Über einen SQL-Server könnt Ihr eine Bibliothek für mehrere Kodi-Installationen nutzen. Das spart Zeit und ist gar nicht so schwierig, wie es klingt.

Die Kodi-Bibliothek einzurichten ist ziemlich simpel – wenn Ihr aber mehrere Kodi-Installationen im Netzwerk betreibt, ist es lästig, dies für jede Instanz durchzuführen. Zumal Ihr später auch ständig alle einzeln aktualisieren müsst. Kodi kann statt der lokalen Bibliothek aber auch eine zentrale, gemeinsame SQL-Datenbank nutzen, die beispielsweise auf einem Raspberry Pi oder einer NAS läuft. Wir zeigen die Einrichtung zweier Kodis mit gemeinsamer Bibliothek Schritt für Schritt.

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Voraussetzungen

Zunächst benötigt Ihr einen Datenbankserver und das Verwaltungsprogramm phpMyAdmin – oder ähnliches. Für unser Beispiel nutzen wir eine QNAP 215+, aber mit anderen NASen geht es natürlich genauso. Alternativ könnt Ihr auch einen MySQL- oder MariaDB-Server auf einem normalen Rechner oder einem Raspi aufsetzen – allerdings sollte der Rechner auch wirklich immer laufen. Ganz wichtig: Kodi erstellt selbständig die eigentliche Datenbank, deren Name von der Kodi-Version abhängt. Daher müssen alle Kodi-Versionen im Netz identisch sein! Ansonsten erstellt jede Version eine eigene Datenbank.

Der Einfachheit halber setzen wir eine komplett neue Bibliothek auf, Ihr könnt aber auch bestehende lokale Datenbanken exportieren und im neuen Setup importieren. Das lohnt sich tendenziell aber nur dann, wenn Ihr viel Handarbeit in die Bibliothek gesteckt habt. Unser Setup: QNAP 215+ als Datenbankserver und Medienspeicher, Windows-Rechner für das „erste“ Kodi und eine virtuelle Maschine mit Linux Mint für die zweite Kodi-Installation.

1. Datenbankserver starten

Sucht auf Eurer NAS nach dem Datenbankdienst, bei QNAP zum Beispiel Unter Systemsteuerung/Anwendungen, und aktiviert den Server, hier MariaDB. Erfeulicherweise weist Euch QNAP direkt darauf hin, dass Ihr phpMyAdmin installieren könnt.

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SQL-Server aktivieren.

Wenn Ihr den Server manuell installieren müsst, findet Ihr hier Anleitungen für Ubuntu, Mac OS X, Windows und weitere Systeme.

2. phpMyAdmin starten und Datenbanknutzer einrichten

Installiert phpMyAdmin und startet es über die QNAP-Oberfläche. Falls Euch nach der Installation kein Start-Button angeboten wird, findet Ihr das Tool meist im Browser unter ip-des-rechners/phpMyAdmin/. Die Standardanmeldedaten hängen vom Gerät ab, bei QNAP meldet Ihr Euch als Nutzer „root“ mit Passwort „admin“ an.

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Welches Datenbankverwaltungswerkzeug Ihr nehmt ist egal, aber phpMyAdmin ist am weitesten verbreitet und sehr einfach zu nutzen.

Klickt auf „Benutzerkonten“ und legt einen Nutzer „kodi“ mit Passwort „kodi“ an und gewährt ihm globale Rechte.

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Der Nutzer kann natürlich auch anders heißen – muss dann aber entsprechend in der Kodi-Config auftauchen.

3. Datenbank für beide Kodis aktivieren

Jetzt kommt der eigentliche Kniff: Damit Kodi manueller statt Standardeinstellungen nutzt, könnt Ihr für etliche Gelegenheiten die Datei „advancedsettings.xml“ nutzen, die Ihr im Kodi-Nutzerordner findet. Unter Windows: C:\Users\NUTZERNAME\AppData\Roaming\Kodi\userdata. Unter Linux: /home/NUTZERNAME/.kodi/userdata. Fügt folgenden Code ein:

<advancedsettings>
    <videodatabase>
        <type>mysql</type>
        <host>###.###.###.###</host>
        <port>3306</port>
        <user>kodi</user>
        <pass>kodi</pass>
    </videodatabase> 
    <videolibrary>
        <importwatchedstate>true</importwatchedstate>
        <importresumepoint>true</importresumepoint>
    </videolibrary>
</advancedsettings>

Die umschließenden advancedsettings-Tags sollten bereits vorhanden sein – fügt den Rest entsprechend dazwischen ein. In die host-Tags müsst Ihr statt ###.###.###.### natürlich die IP-Adresse des Datenbankservers eintragen. Speichert die Datei anschließend.

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Hier gehört der angelegte Datenbanknutzer hinein – und natürlich Eure eigene IP-Adresse.

4. Kodi starten und Datenbank kontrollieren

Startet nun ein Kodi und aktualisiert die phpMyAdmin-Ansicht – hier sollte nun eine neue Datenbank erscheinen. Kodi 16.1 erzeugt hier die MyVideos99-Datenbank, bei einer Kodi-17-Beta heißt sie MyVideos107 – genau darum müsst Ihr auf die Versionen achten.

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Datenbank da? Hälfte geschafft.

5. Medienquellen hinzufügen

Kodi ist mit einer leeren Datenbank gestartet, also müsst Ihr jetzt wieder die Quellen einlesen, wie wir es hier gezeigt haben. Allerdings müsst Ihr darauf achten, ausschließlich Netzwerkfreigaben als Quellordner zu nutzen – nicht die lokal eingebundenen Laufwerke, also beispielsweise smb://QNAP-251P/Serien und nicht X:\Serien. Ihr findet beim Suchen in Kodi sowieso beide Varianten, also immer schön dem SMB- oder auch NFS-Pfad folgen.

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Als Quellen müsst Ihr Netzwerkfreigaben verwenden.

Dann müsst Ihr wie gehabt noch den Inhaltstyp bestimmen, damit Serien- oder Filminformationen aus den Online-Datenbanken abgeholt werden können. Nachdem das Update der Bibliothek durchgelaufen ist, solltet Ihr die Titel in Kodi sehen.
Mehr zum Scrapern findet Ihr hier.

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Ob Serien oder Filme müsst Ihr manuell festlegen.

6. Datenbank erneut prüfen

Aktualisiert nochmal die phpMyAdmin-Ansicht. Die Datenbank sollte jetzt gefüllt sein. Klickt dazu einfach auf eine der Tabellen, beispielsweise „tvshow“ – sind die einzelnen Dateien/Folgen hier aufgeführt, läuft alles perfekt.

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Die gemeinsame Kodi-Bibliothek als rohe Datenbankansicht.

7. Bibliothek im zweiten Kodi prüfen

Öffnet jetzt die zweite Kodi-Installation und schaut, ob die Bibliothek nun auch dort verfügbar ist. Falls nicht, kontrolliert, ob in phpMyAdmin vielleicht noch eine zweite Datenbank mit leicht anderem Namen aufgetaucht ist. Falls ja, kontrolliert die Kodi-Versionsnummern, zu finden im Hauptmenü unter System/System-Informationen.

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Das Ergebnis: Zwei Kodis auf zwei Rechnern – eine gemeinsame Bibliotheksdatenbank.

8. Troubleshooting

Wenn Es wird keine Datenbank angelegt? Das liegt aller Wahrscheinlichkeit nach an falsch gesetzten Rechten. Vergewissert Euch, dass der phpMyAdmin-Nutzer globale Rechte hat und genau die Login-Daten verwendet, die Ihr in der advancedsettings.xml-Datei eingetragen habt.

Die Datenbank bleibt leer? Aus unerfindlichen Gründen will unser Windows-Kodi nicht scrapern und in die Datenbank schreiben. Dann habt Ihr zwei Möglichkeiten: Entweder Ihr macht Euch auf unter Umständen ausufernde Fehlersuche oder Ihr folgt unserem Beispiel und nutzt einfach eine der anderen Kodi-Installationen – das Kodi unter Mint fügt anstandslos Daten zur Datenbank hinzu und diese tauchen dann auch im Windows-Kodi auf.

Datenbankserver und Kodi laufen gemeinsam auf einem Rechner? Wenn dieser Rechner nicht ständig läuft, kann es bei Neustarts zu Problemen kommen, insbesondere im WLAN-Betrieb: Wenn Kodi startet, bevor das Netzwerk etabliert wird, verbindet es sich nicht mit der Datenbank. Sofern Ihr ein spezielles „Kodi-Betriebssystem“ wie Xbian oder OpenElec für Raspberry Pis oder ähnliche Konzepte für andere Hardware verwendet, findet Ihr häufig zusätzliche System-Einstellungen in Kodi, um Kodi auf das Netzwerk warten zu lassen.

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Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule …

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn – als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und „Hundedinger“ steht – und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, Ex-BSI’ler, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 26 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch …

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