Ihr könnt das Darknet am Mac auch bequem ohne den Tor-Browser mit jeder App nutzen. Alles, was Ihr dazu braucht, ist ein wenig Einrichtungsarbeit.

Das Onion-Netzwerk, Tor, Darknet… all das sind feine Dinge, wenn es darum geht, anonym im Web zu surfen, an gesperrte Inhalte zu kommen und Datenverkehr zu verschleiern. Allerdings gibt es hier ein Problem: Eigentlich kann man das Darknet am Mac nicht ohne den Tor-Browser – einen modifizierten Firefox – nutzen. Der hat dummerweise alle Nachteile, die jeder Firefox hat, darunter einen exorbitanten Stromverbrauch. Von daher bietet sich an, das Onion-Netzwerk mit Safari oder Webkit zu nutzen. Das klappt natürlich auch mit jedem anderen Programm. Wir zeigen Euch, wie es geht.

1. Homebrew-Paketmanager installieren

Zunächst müsst Ihr den Homebrew-Paketmanager installieren. Der macht Euer MacOS-Basissystem etwas „unixiger“, sprich: Ihr könnt mit Homebrew auf Eurem Mac ähnlich wie unter Linux Software und Funktionen schnell nachrüsten. Die Installation ist denkbar einfach:

  • Öffnet ein Terminal-Fenster. Das Terminal findet Ihr im Dienstprogramme-Ordner unter „Programme“.
  • Kopiert folgenden String in das Terminal:
    /usr/bin/ruby -e "$(curl -fsSL https://raw.githubusercontent.com/Homebrew/install/master/install)"
  • Bestätigt anschließend mit der Eingabetaste und gebt danach Euer Admin-Passwort ein.
  • Homebrew wird jetzt auf Eurem Mac installiert. Um es gegebenenfalls eines Tages wieder zu deinstallieren, findet Ihr in den Homebrew-FAQs ein Skript, das Ihr im Terminal ausführen müsst.

Die Installation kann eine Weile dauern. Anschließend ist Homebrew installiert und Ihr könnt mit dem eigentlichen Setup von Tor beginnen. Keine Sorge: Homebrew war der schlimmste Part 😉

Das Homebrew-Setup war der schwerste Teil.

Das Homebrew-Setup war der schwerste Teil.

2. Tor auf dem Mac installieren

Nun, da Euer Mac dank Homebrew Software ganz einfach per Terminal installieren kann, geht es an den nächsten Schritt. Ihr müsst Tor mit Homebrew installieren. Das ist ein echtes Kinderspiel: Gebt einfach
brew install tor
im Terminal-Fenster ein und bestätigt mit der Eingabetaste. Zack, Tor wird binnen weniger Sekunden auf Eurem Mac installiert.

Mit Homebrew ist die Tor-Installation ohne Tor-Browser am Mac ein Kinderspiel.

Mit Homebrew ist die Tor-Installation ohne Tor-Browser am Mac ein Kinderspiel.

3. Die Anonymisierung mit Tor starten

Nun müsst Ihr den Tor-Prozess nur noch starten: Gebt dazu im Terminal einfach
tor
ein.
Jetzt läuft das Tor/Onion-Netzwerk als Socks-Proxy im Hintergrund Eures Mac-Systems auf der Adresse localhost:9050. Andere Programme müssen nur noch darauf zugreifen.

4. Den Mac für die Nutzung von Tor einrichten

Allerdings ist noch keine App für den Einsatz von Tor eingerichtet. Das müsst Ihr jetzt noch machen. Auf dem Mac ist das einfach: Ihr könnt einfach MacOS anweisen, alle Programme über den SOCKS-Proxy weiterzuleiten. Dazu besitzt MacOS eine praktische Funktion in den Systemeinstellungen:

  • Öffnet zunächst die Systemeinstellungen von MacOS und klickt hier auf „Netzwerk“.
  • Klickt auf das Menü neben „Umgebung“ und wählt „Umgebungen bearbeiten“.
  • Fügt eine neue Netzwerkumgebung hinzu, etwa „Darknet“. Klickt danach auf „Fertig“.
    Per Systemeinstellungen leitet Ihr Apps schnell um.

    Per Systemeinstellungen leitet Ihr Apps schnell um.

  • Wählt die neue Umgebung „Darknet“ aus und klickt auf „Anwenden“.
  • Wählt Euren WLAN-Anschluss aus und klickt auf „Weitere Optionen“.
  • Wählt das Tab „Proxies“ und hakt hier „SOCKS-Proxy“ an.
  • Gebt im folgenden Eingabefeld bei „SOCKS-Proxy-Server“ „localhost:9050“ ein. Bestätigt mit „OK“ und „Anwenden“.
    Mit der neuen Umgebung legt Ihr sämtlichen Datenverkehr auf's Darknet um.

    Mit der neuen Umgebung legt Ihr sämtlichen Datenverkehr am Mac auf’s Darknet um.

Ihr befindet Euch jetzt in der neuen Umgebung und Euer Mac nimmt per Onion-Netzwerk Verbindung mit dem Internet auf. Prüfen könnt Ihr das, indem Ihr die Website https://check.torproject.org/ aufruft. Gratuliert Euch diese zum Tor-Netzwerk, hat alles geklappt. Ihr müsst nichts weiter tun: Sämtliche Apps, die Ihr benutzt, verwenden jetzt das Tor-Netzwerk!

Wird diese Meldung angezeigt, hat alles geklappt: Der Mac ist im Tor-Netzwerk unterwegs.

Wird diese Meldung angezeigt, hat alles geklappt: Der Mac ist im Tor-Netzwerk unterwegs.

Wie geht es weiter?

Das Tor/Onion-Netzwerk hat einen großen Nachteil: Es ist ausgesprochen langsam. Ihr solltet die Funktion also nur verwenden, wenn Ihr wirklich sicher sein wollt, dass Eure IP-Adresse verschleiert wird. Außerdem solltet Ihr zusätzlich einen Browser (und Programme) verwenden, in denen Ihr keinerlei Personalisierung vorgenommen habt (etwa: Facebook-Anmeldung). Sobald Ihr das Terminal-Fenster mit Tor schließt oder den Mac neu startet, wird auch der Tor-Prozess beendet. Alternativ könnt Ihr auch im Terminal die Tasten (Strg)+(C) drücken. Anschließend funktionieren Netzwerkverbindungen mit dem SOCKS-Proxy in der „Darknet“-Umgebung zwar noch, sind aber unnötig langsam. Stattdessen solltet Ihr die Netzwerkumgebung schnell umschalten, das geht ganz bequem über die Menüzeile.

Per Menüzeile könnt Ihr bequem zwischen den Netzwerkumgebungen umschalten.

Per Menüzeile könnt Ihr bequem zwischen den Netzwerkumgebungen umschalten.

Schneller Tor-Einsatz auf dem Mac

Jetzt, wo alles eingerichtet ist, könnt Ihr Euch zurücklehnen: In der Umgebung „Automatisch“ bzw. Eurer normalen Netzwerkumgebung, arbeitet Euer Mac ganz normal. Um das Darknet zum Beispiel nach einem Neustart wieder zu nutzen, sind nur drei Schritte nötig:

  1. Terminal öffnen und „tor“ eingeben. Mit Eingabetaste bestätigen.
  2. Netzwerkumgebung auf „Darknet“ stellen.
  3. Auf https://check.torproject.org/ prüfen, ob Ihr wirklich per Darknet unterwegs seid.

Anschließens seid Ihr mit dem Mac anonym im Netz. Wir wünschen viel Spaß beim anonymen Surfen!

(via kremalicious)

Über den Autor

Christian Rentrop

Technikjournalist und Schreiberling aus Überzeugung. Schon als Zweitklässler 1986 mit dem Amstrad CPC angefixt, habe ich mich immer für Computer und Technik interessiert und finde: Computer sind nichts, wovor man Angst haben sollte.

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