
Kleine Zeitreise in die 90er: Es kam ein Produkt in die Musikabteilung meines Saturns, das ein wenig Verwunderung hervorrief - eine Haushaltshintergrundgeräusche-CD. Gedacht für Männer, die die Geräuschkulisse ihrer Frauen vermissten - Staubsaugen, Geschirrklappern ... was die angestaubte Fantasie damals so hergab. 30 Jahre später: Dasselbe Konzept, aber irgendwie cool und für Menschen an ihren Laptops gedacht :)
Okay, Ihr seid wegen des Worts Welpensozialisation hier, schon klar - ein wenig Geduld. Die CD aus den 90ern war im Grunde gegen Stille gedacht. Und wenn man sich vorstellt, nach 50 Jahren plötzlich verwitwe(r)t zu sein und allein im stillen Haus zu sitzen ... Vielleicht war die CD weniger albern, als es auf den ersten Blick scheint.
Zurück ins Heute: Schon häufiger habe ich die schöne Open-Source-App Noice empfohlen, zum Beispiel für den Kampf gegen Baulärm. Darüber lassen sich diverse Geräusche von Dingen wie Regen, Wellen, Wind, Bäumen, Eisenbahnen und so weiter zu einer Sound-Kulisse zusammenstellen. Oder man nutzt ein fertiges Szenario wie Kaffeehaus oder Büro. Das ist zum Beispiel gut gegen Tinnitus, hilft bei der Sehnsucht nach einem Großraumbüro, beim Einschlafen, Entspannen.
Ähnlich, aber etwas simpler und direkt im Browser: A Soft Murmur stellt Euch 15 Sounds zur Verfügung, die sich beliebig mixen lassen.
Aber es geht auch aufwändiger, moderner und spezieller (aka esoterischer): Auf myNoise gibt es fertige Ambient-Sounds wie "ADHD", das ADHS-Symptome beruhigen soll. Oder "Brain Hacking", um - das zitiere ich mal lieber:
Auditorische Reize, die das Gehirn stimulieren und gewünschte mentale Zustände hervorrufen sollen ...
Das Reizwort dahinter: Binaurale Beats. Über diesen gruseligen Irrsinn habe ich schon vor 12 Jahren einen kurzen Beitrag hinterlassen, samt Video mit nicht weniger gruseligem Intro ;) Auf myNoise gibt es aber wirklich gute Geräuschkulissen, beispielsweise von Wäldern oder Cafes.
Gerade in Kombination mit Noice-Cancelling-Kopfhörern sind derlei Hintergrundgeräusche bisweilen wirklich nett. Denkt an eine längere Bahnfahrt: Die echten Menschen werden ausgeblendet, ein Wald mit Tiergeräuschen wird eingeblendet - ist vielleicht angenehmer. Noice liefert auch eine Simulation einer Zufahrt. Vielleicht für fatalistische Eskapisten?
Egal, probiert es mal, ich schätze, man mag es, oder eben nicht.
Welpensozialisation
Es gibt aber auch dasselbe Konzept nur verkehrt: Welpensozialisation mit der Sounds Therapy 4 Pets. Dabei handelt es sich um beispielsweise "Scary"-Geräusche, etwa Feuerwerk. Dazu gehört eine ausführliche Anleitung, wie diese Geräuschtherapie anzuwenden ist.
Entwickelt wurde das Ganze von Dr. Sarah Heath und Dr. Jon Bowen, britischen Tiermedizinern. Und auch die Organisation Dogs Trust setzt bei der Betreuung von Hunden auf dieses Sounds - die Ihr auf der Webseite übrigens samt Anleitung auch kostenlos abrufen könnt (via SoundCloud).
Wenn man bedenkt, dass Hunde ihre Herr- und Frauchen zu Sylvester mittlerweile zu Flughäfen schleppen ...
Was ich selbst sagen kann: Mit Noice + ANC-Kopfhörer habe ich bisweilen erfolgreich gegen Sanierungslärm ankämpfen und weiterschlafen können. Desensibilisierung scheint bei mir nicht zu funktionieren, Schlager schallt mir seit Jahrzehnten um die Ohren, in Kneipen, auf Märkten, in Geschäften, überall - und es macht mich immer noch wahnsinnig.
Da fällt mir ein, was ich aus eigener Erfahrung wirklich empfehlen kann und nicht mehr missen will:
Einstiegsbild: JackieLou DL from Pixabay






