ist?

Im Software-Bereich scheinen sich aber viel damit arrangiert zu haben. Proprietäre, also herstellerabhängige, Software ist beispielsweise wie eine Blackbox: Ihr bekommt zwar das Produkt, aber was drin ist oder wie es funktioniert, sagt Euch niemand. Schlimmer: Meist seid Ihr an ebenso proprietäre Dateiformate gebunden, was den Austausch mit anderen erschwert oder unmöglich macht. Und wenn Ihr nach Jahren auf alte Dateien zurückgreifen wollt, benötigt Ihr meist wieder Software des Herstellers – und da Eure alte Version aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf neuen Betriebssystemen läuft, bringt das erneute Kosten mit. Selbst Formate, die viele andere Tools verarbeiten können, etwa Microsoft-Office-Formate wie DOCX oder XLSX, verlangen bisweilen nach teurer Originalsoftware – glaubt ja nicht, eine DOCX-Datei würde bei Dritten in OpenOffice genauso aussehen wie bei Euch! Selbst in anderen Microsoft-Office-Installationen wäre das ein Zufall. DOC und XLS, mit oder ohne X, sind nunmal keine Austauschformate. Wenn es um größere IT-Infrastrukturen geht, ist die Abhängigkeit noch viel problematischer: Das Microsoft-Netzwerk mit Exchange-Server, Outlook-Clients, Office-Installationen, Bitlocker-Verschlüsselung, Sharepoint-Server und etlichen weiteren MS-Produkten lässt sich nicht mal eben umstellen, selbst Einzelteile, die sich als unbrauchbar erwiesen haben, lassen sich kaum tauschen – Ihr seid also dermaßen von dem Anbieter abhängig, dass Ihr Euch auch deren Bedingungen diktieren lassen müsst.

Ihr lebt im Apple-Universum? Iphone, Icloud, Imac, Ipad, Ipod und noch ein wenig Air dazu? Wenn Apple morgen sagt: Alle Nutzer müssen sich für 30 Euro einen Apple-Hut kaufen, sonst lassen sich die Geräte alle nicht mehr verbinden. Kauft Ihr dann den Hut oder steigt Ihr um auf Android-Telefon, Windows-Tablet, DropBox, Lenovo-Laptop und Sansa-MP3-Player? Ja, etwas arg plakativ, aber denkt mal drüber nach.

Der Ausweg: Free Software oder Open Source Software (FLOSS) sagt Euch genau was drin ist, der Code liegt offen – und es gibt genügend willige und fähige Menschen, die für Euch schauen, ob das taugt, Ihr müsst das nicht selbst tun. Außerdem setzen FLOSS-Produkte nahezu immer auf freie Formate und Standards. Leider heißt das nicht immer, dass die Software aus Nutzersicht besser ist – aber vielleicht ist es keine schlechte Idee, zumindest an neuralgischen Stellen zugunsten von Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit auf ein wenig Klickibunti zu verzichten.

So gehört sich das: Zum Programm gibts gleich den Quellcode. So wisst Ihr genau, was drin ist – auch wenn’s in diesem Fall …

Und hier noch der Link zum kostenlosen Browserspiel yarfORk.

2. Klickibunti
Am Anfang war der Text, war die Kommandozeile. Go North! Dann wurden PCs nutzerfreundlich, Fenster und Icons machten die Nutzung wirklich intuitiv. Dann, Mitte/Ende der 90er Jahre, wurden PCs zum Alltagsgegenstand in deutschen Haushalten und Big Player wie Compaq und Packard Bell wollten die Windows-Oberfläche noch einfacher gestalten: Plötzlich gab es keinen „Desktop“ mehr, sondern das Abbild eines wirklichen Schreibtisches. Der Notizblock öffnete auf Klick Notepad, der Kuli Wordpad, der Taschenrechner den Taschenrechner und der Tacker, äh, nun, der öffnete auch irgendwas. Das Konzept starb ganz fix, zuviel Raterei, was was sein soll, zu ungenau, zu langsam, einfach eine Runde zu „einfach“. Also wieder für rund eineinhalb Dekaden zurück zum Old-School-Desktop. Aber dann wurd’s zappendüster:

Oh, bunt. Unity bleibt eine Zumutung.

Nun gut, ich halte nich soooo viel von Unity …

Touch-Oberflächen und Mini-PCs (genannt Smartphone). Hersteller von Software für die Massen der eher unbedarften Nutzer hatten schon immer einen Hang zu Klickibunti, also großen, bunten, übersimplifizierten Benutzeroberflächen, aber dank Touch-Oberflächen hat es doch satirische Züge angenommen. Gutes Beispiel ist Microsofts Modern UI (vorher Metro – clevere Idee Microsoft, wenn man guckt mit wem man sich da anlegt …), ein Meilenstein des digitalen Bockmists. Dieser ganze Kachelquatsch mag für Touch-Geräte zumindest für die anspruchsloseren Nutzer halbwegs nutzbar sein, aber spätestens auf normalen Rechnern ist das nur noch ein Witz. Auf meinem Rechner laufen rund 300 Programme – stellt das mal mit Kacheln dar …

Ja super, Kacheln, wir haben’s ja verstanden. Versteckt doch so viele Funktionen nicht hinter einer GUI für Dreijährige …

Noch schlimmer: Ubuntus Unity hat es tatsächlich geschafft, ein Linux so hinzubekommen, dass man sich Windows als schnellere (!), schlichtere (!) und für echte Arbeit einfach besser geeignete Alternative wünschte. GUIs wie Unity und Modern UI taugen einfach nicht, um viele Programme und Dateien zu nutzen, komplexe Workflows abzuarbeiten, Anpassungen an eigene Bedürfnisse vorzunehmen oder ressourcenschonend zu arbeiten. Und Einsteiger werden mit dem Problem konfrontiert, nicht wirklich in den vorhandenen Funktionen und Programmen stöbern zu können – eine simple, logisch aufgebaute, nachvollziehbare Visualisierung aller Elemente eines Systems ist immer noch die beste Art, Nutzern Übersicht zu verschaffen. Das Startmenü in Windows-Manier, welches auch die meisten Linuxe nutzen, und die gute alte Baumstruktur mögen nicht sooo schick, modern, bunt und mit Kleinkinderpatschehändchen zu bedienen sein, aber von optischem Killefitz abgesehen, sind sie einfach überlegen – und der Eyecandy-Faktor ist für die meisten nur sehr kurzzeitig wirklich interessant.

Klickibunti ist eine Plage, weil das Konzept nur auf Oberflächliches setzt und davon ausgeht, dass Nutzer strunzdumm und vollkommen anspruchslos sind – 30-Zoll-Monitor, 5 große Blinkende Tasten und schon lässt sich die Software noch besoffen bedienen, einfach mit dem Gesicht auf die passende Farbe plumpsen … Eyecandy statt Anspruch, da gibts noch mehr: Imaging-Programme wie TrueImage haben mit Simpel-Oberflächen experimentiert und Partitionierer wie Paragon ebenfalls – die GUIs liefen dann meist unter Namen wie „Express“ oder „Easy“ und waren völlig nutzlos, es sei denn, man wollte einfach nur Standarddateien aus Standardordnern in Standardordner und mit Standardeinstellungen sichern. Wenn man mit sowenig zufrieden ist, muss man sich aber auch keine leistungsfähige Software für 60 Euro kaufen (und dann alle paar Jahre wieder), sondern kann eine x-beliebige kostenlose Imaging-Lösung nutzen – die Basics beherrschen nämlich alle.

Na bitte – so sieht dieselbe Software wie gerade doch schon deutlich besser aus.

3. DRM und Streaming
DRM ist wohl die schlimmste Art von Abhängigkeit, der Ihr Euch aussetzen könnt. Ihr kauft Hörbücher bei Audible? Dann versucht mal, diese auf einem Gerät Eurer Wahl wiederzugeben – es geht mit allerhand, aber längst nicht mit allen Playern oder per App. Audible hat zeitweise beispielsweise den MP3-Player Sansa Clip empfohlen und Neukunden sogar via Content-Gutscheinen quasi geschenkt – toll dachte ich mir, als Langzeit-Clip-Nutzer, testen wir mal Audible. Auf meinem Sansa Clip läuft aber die alternative Firmware RockBox, die dem Player massig neue Funktionen spendiert, von einem Kontextmenü via „langes Drücken“ bis hin zum Schachspiel – aber „natürlich“ funzt Audible schon nicht mehr.

Super Buch, hervorragende Sprecherin, gekauft, meins – leider völlig unbrauchbar für mich, da der DRM-Mist auf meinem Player nicht läuft.

Oder wie sieht es mit gestreamten Filmen aus? Amazon Prime Instant Video beispielsweise hat hier bereits sein Fett weg bekommen, aber nochmal in Kürze: Ihr könnt die Inhalte nur auf einem Amazon-eigenen Gerät (clever, liebes „Logistikunternehmen“), über Apps, die Xbox 360 und noch einige wenige weitere Geräte konsumieren – wenn Ihr Euch mit einem alten Laptop in die Badewanne oder an einen Strand in Venezuela legen wollt, sieht es nicht mehr so gut aus. Außerdem teilt Ihr Streaming-Anbietern natürlich sehr (seeehr) viel über Euch mit, da selbstverständlich getrackt wird, wann Ihr was wie lange guckt, was Ihr skippt, wann die Zeitlupe zum Einsatz kommt und so weiter.

Im Musik-Bereich hat sich DRM weitestgehend erledigt, die Anbieter haben erkannt, dass es schlicht nichts bringt – es verschlechtert einfach nur das Endprodukt und hat zu keiner Zeit wirksam verhindert, dass Kopien gezogen werden. Bei Filmen ist die Erkenntnis leider noch nicht gereift – oder hat es schon mal irgendein „geschützter“ Film nicht auf die gängigen Tauschböresen und Sharing-Server geschafft? DRM benachteiligt ausschließlich ehrliche, technisch unbedarfte Käufer – und lasst Euch nicht verscheissern: Streaming ist kaum etwas anderes, als eine neue Variante von DRM. Erstens ließe sich auch so streamen, dass die Wahl des Clients zum Abspeielen bei Euch liegt. Zweitens begebt Ihr Euch auch hier wieder in eine gewisse Abhängigkeit vom Anbieter. Und drittens wäre eine faire Darbietungsform genau die, die es auch bei Musik gibt, nämlich simple Dateien, mit denen Ihr verfahren könnt, wie Ihr wollt.

Danke, nein. Kein Silverlight bitte.

Habe ich gerade gesagt, Musik-DRM sei durch? Upps, das betrifft wohl nur Offline-DRM, denn mit Streaming gibt es ja wieder digitale Fesseln – warum zum Geier sollte ich mir von einem Musikanbieter wie Spotify vorschreiben lassen, mit welchem Player ich Musik höre? Aber hey, zumindest funktioniert DRM bei Dingen wie Spotify insofern, dass es sich nicht „kopieren“ oder kostenlos illegal nutzen lässt – und Spotify soll ja von irgendwas leben können. Dennoch kann ich nur jedem abraten: So gut das inhaltliche Angebot von Spotify auch sein mag, der Player ist technisch das Letzte, Ihr könnt Musik wieder nur auf wenigen Geräten hören, Ihr müsst Euch mit jeder Änderung von Nutzungsbedingungen und Player-GUI abfinden und wenn Eure Lieblings-Bands mal aus dem Spotify-Portfolio heraus fallen sollten (auch Spotify wird Lizenzen auf Zeit haben), müsst Ihr alles nochmal kaufen. Spotify ist Ersatz für’s Radio, nicht für Eure CD-/MP3-Sammlung!

4. Spyware und NSA
Dass Daten das neue Öl sind, dürfte längst jedem klar sein. Und so verwundert es auch nicht, dass jeder in der Wirtschaft Eure Daten haben will. Auf Webseiten mit kostenlosen Inhalten zahlt Ihr durch das Ansehen/Aufrufen/Einblenden von Werbung, bei kostenlosen Diensten zahlt Ihr mit Anmelde- und Nutzungsdaten. Das wirkliche Übel sind aber die Dinge, die ohne Eure explizite Einwilligung geschehen: Desktop-Software, die „nach Hause funkt“, Toolbars, die on-the-fly mitinstalliert werden, eingeschleuste Malware, Hackerangriffe auf Kundendatenbanken, angezapfte Telefone und natürlich auch alles, was Nachrichtendienste so treiben könnten. Die ständige Gefahr von unfreiwilliger Informationspreisgabe ist definitv ein Fluch der Moderne und insbesondere die immer neuen Nachrichten über NSA-Backdoors, geknackte Protokolle etc. machen vielen Nutzern Sorgen.

Gratis-Tools wie Spybot Search & Destroy halten viele Plagegeister außen vor.

Man sollte hier aber deutlich unterscheiden: Viele Protokolle, Verschlüsselungen, Produkte, Formate oder was auch immer mögen angreifbar, teils sogar direkt manipuliert sein. Aber daraus zu folgern, wie allerhand Kommentarschreiberlinge im Netz das so tun, dass jede Verschlüsselung, jeder Absicherung sinnlos sei, ist gleich doppelter Stuss: Selbst wenn die NSA dies und das knacken kann, bedeutet es doch einen nicht unerheblichen Aufwand – den für Eure persönlichen Daten in der Regel niemand betreiben wird (sofern Ihr nicht aktiv plant, die Welt zum Einsturz zu bringen …). Auch durch kontinuierliche Überwachung von Netzen gesammelte Daten sind zwar ein Unding, im unausgewerteten Zustand aber eher harmlos – und auch hier ist der Aufwand wieder groß. Und mit Verschlüsselungen, sicheren Protokollen und dergleichen schraubt Ihr den Aufwand natürlich nochmal höher.

Und überhaupt: Die eigentliche Bedrohung sind nicht Regierungen und Nachrichtendienste, sondern Kriminelle – und die können garantiert nicht jede Verschlüsselung knacken. Verschlüsseln lohnt sich immer noch!

5. Monopolisten/Oligopolisten
Ja, es ist verlockend, sich einfach dem Mainstream anzuschließen, den Wenigen oder gar Einzigen ihrer jeweiligen Branchen. Zu Facebook gibt es kaum wirklich Alternativen – einfach, weil die reine Nutzermasse bei sozialen Netzwerken das überragende Qualitätsmerkmal ist. Gleiches gilt für Twitter. WhatsApp ist für Otto Normalverbraucher auch nicht mal eben so gleichwertig zu ersetzen – wobei sich hier zumindest ein guter Trend abzeichnet, Telegram und Threema scheinen ja gut anzukommen. Und Google? Nun, wir suchen nicht mehr, wir googlen. Und hier zeigt sich auch die Crux: Es gibt super Alternativen zur Google-Suche, technisch sauber, gute Ergebnisse, kein Tracking.

Wer braucht schon DropBox? OwnCloud bedient sich genauso einfach und bietet auch Multimediaplayer, Nachrichten-Reader und etliches mehr.

Aber es ist eben genau dieses Tracking, die Erfassung von Euren Daten, Eurem Nutzungsverhalten, dass die Google-Ergebnisse besser macht. „Besser“ im Sinne von „das wollte ich sehen, das habe ich erwartet“. Google „weiß“ eben, wo Ihr eine Apotheke sucht, welchen Film Ihr gerne im Kino sehen wollt, welche Seiten Ihr regelmäßig besucht etc. Natürlich passiert es schnell, dass Euch Firmen untergejubelt werden, dass populäre Seiten immer populärer werden weil sie populärer (und nicht besser) werden oder dass Ihr irgendwelche Seiten oder Infos erst auf Seite 20 präsentiert bekommt. Gerade bei komplexen Suchen, etwa im Rahmen von Seminar- oder Diplomarbeiten, Studien oder Fachartikeln, leisten andere Suchmaschinen mindestens genauso gute Arbeit. Bei der Frage nach Handy-Läden mit Produkt XY in maximal drei Kilometern Umkreis ist Google kaum schlagbar – möglicherweise manipulierte Trefferlisten dürften Otto Normalsucher in derlei Fällen herzlich egal sein, schade eigentlich. Und man sollte auch nicht vergessen: Webseiten-Optimierung orientiert sich primär an Google. Eine reine DuckDuckGo-SEO-Agentur? Eher nicht, gell? Aber ich schweife ab.

Das Problem mit Mono- und Oligopolisten: Sie sind die interessantesten Ziele für Datendiebe. Malware ist primär ein Windows-Problem, und das nicht nur wegen technischer Mängel, sondern auch und vor allem, weil alle anderen Desktop-Betriebssysteme als Ziel uninteressant sind und immer schon waren. Es ist also grundsätzlich eine recht gute Idee, die ganz große Anbieter zu meiden – sofern möglich. Beispielsweise ist es kaum ein Problem, OwnCloud statt DropBox zu nutzen. Das zweite Problem ist wieder die Abhängigkeit, hier weniger durch technische als soziale Anbindung. Dieses Problem lässt sich allerdings (noch) nicht wirklich umgehen. Menschen sind vermutlich noch schwieriger zu mobilisieren als Bits.

6. Unfähige Nutzer
Das gibt bestimmt wieder Mecker … Aber nun, es muss sein: Zu den größten Problemen gehören nach wie vor die Nutzer. Seid Ihr schon mal auf einer Kaffeefahrt gewesen und habt Euch, eingeschlossen in einer Provinzturnhalle, eine Heizdecke gekauft? Nein? Ihr haltet Leute, denen das passiert für plemplem? Weiß doch jeder. Haben Aktenzeichen XY, Vorsicht Falle! & Co. ja auch tausendmal drüber berichtet. So dürften die meisten bezüglich Kaffeefahrten denken – beantworten aber arglos unbekannte Mails, geben Ihre echten Daten in jedes dahergelaufene Formularfeld ein, lesen garantiert nicht eine EULA, AGB oder Datenschutzerklärung, versenden vertrauliche Infos per unverschlüsselter Mail, lassen ihr Smartphone kontinuierlich nach offenen WLANs suchen, speichern einfach alles in der Cloud, öffnen unbekannte Dateien, laden Dateien von unseriösen Webseiten herunter und und und.

Einer der größeren Malware-Ausbrüche früherer Windows-Tage hatte seinen Ursprung in einer Datei namens war.exe, die Nutzer per Mail von wem auch immer bekamen und doppelklickten. WAR.EXE – also ehrlich. Vermutlich sind es dieselben Nutzer, die Jahr für Jahr für die immer selben Ranglisten der meistgenutzten Passwörter popularisieren: 123456, Passwort, 1234, treasure, login, schatz – und das ist erst der Anfang. Egal, wie gut ein IT-Sicherheitskonzept ist, wie sicher eine Verschlüsselung oder wie seriös der Anbieter oder die Platform sein mag, gegen solche Nutzer ist kein Kraut gewachsen. Auch für die klassischen Betrugsversuche über Phishing-Mails braucht es neben dem Betrüger meist auch ein williges Opfer – wenn Euch der Prinz von Reichistan sein Erbe überweisen will, um es außer Landes zu schaffen, DANN IST DAS NICHT ECHT!

Und wenn Euch ein vermeintlich behördliches Schreiben im Postfach zur Zahlung der Strafe XY auffordert, sollte der gesunde Menschenverstand auf zumindest zwei Dinge kommen: Zum einen kommen derlei Aufforderungen immer noch per Post, auf Papier, im Briefkasten. Zum anderen steht irgendwo im Mail-Header mit Sicherheit eine URL wie evilcorp.to, dald84hpo2nmd.nz oder was auch immer. Fairerweise muss man sagen, dass Aktenzeichen XY seit Jahrzehnten vor Kaffefahrten, Trickbetrügern und sonstigen Bauernfängern warnt, und immer noch florieren derartige Tätigkeiten. Vor digitalen Neppern wird noch nicht so lang und vor allem nicht so populär gewarnt und im Zweifelsfall ist ein guter Online-Betrug schwerer zu durchschauen, als der Gewinn bei einem Gewinnspiel, bei dem man nie teilgenommen hat. Oder glaubt wirklich wer, in Spanien würden Philanthropen Lottoscheine auf willkürliche Mitmenschen ausstellen, um diese glücklich zu machen? Nun, scheinbar gibt es diesen „wer“ tatsächlich.

Gesperrtes PayPal-Konto? Von wegen: Im Header seht Ihr Absenderadressen, die garantiert nicht von PayPal.com stammen. Und der Link im Text, unten zu sehen, ist auch offensichtlicher Bockmist. Und wenn Ihr keine Lust habt zu gucken, haltet Euch an eine einfache Regel: Man klickt keine Links aus Mails an.

Dennoch: Es gibt einige Dinge, die jeder Nutzer, auch abseits technischer Fähigkeiten, beherzigen sollte – einfache Verhaltensweisen, wie ich sie beispielsweise mal für netzwelt unter dem Motto „Wissen statt Software“ zusammgetragen habe. Wirklich fahrlässige Nutzer (war.exe-Anklicker) wird es jedoch immer geben, sei es aus Unfähigkeit oder Unwillen – und mindestens so lange wird es auch Kriminelle geben, die uns alle nerven.

7. Online-Real-World-Gap
Keine Ahnung ob’s den oder einen ähnlichen Begriff gibt, aber ich denke es trifft’s: Es gibt offenbar durchaus eine große Kluft zwischen On- und Offline-Welt, also thematisch gesehen. Dinge, die online von enormer Brisanz sind, allgegenwärtig und der weitgefassten Netzgemeinde selbstverständlich erscheinen, sind für viele Nicht-Netzgemeindler böhmische Dörfer. Und Nicht-Netzgemeindler gibt es viele! Das sind nicht nur die Internetausdrucker, die wenigen IT-Abstinenzler und vielleicht ein paar ganz alte Senioren, sondern Hunderttausende, die zwar selbstverständlich täglich das Netz nutzen, per WhatsApp oder Telegram chatten, hier und da YouTube-Clips gucken und vor allem vielfältig rumgooglen. All diesen Menschen sind Netz-interne Themen völlig fremd, selbst bei höchster Brisanz:

Ein Freund, ein echter Die-ganze-Tageszeitung-von-A-Z-Leser, der eigentlich über jeden Zipfel der Welt irgendwas korrektes sagen kann, jede Meldung auf dem Schirm hat, Hauptstädte kennt und überhaupt so tickt, wie man es von jemanden erwarten kann, der schon als Kind freiwillig täglich den Politikteil liest, konnte auf Nachfrage mit dem Herrn Unge und seinem Hadern mit seinem Youtube-Netzwerk so gar nichts anfangen. Und auch nichts damit, dass Youtuber mittlerweile ein Beruf ist. Youtube-Subkultur? Nie gehört? Und meinem 20-Jährigen Neffe samt Freundin sagte das ebenso wenig. Nur mal so als Beispiel.

Immerhin rund halb so viele Abonnenten, wie die Bild Exemplare verkauft – dennoch sind derlei Web-Phänomene vielen völlig unbekannt.

Aber auch bei Themen, die eher offline-basiert sind, sieht die Online-Welt völlig anders aus, wenn man versucht Stimmungen einzufangen: Verfolgt man Kommentare auf Newsportalen, egal ob ARD oder SPON oder sonstwas, könnte man meinen, die peinlichen PEGIDA-Xenophoben hätten tatsächlich breite Unterstützung. Teils hatten PEGIDA-bezogene Artikel Dutzende und mehr Kommentare, die (fast) alle pro Fremdenfeindlichkeit waren – was wohl daran liegen dürfte, dass Radikalinskis und Verschwörungstheoretiker ein höheres Sendungsbewusstsein haben dürften als verstandesmäßig talentiertere Exemplare derselben Spezies. Ein Beispiel mit Fürchtefaktor gibts bei der Tagesschau. Oder es liegt doch am Alter, da macht Krawall doch Spaß – die Theorie mit den 14-Jährigen wurde ja bereits plattgetreten.

Warum es eine Plage ist? Offline-Dinge sind online oft völlig verquer repräsentiert und Online-Dinge sind mit Menschen, die IT und Web nicht hobby- oder berufsmäßig sehen, sondern lediglich als Werkzeuge nutzen, kaum zu bereden – schade. Übrigens: Im Videotext lässt sich das Phänomen auch beobachten, bei diesen spannenden Umfragen, für die die Teilnehmer sogar Gebühren zahlen. Menschen, die (insbesondere) tagsüber viel Privatfernsehen gucken, scheinen etwa unglaublich gerne AfD und Die Linke zu wählen, wollen lieber weniger als mehr Ausländer, lieber mehr Hart-IV/Kindergeld/Wohngeld, gerne ein bedinungsloses Grundeinkommen, Rente lieber früher als später, Griechenland lieber raus aus dem Euro … Im Grunde also ein Haufen erzkonservativer Eigentlich-CSU-Wähler, die aber viele linke/sozialistische Ideen gutheißen und vorzugsweise Die Linke an der Macht sähen, wahlweise seit einiger Zeit die AfD.

OK, alles klar, Videotextnutzer sind total repräsentativ.

Bei den Wahlumfragen lässt sich natürlich wunderbar mit der Realität vergleichen und natürlich dürften weder Linke noch Afd so schnell auf 80, 90 Prozent der Stimmen kommen dürften – im Videotext sehr wohl, und das oft mit mehreren Tausend Teilnehmern, die auch noch dafür bezahlen, ihre Meinung dort einfließen zu lassen. Ich meine, mal ehrlich: Welchen Effekt hätte es wohl, wenn jemand der gerade geshitstormt wird, das schlicht ignoriert und Twitter ein paar Tage abschaltet? So lange es kein Unternehmen ist, das primär vom Image lebt (etwa börsennotierte Projekte), passiert vermutlich nichts. Jedenfalls offline, ist doch auch beruhigend.

8. Shop-Frontends
Sie sind eine echte Plage – und sie tarnen sich als nützliche Programme und Geräte. Aber lasst Euch nicht verschaukeln: Itunes ist ein Shop-Frontend. Amazon Fire TV? Shop-Frontend! Itunes war wohl der erste Vertreter dieser Plage. Da wurde uns zum Launch ein Mediaplayer vorgestellt, zum Verwalten und Abspielen der eigenen Musiksammlung. Ganz schnell wurde aber klar, dass weniger eine putzige kleine Shop-Abkürzung in einen Mediaplayer gebaut wurde, sondern ein damals noch sehr armseliger Mediaplayer in einen Einkaufswagen. Freilich zwingt Euch niemand, Amazons Fire TV zum Shoppen zu nutzen, aber seht’s mal so:

Ihr guckt Eure Lieblingsserie über Fire TV mit Kodi und wollt am Ende Eurer gekauften DVD-Staffel noch weiter gucken – entweder Ihr besorgt Euch irgendwo die DVDs oder schaut, ob Ihr einen passenden Streaming-Anbieter findet, oder Ihr klickt einmal auf den Kauf-Mich-Button von Amazon. Welche Lösung wirds wohl sein? Günstig, komfortabel und sofort da – da kann man Amazon selten was vorwerfen. Aber Ihr seid eben doch wieder in eine Abhängigkeit gerutscht – nicht durch Zwang, aber durch Bequemlichkeit.

Wow, ich bin schon ganz fickerig; endlich, endlich darf ich bald Musik, Fernsehsendungen, Filme und mehr aus dem iTunes Store laden. Da freut man sich doch wie ein Schneekönig. Ich feier auch jedesmal, wenn ich im Supermarkt den Einkaufswagen hole.

Selbst viele Spiele darf man heute getrost als Shop-Frontend bezeichnen, das Zauberwort heißt Freemium oder Free to Play. Es gab schon vorher reichlich Begriffe für „musst Du nix für latzen“ – wenn jemand neue Wörter wie Freemium oder Free to Play erfindet, die sich klar an Freeware oder Free Software oder einfach nur den üblichen Gebrauch von Free anlehnen, dürft Ihr getrost davon ausgehen, dass Euch jemand bescheissen will. Sonst könnte er auch einfach sagen: Hier, für lau. Gratis. Kostenlos. Freeware. Nicht falsch verstehen: Fans von Spielen die Möglichkeit zu geben, ein Spiel nachträglich aufzuwerten oder neue Levels als DLC kaufen zu können, ist eine schöne Sache. Ich habe mich sehr gefreut, als ich für das unglaublich gute Skate 3 ein paar neue Levels erstehen konnte. Ein Spiel aber so aufzubauen, dass es ohne In-Game-Käufe kaum spiel- geschweige denn gewinnbar ist – Pfui, pfui, pfui. Wieso denn bloss?

9. Werbung vs. Blocker
Diese Plage ist vor allem ein Dilemma. Gute Menschen argumentieren: Werbung ist böse, Werbeblocker blockieren Werbung und befreien den Nutzer, Werbeblocker sind gut. Ebenso gute Menschen argumentieren weiter: Inhalte auf Seiten mit Werbung sind kostenlos, Nutzer bezahlen die Autoren durch den Aufruf/das Anklicken von Bannern – akzeptabler Aufwand, der Blogs finanzieren kann, Werbeblocker sind böse. Ich persönlich bin da zwiegespalten.

Ihr könnt uns gerne auch Maseratis per DHL zukommen lassen, aber wir freuen uns auch über Whitelist-Einträge.

Natürlich benutze ich Firefox seit Jahren nicht ohne Werbeblocker, aber seit drei, vier Jahren sehe ich auch zu, diesen bei unabhängigen Seiten zu deaktivieren – sofern der Anbieter es nicht übertreibt mit der Werbung. Und solange er auf die lästige Art der Werbung verzichtet, etwa Pop-ups oder unaufgefordert abgespielte Medien. Tatsache ist, Seiten wie Tutonaut.de sind darauf angewiesen, dass Geld über Werbung rein kommt – wenn sie irgendwann auch mal als Einkommensquelle betrieben werden können sollen. Irgendwann erreichen Blogs und Portale sicherlich eine Größenordnung, da Kooperationen, Spenden, bezahlte Gastbeiträge, Advertorials oder sonstige Geschäftsmodelle fruchten, aber die Basisarbeit, gerade in der Anfangangszeit, leisten nunmal Werbeeinnahmen. Wenn Ihr also Werbeblocker nutzt, seit so nett und aktiviert Ausnahmen für Seiten, die Euch gefallen und die Ihr unterstützen wollt – beim Adblock-Plus-Plug-in im Firefox ist das mit zwei Klicks erledigt:

10. Detail-Mist für die Ewigkeit
Habt Ihr schon mal die Pfad-Variable unter Windows angepasst? Der Dialog ist doch wohl ein Witz! Laufwerke einbinden unter Linux? Arrrrrrrrgh! Und Grmblfx# hinterher. Und warum zeigt Windows nicht die Größe von Ordnern an? Warum hat die Zwischenablage nur einen Speicherplatz? Warum wird der verdammte USB-Stick mal erkannt, mal nicht? Es gibt soooo viele technische Fails, die sich festgefressen haben, wahre Champions des digitalen Durchfalls: Von Features, die nie hätten existieren dürfen (On-Mouse-Over-Menüs in der Taskleiste) über Features, die aus unerfindlichen Gründen nie existierten (einheitliche Umbrüche) bis hin zu unaussprechlichen Bit-Verbrechen wir einem freien Betriebssystem, in das man sich den Admin-Zugriff erst erhacken muss (Android). Ach wisst Ihr was, die Plage des technischen Details ist zu groß für hier, das schreit nach einem weiteren Artikel: 30 Griffe ins digitale Klo – Bugs und Unsinns-Features (online ab 10.1.).

Der ganze untere Text residiert in der kleinen Textzeile oben im Path-Fenster – das nicht vergrößert werden kann. Wer denkt sich nur so einen Scheiss aus?

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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Kommentare

  • Fein geschrieben, Kollege, auch wenn ich nicht jedes Shop-Frontend für böse halte (ich meine, aus irgendeinem „Shop“ kommen deine Dateien ja schließlich auch 😉 )

    Meine elfte Plage wären auf jeden Fall die Ländersperren, die aus dem so genannten „World Wide Web“ ne eingezäunte Schrebergartenlandschaft machen…

    • Sagen wir mal so, ein Shop-Frontend wie http://www.amazon.de ist völlig in Ordnung – das gibt ja zu, eines zu sein. Wenn mir aber jemand den Einkaufswagen vom Rewe als das geile neue City-Car andrehen will, werde ich stinkig. Shop-Frontends sind immer dann nicht OK, wenn sie behaupten, etwas anderes zu sein – und ich vermute, Fire TV sieht sich als HTPC und Itunes behauptete allen Ernstes, ein Mediamanager zu sein. Man benenne Itunes um in Ishopper und bewerbe es mit „Der neue Apple-Warenkorb – jetzt mit Abspielfunktion“, dann gebe ich Ruhe. Und Fire TV? Prime über zwei Jahre abschließen und als Komfort-Einkaufswagen ein Fire TV gratis dazu – DAS wäre doch mal eine faire Aktion. Kundenbindung, statt Kundenabzocke.

      Und ja, Ländersperren sind auch eine Plage – da ich mich vom Streaming-Käse fern halte allerdings nicht für mich persönlich, erfreulicherweise.